#DigitaleRegion – was ist zu tun?

Am Ende gibt es einen Fragebogen zum Thema Wirtschaft und Arbeit – bitte mitmachen: 

Die 11. Initiative des CoLab Internet und Gesellschaft und der Verein „Unternehmen für die Region“ haben die #digitaleRegion in den Fokus genommen. „Aus dem Land – für das Land“.

Von April bis Oktober 2016 kommen ExpertInnen aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sowie Regionalvertreter zusammen: In einer klassischen Think-Tank-Art auf Grundlage ihrer Expertise  diskutieren und erörtern sie die aktuellen Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für den außerstädtischen Raum interdisziplinär. Ich arbeite für die Bertelsmann Stiftung in dem Gremium mit.

Auf dem Weg #digitaleRegion

Auf dem Weg #digitaleRegion

Ein Aspekt aus der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Arbeit ist dabei: Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die klein- und mittelständischen Unternehmen als integraler Bestandteil einer vitalen Kommune. „Darüber hinaus geht es um die gesamtgesellschaftlichen Chancen einer Revitalisierung von Regionen durch die Etablierung regionaler Verbünde, die sich im Sinne von Verantwortungspartnerschaften für den digitalen Wandel in ihrer Region einsetzen.“ So steht es auf der Website des CoLab.

Diese Impulse sind nicht unerheblich auch für die Region OWL (Ostwestfalen-Lippe). Wir basteln als Arbeitsgruppe des Colab gerade an einer Kurzstudie, die wir aufsetzen wollen.

Dazu haben wir in einer ersten Phase einen Fragebogen entwickelt, den wir gerade durch die Social Media Kanäle schicken und um deren Beantwortung wir diejenigen bitten, die sich mit Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung beschäftigen.

Hier ist der Fragebogen – wer Zeit und Interesse hat, ist ein geladen, zu antworten und sich zu beteiligen.

Die Ergebnisse fließen dann als Basis in die Studie ein, aus der wir gerne auch konkrete Visionen entwickeln wollen, wie sich eine #digitaleRegion entwickeln lässt. Am Ende wird es zwei konkrete Testphasen geben: in Wennigsen (Deister) und eine in der Region Augsburg. Unser Ziel: von der Theorie in die konkrete Anwendung kommen.

Freue mich über Mitmachen beim Fragebogen. Über den Fortgang des Projektes blogge ich weiter.

Design follows Alzheimer – oder?

Update vom 12.6.2016: WMF hat bereits am 10.6.16 geantwortet – was mich freut: „Für Ihre Hinweise und Ihre Kritik sind wir sehr dankbar, denn nur so sind wir in der Lage, die Artikel verbraucherfreundlich zu gestalten und zu konzipieren. Ihre Anregungen haben wir bereits an unser Produktmanagement und an die Qualitätssicherung weitergegeben, um eine Optimierung des nächsten Designs zu erzielen. Zögern Sie nicht uns erneut anzuschreiben. Mit freundlichen Grüßen“ 

Sie haben geantwortet – hätten sie nicht gemusst. Schon mal ein großer Pluspunkt auf dem langen Weg der kommunikativen Möglichkeiten. Gerne möchte ich noch hinzufügen: Der Markt für Essgeschirr und -besteck für Menschen mit eingeschränkter Esskompetenz durch Krankheit passt haar genau in die digitale Entwicklung der Zukunft. Passgenaue und nach individuellen Kundenwünschen digital entworfene Stücke werden aus dem 3-D-Drucker ausgedruckt. Der Verkauf und die Entwicklung könnten dann vielleicht sogar in einer vor Ort befindlichen Verkaufsstelle stattfinden, womit online und stationäre Vermarktung verbunden wären. Vieles mehr lässt sich da kreieren, wenn man analoge Prozesse konsequent digital denkt und eben in konkreten Produkten münden lässt, damit überhaupt Bilder entstehen, was Digitalisierung bedeutet. Verbesserung der Lebensqualität ist eines der Ziele. 

Würde. Alter. Nahrungsaufnahme. Ziemlich viele Schlagworte, die nur grob umreißen, was wir gerade sehr deutlich miterleben in Deutschland: Die Anzahl der Hochbetagten steigt. Fast jeder hat eine Person in diesem biblischen Alter in der Familie. Nirgends ist Würde so sehr gefragt wie bei der Nahrungsaufnahme. Aber funktionales Besteck und Essgeschirr schrumpfen für diese Alterskohorte mit besonderen Bedürfnissen auf das Design von Jugendherbergen aus den frühen 50er Jahren zurück. Das müsste nicht sein. 

Das Foto zeigt eine ältere Dame in einem Rollstuhl aber nur von hinten.

Alter und Würde

Nicht alle dieser hochbetagten Menschen bleibt im hohen Alter autonom, also selbstbestimmt. Dann ist man angewiesen auf Hilfe und auf besondere Hilfsmittel. Die aber sind in der Regel grottenhässlich. Von Würde bleibt nur eine leise Ahnung.

Worauf ich hinaus will: ich wünsche mir ein klein wenig mehr Kreativität der Hilfsmittel für die Bewältigung des Alltags, insbesondere der Nahrungsaufnahme. Wenn ich selbst so alt werde, will ich eines nämlich nicht: von Plastikgeschirr essen und meinen Löffel nicht mehr selbst halten können – einfach weil diese Gegenstände als funktionale Esshilfen kaum in „schön“ vorhanden sind. Viele Ess- und Alltagshilfen sind im Design zurückgekehrt zum Charme der Ausstattung einer frühen Jugendherberge. Von Ästhetik keine Spur. Von Teilhabe an Formvollendung keine Rede mehr, die Ansprüche an Stil und Geschmack sacken ins Bodenlose, sie verkrümmeln sich ins Zeitalter der blossen Materie. Man muss kein Schöngeist sein, um das kummervoll zur Kenntnis zu nehmen.

Das muss nicht zwingend so sein. Und sollte es auch nicht, angesichts der Tatsache, dass auch WIR Mittelalten künftig alt und hochbetagt werden. Mit unserer Erfahrung von heute als pflegende Angehörige könnten wir spielend eine Kehrtwende hin zur Würde des Designs einläuten. Form follows Alzheimer. Form follows Parkinson. Form follows schwindender Würde.

Das Foto zeigt eine alte Hand mit einem Löffel in der Hand, im Hintergrund eine Kaffeetasse.

Form follows Parkinson

Mehrere Ebenen sind berührt. Es geht um die Betroffenen an sich. Es geht um die Gesellschaft und deren Bild vom Altwerden.

Ich habe exemplarisch mal bei WMF angefragt, einem der großen Anbieter von Besteck. Beim Surfen auf der Website der Firma landete ich ziemlich schnell etwa bei speziellen Angeboten für „Kinderbesteck“. Schönes Design und formgerecht für kleine noch ungeübte Hände. Sicher auch ein Anreiz für Tanten und Paten, Besteck für den Kindergeburtstag zu verschenken. Damit die Kleinen mit Design, Stil und Esskultur aufwachsen mögen. Und auch das Sortiment für „Spezialbestecke“ ist eine Leistungsschau des gehobenen Lebensstils: Fischbesteck, Fonduebesteck, Kiwilöffel. Adressiert an die Welt der Möglichkeiten. Warum aber nicht auch Passgenaues für das Ende des Lebensalters entwerfen und anbieten? Die Zielgruppe ist schon jetzt fast größer als die der Kinder, als die der Küchenprofis. Nun fand ich es ja schon ganz prima, dass sich die Firma per Mail auf meine Anfrage zurückgemeldet hat: „Leider müssen wir Ihnen aber mitteilen, dass wir keine Besteck- oder Geschirrserien für besondere Bedürfnisse anbieten.“ 

Nun ist dies nur ein Einzelfall. Aber bei meiner Recherche bin ich auf keinen größeren Anbieter herkömmlicher Bestecke oder Essgeschirr gestoßen, der das ernsthaft ins Sortiment aufgenommen hätte. Und dabei wäre das ein echter Markt. Denn: Der Großteil aller Pflegebedürftigen wird zuhause gepflegt. Es geht hier also um private Haushalte, die potenzielles Interesse an würdigem Esswerkzeug hätten. Wenn man das dann erwerben könnte. Nun kennt jeder, der mit Hochbetagten zu tun hat auch den Charme von Sanitätshäusern. Ein wahres Paradies für werdende Alte. Ich war dort schon sehr häufig. Und habe mich eben daher immer gewundert, wie wenig ästhetisches Design hier zum Tragen kommt – obwohl die Produkte allesamt hochgradig durchdacht sind. Auch in der Materialwahl – aber es fehlt das gewisse Etwas.

Löffel sind in ihrer Form nicht so, wie man sie kennt. Sondern gebogen: einmal im Stiel (Griff), damit man sie besser vom Tisch hochheben kann (bei Arthrose genial) oder auch gebogen im Winkel, so dass man die Ladefläche in den Mund bekommt, ohne die Arme verrenken zu müssen (bei Parkinson geradezu perfekt). Aber das Design. Zum Heulen.

Und dann erstaunt mich noch ein Aspekt: Es sind vorwiegend Frauen, die die Pflege im Alter übernehmen. Und es sind vorrangig Frauen, die selbst potenziell hochbetagt werden! Wenn diese Zielgruppe jetzt schon sieht, wie einfältig und lieblos viele Haushaltsgeräte der Nahrungsaufnahme schon heute gestaltet sind – dann ist kaum erwartbar, dass sie selbst künftig in den Genuss von edleren Ausfertigungen kommen werden.

Dabei kann man das Altwerden auch annehmen – und im Design mit Stil begleiten. Das Essbesteck und auch Geschirr wären da ein Anfang. Viele weitere Einrichtungsgegenstände fallen mir da ein, die man mit dem Altwerden so nach und nach umrüsten muss. Ach, wie hässlich ist etwa ein Aufsatz für eine Toilette…. Und dann möchte ich noch überhaupt nicht darüber reden, was alles möglich wäre, wenn hier zum Design auch noch digitales Denken hinzukäme. Ich bleibe dran. Und blogge.

Weichen stellen für die Zukunft

Wenn man nicht nur den Blick auf #SmartCity richtet, ist man schnell bei #SmartCountry. Was ist das eigentlich – und welche Weichen müsste man denn stellen, um smart zu werden. Und noch viel interessanter die Frage: Warum sollte man das überhaupt wollen?

Das Foto zeigt die Referenten vom Panel SmartCountry

Photo: © Jan Voth Metropolitan Solutions 2016

Alles spannende Denkansätze, die wir auf der Metropolitan Solutions im City Cube zu Berlin diskutiert haben. Ich verlinke mal dazu, weil ich die Moderation für die Bertelsmann Stiftung zum Panel „SmartCountry – Teilhabe sichern“ übernommen habe.

Metropolitan Solutions – hier geht´s zu meinem Blogpost im Wegweiser Kommune der Bertelsmann Stiftung.