Der Seniorenbeirat fragt nach…

Der Seniorenbeirat in Gütersloh hat einen Fragebogen zur Wahl geschickt, hier meine Antworten, die ich bereits gestern versendet habe:

(Die Fragen sind fett gedruckt)

Das Foto zeigt einige Rollatorfahrer von hinten im Straßenbild von Gütersloh.
Wie wollen wir alt werden in Gütersloh?

Wie halten Sie es mit der demografischen Entwicklung und damit dem steigenden Anteil der älteren Bevölkerung? Dazu stellen Ihnen 4 Fragen:

………………werden Sie den, von der älteren Bevölkerung direkt gewählten Seniorenbeirat, an Ihren künftigen Planungen direkt beteiligen. Zum Beispiel mit einem Rederecht in den freiwilligen Ausschüssen?

Ja. Ich bin immer dafür eingetreten, die Beiräte und Initiativen mit einem Rederecht auszustatten. Wir kommen künftig mit den Antworten allein der Parteien auf die großen Herausforderungen unserer Zeit nicht mehr aus. Wir müssen die jeweiligen Menschen fragen und stärker beteiligen. Wer sollte aussagefähiger sein in Fragen der Seniorenpolitik als der Seniorenbeirat, der zudem auch noch gewählt wurde?

Daher ist dieses Rederecht für mich selbstverständlich. Rechtliche Hürden sehe ich lediglich als vorgeschoben an. Ich möchte künftig gerne kooperativ und partnerschaftlich mit den Bürgern in den Austausch treten.


Zudem empfehle ich dem Seniorenbeirat neben einem offiziell eingeräumten Rederecht auch die Einrichtung einer interaktiven eigenen Website oder eines Blogs. Hier haben die Gewählten ein eigenes Kommunikationswerkzeug, welches sehr wirksam genutzt werden kann, die eigenen Anliegen darzulegen. Zudem bietet sich hiermit eine hervorragende Plattform für die Dokumentation Ihrer Arbeit und auch Ihrer Argumente an. Auch die Einbindung Ihrer Website/Ihres Blogs in die Sozialen Medien kann Ihnen eine enorme Reichweite und Wirkung Ihrer Anliegen ermöglichen. Sie wären sogar unabhängig von der Veröffentlichung in den Lokalzeitungen.

Ein weiterer Vorteil ist: Sie haben hier die Möglichkeit auch für Ältere geschaffen, sich mit Ihnen in Verbindung zu setzen, auch, wenn sie nicht mehr mobil sind und ggf. an Ihren Treffen nicht teilnehmen können. Lesen geht immer.

………………werden Sie den Umbau zu einer barrierearmen Stadt und damit den entsprechenden Einrichtungen wie taktile Streifen, bessere Richtungs- und lesbaren Auskunftszeichen vorantreiben?

Ja. Gütersloh wächst, was die Einwohneranzahl angeht. Aber Gütersloh wird eben nicht jünger, sondern der Anteil der seniorischen Kohorten steigt, ebenso wie der Anteil der Hochbetagten (also der Menschen ab 80 plus) steigen wird. Das bedeutet, man muss den öffentlichen Raum auch altengerecht gestalten. Das bedeutet, mögliche Hilfsmittel, wie Sie diese beschreiben, mitzudenken.

………………welche Möglichkeiten sehen Sie, vor allem in den Abend- und Wochenendstunden, die Mobilität und die Erreichbarkeit kultureller Einrichtungen der vor allem älteren Bevölkerung sicherzustellen?

Das Bussystem in Gütersloh steht unter keinem so guten Stern. Ich fürchte, es wird weiterhin zu einer extremen Verknappung von Mobilität gerade für Ältere kommen. Dies nicht allein aufgrund eines unzulänglichen Bussystems, sondern auch, weil gerade ältere Frauen oftmals Angst haben, die öffentlichen Verkehrsmittel am Abend zu nutzen. Es bleibt nicht nur die Fahrt allein, sondern es muss auch der Weg von der Haltestelle bis nach Hause gemeistert werden. Das wird ein Problem sein, dass ich gerne mit Hilfe des Beirates diskutieren würde. Mein Idee dazu ist auch die, dass sich gerade die einzelnen Stadtteile, in denen die älteren Mitbürger wohnen, auf den Weg machen müssen, hier gemeinsam nachzudenken, wie sie ihre Stadtteile mobil halten. Ich empfehle dazu, Apps zu entwickeln, wie man direkt und individuell diese Mobilität aufrecht erhalten kann. Auch die älteren Menschen nutzen Smartphones, das ist kein Problem. Wichtig ist, darüber gemeinsam ins Gespräch zu kommen. Hier hilft der Brückenschlag zur Jugend, die zeigen könnte, wie so etwas machbar wäre.

……………….wie stellen Sie sich die künftige Versorgung (Einkaufs- und Dienstleistungen) in den Wohnquartieren, sowie die Schaffung von bezahlbarem und barrierearmen Wohnraum vor?

Die Antwort ist zweigeteilt. Die künftige Versorgung in den Wohnquartieren wird sehr viel digitaler organisiert werden als das bisher der Fall ist. Die Möglichkeiten des individuellen Zulieferns wird sich verbessern. Auch dies wieder durch die digitalen Möglichkeiten, wie etwa Bestellung per Internet und dann durch einen realen Bringedienst. Man kann diesen Dienst ggf. für die jeweiligen Stadtteile koordinieren. Die Stadtteile altern in Gütersloh ähnlich schnell. Die Lebensmittelgeschäfte richten sich darauf verstärkt ein. Vor allem auch deswegen, weil viele Ältere keine Familienangehörigen mehr vor Ort haben, die diese Fahrdienste übernehmen können. (Wegzug der Kinder aufgrund von Arbeitsplätzen, Studium etc.) Anfangs wird das teuer sein, durch eine hohe Nachfrage allerdings wird sich das etablieren.

Die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, der dazu noch barrierearm ist, ist bereits jetzt ein Problem. Haben die Menschen Geld, ist das eher ein geringeres Problem. Leider rollt eine veritable Welle von Altersarmut auf uns zu, die sich bereits jetzt datentechnisch belegen lässt. Die Altersarmut wird besonders Frauen treffen. Die Stadt Gütersloh muss sich bereits jetzt Gedanken machen, wie sie das auffangen kann.

Hierzu gehört ein Konzept, wie man Wohnraum schaffen kann und auch, wie etwa Generationenwohnen organisiert werden kann. Die Nutzung der möglicherweise frei werdenden Wohnungen der Briten wäre ein Möglichkeit, solche Projekte zu realisieren. Bisher höre ich allerdings von solchen Generationenprojekten nichts. Das kostet auch Geld, die Stadt muss jetzt sagen, wie sie das finanzieren will. Ich würde darauf drängen, hier Konzepte zu erarbeiten, die in einer breiten Bürgerbeteiligung diskutiert werden.

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