Eine Frage der Haltung

Meine Antwort auf den Bericht und insbesondere den Kommentar der NW heute „Wahlkampf – Kandidaten präsentieren sich der Wirtschaft“:

Ja, die Podiumsdiskussion bei der IHK und dem Unternehmerverband habe ich abgesagt. Aus gutem Grund: Meine Unabhängigkeit ist mir wichtig. Eine Vermischung zwischen Beruf und Privat möchte ich nicht. Der Kommentator der NW legt mir das als übertrieben und überempfindlich aus. Ich finde es vielmehr bedenklich, dass sich unsere Gesellschaft offenbar schon so an die Vermischung von verschiedenen Rollen gewöhnt hat, dass der Wunsch danach, aufrecht zu bleiben als Schwäche ausgelegt wird. Im umgekehrten Falle wäre es sicher auch die gleiche Zeitung gewesen, die mir diese Nähe hätte vorwerfen können. Jeder abhängig Beschäftigte aber versteht meine Position. Was man mir vorwerfen könnte wäre: ich habe sehr spät abgesagt. Das stimmt. Ich hatte gehofft, weitere Mitstreiter für mehr Transparenz und Unabhängigkeit im Wahlkamp gewinnen zu können. Vergebliches Hoffen.

Viel spannender ist jedoch, dass die IHK und der Unternehmerverband keinen neutralen Ort finden konnten. Auf meine Bitte einer möglichen Verlegung hat man es nicht einmal für angebracht erachtet, überhaupt mit mir in Kontakt zu treten. Verbände sollten allerdings nach meinem Verständnis genau das leisten können: die Fähigkeit miteinander ins Gespräch zu kommen. Zudem beschränkt sich meine Erreichbarkeit nicht allein aufs Telefon. Im digitalen Zeitalter gibt es unzählige Kanäle, miteinander in den Austausch zu treten. Funkstille allerdings gehört für mein Verständnis nicht dazu.


Die Leidtragenden sind am Ende die Mitglieder der Verbände. So hatten sie leider keine Möglichkeit, sich von mir ein Bild zu machen. Und ich hatte nicht die Möglichkeit, meine durchaus digitalen Strategien und Standpunkte darzulegen, die für die Zukunft des Wirtschaftsstandortes sicher von Belang wären. Das führt mich zu der Frage, ob sich Mitglieder von Verbänden künftig überhaupt noch durch Funktionäre vertreten lassen möchten oder nicht lieber selbst aktiv werden wollen. Mittelfristig wird sich nämlich auch die Frage der Kommunikation neu stellen, denn digitales Arbeiten wirkt genau diesen alten Strukturen entgegen: zum Wohle neuer Formen des direkten Netzwerkens und der Wertschöpfung quer durch viele Bereiche. Das allerdings ist keine Schwäche, sondern wird künftig eine große Stärke werden, die getragen wird durch Transparenz und Kommunikationsfähigkeit über Ebenen hinweg, wobei jedem klar ist, in welcher Rolle man gerade unterwegs ist. Dazu braucht es Haltung.

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