Eine Stadt – eine App #bliggit

Das Barcamp von #OKNRW OffeneKommuneNRW Institut e.V. in diesem 10. Jahr des Bestehens war: durch und durch digital. Nicht nur inhaltlich. Wir haben uns als Community öffentlich via Plattform-Konferenz ausgetauscht – und in den jeweiligen Sessions diskutiert. Eine Premiere. Und ein gelungenes Experiment – unter der Hilfe der Plattform #BigBlueButton – als Open Source-Ware. Ich berichte gern aus einigen Sessions, an denen ich teilgenommen habe – wie immer aus Neugierde gefolgt.

In 4. Session: Bliggit, die neue digitale City-Plattform

Bliggit https://bliggit.de/ ist eine neue digitale City-Plattform in Wuppertal. Sie bündelt eigentlich „einmal die ganze Stadt digital, bitte!“

Die Macher verfolgen das Ziel, in einem 360Grad-Ansatz (vom Blogger, Verein, über Verwaltung, Schulen, Handel, Gastronomiebis zum Grpßunternehmen) die bunte Vielfalt von Wuppertal dauerhaft über EIN zentrales Frontend erlebbar zu machen. Motto: Die Wuppertaler immer im „Bligg“ – wie es auf ihrer Website so schön heißt. Die App Bligg ist kostenlos.

Bliggit ist am 20.11.2020 gestartet. Ein weiteres damit verbundenes Ziel: die Teilnehmende behalten volle Kontrolle über ihr Datenprofil. Sie sind mit Namen registriert aber anonyme Kontakte und Angebote sind ausgeschlossen. Bliggit gibt keine Daten an Dritte weiter.

Dahinter steht ein ganzes Team. Founder sind die Sparkasse Wuppertal und die WSW Wuppertaler Stadtwerke GmbH. Offensichtlich ist es den Wuppertalern ernst mit der App – sie ist nicht mal eben so dahingetüftelt, sondern als überlebbar und am Markt zu behaupten organisiert.

Reisen bildet – und bringt Ideen


Wie sind die Macher von #bliggit auf das Projekt gekommen, woher stammte die Idee? Am Anfang stand – wie bei so vielen mit dem gleichen Ziel, digitaler zu werden, eine Reise nach Estland.

Quelle: Screenshot Bliggit – Website

Es war vielleicht eine kleine Offenbarung, wie sie eben auch vielen sich darbietet, die schon mal im Showroom von e-Estonia waren: Vom Staat bis hin zur Privatwirtschaft in einer digitalen Infrastruktur – das ist in Estland mit einer Klarheit und mit der X-Road realisiert, und war auch jetzt für die Wuppertaler die Grundidee 2017. 
Ab 2018 begannen die Überlegungen, wie kann man diese digitale Idee adaptieren und auf Wuppertal übertragen? (Selbstverständlich ist es ein Unterschied zu Estland, ein Staat, der sich nach seiner jüngeren Unabhängigkeit ganz neu erfinden musste und zudem nicht föderal strukturiert ist. Da gelingt Digitales vielleicht einfacher.)


Der Wunsch für Wuppertal: Ein zentraler digitaler Anlaufpunkt für die Stadt (360 Grad -Blickwinkel). Die Annahme: Bürger möchte auf alle Services und Angebote direkt zugreifen können, keiner will 20 Apps auf dem Handy. Klarheit in der Struktur = das war der Ansatz. Es folgte daher also die Entwicklung der der Plattform in den Jahren 2018 – 2019. 

Auf der Website heißt es: „Einen Termin beim Einwohnermeldeamt machen, Dein neues Monatsticket kaufen, den Kontostand checken oder einen schnellen Blick auf Deine Stromrechnung werfen: Mit Bliggit organisierst Du Deinen Alltag so einfach und schnell wie nie!“


Eine Einmal-Plattform mit Anmeldung für die Bürger. Schulen sind mit drin. Die Uni ist mit drin, Nachrichtenangebote, der Einzelhandel ist eingebunden, ebenso Kultur und die basale Anwendung, ein Taxi zu bestellen. (Übrigens wird das in Estland auch gleich digital bezahlt – als ich dem Fahrer damals Bargeld anbot, schaute er mich verständnislos an und klassifizierte mich als Alien.)


Gedacht war in Wuppertal also ein einfacher Zugang, so erzählen es die beiden CEO Holger Hammes und René Münch.  Die Stadt ist gedacht als Kooperationspartner, alle städtischen Services sind zu überführen und Zugang möglich, auch Verwaltungsdinge sind über die digitale Strecke bearbeitbar. Es ging nicht allein darum, einen Termin beim Amt zu vereinbaren. Die App sollte helfen, Verwaltungsakte auch hierüber anbinden zu können.Hier sind die Verwaltungs-APIs https://ozg.kdn.de/verwaltungssuchmaschine

Künftig werden auch Services vom Bund zu verbinden sein.
Damit herrscht das Credo: Digital, ABER vor Ort.  Und ganz nebenbei ist damit etwas Neues gelungen: ein Gegenpart gegen die großen Tech-Anbieter (Google etc.) Auch Interaktion und Transaktion sind gleichermaßen wichtig. Handwerker und Vereine sollen ganz einfach selbst Angebote kreieren können.

Cockpit-Ansicht: App ist im App-Store ladbar.  Die Einladung der CEOs bei ihrem Vortrag im Barcamp hieß also: Download uns stöbern.
Konzeption: Nähern von der User-Seite. Muss für Menschen einfach sein: 100 Interviews mit möglichen Nutzern wurden vorab geführt.

Angesichts der Not vieler Kommunen mit ihren Innenstädten attraktiv zu bleiben, ist das eine vorbildliche App. (Nicht nur zu Coronazeiten. Da waren die Wuppertaler schon vorher aktiv. Und die App ist jetzt in Krisenzeiten bereits vorhanden – nicht bloß Gerede von wegen: „Wir müssten…“….

Alles in allem: super gemacht. Ein Exportschlager für andere Kommunen? Auf jeden Fall ist Wuppertal mal wieder eine Nasenlänge voraus und innovativ. Liegt das auch an der sehr aktiven Community vor Ort? Ich bin sicher: Ja.

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