Expedition Zukunft – Frauen diskutieren

Die Digitalisierung soll angeblich eine besondere Chance auch für Frauen darstellen. Viele Skills sind gefragt, die stereotyp Frauen zugeschrieben werden: Intuition, Kreativität, Inspiration. Lösungen, die heute gesucht werden und die Komplexität der Welt adressieren, sind nicht immer linear. Da helfen also alternative Ansätze wie oben beschrieben, etwa Kreativität. So die Theorie. Das Thema  des Netzwerktreffen von der WEGE (Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Bielefeld GmbH) und der wim (Wirtschaft für Mikrounternehmen) für Frauen aus der Wirtschaft in Bielefeld und der Region OWL hieß dann auch: „Expedition Zukunft – schnell, vernetzt und nah am Kunden“. Ort war wie stets das Technologiezentrum der WEGE in Bielefeld.

Auf dem Programm stand vor allem der Kulturwandel in Unternehmen auf dem digitalen Weg. Damit machen sich zur Zeit viele Unternehmen von den ganz großen bis auch zu den Kleinunternehmen in der Region auf den Weg. Digitalisierung bricht Hierarchiestrukturen auf, verändert Deutungshoheit und auch Macht in den Firmen. Andere Formen von Führung sind gefragt, wie Vernetzung über Hierarchien hinaus, mehr Kommunikation, keine Versäulungen der Teams, interdisziplinäre Herangehensweisen. Neue Formen wie Barcamps innerhalb der Betriebe kommen zum Einsatz.

Meine Erfahrung ist die, dass Firmen auf diesem Weg echt und authentisch sein müssen – viel wird nach außen als digital affine Unternehmenskultur verkauft. Schaut man dann hinter die gläsernen Fassaden mit ihren modisch eingerichteten Hipsterbüros mit Spielkonsole und Nischensofas, herrscht oft noch größere Frustration als vorher. Nach außen gold und nach innen Fäulnis: Weil sich Verunsicherung breit macht, weil nicht alle mitgenommen werden, in die Welt des digitalen Arbeitens – und am Ende doch alte Strukturen von Entscheidern beibehalten werden, die wiederum alles dran setzen, um ihre Posten zu behalten. Nur diesmal nicht verpackt im Anzug, sondern ganz modern in Kaputzenpullis. Außen Schafspelz, innen Wolf geblieben, der sich nicht um Koproduktionen schert. Bis die Kollegen diesen Umstand verstanden haben, das dauert und wirft ein Unternehmen zurück, weil das Vertrauen flöten gegangen ist und eben nicht alle am gleichen Strang ziehen, egal wie wunderbar der Coworking-Arbeitsplatz gestaltet ist. Viele umschreiben diese neuen Ansätze mit #Arbeit4.0 oder auch #newwork. Ihre Belege für sinnstiftende Veränderung und vielleicht auch Steigerung der Produktivität oder Wertschöpfung aber lassen sie gerne vermissen.  

Die muntere Talkrunde der Frauen disktutierte dann auch über „den Umgang mit der Zukunft“. Auf dem Panel standen neben Vera Wiehe, die moderierte, Britta Herbst, Geschäftsführerin des Pioneer Clubs in Bielefeld, Annelena Balke Regisseurin, Business-Schauspielerin, Coach, Fachleiterin Schauspiel Musik- und Kunstschule, Lea Nüsgen – Konditormeisterin und Gründerin für Tartes und TörtchenSandra Buschsieweke, Marketing Diamant Software und ich – die über digitale Kommunen sprach. Mein Beitrag war der, dass Digitalisierung eben nicht nur Wirtschaft und Arbeit verändern, sondern auch die staatliche Ordnung und die Orchestrierung von Politik und Verwaltung, wie wir zukünftig in einer Gesellschaft zusammen leben wollen. 

Frauennetzwerktreffen Foto: WEGE / wim

Vera Wiehe fragte nach drei Tipps, die ich Kommunen geben könnte, damit das Rathaus den digitalen Weg einschlagen könne.

Um nicht meine Geschäftsidee als Freelancerin gleich frei Haus aus der Hand zu geben, empfahl ich zunächst dem Bürgermeister der Stadt, digitale Treiber in seiner Verwaltung und in seiner Kommune zu finden, die solch einen Wandel mit ihm zusammen angehen würden. Vera Wiehe warf ein, das höre sich bereits von Anfang an nach Scheitern an, denn Veränderung sei oft gar nicht gewollt. Meine verknappte Antwort: Doch, denn 2020 sind Kommunalwahlen und auch Bürgermeisterwahlen in NRW. Spätestens dann müssen sich sowohl die Kommunalparlamente als auch die Bürgermeister der Wiederwahl stellen – und mittlerweile steht auch die kommunale Digitalisierung auf dem Zettel der Wahlprüfsteine – die Gewählten müssen liefern und erklären, wo die eigene Kommune bis dahin steht – und wie sich der Fortschritt auf die Lebensqualität aller in einer Stadtgesellschaft auswirken werde.

Von besonderem Interesse an dem Abend war das Beispiel für Open Data anhand der Luftdatenmessung etwa von Luftdateninfo.org in Stuttgart – die mit Sensoren in Bürgerhand belegen, wie sauber oder dreckig die Luft in der eigenen Kommune ist. Mit dem Ziel die eigenen Messungen in eine allgemeine Landkarte einzufügen, die visualisiert und nachvollziehbar macht, wo die Luft am meisten verpestet ist. Und dann noch in der Lage sind, politischen Druck zur Veränderung aufzubauen, wie dies mit der Dieselgate und den Betrügereien der großen Automobilhersteller der Fall war bis hin zum möglichen Fahrverbot für stinkende Autos in den Städten.

Die Anleitung zum Bauen und Installieren und Vernetzen findet sich auf dieser Website: Das war ein schönes Beispiel für Citizen Science, das ankam und Verständnis darüber brachte, was Open Data sind und wie sie wirken.

Der Abend war ein Gewinn. Auch vor dem Hintergrund der Vernetzung unterschiedlicher Sparten, von Backwaren über Software bis hin zur Veränderung in der Gesellschaft.

 

 

 

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