Gemeinwohl statt Gentrifizierung

UPDATE:  ich hatte Dr. Zirbel zu dem Beitrag per mail nach seiner Haltung dazu befragt. Hier seine Antwort per Mail im wörtlichen Abdruck, ich hatte angekündigt, dass ich dazu blogge: 

Sehr geehrte Frau Dr. Knoop,

Sie werden verstehen, dass ich meine Gastbeiträge anders sehe: Zunächst sollen die Beiträge tatsächlich Werbung sein. Werbung für gute Architektur und für eine Baukultur, die auch im weitergehenden Sinne für eine andere Nachhaltigkeit Sorge tragen soll: Gute Bauwerke haben eine längere Lebensdauer als einfache Gebäude.

In Gütersloh sehe ich einen meiner Schwerpunkte – solange ich für diese Stadt bereits arbeite – im Engagement für eine veränderte Baukultur. Viele Aktionen und Aktivitäten meines Fachbereiches tragen diesem wichtigen Ziel Rechnung. Hierzu zählle ich städtebauliche Wettbewerbe, die Sicherung städtebaulicher Ziele über städtbauliche Verträge, Architekturrundfahrten, Veröffentlichungen oder unsere öfferntlichen „Stadtgespräche“.

Teil dieser Aktivitäten ist auch ein publizistisches Engagement, sowohl in Fachzeitschriften wie auch in Populärmedien. Gerade die letztgenannten Medien sind wichtig, um auch eine Klientel zu erreichen, die am Baugeschehen zwar teilnimmt, aber nicht immer mit den erforderlichen Vorauissetzungen ausgestattet ist.

Zu einem guten Bauwerk gehört immer – wir zu einem guten Gemälde – die Nennung des Urhebers. Dies ist eine Selbstverständlichkeit und eine Sache der Ehrlichkeit. Insofern sorgt natürlich ein gutes Bauwerk auch für ein Stück Werbung für den Entwurfsverfasser, genauso wie ein geschätztes Kunstwerk imemr auch auf den Urheber verweist.

Insofern lassen sich gute Bauwerke und ihre Entwurfsverfasser nicht trennen. Dass diese in meinen Beiträgen benannt werden, ist – da haben Sie Recht – eine gewisse Auszeichnung, die durch die herausragende Qualität der Bauwerkle legitimiert worden ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Michael Zirbel BDA  Stadt Gütersloh, Fachbereich Stadtplanung, Fachbereichsleitung

In dem neuen Stadtmagazin für Gütersloh findet sich ein Gastbeitrag des Stadtplaners von Gütersloh. Er schreibt über die Qualität des Bauens in Gütersloh.

In seinem Text werden zwar keine Name bestimmter Architekten genannt, in der Anmoderation der Serie aber sehr wohl. Zudem wird der Gasttext mit Häusern dieser Architekten bebildert. Zufall? Eine bessere Werbung als eine offensichtliche Empfehlung des Stadtplaners höchstselbst kann man sich kaum vorstellen!
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// Stadtentwicklung ist Verdrängung
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Interessant ist dieser Beitrag, der so harmlos daherkommt, vor dem Hintergrund der aktuellen Stadtentwicklung. Die ist offensichtlich auf dem direkten Weg in die Gentrifizierung.
In den letzten Jahren ist von einer kleinen Anzahl bekannter Architekten eine enorme Innenstadt-Fläche bebaut worden: Wohn- und Geschäftsbauten, hochpreisig, altengerecht und mit der Sogkraft, die einkommensstarke Bevölkerungsschicht anzuziehen. Diese kommt jetzt in die Altersphase. Sie haben gerade ihre auf bisher großen Grundstücken gelegenen Einfamilienhäuser am Stadtrand verkauft und wollen den Wohnruhestand nun in der Innenstadt genießen. Eben auch in der Hoffnung hier einen direkten Zugang zu kultureller und eventorientierter Lebhaftigkeit direkt vor der Tür zu haben.
Das bedeutet aber die Verdrängung von Mitbürgern mit niedrigem Einkommen aus der Innenstadt in die Ortsränder. Viele können sich die teuren neuen Wohnungen nicht leisten. Eine Mischung der Lebensverhältnisse, ein Mix der Einkommensklassen ist nicht mehr gegeben. Eine Entwicklung, die man eigentlich nur in den angesagten Großstädten vermutet. Aber sie findet auch hier statt. Bei der letzten öffentlichen Diskussion dazu hat sogar der amtierende Stadtbaurat dazu mit dem Kopf genickt.
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// Kein Beitrag zum Gemeinwesen
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Nun von einem guten Gemeinwesen zu schreiben, ist fast zynisch. Im politischen Verständnis ist der Staat zentraler Akteur, der dafür Sorge trägt, dass eine Stadtentwicklung allen  zu Gute kommt. In der Entstehung dieser hochpreisigen Bebauung durch einige Wenige ist das gerade nicht der Fall.
Die Architekten werben zudem öffentlich damit, sie würden für das Gemeinwohl bauen. Diese Äußerung wurde vor ein paar Tagen noch im Rahmen eines geplanten Innenstadt-Quartiers getätigt. Ihre privatwirtschaftlichen Interessen scheinen untergeordnet zu sein.
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 // Zurückhaltung
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Jeder kann und soll gerne sein Geld verdienen. Eine solche Entwicklung differenziert zu begleiten – das wäre allerdings die Aufgabe für einen städtischen Planer. Damit stände er im Dienste des Gemeinwohls für das er auch angestellt ist. Bei solchen versteckten werblichen Lobhudeleien allerdings wünsche ich mir strikte Zurückhaltung.
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Die Langversion findet sich auf meinem Blog „Blickpunkt aus Gütersloh“. 

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