Gleichzeitigkeit der Veränderungen

Digitalisierung ist in weiten Teilen unsichtbar. Manchmal allerdings springt sie ins Auge. Zwei Momente beim Bezahlvorgang im Micropayment fallen mir dieser Tage auf, die im größeren Kontext zu sehen sind – Arbeit verändert sich.

NFC-Communication

Die Sparkassen befeuern und bewerben die Bezahlung mit der NFC-Technologie, also die Near-Fild-Communication: Dahinter verbirgt sich das Bezahlen mit einer auf RFID-Technik basierender internationalem Übertragungsstandard zum kontaktlosen Austausch von Daten per elektromagnetischer Induktion. Sprich: die EC-Karten der Sparkassen haben den dazu notwendigen „Sensor“ integriert, erkennbar an dem „WLAN-Zeichen“, der in Verbindung mit einem Bezahlgerät, die notwendigen Daten ausliest. Lesegerät liest Plastikkarte – so könnte man es nennen. Die Eingabe von umständlichen Pins fällt weg. Dranhalten, Pieps und erledigt. Blöd, wenn die Karte verloren geht…. oder durch Datendiebe ausgelesen wird. Die Vereinfachung von Zahlungsvorgängen im Kleinsummenbereich zeigt, wo die Reise künftig hingeht: Klimpergeld fällt weg, Filialen werden eingespart, die Menschen an Plastikgeld gewöhnt bis zur Nutzung gezwungen. Das verändert nicht nur den Umgang mit Geld, sondern die Arbeiten im Bankwesen an sich. Banken sind aktuell schon die nächste Kategorie, die Digitalisierung zu spüren bekommt. Arbeitsplätze fallen weg – neue Kompetenzen werden gefordert sein aber in geringerer Menge benötigt werden. Rechnen können Rechner besser und fehlerfreier als Menschen. Die Möglichkeiten der Blockchain-Technologie wird ihr Übriges dazutun.

 

Adé Klimpergeld

 

Den zweiten digitalen Bezahlvorgang fand ich im ländlichen Raum an an der Nordseeküste. Im Edeka. Noch sitzt eine Kassiererin am Bezahlterminal. Sie allerdings leitet nur noch die Ware übers Band – und langweilt sich alldieweil der Automat den Bezahlvorgang übernimmt. a) per NFC oder EC-Karten-Pin – oder b) unten rechts im Bild: durch einen nächsten Automat, in den rechts die Scheine und links das Klimpergeld eingegeben werden. Das Wechselgeld ist unten links im Geld entnehmbar.  Digitaler Vorgang von A bis Z. Auch dieser Bezahlvorgang führt zur Erziehung der Kunden: künftig nur noch am Automaten zu bezahlen, selbst zu scannen oder die Ware automatisiert per Fließband in Empfang zu nehmen. Ein weiterer Arbeitsplatz wird wegfallen. Die Kassiererin wandert ins Museum der ehemaligen Berufe.

Ich fragte die Dame an der Kasse, wie sie diese Erneuerung findet, die bald ihre Arbeit überflüssig machen wird. Ihre Antwort, die ich in den letzten Wochen bei solchen Gesprächen ständig höre: „Das interessiert mich nicht mehr – ich bin bald in Rente.“

 

Digital schafft Hände ab

Es ist diese paradoxe Gleichzeitigkeit unserer Welt im Umbruch: noch ist Kleingeld vorhanden, noch kann in alter Art und Weise bezahlen, wie man das seit Alters her kennt. Das Neue, Digitale, hat jedoch auch schon seine Berechtigung im Dasein. Wir leben im Brückenschlag zwischen analoger und digitaler Welt. Die Geschwindigkeit der Veränderung allerdings nimmt zu und die Gleichzeitigkeit hat ihren Zenit überschritten.

Die verbleibende Zeit wäre sinnvoll genutzt, sich über die Auswirkungen auf eine Gesellschaft zu unterhalten und über Bezahlmodelle für Arbeit sowie auf Arbeit an sich.

 

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