Govtech – Kompetenz macht den gravierenden Unterschied

In welcher Stadt man lebt, ist entscheidend für das eigene Dasein. Das gilt einmal mehr auch in Zeiten von Corona. Jetzt kommt auch die Frage der digitalen Kompetenz insbesondere in der Nutzung von neuen Anwendungen in der Informations- und Kommunikationstechnologie hinzu, die einen gravierenden Unterschied macht, wie hoch die Lebensqualität ist – oder nicht.

Wer in einer Kommune oder Region mit einer nicht-tech-affinen Verwaltung lebt, hat krasse Nachteile.

Ich frage mich, ob es künftig einen digitalen Strukturausgleich wird geben müssen. Und zwar für die Kommunen, die es digital einfach nicht auf die Reihe bekommen, den Anschluss an eine moderne Politik- und Verwaltung zu halten. Früher wurden rohstoffarme und wirtschaftsschwache Regionen finanziell unterstützt. Heute müsste dies in Tech-Gov-inkompetente Kommunen fließen – damit die Zivilgesellschaft die dadurch entstehenden Nachteile kompensiert bekommt.

Ein Beispiel – wie gesagt aus Corona-Zeiten.

Top und Daumen hoch:

Die Stadt Bonn hat durch eine IT-Eigenentwicklung dem Gesundheitsamt bei der Corona-Kontaktfallbearbeitung geholfen: Auf dem Markt gab es kein solches System, so hat man es eben selbst gebaut, in wenigen Monaten umgesetzt – und jetzt wirkt es.

Seit Beginn der Pandemie hat das Gesundheitsamt rund 33.000 Datensätze in Zusammenhang mit Coronaverdachtsfällen gesammelt. Dabei greift das städtische Gesundheitsamt auf die Software Covdi – Covid digital – zurück, die in der Krise von der IT-Abteilung im Personal- und Organisationsamt entwickelt wurde, um eine schnelle Kontaktaufnahme betroffener Personen sicherzustellen.

Digitale Verwaltung der Stadt Bonn

Quelle: Digitale Verwaltung der Stadt Bonn

In der praktischen Arbeit der Erfassung und des Managements der Coronaabläufe hat sich die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter verringert und die Zuverlässigkeit und die Schnelligkeit der Verwaltungsarbeit verbessert. Ein bedeutsamer Pluspunkt insbesondere für die Bevölkerung. Selbst die Urlaubs- und Entlastungszeit der Mitarbeiter des Gesundheitsamtes wird im System eingearbeitet und hilft die Kräfte zu schonen, bevor die Mitarbeiter im Gesundheitsamt selbst krank werden und aus Überlastung ausfallen. Diesen Umstand kann sich derzeit kein Gesundheitsamt leisten.

Nachlesen kann man über die Funktionalität und den Ablauf hier. Es ist ein fantastisches Projekt, das zeigt, wie es gehen kann.

Nun sind auch andere Kommunen aufmerksam geworden – und werfen einen Blick nach Bonn.

Flop und Daumen runter:

Derweil sieht das Management im Kreis Gütersloh eher so aus:

Quelle: Website Kreisverwaltung Gütersloh

Anfang November hat der Krisenstab des Kreises Gütersloh über das Kreisverbindungskommando (KVK) Gütersloh ein zweites Hilfeersuchen an die Bundeswehr gestellt. Es war bisher nicht gelungen, die Aufgaben zu bewältigen. Daran änderten auch die Unterstützung aus anderen Abteilungen und dem neu eingestellten Personal nichts, die steigenden Fallzahlen führten unerbittlich zu Engpässen. Das mache sich besonders in der Erstermittlung sowie der Kontaktpersonenermittlung bemerkbar, heißt es auf der Seite des Kreises.

Bisher waren bereits 15 Soldatinnen und Soldaten im Einsatz. Sie werden in den verschiedenen Teams wie beispielsweise der Corona-Hotline, dem Infiziertenmanagement, der Erstermittlung sowie der Kontaktpersonenermittlung eingesetzt. Mittlerweile sind 45 Soldaten aus der Panzerbrigade 21 aus Augustdorf im Corona-Hilfs-Einsatz in der Kreisverwaltung Gütersloh.

Lieber digital….

Ich möchte den Einsatz der SoldatInnen nicht schmälern, sie machen sicher einen guten Job. ABER diese Handlung geht am eigentlichen Ziel vorbei. Sie verkleistert den Missstand in einer veralteten Verwaltung.

Ich setze lieber auf digitale Innovation, die aus einer händischen, papierformgetriebenen Verwaltung eine moderne, schnelle, transparente und bürgernahe Verwaltung macht. Die Zeiten für das Erlangen und Auftanken von digitaler Governance-Kompetenz wäre genau jetzt. Hier und heute.

Analoges: Bitte wegtreten!

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