Makerspaces als Treiber für SmartCity

Getüftelt wurde schon immer. Selbst gebaut ebenso. Gestern wie heute. Früher fand das im Hobbykeller statt, heute sind neue kreative Orte entstanden, an denen gebastelt und gewerkelt werden kann: die Makerspaces. Die Möglichkeiten des Digitalen schaffen dabei ganz neue Komponenten.

Das Foto zeigt einen Makerspace auf dem CCC-Kongress in HH.

Vorreiter der Makerspace-Szene

Kreative im digitalen Hobbykeller der Zukunft 

Makerspaces sind offene Räume, in denen Menschen zusammen kommen, die entwickeln, produzieren, reparieren und einfach nur ausprobieren. Hier entstehen neue Produkte und Ideen, kreativ und im Selbstbau – und zwar unter der Zuhilfenahme von neuen Werkzeugen wie 3D-Drucker, Vinyl Cutter, Laser-Cutter, Apps und so weiter. Die neuen Kreativen aus der Do-it-yourself-Hacker-und-Maker-Szene verschwinden dazu nicht mehr im Keller, sondern erobern die öffentlichen Räume zurück. Ihre Werkstätten finden sich heute mehr und mehr in eigenen öffentlichen Laboren, vor allem auch in Bibliotheken. Es sind öffentlich zugängliche Räume, die darauf setzen, die Menschen zum Selbertun anzuregen, einzuladen. Menschen mitzunehmen und in ihrem eigenen Tun zu befähigen. Makerspaces sind auch bekannt unter der Bezeichnung „Fablab“ oder „Offenes Technologielabor“ oder auch „Hackerspaces“, dort wird mit Open Source Software programmiert – aber nicht nur. Fakt ist: es ist ein Kreativpool von Menschen, die sich finden. Wenn von SmartCity die Rede ist, sind es diese Hotspots, die eine Stadt dazu machen, die beitragen, dass Smart City von unten gelebt und beatmet wird. Smart im Sinne von Innovation in und durch Bürgerhand.

Die Idee ist getragen von der Beteiligung der Menschen, vom kreativen Ausprobieren, aber auch durch den Aspekt der Gemeinschaft, der Nutzung neuer Technologien und dem Anspruch, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen, wenn etwa aus Offenen Daten Apps entstehen, die der Gesellschaft helfen. Oder auch wenn Lastenfahrräder gebaut werden, die die Mobilität in den Städten wegbringen vom Autoverkehr und die Menschen im urbanen Raum anders mobil machen. Oder wenn man einfach lernt, zu programmieren. Was in den meisten Schulen nicht auf dem Lehrplan steht. Und auch sonst nicht.

Das Foto zeigt Techkids beim CCC in HH.

Techkids – Vorreiter hier beim CCC

Hier findet sich eine Liste von Makerspaces, die man besuchen kann, um Erfahrungen zu sammeln. Der Gedanke der Makerspaces verbreitet sich, hält bereits Einzug in vielen Städten und Gemeinden, die sich auch den Weg machen, Digitales und künstliche Intelligenz mit der Do-it-yourself-Bewegung zu vernetzen und für sich kreativ zu nutzen. Die Menschen vernetzen sich, basteln und probieren gemeinsam, tauschen sich aus. So entsteht Beteiligungskultur und das gemeinsame Lernen im Umgang mit digitaler Technik als Bewegung von unten. Und alles angesiedelt im öffentlichen Raum.

Bibliotheken als Hotspots 

Viele Bibliotheken nutzen diesen Aufbruch und schaffen Räume für diese Bewegung. Die Stadtbibliothek Köln eröffnete 2013 als erste Bibliothek in Deutschland einen Makerspace. Aber nicht nur das Tüfteln wird hier ermöglicht, sondern auch der Umgang mit Tablets und Smartphones wird vertieft. Hier kann man Podcasts aufnehmen, an IPads komponieren. Damit wird die Grundidee von Bibliotheken neu beatmet, als ein Ort des Lernens, des Ausprobierens und der Vermittlung von Mut, mit neuer Technologie in Berührung zu kommen. Die Bevölkerung einer Stadt wird so vom Konsumenten zum Produzenten mitgenommen. Teilhabe wird ermöglicht. Ein öffentlicher Raum wird zum Ermöglicher und zur Plattform für Entfaltung von Neuem. Das Geheimnis des Gelingens liegt darin, dass unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zusammenkommen, nicht nur die Nerds am Werk sind.

Mein Favorit: Ulm 

Ein ganz besonderes Beispiel für das Gelingen dieser neuen Ansätze ist das „Verschwörhaus“ in der Stadt Ulm. Eingerichtet wurde es im Rahmen der digitalen Agenda der Stadt Ulm als das „Experimentierfeld für die Welt von morgen“. Ausgestattet ist es mit 3-D-Druckern, offenen Werkstätten und Vortragssälen. Ziel ist es, die Stadtbevölkerung mitzunehmen und fit zu machen, gemeinsam die Zukunft zu gestalten. Das Verschwörhaus ist deutschlandweites Leuchtturmprojekt für netzkulturelle Programme und Diskurse um die „Zukunftstadt 2030“. Die Räume befinden sich mitten in der Innenstadt, sind fußläufig zu erreichen – also sichtbar und zentral in der Wahrnehmung der Stadtgesellschaft. Eine Perle in der insgesamt hervorragenden digitalen Strategie der Stadt. Man kann darüber ins Schwärmen geraten. Demnächst mehr von vor Ort.

Klein starten aber mit Mut 

Vielleicht kann nicht jede Kommunen gleich so einen großen Wurf hinbekommen. Vernetzen und schauen, wo am Ort schon eine kreative Gemeinschaft programmiert und bastelt, das jedenfalls können Verantwortliche aus Verwaltung und Politik schon ermitteln. Und Wege aufzeigen, hier Möglichkeiten zu schaffen. Es braucht Orte, die dazu einladen, es braucht die Anbindung an ein schnelles Netz, es braucht Netzwerke, die Finanzhilfe leisten, es braucht aber vor allem eins: Mut, das Thema anzupacken und für sich zu entdecken.

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