Bürgermeister: Hergehört!

Sie leben mitten unter uns. Und ihr Können, ihre Begeisterung und ihr Wissen interessieren nur wenige Eingeweihte. Das ist ein Fehler!

Ich spreche von digital bewegten Jugendlichen.

Daher: Bürgermeisterinnen und Bürgermeister im ganzen Land – hergehört!

Da pilgern ganze Scharen Jugendlicher zur Gamescom nach Köln. Sie spielen. Im Netz. Digital. Und mittlerweile wissen auch die Kanzlerin Angela Merkel und auch der Ministerpräsident von NRW, Armin Laschet, diese Bilder für sich zu nutzen. Die Bilder gehen medienwirksam um die Welt. Die Inhalte aber, das Können und die Lust auf digitale Gestaltung bleibt dabei immer noch in den Hallen der Messe. Sie müssen aber stärker den Brückenschlag ins Alltägliche schaffen. Immersion – also die Verschmelzung von virtueller und realer Welt – wird gebraucht, wenn es darum geht, auch IOT, das Internet der Dinge, in den kommunalen Raum zu übertragen. Wir brauchen die Expertise der vielen Spieler, um die Herausforderungen auch vor Ort lösen zu können: Energieeffizienz, intelligente Mobilität, Beteiligung an Entscheidungen, Kooperationen für neue Ansätze. Und vieles mehr. Aus dem Spiel ins echte Leben.

Gleicher Fall beim Codieren

Da basteln ganze Gruppen von Jugendlichen an Codes und Apps – immer im Dienste auch von Gesellschaft und ihrer Lebensumwelt, sie bündeln sich unter „Jugend hackt“ – mit Code die Welt verbessern. Sie beschreiben dieses hohe Ziel sogar in ihrem Claim. Jugend hackt ist ein Programm zur Förderung des Programmiernachwuchses im deutschsprachigen Raum. Mit Hilfe von Open Data basteln sie an Prototypen, digitalen Werkzeugen und Konzepten für ihre Vision einer besseren Gesellschaft. Jugend hackt findet statt in mittlerweile zahlreichen größeren Städten:

 

Den Wissenstransfer in die kleineren Kommunen muss man herstellen. Das, was da gerade passiert, ist pulsierende Zukunft. Das ist geballtes Wissen. Das ist das, was in Managementseminaren gelehrt wird:

Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht die Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten und Aufgaben zu vergeben, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem endlos weiten Meer.

Antoine de Saint-Exupéry, französischer Schriftsteller, 1900-1944

 

Hier könnte man es einfach abrufen: die Motivation, das Wissen und das Können. Wäre ich Bürgermeisterin einer Stadt – ich hätte die Spielerinnen und Spieler, die Hackerinnen und Hacker längst eingeladen. Sie wären mir bekannt und ich suchte den Austausch. Weil sie es sind, die etwas zu sagen haben, beizutragen zum Weg in die digitale Welt. Dies ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch die Chance, die Demokratie updaten kann – mit neuen Formen der Zusammenarbeit, der Teilhabe und der sozialen Verteilung. Wer wenn nicht Jugendliche könnten da ein Wort mitsprechen?

Vielleicht aber sind eher die innovativen Schulen am Drücker als Bürgermeister – da beginnt es zumindest zu rascheln:

 

Glasfaser ist Zukunft

Die digitale Infrastruktur ist der Standortfaktor Nr. 1. Wer künftig kein Glasfaser in seiner kommunalen Erde flächendeckend verlegt hat, wird dieses Versäumnis kaum mehr aufholen.

Die BiTel hatte in der letzten Woche ihren Geschäftsbericht für Gütersloh vorgestellt. (leider nicht online) Gütersloh ist meine Heimatstadt – und zudem der Ort, der demnächst in weiten Teilen des Stadtgebietes vom schnellen Netz der Zukunft abgekoppelt sein wird.

ohne Worte

ohne Worte

Hier mein Leserbrief dazu: (vielleicht veröffentlicht ihn auch die Lokalzeitung)

Die BiTel sieht sich vor einem guten Geschäftsergebnis. Das erfreut. Was nicht zu lesen ist: sie unterliegt einer Wettbewerbsverzerrung, die sich insgesamt schädlich für Gütersloh auswirken wird.

Die Telekom hat sich den Löwenanteil der Versorgung mit angeblich schnellem Internet in Gütersloh gesichert. Der Grund ist nicht etwa Qualität oder Cleverness. Es ist bedingt durch ein wettbewerbshinderliches Vergabeverfahren durch die Bundesnetzagentur. Damit liefert man einem ehemaligen staatlichen Monopolisten den größten Teil des Zukunftskuchens Freihaus auf den Teller. Die Telekom verwendet bei ihrem Vectoring-Ausbau veraltete Kupferkabel und verhindert damit den Ausbau von zukunftsfähiger Glasfaser, wie etwa die BiTel es verbaut. Dem Wettbewerber am Markt, eben wie die BiTel ein solcher ist, bleiben nur Küchenkrümel übrig. Will zudem ein Kunde der BiTel ebenfalls schnelleres Netz, muss er bisher den Anbieter wechseln, etwa zur Telekom, da die BiTel bisher kein Vorleistungsprodukt, welches ihr die Telekom einräumen müsste, anbieten kann. Weil die Telekom das zwar versprochen hat, aber bis jetzt nicht hält.

Was auf den ersten Blick aussieht, als wollte ich Werbung für die BiTel machen, entpuppt sich auf den zweiten Blick als regelrechter Standortnachteil für einen Großteil der Stadtgebiete in Gütersloh. Glasfaser ist die Zukunft. Das ist mittlerweile eine Binsenweisheit, die selbst die großen Wirtschaftsverbände auf den Plan ruft, die gegen das Technologiemonopol der Telekom protestieren.

Wer als Einwohner der Stadt in seinem Stadtviertel eine digitale Infrastruktur mit Glasfaser vorfindet, hat künftig klare Vorteile: Viele werden dorthin ziehen wollen, wo gutes Netz ist, die Immobilienpreise werden steigen, die Arbeitsbedingungen für neue Arbeitsformen wie Arbeit4.0 werden dort hervorragend sein. Glasfaser ist eine Technologie faktisch ohne Beschränkungen hinsichtlich der zu transportierenden Datenmengen. Es ist eine Zukunftstechnologie mit Vorteilen sowohl für den Wohn-, Wirtschafts- und Bildungsstandort in der Stadt. Der Großteil der Bevölkerung aber wird mit der antiquarischen Technik der Telekom zu kämpfen haben, welche schon in wenigen Jahren ihre Leistungsfähigkeit eingebüßt hat. Auf dem Weg in die Gigabit-Gesellschaft bleibt Gütersloh abgeschnitten. Leider ist das immer noch ein Nischenthema in Gütersloh. Leider vertrauen die kommunalen Entscheider weiterhin darauf, dass ein Ex-Monopolist es richten wird. Leider interessieren sich auch die in den Startlöchern stehenden Bewerber für das Bundestagsmandat für den Wahlkreis Gütersloh nicht so richtig für eine digitale Infrastruktur. Wir bleiben auf der untersten Stufe der Möglichkeiten. Trotz der guten Geschäfte der BiTel müssten daher die Alarmglocken der Entscheider losgehen: Wie schaffen sie künftig die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse, wenn die wenigen Kunden der BiTel schnelles Netz haben aber ein Großteil der Bevölkerung nur noch im Schneckentempo Internet nutzen kann? Es wäre Zeit für intelligentes Ausloten, wie man hier den Anschluss behält. Trotz der Telekomhoheit. Dass es möglich ist, zeigen viele andere kommunale Beispiele.

Ohne Kabel ist keine Stadt zu machen

Sich in fremder Umgebung zurechtzufinden, ist mittlerweile kein Problem mehr. Die Welt steckt in jedem Smartphone und die zahlreichen kleinen HelferleinApps meistern, den individuellen und schnellsten Weg von A nach B: Straßenverzeichnisse, Sehenswürdigkeiten, Öffentliche Mobilität, Koordinaten. Ein Mix an Möglichkeiten steht bereit. Eine der wichtigsten Apps wäre aber wohl mittlerweile die: Wo finden sich öffentliche Steckdosen zum Aufladen von mobilen Devices alles Art? Am besten gratis. Am besten aus regenerativer Energie. Am besten ohne Datenklau. Damit die kleinen mobilen Helfer funktionieren, braucht es Ladestationen.

Das Foto zeigt eine Grafik auf der CeBIT mit dem Hinweis auf Ladestationen für mobile Devices.

ohne Kabel läuft nix – Ladestationen für Cities

Auf der CeBit fand ich genau das ziemlich gut: eine kostenlose, freie Ladestation mit ausreichend Steckdosen und vielen Sitzgelegenheiten. Super gemacht. Wäre meiner Meinung nach auch auf jede Innenstadt zu übertragen. Sogar grün produzierbar. Voraussetzung ist natürlich die Datensicherheit, d.h. kein Hacking möglich, kein Datentransfer und keine Installation von Schadsoftware. Das geht.

Besonderes Augenmerk bekam das Thema nochmal im Rahmen der Hackathons „Refugees Welcome„: Hat man einmal begriffen, wie zentral und schier überlebenswichtig die mobile und globale Kommunikation im Leben der Menschen geworden ist, weiß man, wie wichtig eben auch Ladestationen sind, die man zu jeder Zeit ohne Bezahlung nutzen kann. Warum also nicht solche Ladestationen an zentralen Orten einrichten? Warum nicht auch dazu ein eigene App für die Cities basteln – oder sie in die City-Apps mit aufnehmen – wo diese Ladestationen sind? Smart Data nutzen für ein (smartes) Leben.

Smart Data als Schild auf der CeBIT.

Smart Data als Ziel