Einhörner auf der CeBIT

Seltsame Wesen liefen dort herum, auf der CeBIT 2017. Ich traf das Einhorn „Unicorn“ selbstverständlich dort, wo man es am ehesten vermutet: In der Halle mit den Start-ups, die allesamt hoffen, ihre Geschäftsidee möge zum wirtschaftlichen Durchbruch reichen. Sei es nun ein Schuhdesigner, der Schuhe digital anpasst, sei es ein Anbieter für Finanzdienstleistungen, die rein digital ablaufen und keine Mittler wie Banken mehr brauchen oder sei es eine neue Plattform für Kommunikation im digitalen Arbeitsmodus oder für das Auffinden von Experten. Alle eint:

Ein steiniger Weg bis zum ersten Erfolg. Aber auch ein spannender. Am Ende steht die Möglichkeit, dass eine Idee eine ganze Branche revolutioniert.

das Foto zeigt ein Einhorn auf der CeBIT

seltsame Wesen auf der CeBIT

Unicorn

Alle sprechen drüber, Start-ups sind zum festen sprachlichen Bestandteil in unserer Betrachtung von Wirtschaft und Arbeit geworden. Im besten Fall wünschen sich alle eine substantielle Gründerszene, die den Anschluss hält. Nur: Wie entstehen die eigentlich? Wie sollten die Rahmenbedingungen sein, ein Klima des Gelingens? Das ruft unweigerlich auch die Kommunen auf den Plan. Irgendwo müssen sie ja „gründen“, diese neuen Unternehmen. Gut, wenn Kommunen sich auf diese neue Klientel einstellen, Kompetenz aufbauen, sich selbst fit machen für die neuen Geschäftsentwicklungen. Wirtschaftsförderung muss digital gedacht werden. Das Land NRW ist unterwegs mit dem Ansatz „digitalWirtschaft NRW“ und bringt es auf den Dreiklang: Köpfe, Kapital und Märkte.

Wer gründet, braucht Köpfe. Kommunen blicken auf vielfache Orte, an denen diese wirken: in den Betrieben, in den Schulen, wenn vorhanden in den Unis oder FHs. Stimmt das Umfeld und die Räume zum Ausprobieren, können Köpfe ihre Ideen entwickeln. Es braucht ein Klima des kreativen Aufbruchs.

Wer gründet, braucht Kapital. Sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene sind Fördertöpfe für Start-ups aufgesetzt. Allerdings sind die Wege noch lang und bürokratisch, um die Gelder abzuschöpfen. Zudem fehlt oft die Kompetenz und der Weitblick von Geldgebern, welche Chancen in Ideen stecken. Die Vergabe verläuft oft nach alter Tradition, die Latten liegen hoch. (Wer schon mal einen Kredit beantragt hat….)

Gleiches gilt für die kommunale Wirtschaftsförderung: Es empfehlen sich für Kommunen: digitale Scouts oder auch digitale Dolmetscher, die die bisherige analoge Welt in die digitale übersetzen können. Das aber ist nur ein Einstieg. Längst sind es grundsätzlich digitale Geschäftsmodelle, die es zu denken gilt. Lediglich bestehende Prozesse digital zu machen, wird keinen Bestand haben. Das ist nicht gefragt. Es braucht Beispiele, was Digitalisierung im individuellen und kommunalen/regionalen Kontext an Mehrwert bringen kann, es braucht Innovationszirkel, es braucht einen aktiven Wissenstransfer, die Öffnung zu Impulsgebern, es braucht Stakeholder-Dialoge und die Nähe zum Kunden, die ihre Wünsche und Bedarfe bezogen auf Produkte formulieren. Große Schritte auch für Kommunen und ihr Personal.

Das alles und viel mehr summiert sich in einem veritablen digitalen Kulturwandel. Wobei außer Frage steht, ob „wir“ das wollen oder nicht. Es passiert bereits. Die Frage stellt sich, wie uns der Anschluss gelingt, mit Teilhabe aller und Chancen für alle. Das Unicorn ist Sinnbild für diesen Wandel. Es existiert. Ich habe es gesehen. Fangen wir es ein.

GT-Info – Mein Interview zur Kandidatur

 

Das Interview im Spaziergang. Ich habe den Mohns Park ausgewählt, weil mein Sohn dort das Fahrradfahren gelernt hat.

Markus Corsmeyer ist der Chefredakteur des GT-Info, Konrad Ohlson ist der Filmemacher.