Von Sensoren und Mauerwerk

Was für eine Erkenntnis!

Im Rahmen des Barcamps von #OffeneKommunenNRW in Wuppertal habe ich ein kurzes Tape mit Caspar Armster vom OKLab Bonn aufgenommen. Sein Steckenpferd ist wie meines auch der ländlicher Raum. Ich habe ihn gefragt, was man mit Daten, die über Internet of Things gewonnen werden, anstellen kann. Hier eine Kostprobe von Wasserdaten und Rissen im Mauerwerk.

 

 

Der ländliche Raum ist charakterisiert durch die Herausforderung, Raum und Zeit möglichst intelligent zu überbrücken. Gerade im ländlichen Raum ist es daher äußerst spannend, dafür Sensoren zu nutzen, Vernetzung voranzutreiben – und neue Muster zur Steuerung einzusetzen, die ein Leben dort langfristig möglich machen, ohne von Teilhabe abgeschnitten zu sein.

Netzwerken und Dialekt

Auf Einladung der Rheintalischen Grenzgemeinschaft hatte ich die Gelegenheit in Dornbirn Vorarlberg in Österreich über Digitalisierungsstrategien für digitale Regionen zu referieren.

Veränderung nicht auf die lange Bank schieben

Kreativität, Agilität und Mut gefragt sind. Vor Ort entscheidet sich die Zukunft der Gesellschaft. Damit der digitale Wandel gelingen kann, brauchen Kommunen Experimentierräume, Freiräume, um die „modischen“ Impulse der Digitalisierungswelle zwar aufzunehmen aber in ihrer Eigenart umzusetzen. Analog der Spannungsbögen zwischen Vergesellschaftung und Individualisierung können die Menschen vor Ort am besten erachten, welche Herausforderungen sie konkret angehen, um passgenaue Antworten für ihre Lebenswelten zu entwickeln. Regionale Eigenheit ist gefragt. Insbesondere das starke Aufkommen von künstlicher Intelligenz hinterfragt den Menschen nach seinem Alleinstellungsmerkmal, wenn man unterstellt, dass KI schneller und fehlerfreier Denken kann als Menschen das können – Menschen aber kreativ sind aber eben unberechenbar bleiben. 

Donath Oehri, Präsident des Netzwerkes und Manfred Batliner, Geschäftsführer des Netzwerkes, begrüßten und hoben diesen regionalen Aspekt der Eigenheit für ihr Netzwerk hervor.

U. a. Dr. Kurt Fischer, Bürgermeister von Lustenau, referierte über die veränderte Kommunikation zwischen Verwaltung und Bürgerschaft.

Ein Projekt, welches mich besonders begeistern konnte, ist der digitalisierte Dialekt aus der Gemeinde Lustenau. Die App „d’Luschnouar Sprôôch“ ist die Mundartdatei in Form eines Wörterbuchs. Sie beinhaltet Lustenauer Dialektwörter und Redewendungen mit Übersetzung ins Hochdeutsche. Ein besonderes Feature der App ist die Audiofunktion zur Wiedergabe der Lustenauer Ausdrücke.

 

Kommunale Infrastruktur wird smart 

Aufschlussreiche und spannende Informationen zu IOT, Internet der Dinge, in kommunaler Infrastruktur gab die Firma Zumtobel, bei der die Veranstaltung zu Gast war.

Zumtobel ist Lieferant für Services und smarte Technologie in Beleuchtungen aller Art. Schon heute sind etwa Straßenlaternen nicht nur Spender von Licht im öffentlichen Raum, sondern sie sind auch Sender und Empfänger von Daten. Diese Veränderung berührt die kommunale Infrastruktur ebenso wie die Daseinsvorsorge vor Ort. Sie ist ein zentrales Aufgabenfeld für die Kommunen der Zukunft. Wer stellt diese Technik bereit? Wie kann man dabei die Bevölkerung mitnehmen – und letztlich bleibt die Frage, wie das Allesnetz, wie @DamianPaderta es nennt, auf den Aspekt des OpenGovernment einzahlt: Transparenz, Partizipation, Koproduktion. Ist die neue Technik hilfreich zur Verbesserung der Lebensverhältnisse der Menschen, oder keimt da lediglich ein nächstes TechThema auf, welches ein gewinnbringendes Geschäftsmodell der Zukunft ist ohne die Abläufe im Hintergrund transparent zu erklären und den Menschen dabei im Mittelpunkt zu sehen. Zahlreiche Baustellen für kommunale Verwaltungen und Politiker gleichermaßen zeigen sich bereits heute, wenn es darum geht, IOT für sich zu erkennen und zu nutzen. Digitale Veränderungen vollziehen sich rasend schnell und tiefgreifend. Kommunen sind gut beraten, wenn sie Veränderungen nicht auf die lange Bank schieben, sondern für sich nutzbar gestalten. In der Grenzgemeinschaft hat man das auf dem Radar.

Internet der Dinge – im Alltag schon da

Sie tauchen auf im Alltagsleben unserer Gesellschaft: die neuen Formen der Kommunikation. Da sprechen nicht nur Menschen mit Menschen. Jetzt kommunzieren auch die Dinge miteinander. Internet of Things ist längst keine Zukunftsmusik. Sie findet statt. Am Ende wird es ein Internet of Everything sein: Mensch-Maschine-Maschine-Mensch etc. Die Welt kommuniziert.

Heute ist es der digitale Stuhl: Er steht im Konzertsaal, aneinandergereiht und weist seine Nummer aus, je nachdem, wie er gereiht ist. Alles digital. Vernetzt zählt er seine Position selbst. Vernetzt könnte er demnächst auch noch seine Sensoren dazu einsetzen, das Gewicht dessen zu bestimmen, der auf ihm Platz nimmt – um das Ergebnis gleich weiterzuleiten, es gibt immer jemanden, der mit diesem Datensatz etwas anfangen kann.

Das Foto zeigt einen Stuhl mit einer digitalen Nummerierung.

digitaler Stuhl – IOT im Alltag

Noch interessanter: die Preisschilder (hier in Norwegen) im Supermarkt sind elektronisch. Die Preis- und Informationsbeschriftung ist digital. Sensoren sind in der Lage, die Preise und Infos in Sekundenschnelle zu aktualisieren. Elektronische Regaletiketten (ESL Electronic Shelf Labels) machen es möglich – und erleichtern zudem die Inventur. Elektronische Regaletiketten kommen im Handel immer selbstverständlicher zum Einsatz, so, wie dies bereits in der Industrie verwendet wird: von gewöhnlichen Preisauszeichnungen bis zur Beschriftungen von Produktionsstrassen (Kanban) oder Lagerplätzen im Logistikbereich – alles drin. Firmen wie EDEKA, Media Saturn Holding, Netto sind bereits auf dem Weg, ihre Ladenlokale flächendeckend mit elektronischen Preisschildern auszuzeichnen. Das spart Personalkosten, das spart Druckkosten für Papieretiketten, das spart Zeit. Das ermöglicht blitzschnelle Marktanpassung. Etwa dann, wenn das Wetter gut ist und alle Welt grillen möchte: Der Preis für Grillware könnte dann augenblicklich erhöht werden. Auf Knopfdruck. Die Vorteile liegen auf der Hand, Einsparungen, Profit, Marktposition. Über die Nachteile wird weniger ausführlich gesprochen. Bisher.

Vernetzt können diese Preisschilder künftig nämlich noch mehr: etwa erkennen, welches Smartphone an ihnen vorbeigeht. Diese Info gibt Rückschlüsse auf den „Träger“, also den Kunden: Nutzt der teure Marken wie Apple, so wäre es durchaus möglich, dass sich Preise blitzschnell verändern können, nach oben nämlich, weil der vor der Ware stehende potenzielle Kunde selbst als vermögend klassifiziert wird.

digitaler Preis

digitaler Preis

Aber auch in den Städten tauchen immer mehr Sensoren auf. Smart City. Lichtmasten etwa sind in vielen Städten schon jetzt keine einfachen Lichtspender mehr. Sondern sie sind auch Sensoren – Produzenten und Aufsauger von Daten. Sie kommunizieren in Echtzeit.

Bristol als Smart City in GB spielt mit Sensoren in der Innenstadt und nimmt die Menschen so mit auf dem Weg: Durch Lichtspiele, die an zentraler Stelle in der Innenstadt angebracht wurden. Diese warfen Lichtmotive auf die Straße oder auf Wände. bunte virtuelle Vöglein etwa. Menschen blieben verwundert stehen und traten dann in die Interaktion mit diesen „Lichtwesen“, man versuchte sie zu fangen, zu berühren oder drauf zu treten. Wohlwissend, dass es nur Licht war. Und doch kam es zum positiven Nebeneffekt, dass sich die Bevölkerung bewusst wurde – da sind Sensoren im meiner Stadt. Die liefern Daten, sie produzieren Daten. Mit Daten wird künftig mein Umfeld gesteuert – und die Daten liefere zum größten Teil ich als Teil der Stadtbevölkerung. Wem aber gehören künftig Daten? Eine Frage, die sich gerade sehr deutliche in Barcelona stellt, eine SmartCity, die Daten künftig in Bürgerhand belassen will und nicht in der Hand der großen Tech-Firmen. Es verspricht eine spannende Diskussion zu werden. Dabei sprechen die Dinge ein Wörtchen mit.

Bristol spielt.

spielend die Bevölkerung mitnehmen