Mein persönlicher Avatar – schon mal getestet

Das CITEC entwickelt mit dem Projekt „KogniHome“ einen virtuellen Butler – offiziell heißt das noch „Dialogassistent auf dem Bildschirm“, der mit Bewohnern einer intelligenten Wohnung kommunizieren kann. In der letzten Woche habe ich an einer Studie dazu teilgenommen: Wie stellen Sie sich ihren persönlichen Avatar vor? Blond, braun, grau? Mann oder Frau? Und so weiter. Der Avatar wird in mehreren Einsatzfeldern aktiv: als Hilfe in der Küche, als Fitnesstrainer oder als Butler an der Haustür.

Das Foto zeigt einen Aufruf zur Teilnahme an einer Studie zur KI.

Wie soll er sein, der persönliche Butler?

Das Projekt Kogni Home untersucht, wie vernetzte Technik den Alltag zuhause erleichtern, gesünder und sicherer machen kann. Dies nicht nur für Menschen mit Demenz oder Altersgebrechen, sondern insgesamt auch für Familien. So werden „mitdenkende“ und vor allem vertrauenswürdige technische Systeme entwickelt, die im Alltag der Menschen unterstützen können.

Wie solche Avatare aussehen sollten, wie sie sprechen, welche Gestik oder Animation es sein soll  – all diese Fragen sind Gegenstand der Studie.

„Mein Avatar darf gerne graue Haare haben – aber bitte stattet ihn mit Humor aus.“

Mich haben meine intuitiven Antworten am Rechner sehr erstaunt. Als jemand, der in der Alterskohorte zwischen 50 und 55 verortet ist, merkte ich beim Ankreuzen und Ausfüllen der Fragen, wie wertkonservativ wir „Babyboomer“ doch offenbar sozialisiert wurden: Mein Avatar in der Küche muss weiblich sein, hat gerne graue Haare – und darf durchaus viel besser kochen können als ich. Mein Fitnesstrainer wäre ebenfalls weiblich, aber höchstens im Alter und Aussehen bis Mitte 20. Wäre eine solche sportliche Figur dabei, mich zu Liegestützen als Training zu motivieren, würde ich mir den Kommentar vorbehalten dürfen: „Werde Du erst mal so alt wie ich…“

Mein Butler an der Haustür wäre männlich, darf gerne schulterlanges graues Haar haben und mich daran erinnern, einen Regenschirm mitzunehmen – weil er ja aus den Wetterdaten weiß, dass es gerade draußen regnet. Von ihm wünsche ich mir einen kessen Spruch „Wenn Du nicht zurückfindest, piepse ich Dein Smartphone an und leite Dich.“ Wie erkennbar ist, hatte ich eine Menge Spaß in der Stunde, in der ich rechnerbasiert Antworten auf die zahlreichen Forscherfragen gab.

Die meisten Roboter verfügen übrigens über eine weibliche Stimme, so die Ergebnisse der Forscher der Purdue Uni Indianapolis. Stimme bei Künstlicher Intelligenz scheint auch hier eine GenderFrage zu sein. Ich bin mit meiner Einschätzung der Sozialisation also nicht ganz allein, wie wir konkrete Rollenbilder in uns tragen. Häusliche Arbeit scheint daher weiblich sein zu müssen.

Die Forscher präsentierten einige wunderbare Vorschläge für das Outfit und die Konstellation der Avatare. Ich bin auf den Geschmack gekommen. Man darf gespannt sein, wie die Avatare künftig individuell auswählbar zur Verfügung stehen. Dass sie in den Einsatz kommen – darüber besteht eigentlich kein Zweifel mehr.

Butler – analog und digital gefragt

Die Welt teilt sich, in analog und digital. Das merken auch die Butler der Welt. Es gibt sie in real und mit künstlicher Intelligenz.

das Foto zeigt eine Hand mit Tätowierung.

Der Butler – die helfende Hand

Heute durfte man im Lokalteil der Neuen Westfälischen Zeitung lesen, dass der Beruf des „echten“ Butlers ein Exportschlager sei – und die Ausbildung zum selben hoch nachgefragt ist. Es gibt sogar eine Schule und eine Fortbildung, die das für reale Menschen anbietet. Offenbar bedienen diese hochausgebildeten und multifunktional im höheren Spektrum der Gesellschaft einsetzbaren Menschen eine echte Marktlücke.

Dabei wird der Butler für die breite Masse der Menschheit künftig digital sein. Ein Breitenartikel. Mark Zuckerberg hat gerade einen „Butler“ für seine Familie entwickelt: Jarvis.

Auf Facebook schreibt er am 19.12.2016:

So far this year, I’ve built a simple AI that I can talk to on my phone and computer, that can control my home, including lights, temperature, appliances, music and security, that learns my tastes and patterns, that can learn new words and concepts, and that can even entertain Max. It uses several artificial intelligence techniques, including natural language processing, speech recognition, face recognition, and reinforcement learning, written in Python, PHP and Objective C.

Der persönliche „Butler“ Jarvis übernimmt die Lichtsteuerung im Hause Zuckerberg, öffnet die Haustür, wenn Freunde davor stehen und klingeln (und nur für sie versteht sich, weil er die Gesichtserkennung sicher drauf hat), macht Toast und soll auch Unterricht geben können in Mandarin für die Tochter. So findet es sich in einigen Meldungen über den Zeitvertreib eines der einflussreichsten Menschen der Welt. Man darf gespannt darauf sein, dass Jarvis bald Marktreife erlangt – und dann ein Butler sein wird für das gemeine Volk wie Du und ich. Übrigens ist Morgan Freeman  die reale Person, die AI Jarvis seine Stimme geliehen hat.

Gleichzeitig erlebt der Butler sein digitales Wiederbeleben auch in der Betreuung von an Demenz erkrankten Menschen, die durch diese künstliche Intelligenz (KI) ihre Autonomie in den eigenen vier Wänden erhalten. Ein Team von Wissenschaftlern tüftelt im Projekt KogniHome daran. Bald ist sicher mehr zu erwarten.

Übrigens taucht die Figur eines Butlers mit künstlicher Intelligenz auch ganz zentral auf im Werk „Germany 2064“ von Martin Walker. Dort heißt der Roboter „Stirling“ – als fast gleich programmiertes Pendant zu einem fiktionalen Roboterkollegen, der für die Polizei im Einsatz ist „Roberto“. Kurze Zeit wird sogar der Butler verdächtigt, der Haupttäter im Geschehen zu sein, übrigens einer von der Sorte, der auch Liebesdienste leisten kann.

Der Butler, eine offenbar vielschichtige Persönlichkeit, die sogar in der digitalen Welt ihren Wert behält. Wer hätte das gedacht.