Digitales in Schule

Die Bildungspolitik in Gütersloh habe ich ja bereits oft kritisch auf den Prüfstand gestellt. Leider immer wieder mit ernüchternden Ergebnissen.

Dieser Tage gibt es mal wieder bundes- und landespolitisch Luft unter meine Flügel, denn da werden die Notwendigkeiten erkannt, dass insbesondere „die Schule“ im Rückstand ist, wenn es etwa um die notwendige Ausrüstung etwa im digitalen Bereich geht.

Auf jedem Kongress, bei dem es um mittlerweile auch um digitale Veränderungen geht, kommt mittlerweile auch das Thema auf den Tisch, dass es künftig andere Qualifikationen der Menschen braucht, als Schule das bisher leisten kann.

Der Minister Duin etwa erklärt Freitag noch auf dem Wirtschaftskongress in Gütersloh, Schulen müssten im Ausbau der Infrastruktur von Internetzugang Priorität genießen:

Durchaus richtig erkannt. In Gütersloh hat gerade eben die Elterninitiative der Grundschuleltern diesen Punkt der mangelhaften Ausstattung mit IT in ihrem Kriterienkatalog aufgenommen. Die Stadt erarbeite ein Konzept dazu, heißt es nun.

Auch die SPD-Bundestagsfraktion fordert heute das Programmieren als Pflichtfach in den Schulen, damit sich die Heranwachsenden künftig „souverän in der digitalen Gesellschaft bewegen“ können.

Und zudem hat die Bildungsministerin des Landes NRW, Silvia Löhrmann (Grüne) gerade eine Pressemitteilung dazu verfasst, Schule müssen die Digitalisierung für individuelles Lernen nutzen. Sie verweist insbesondere auf das Projekt „Informatik an Grundschulen“:  „Seit Beginn des Schuljahres 2015/16 wird an fünf Grundschulen in NRW das Projekt „Informatik an Grundschulen“ durchgeführt. In Zusammenarbeit mit der Universität Paderborn, der Bergischen Universität Wuppertal und der RWTH Aachen erproben die Pilotschulen Informatikmodule für den Grundschulunterricht. Die Landesregierung investiert dafür rund 500.000 Euro.“

Nun ist die Grundschulinitiative aus Gütersloh eingeladen worden, sich dem Bildungsausschuss der Stadt GT vorzustellen – mit den oben genannten Entwicklungen dürften sie mit ihren Anliegen jetzt durchaus ernster genommen werden. Sie sprechen die richtigen Forderungen aus. Man darf gespannt sein, was konkret daraus entsteht. Mein Anliegen: Die Forderungen der Eltern ernst nehmen, transparent beteiligen – und endlich eine Schüppe drauf, was die Ausstattung der Grundschulen angeht.

Wer fehlt auf dem Treppchen?

In diesen Tagen gibt es sie wieder in Serie: die Fotos der Schul-Absolventen aus den unterschiedlichen Schulformen. Besonders hervorgehoben werden diejenigen mit einer besonderen Glanznote, der eins vor dem Komma. Aber es gibt auch Bildungsverlierer – die kommen nicht aufs Treppchen. Wo sind die Zahlen dazu? Das frage ich mich zeitnah auch vor der Ausgabe der Zeugnisse am kommenden Freitag!

Schüler bei Abschlussfeier

Schön, dass die meisten Jugendlichen an Gütersloher Schulen einen Abschluss geschafft haben.  Die jeweilige Schulgemeinde, die lehrenden Trainer, aber auch die Schulverwaltung freuen sich zu Recht in zahlreichen Abschlussfeiern über die Leistungsschau.

Erstaunlicher Trend: Viele weisen eine eins vor dem Komma auf. Gut so, aber es wirkt fast inflationär, wie viele auf dem Einser-Podium gelandet sind. Zählt nur noch das?

Es gibt aber auch Verlierer: Schüler ohne Hauptschulabschluss, Schüler nur mit einem Hauptschulabschluss nach Klasse 9, Schüler, die keine Lehrstelle bekommen, weil sie nur einen schwachen Hauptschulabschluss nach Klasse 10 vorweisen können, Haupt- und Förderschüler, die ihren Wunschberuf nicht erlernen können, weil die  Ausbildungsbetriebe Schüler mit mittleren und höheren Abschlüssen bevorzugen, Schüler, die jahrelang in den sogenannten „Warteschleifen“ an den Berufsschulen verbringen müssen.

Warteschleifen gibt es übrigens auch für Gymnasialschüler, die ohne eine Eins vor dem Komma in die Fänge des Numerus Clausus geraten und deshalb ein soziales Jahr, ein Praktikum, einen Job im In- oder Ausland annehmen müssen. Auf den Wartelisten landen und Wartesemester sammeln. 

Um neben den Siegeshymnen die tatsächliche Situation an Gütersloher Schulen zu beleuchten, wären auch die Schulwechsler-Zahlen, die Wiederholerquoten, Daten, die die Prognosen am Ende des 4. Schuljahrs im Verhältnis zum erreichten Abschluss aufzeigen und die Chancengerechtigkeit von Migranten und Kindern aus bildungsfernen Schichten vonnöten. Sie liegen vor, werden aber nicht genutzt. Und nicht jedes Kind, das auf ein Gymnasium geht, erreicht das Abitur, wann und wo gehen diese verloren?

Als Rektor einer Schule, als Schulverwaltungsbeamter und als Schulpolitiker sind jedoch genau diese Zahlen von großer Wichtigkeit, sie zeigen den Istzustand ungeschönt und eröffnen eine Handlungsperspektive.

Ob der Schulentwicklungsplan, der zur Zeit aufgestellt wird, solche Daten enthalten wird, ist fraglich – bleibt abzuwarten. Was nicht abzuwarten ist: die, die nicht auf dem Treppchen gelandet sind, dürfen nicht vergessen werden. Am Ende zählt nicht die eins vor dem Komma. Es zählt die Haltung. Es zählt der Mut der jungen Menschen ins Leben zu gehen und in Zeiten einen Platz zu finden, die sich langsam von der Komfortzone verabschieden. 

Eine Frage an Frau Knopp…

Heute haben Schülerinnen und Schüler der Klasse 10 der Freiherr-vom-Stein-Realschule Fragen gestellt: Was machen Sie, wenn Sie NICHT gewählt werden? 🙂 Und: Was machen Sie, wenn Karstadt in der Innenstadt geschlossen wird? Was machen Sie für den Umwelt- und Naturschutz? Auch die drei weiteren Kandidaten wurden befragt. Eine Diskussion untereinander konnten wir aber nicht führen…

Schüler fragen - Kandidaten antwortenDie Beiträge wurden gefilmt und erscheinen wieder im nächsten GT-Info-Stadtmagazin.

Beeindruckend ist schon, dass sich die jungen Menschen dieser Tage auf den Weg machen, die Schule verlassen und erste Gehversuche unternehmen, ihren Platz im Leben zu finden. Was für ein spannender Aufbruch. Dieses Gefühl, dass jetzt bald etwas Neues beginnt, das teile ich mit den jungen Damen und Herren.

Mein Herzenswunsch an alle, die jetzt in alle Winde verteilt werden: bleiben Sie aufrecht, vertrauen Sie sich selbst – und bleiben Sie gerne auch Bürger in Gütersloh.

Bildung: Eltern einbeziehen

Im Bildungsausschuss am 17.3. steht zwar der Schulentwicklungsplan für 2016 – 2021 auf der Tagesordnung. Die eigentliche Nachricht aber lautet: Der Plan wird nicht-öffentlich beraten. Eltern und Schulvertreter könnten „zu gegebener Zeit“ ins Verfahren eingebunden werden.

Das Foto zeigt ein Plakat mit der Aufschrift wir. Der Hintergrund ist rot, der Schriftzug ist weiß.

Vor Herbst 2015 ist nicht mit einer ersten Fassung zu rechnen, eine Entscheidung der Politik folgt erst im Sommer 2016. Bisher haben die Politiker schon dreimal alleine getagt und wollen das auch wieder tun.

Eltern müssen bereits jetzt in die weiteren Verhandlungen mit einbezogen werden. Wie Bildung in Gütersloh aussehen sollte, ist ohne Eltern nicht zu beantworten. Eltern gehören von Anfang an eingebunden. Warum sonst werden Elternvertreter gewählt und legitimiert sich für ihre Belange und die ihrer Kinder zu setzen? Das ist ein konkretes Beispiel für meine Ziele der Beteiligungskultur und einer modernen Bildungspolitik.

Wer die Eltern angesichts dieser dringenden Fragen weiter außen vor lässt,  entmündigt diese und spricht ihnen die Kompetenz ab, sich hier qualifiziert einzubringen. Nur gemeinsam kann die Frage beantwortet werden:

Was ist Bildung, was sind Kinder in Gütersloh wert?

Mehr dazu findet sich hier.