Von Sensoren und Mauerwerk

Was für eine Erkenntnis!

Im Rahmen des Barcamps von #OffeneKommunenNRW in Wuppertal habe ich ein kurzes Tape mit Caspar Armster vom OKLab Bonn aufgenommen. Sein Steckenpferd ist wie meines auch der ländlicher Raum. Ich habe ihn gefragt, was man mit Daten, die über Internet of Things gewonnen werden, anstellen kann. Hier eine Kostprobe von Wasserdaten und Rissen im Mauerwerk.

 

 

Der ländliche Raum ist charakterisiert durch die Herausforderung, Raum und Zeit möglichst intelligent zu überbrücken. Gerade im ländlichen Raum ist es daher äußerst spannend, dafür Sensoren zu nutzen, Vernetzung voranzutreiben – und neue Muster zur Steuerung einzusetzen, die ein Leben dort langfristig möglich machen, ohne von Teilhabe abgeschnitten zu sein.

Internet der Dinge – im Alltag schon da

Sie tauchen auf im Alltagsleben unserer Gesellschaft: die neuen Formen der Kommunikation. Da sprechen nicht nur Menschen mit Menschen. Jetzt kommunzieren auch die Dinge miteinander. Internet of Things ist längst keine Zukunftsmusik. Sie findet statt. Am Ende wird es ein Internet of Everything sein: Mensch-Maschine-Maschine-Mensch etc. Die Welt kommuniziert.

Heute ist es der digitale Stuhl: Er steht im Konzertsaal, aneinandergereiht und weist seine Nummer aus, je nachdem, wie er gereiht ist. Alles digital. Vernetzt zählt er seine Position selbst. Vernetzt könnte er demnächst auch noch seine Sensoren dazu einsetzen, das Gewicht dessen zu bestimmen, der auf ihm Platz nimmt – um das Ergebnis gleich weiterzuleiten, es gibt immer jemanden, der mit diesem Datensatz etwas anfangen kann.

Das Foto zeigt einen Stuhl mit einer digitalen Nummerierung.

digitaler Stuhl – IOT im Alltag

Noch interessanter: die Preisschilder (hier in Norwegen) im Supermarkt sind elektronisch. Die Preis- und Informationsbeschriftung ist digital. Sensoren sind in der Lage, die Preise und Infos in Sekundenschnelle zu aktualisieren. Elektronische Regaletiketten (ESL Electronic Shelf Labels) machen es möglich – und erleichtern zudem die Inventur. Elektronische Regaletiketten kommen im Handel immer selbstverständlicher zum Einsatz, so, wie dies bereits in der Industrie verwendet wird: von gewöhnlichen Preisauszeichnungen bis zur Beschriftungen von Produktionsstrassen (Kanban) oder Lagerplätzen im Logistikbereich – alles drin. Firmen wie EDEKA, Media Saturn Holding, Netto sind bereits auf dem Weg, ihre Ladenlokale flächendeckend mit elektronischen Preisschildern auszuzeichnen. Das spart Personalkosten, das spart Druckkosten für Papieretiketten, das spart Zeit. Das ermöglicht blitzschnelle Marktanpassung. Etwa dann, wenn das Wetter gut ist und alle Welt grillen möchte: Der Preis für Grillware könnte dann augenblicklich erhöht werden. Auf Knopfdruck. Die Vorteile liegen auf der Hand, Einsparungen, Profit, Marktposition. Über die Nachteile wird weniger ausführlich gesprochen. Bisher.

Vernetzt können diese Preisschilder künftig nämlich noch mehr: etwa erkennen, welches Smartphone an ihnen vorbeigeht. Diese Info gibt Rückschlüsse auf den „Träger“, also den Kunden: Nutzt der teure Marken wie Apple, so wäre es durchaus möglich, dass sich Preise blitzschnell verändern können, nach oben nämlich, weil der vor der Ware stehende potenzielle Kunde selbst als vermögend klassifiziert wird.

digitaler Preis

digitaler Preis

Aber auch in den Städten tauchen immer mehr Sensoren auf. Smart City. Lichtmasten etwa sind in vielen Städten schon jetzt keine einfachen Lichtspender mehr. Sondern sie sind auch Sensoren – Produzenten und Aufsauger von Daten. Sie kommunizieren in Echtzeit.

Bristol als Smart City in GB spielt mit Sensoren in der Innenstadt und nimmt die Menschen so mit auf dem Weg: Durch Lichtspiele, die an zentraler Stelle in der Innenstadt angebracht wurden. Diese warfen Lichtmotive auf die Straße oder auf Wände. bunte virtuelle Vöglein etwa. Menschen blieben verwundert stehen und traten dann in die Interaktion mit diesen „Lichtwesen“, man versuchte sie zu fangen, zu berühren oder drauf zu treten. Wohlwissend, dass es nur Licht war. Und doch kam es zum positiven Nebeneffekt, dass sich die Bevölkerung bewusst wurde – da sind Sensoren im meiner Stadt. Die liefern Daten, sie produzieren Daten. Mit Daten wird künftig mein Umfeld gesteuert – und die Daten liefere zum größten Teil ich als Teil der Stadtbevölkerung. Wem aber gehören künftig Daten? Eine Frage, die sich gerade sehr deutliche in Barcelona stellt, eine SmartCity, die Daten künftig in Bürgerhand belassen will und nicht in der Hand der großen Tech-Firmen. Es verspricht eine spannende Diskussion zu werden. Dabei sprechen die Dinge ein Wörtchen mit.

Bristol spielt.

spielend die Bevölkerung mitnehmen

Wie digital ist Ihre Feuerwehr?

In vielen Kommunen dreht sich die politische Diskussion meistens nur um den Neubau von Feuerwehrgebäuden. Etliche sind baulich in die Jahre gekommen. Eine Pflichtaufgabe, die jedoch teuer oder auch preisgünstig gemeistert werden kann. Wie digital aber eine Feuerwehr aufgestellt ist, wird kaum diskutiert.

Das Foto zeigt einen Rettungswagen vor dem Theater in Gütersloh.

Feuerwehrwache – so teuer wie ein Theater?

Spannender: digitale Infrastruktur der Wehren 

Viel spannender ist daher die Frage, ob Feuerwehren künftig die finanziellen Mittel zur Verfügung stehen, um sich digital(er) aufzustellen, als sie das bisher sind. Oder bleibt die Ausrüstung eher analog und damit weit hinter den Vorteilen digitaler Hilfsmittel zurück, weil das Geld fehlt?

Mich interessiert etwa die Frage, wie gut die Feuerwehren mit digitalem Alarm ausgestattet sind, wie digital die Funktionskleidung der Feuerwehren ist und schließlich, wie der Einsatz von Sensoren zur Übermittlung von Daten in Echtzeit an den Geräten wie Feuerwehrwagen oder Ausrüstung (Schläuche etc.) aussieht. Um nur einige wesentliche Punkte zu nennen, die sowohl den Bürgern als auch den Feuerwehrleuten selbst zugute kommen. Die Aufwände hierfür dürften eine noch bessere Investition in die Zukunft sein als „nur“ neue Gebäude. Eine politische Diskussion zu dieser notwendigen Aufrüstung nehme ich allerdings nicht wahr.

Alarmsysteme 

Die Alarmierungssysteme der Feuerwehrleute waren bisher als analoge Sirenen bekannt. Installiert auf zahlreichen Dächern öffentlicher Gebäude warnten sie nicht nur die Bevölkerung, sondern riefen auch die Feuerwehrleute selbst zum Einsatz. Heute sind sie kaum noch im Dienst. Diese Form der Warnung kann die vielfältigen Herausforderungen einer differenzierten dialogorientierten Kommunikation nicht mehr bedienen. Sie sind ein analoges Zeichen für eine schlichte Einbahnstraßenkommunikation. Kommunikation in Notsituationen aber erfordert heute differenzierte Information im Austausch und in Echtzeit. Das rettet nicht nur Menschen, sondern auch materielle Werte.

Die „stille“ Kommunikation dieses Alarmsystems verläuft über Funk – jeder kennt den „Piepser“, der die Einsatzkräfte informiert. Mit Hilfe einer Fünf-Ton-Folge werden die rudimentären Nachrichten übermittelt. Diese Funksystem ist bundesweit standardisiert und erlebt gerade den Wechsel hin zur durchgehenden Digitalisierung. Gut nachzulesen ist das auf Wikipedia.

Nur sind die neuen digitalen Systeme noch lange nicht flächendeckend im Einsatz. Auch die Vernetzung über das Smartphone hat seine Tücken. Es funktioniert nur, wenn überall ausreichendes Netz zur Verfügung steht. Das ist lange nicht überall und schon gar nicht flächendeckend der Fall. Kürzlich sprach ich mit einem „Retter“, der davon berichtete, wie manchmal der Kontakt abbricht, weil man in einem Funkloch steht. Dann laufen die Rettungssanitäter oder Feuerwehrleute ein paar Meter hin und her – um wieder ein Netz zu erhaschen. Das kann gefährlich werden. Update 16.5.2016: Hier erreichten mich zwei Hinweise, die ich gerne aufnehmen will. Viele nutzen bereits eigene Whats App Gruppen, in denen sie sich schneller zusammenfinden und koordinieren als mit den standardisierten Techniken, die vorgeschrieben sind. Zudem nutzen viele auch ihre eigenen Smartphones im Dienst, weil die ein schnelleres Netz garantieren als die oft mit einem langsamen Netz verbundenen Dienstsmarts, die eingekauft wurden, weil sie auf den ersten Blick billiger waren. Also auch hier lautet die Devise: BYOD, bring your own device. Immer mehr Arbeitnehmer nutzen ihre privaten Geräte, weil diese den digitalen Notwendigkeiten eher gewachsen sind als die Geräte, die man im Dienst nutzen muss. Pypass-Politik aller Orten

Im Aufbau befindet sich das System MoWaS (= Modulares Warn-System). Dieses System bietet Funktionen, mit denen die Leitstellen zeitgleich alle wichtigen Kanäle ansteuern können, an die die Warnung verbreitet werden muss. Beispielsweise können auch die Fernseh- und Radiostationen oder Nachbarkommunen so informiert werden. Dieses System korrespondiert mit der App NINA: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat die Smartphone-App (= Notfall-,Informations- und Nachrichten-App) entwickelt. Wer sie nutzt, wird damit aus den Leitstellen der Kreise und kreisfreien Städte über Gefahr und sinnvolle Schutzmaßnahmen informiert.

In Nordrhein-Westfalen sollen alle Leitstellen der Kreise und kreisfreien Städte mit MoWaS ausgestattet werden. Das System befindet sich noch im Aufbau. Daher steht die App NINA auch nur dort zur Verfügung, wo MoWaS bereits im Einsatz ist.

Funktionskleidung und Sensoren 

Neben dem Alarmsystem ist sicher die Kleidung der Feuerwehrleute eine notwendige Investition für den Einsatz digitaler Technik zur Gefahrenerkennung und -abwehr. Kleidung als die zweite Haut der Einsatzkräfte wird mehr und mehr mit Sensoren versehen. Mit ihrer Hilfe werden Körperfunktion und Vitalwerte der Träger gemessen. So erhält die Einsatzleitung Daten in Echtzeit über die körperliche Verfassung des Feuerwehrmenschen – und kann im Notfall umgehend eingreifen. Zudem senden diese Sensoren Daten etwa über die Beschaffenheit von Gasen im Brandraum oder aber von sonstigen gefährlichen Stoffen, die umgehend analysiert werden können, das spart Zeit und zeigt direkt Lösungswege auf an denen gleich alle beteiligt sind, weil sie Zugriff darauf haben. Diese gewonnene Zeit und Information ist in Notsituationen essentiell. Dazu hatte ich mich auf der Hannover Messe sehr lange mit dem Produzenten solcher Innovationen (Honeywell) unterhalten. Dazu im nächsten Blogpost mehr, in dem es auch um Datenschutz geht, weil natürlich die „Anzugträger“ jederzeit überwacht werden können. Das ist die Kehrseite der digitalen Anwendungen.

Sensoren als Echtzeitdatenlieferanten

Sensoren können gleichfalls an den Einsatzfahrzeugen angebracht werden und übermitteln ihrerseits Daten aus dem Einsatzbereich, wie Umweltdaten oder auch Belastungsdaten der Materialien. Zudem werden immer mehr Materialien selbst „intelligent“ also „smart“. Ihre Garne und Stoffe sind bereits mit leitfähigem Garn gefertigt und übermitteln etwa den Grad der Beanspruchung oder Überlastung und lassen sichere Prognosen auf mögliche Funktionsfehler, Bruchstellen oder Verschleiß früh erkennen. Bei Löschschläuchen ist diese Frage nicht unerheblich.

Das Foto zeigt eine Feuerwehr auf einem Karussell.

Digitale Transformation ist kein Kinderkram.

Investieren in digitale Prozesse 

Die Liste dieser digitalen Einsatzmöglichkeiten ließe sich beliebig verlängern. Sie ist gleichfalls natürlich eine Liste, die Kosten verursacht in dem Maße, wie sie auch mehr Sicherheit und frühzeitige Handlungsoptionen zur Gefahrenabwehr mit sich bringt. Die Sicherheit der Gesellschaft ist teuer.

Dazu fehlt allerdings häufig die politische Diskussion – insbesondere in den Kommunen, die sich eher mit Steinen und Neubauten beschäftigen, die digitale Transformation aber noch nicht mitdenken oder sie stehen im Glauben, sie seien nicht zuständig. Vielleicht liegt der Grund aber auch darin, dass hier einfach die Vorstellungskraft fehlt, wie sich mittlerweile ganze Prozesse und Geschäftsfelder in der digitalen Transformation verändern. Um einen Schritt weiterzugehen, müsste man sich auch über künftige Berufe unterhalten, die es heute bei der Feuerwehr noch gar nicht gibt, mit dem weiteren Wandel aber entstehen. Dann muss man auch darüber sprechen, wie man etwa das passende Personal für eine zukünftige Feuerwehr für sich gewinnt. Es wäre daher gut, über einen Neubau hinauszudenken.

Open Data bei der Planung 

Noch ein kurzer Ausflug ins Nachbarland GB. Die Nutzung von Open Data und einer Visualisierung dieser offenen Daten hat etwa in London zu einem anderen Umgang bei der Planung und Schließung von Feuerwehren geführt. Das Projekt enthüllt die Auswirkungen von Schließungen von Feuerwehrstandorten auf die Menschen, die dort wohnen und kann beim OpenDataInstitut (ODI) nachgelesen werden. Auch eine Visualisierung der verwendeten Daten findet sich hier, die nochmal einen ganz anderen Blick auf künftige Stadtentwicklung empfiehlt. Das aber nur als kleiner Exkurs und als Einladung, sich damit zu beschäftigen.