Gesundheit im kommunalen, digitalen Fokus

Digitalisierung fräst sich durch unseren Alltag. Insbesondere das Thema Gesundheit steht im Fokus digitaler Innovation – was nur allzu richtig ist bei einer stetig alternden Gesellschaft. Gesundheit und deren Erhaltung ist aber auch eine zutiefst kommunale Angelegenheit und firmiert unter „Daseinsvorsorge“. Deshalb ist es angeraten, dass auch kommunale Entscheider auf dem Radar haben, wie sich dieser Bereich vor Ort verändert. Hier einige Beispiele:

Heute fand ich diesen Videobeitrag auf Twitter, der mich in den Bann geschlagen hat: Hologramme als Lernplattform für medizinische Ausbildung – sicher nicht nur für angehende Mediziner, sondern auch in der Breitenwirkung für die Bevölkerung anwendbar. Wir werden künftig andere Formen vorfinden, Lesen und Bildung zu vermitteln. Schulen aber können das nur leisten, wenn auch sie ein schnelles Netz haben – oder etwa Bibliotheken damit ausgestattet sind, damit diese neuen Medien greifen können:

 

Aber auch viel niederschwelligere Angebote bahnen sich ihren Weg in die alltägliche Gesundheitsvorsorge. Ich habe nochmal in meinem Archiv nach spannenden Idee geforscht, die ich im Rahmen der CEBIT 2017 zum Thema Gesundheit aufgenommen habe.

Rücken 

Vor dem Hintergrund, dass gefühlt jeder Deutsche irgendwann einmal an Rückenschmerzen leidet – ist dieses Tool für eReha oder auch Selbsttraining zuhause sehr überzeugend – und zeigt deutlich, wie sich Gesundheitsversorgung digital verlagert. Das zieht Auswirkungen nach sich, die auch die kommunale Infrastruktur angehen. Anleitungen für eigenverantwortliches Gesundheitstraining oder als Reha werden zunehmend digital vermittelt. Unabhängig von Raum und Zeit. Übrigens nicht nur für eine Bevölkerungsschicht, die sich bewusst fit halten möchte. Sondern insbesondere auch für eine Alterskohorte, die künftig pflegebedürftig sein wird oder kognitiv sogar eingeschränkt aktionsfähig sein wird, etwa bei Demenzerkrankungen.

eReha ist ein auf 3D sensorgestütztes Heimtherapiesystem. Ein Therapeut entscheidet über die krankheitsspezifischen Übungen, die dem Patienten über das Internet freigeschaltet werden. Der Patient kann diese selbst vor dem eigenen Fernseher oder Computer ausüben. Ein PC oder eine Spielekonsole mit einer 3D-Kamera nehmen den Nutzer dabei auf. Ein Realtime-Feedback-System analysiert die Bewegungen und lokalisiert aufkommende Fehler. Biometrische Parameter geben Auskunft über den Verlauf. Die Software sendet die Fortschritte dem betreuenden Therapeuten online, damit er die Übungen #remote dynamisch anpassen kann – oder erklärt „Komm nochmal real in der Praxis vorbei“ – was aber zunehmend weniger werden könnte.

Zuhause macht dann ein Avatar die Übungen vor – und der Patient macht die Übungen nach – wird dabei aber eben sensortechnisch überwacht, ob diese auch richtig ausgeführt werden, so dass Fehlhaltungen oder Verrenkungen ausgeschlossen werden. Der Gameingfaktor sorgt dafür, dass auch Spaß dabei entsteht. Einen Schuh hin zur Praxis muss man dafür jedenfalls nicht mehr anziehen.

Mit Daten gegen Infektionskrankheiten 

Eine zweite Anwendung, die mich begeistert hat, ist die „grippeNET App“. Sie firmiert unter dem Dach des Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, angewendet wird sie in der Befragung der Bürger in der Schweiz – und steht auf dem Sprung auch in Deutschland und Österreich zum Einsatz zu kommen. Hier werden Open Data, Forschung und Bürgerbeteiligung sinnvoll vernetzt. Die Idee: das Beobachten, Analysieren und Visualisieren von Ausbreitungen von Krankheiten. Unter Mithilfe und Bezug sowie Auswertung von Daten, die die Bürger selbst mit einspeisen können. Bürger können sich beteiligen und Informationen zusammentragen. Sie erhalten gleichzeitig mit ihrem Einspeisen Einblick in die aufbereiteten Daten und deren Analyse. So entsteht ein umfangreiches Netzwerk zur Sensibilisierung der Bevölkerung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten.

In einem ersten Schritt wurde Grippe als Krankheit adressiert – die App lässt sich erweitern auf weitere Krankheiten mit Ansteckungscharakter. Die App ist Teil des EU-geförderten Forschungsprojektes CIMPLEX. Der Mix aus Daten, Big-Data-Analyse und Partizipation ist das Bestechende des Projektes. Ein Aspekt des Projektes ist auch der, herauszufinden, was Menschen motiviert, bei diesen Erhebungen mitzumachen sowie auch der Aspekt, die Privatsphäre trotz Datenlieferung zu sichern. Daten wird insbesondere im Gesundheitswesen eine immer größere Bedeutung zugesprochen. (Dieser Umstand des notwendigen OpenData findet sich übrigens auch im 1. Nationalen Aktionsplan Open Government und zeigt, wie tragend diese Säule bereits ist.)

Das Foto zeigt einen Monitor mit Grafiken zur Ausbreitung der Grippe.

Visualisiert – Grippe

Ein sehr aufschlussreiches Tool, welches zudem Möglichkeiten der Visualisierung bereit hält. Es ist sicher ein Instrument, welches von hoher Bedeutung sein kann, wenn etwa Kreise oder Kommunen über Katastrophenschutz für die Bevölkerung entscheiden müssen. Angesichts des Wiederaufflackerns von Masernerkrankungen auch in Deutschland wäre etwa ein weiteres Feld der Anwendung neben Grippe vorhanden. Mit realistischen und in Echtzeit erhobenen Daten wäre damit ein gutes Instrument zur Steuerung von Infektionskrankheiten gegeben. Man muss sich nur mit den Möglichkeiten vertraut machen – um deren Bestehen wissen und diese Dinge nutzen können. Wir brauchen mehr digitale Kompetenz in den Reihen der Entscheider sowie in der Bevölkerung.

Real und virtuell im öffentlichen Raum

Digitalisierung verändert auch unser Straßenbild. Mehr und mehr Bewegtbilder finden sich im öffentlichen Raum wieder. Hier eine kleine Kostprobe der neuen Werbetafeln im Bielefelder Raum, genauer im Industriegebiet, welches täglich mehrere tausend Menschen passieren.

Nicht nur Werbung wird via Bildschirm dauerbeschallt  –  sondern auch Nachrichten, geliefert von der @NW (neue Westfälische Zeitung) und Statistiken, etwa von @Statista, wieviele Kilometer lang das Kanalnetz in Bielefeld ist.

 

Der öffentliche Raum wird zum digitalen Hotspot mit einem sich stetig ausweitenden Angebot an Informationen. Unsere Städte verändern sich. Erste Vorboten für eine Digitalisierung der kommunalen Infrastruktur. (Wobei hierfür ausreichendes Netz vorhanden sein muss sowie künftig auch Speicher für ein hohes Aufkommen an Daten durch vernetzte Dinge, IOT. – Bisher ist das Fehlanzeige.)

 

Vorne eine Würstchenbude, dahinter digitale Welt mit Bewegtbild im öffentlichen Raum.

Altes und Neues im Stadtbild

Zudem hinzu kommt: Mit der Technik von VirtuellerReality und AugmentedReality, die wir alle in unseren Smartphones und vielleicht auch demnächst Brillen dabei haben, wird Digitalisierung zur Normalität. Die Immersion ist Alltag, virtuell und reale Welt verschmelzen.

 

Das Foto zeigt eine VR Brille auf der Fashion Tech in Berlin bei der rpTEN

Immersion hält Einzug

Wir sind längst auf dem Weg in eine sich grundlegend veränderte Welt ins Reich der Null und Einsen. Es gilt, dieses unbekannte #Neuland auch politisch zu gestalten und nicht nur den Marktkräfte zu überlassen. Digitalisierung ist eine höchst politische Angelegenheit – dies gilt insbesondere dann, wenn wir über Inftrastrukturen reden, die der Allgemeinheit gehören. Nachholende Gesetze oder Einhegungen durch die Politik sind nicht mehr durchzusetzen, wenn sich erst Gewohnheiten und Realitäten ergeben haben. Bestes Beispiel sind die Social Media, in denen kraftlose Rückwärtsruderbewegungen seitens der Politik in Form von Gesetzen zu Hasskommentaren etc. stets nur noch als reaktionär wahrgenommen werden, nicht aber den Eindruck vermitteln als könnten sie noch gestalten. Es ist dringend notwendig, dass vor allem kommunale Entscheider schnell im Boot sind, wenn es um die konkrete Ausgestaltung der Digitalisierung vor Ort geht. Es berührt mittlerweile mehr denn je ihre Domäne: Politik betrieben als vorausschauende Daseinsvorsorge. Wir brauchen mehr digitale Kompetenz in den Rathäusern und Reihen der Kommunalpolitik. Bisher ist das zu wenig erkennbar.

Das Foto zeigt die Figur aus Metropolis.

Neue Welt