#Tönnies als Sinnbild für Zerstörung

Heute fand eine spontane Demo vor dem Kreishaus Gütersloh statt: Gegen das System der Fleischindustrie bei #Tönnies. Derzeit sind 1.331 Mitarbeiter von Tönnes (von 7.000)  als an Covid 19 Infizierte getestet worden. Trotzdem gibt es keinen Lockdown. Unverständlich. Und dass, obwohl die Mitarbeiter im ganzen Kreis verteilt leben.

Der Protest gegen das in vielerlei Hinsicht unmenschliche System Tönnies kam spontan zustande – so, wie Proteste heute eben schnell über das Internet zu organisieren sind. Wir bekamen eine Message über Facebook zur Spontandemo gegen #Tönnies vor dem Kreishaus Gütersloh.

 

 

Die Corona-Pandemie offenbart Wahrheiten, die die Bevölkerung hier in Ostwestfalen-Lippe seit langem kennen, Politik und Verwaltung aber seit Jahren mehr oder weniger ignorieren – und schleifen lassen:
das ausbeuterische System der Fleischindustrie findet mit dem Aufflackern der Corona-Pandemie im größten Fleischzerleger in Europa #Tönnies seinen Höhepunkt.

Die neokapitalistischen Werksarbeiterverträge, die Massenunterkünfte in beengter Wohnsituation, die unmenschlichen Zustände der Zubringerdienste in Bussen, die menschliche Isolation und wirtschaftliche Ausbeutung der Menschen zumeist aus Südosteuropa, Rumänen, Bulgarien und auch aus Polen schreien nach Lösungen zum Besseren.

 

Seit langem kämpfen lokale Gruppierungen aus unterschiedlichsten Formaten (FairLeben, Gewerkschaften, Kirchen etc.) gegen das System Tönnies – bisher ohne Erfolg. Zu sehr hat sich das Unternehmen hier vernetzt und kann auf freiwillige Vereinbarungen mit Politik und Verwaltung setzen, die bisher kaum oder nur lasch kontrolliert wurden. Zu groß ist einfach der Einfluss der Firma Tönnies und Chef Clemens Tönnies.

Die Corona-Pandemie mit derzeit etwas über 1.331 Infizierten von insgesamt 7.000 Mitarbeitern am Ort Rheda-Wiedenbrück sowie in den umliegenden Ortschaften bis weit hinein nach Bielefeld, Warendorf und Soest zeigen eklatante Mängel mit erheblichen Folgen nicht nur für die betroffenen Mitarbeiter, sondern für die gesamte Bevölkerung hier im Kreis und Umkreis.

Heute sind Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sowie Arbeitsminister Laumann (CDU) zur Krisensitzung ins Kreishaus nach Gütersloh gereist. Auch dabei Landrat Sven-Georg Adenauer (CDU), der die Zustände des Systems #Tönnies seit Jahrzehnten offenbar tatenlos hat schleifen lassen und jetzt eine ganz schlechte Figur im Krisenmanagement macht.

Empfangen wurde die Delegation von zahlreichen Gruppierungen vor dem Kreishaus Gütersloh, die ihrem Protest lauthals
Luft machten.

 

Ministerpräsident Armin Laschet ließ sich auf ein kurzes Gespräch mit den Demonstranten ein und erklärte, jetzt sei es Zeit, diese Verhältnisse in der Fleischindustrie zu beenden.

Was übrigens keiner der Beteiligten aus dem Krisenmanagement empfohlen hat: Das Downloaden der Corona-Warn-App. Wann bitte, sollte das erfolgen, wenn nicht jetzt und hier?

 

 

 

 

2 Kommentare Füge deinen hinzu
  1. Alzheimer vergessen

    Die erste Gruppe, die massiv unter dem Lockdown zu leiden hatte, ist ausgerechnet eine Risikogruppe von Covid-19, die der Lockdown besonders schützen wollte: Ein Drittel der Übersterblichkeit in England und Wales, 10.000 Menschen, waren Alzheimerkranke, aber nicht mit Covid-19 infiziert. In April verstarben ganze 83 Prozent mehr Menschen mit Alzheimer als in Vergleichsmonaten. Der „Guardian“ erklärt dieses erschreckende Phänomen: „Eine von der Alzheimer-Gesellschaft in 128 Pflegeheimen durchgeführte Umfrage zeigt, dass 79 Prozent berichten, mangelnde soziale Kontakte verursachen eine Verschlechterung der Gesundheit und des Wohlbefindens ihrer Bewohner mit Demenz. Angehörige von Menschen mit Demenz in Pflegeheimen haben darüber gesprochen, dass sich ihre Angehörigen verwirrt und verlassen fühlen, dass sie aufhören zu essen und die Fähigkeit zu sprechen verlieren.“

    Auszug aus:
    Was ich nicht weiß, das macht mich nicht heiß
    https://www.heise.de/tp/features/Was-ich-nicht-weiss-das-macht-mich-nicht-heiss-4790163.html

    1. Alzheimer vergessen – stimmt, von einem weiteren Lockdown wären gerade die Hochbetagten mit Demenz und Alzheimer betroffen. Aber sie sind es schon seit dem ersten Ausbruch von Corona. Die Zugänge zum Heim und die Besuchsmodalitäten sind extrem streng ausgelegt. Nach wie vor.

      In Folge der Infektionszahlen bei Tönnies haben wir auch jetzt wieder Post von der Diakonie bekommen mit der Bitte, dass Angehörige zumindest erstmal in der kommenden Woche von Besuchen absehen mögen. Die Folgen der letzten drei Monate sind aber schon längst spürbar, die meisten der Bewohner haben mental enorm abgebaut.

      Wir als sorgende Angehörige sind da in der Zwickmühle. Auf der einen Seite wollen wir unsere Angehörigen besuchen und umsorgen. Der Kontakt ist für die erkrankten Menschen essentiell, übrigens auch für die Pflegenden. Auf der anderen Seite ist jeder von uns Besuchern ein Virusträger aus der „normalen, nicht-isolierten“ Welt und könnte das Virus mit ins Heim bringen. So wäre nicht nur der eigene Angehörige gefährdet, sondern gleich alle weiteren sechzehn Bewohner gleichfalls. Wie also soll man sich verantwortlich entscheiden?

      Verstärkt wird diese Frage nochmal, wenn sich eine Person in der Palliativphase befindet. Nach achtundzwanzig Minuten Besuchszeit kommt die Pflegerin herein und sagt: „Sie haben noch zwei Minuten.“ Nicht, weil sie so herzlos ist, sondern im Gegenteil, sie nimmt ihren Beruf und ihre Verantwortung sehr ernst. Was aber macht man mit diesen verbleibenden zwei Minuten? Abschiednehmen womöglich, weil ein Wiedersehen in dieser Phase eine Frage zwischen Sterben und Leben ist?

      Will sagen: ja, ich kann Ihren Einwand verstehen. Habe keine wirkliche Antwort darauf.

      Aber andererseits gibt es da die Ansage, bei 50 Neuinfektionen sollen Politik und Verwaltung vor Ort die Verbreitung von Covid-19 verhindern: durch Lockdown. Bei 1.331 Infizierten stellt sich die Frage, wie man die Ausbreitung verhindern kann – zumal die Wohnorte der Betroffenen so dezentral auseinander liegen und eigentlich schon mitten in der Bevölkerung angekommen sind. Gleichermaßen will man die Solidarität mit den Werksarbeitern aufrecht erhalten. Sollte ein Anstieg auch in der weiteren Bevölkerung greifen, dann werden die Maßnahmen wohl noch drastischer – und erfordern noch mehr politisches Vertrauen, um zu erklären und zu handeln. Der Vertrauensvorschuss scheint jedoch in der Bevölkerung verbraucht zu sein. Vorausschauendes Handeln wären jetzt angebracht. Gepaart mit größter Vorsicht also Schließung von weiteren Einrichtungen, wie Freibäder und auch Sportstätten etc.

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