Vernetzung ist Trumph

Digitale Kommunikation und Vernetzung ist in der Beteiligungskultur nicht mehr wegzudenken. Ein kurzer Abriss von Erfahrungen:

In den letzten Wochen haben wir es als Quartiersinitiative Mohns Park geschafft, uns als Gruppe in Echtzeit zu vernetzten: Es ging um den Erhalt unseres Quartiers und um die Abwendung von „Nachverdichtung“, die in unserem Fall in Form von rein unnachgiebiger Gentrifizierung in unserem Quartier Einzug halten wollte. Nachhaltige Stadtentwicklung haben wir gefordert, statt Gewinnmaximierung und Luxus für wenige.

Innerhalb weniger Monate ist es uns mit unserem Bürgerantrag gelungen, eine Veränderungssperre im Quartier zu erreichen sowie die Aufstellung eines Bebauungsplanes. Den gab es bisher nicht. Leichtes Spiel also bisher für gewinnmaximierende Investoren durch den Bauparagraphen §34 BauGB, der fast alle Bauten(-Schandtaten) erlaubt.

Faktisch hieß das für uns: ein Haus mit Penthouse für sieben Wohnparteien entsteht inklusive Tiefgarage mit neun PKW-Stellplätzen – in direkter Nachbarschaft mit bisheriger Bebauung durch 2-Familienhäuser. Das neue Ding verdrängt die traditionelle Umgebung in den Schatten und ließ sie aussehen wie wertlos.

Was wurde digital möglich?

Als die Bagger anrollten, begann die virtuelle Vernetzung der Menschen im Quartier. Anfangs per Empörung bei eigener Inaugenscheinnahme des gigantischen Bauvorhabens also persönlich auf der Straße. Der virtuelle Schneeball kam ins Rollen: es folgten traditionelle Telefonate. Daraus wurden schnelle, hochfrequentierte WhatsApp-Gruppen. Weiterleitungen von Kommunikation, Information, Austausch, Echtzeit, Videos, GoogleDocs der Kollaboration, Fotos – Daumen hoch und Herzchen. Es folgten VideoCalls. Menschen fanden sich virtuell zusammen, das Netzwerk wuchs. Draußen spukte weiter Corona und ließ das öffentliche Leben lahm liegen.

Es folgte der digitale Austausch mit den beteiligten Gruppierungen: Stadtverwaltung, Vorstand des GTV als Eigner einer Sportfläche (die für uns aber Park werden soll), Kommunalpolitiker. Alle fanden sich in unterschiedlichen Zirkeln im Netz wieder. Immer wieder unterschiedlich vernetzt, hochkommunikativ. Kontaktlos. Aber alle hatten etwas zu sagen. Digital.

Es folgte die digitale Dokumentation von Bausünden und Regelüberschreitungen beim fortschreitenden Bau: nicht erlaubte Einleitung von belastetem Grundwasser (Eisen und Sand), Gefährdung von Bäumen im Baubereich; Verletzung von Hecken durch kotende Bauarbeiter ohne Dixi-Klo und Lärm durch Pumpen… einmal erstellt, vielfach geteilt – und Menschen mitgenommen, informiert, in Kenntnis gesetzt. Sowohl Stadtverwaltung als Ordnungsmacht als auch Anlieger als auch Bewohner des Quartiers. Alle. Teilhabe.

Es folgte der digital vorbereitete Protest vor Ort der politischen Gremien (Planungsausschuss), die sich aus Coronagründen in der Stadthalle trafen (mehr Platz). Wir erhielten trotz Corona die Erlaubnis zum Protest – mit Maske und unter Einhaltung der Coronaregeln. Selbstverständlich. Das Einreichen der Beantragung „Versammlung unter freiem Himmel“ und die Erlaubnis zum Protest erfolgte: digital (Kreispolizei).

Anschließend saßen wir allesamt vor dem Rechner zuhause – um den Live-Stream von der Ausschuss-Sitzung online zu verfolgen. Im Saal durften nur wenige Besucher sitzen. Zuhause waren es sehr viel mehr, die der Politik hier zuhörten als das sonst in den Jahren davor Usus war. Alles digital. (Und das sollte so bleiben, auch, wenn Corona gebändigt wäre.)

Wir posteten die Ergebnisse und unsere Einstellungen in den sozialen Medien – und machten unsere Position einer breiten Bevölkerung zugänglich. Wir erstellten eine Website und eine Email. Und blieben nun regelmäßig digital vernetzt in Kommunikation und Austausch.

Digitale Beteiligung war zur Selbstverständlichkeit geworden.

Dann in der letzten Sitzung des Planungsausschusses fiel die Entscheidung jeweils einstimmig – ein Durchbruch für die Quartiersinitiative: es gibt eine Veränderungssperre. Es wird ein Bebauungsplans aufgestellt. In einem ersten Schritt der Straßenzug, der am gefährdetsten ist – weil auch schon weitere Megabauten beantragt wurden, die dort nicht hingehören.

Die weiteren Straßenzüge folgen „bei Bedarf“ mit gleichem Vorgehen. Alles auf einmal wäre zu viel Arbeit für ein nicht ausreichend besetztes Team in der Verwaltung gewesen. Wir bleiben also am Ball. Wir wissen jetzt, wie schnell und effektiv Vernetzung funktioniert. Wir kennen die Wirksamkeit digitaler Vernetzung. Viele von uns haben einen großen Schub an digitaler Souveränität und Wirksamkeit erlangt. Die nun folgende Bürgerbeteiligung im Erstellen des Bebauungsplanes planen wir digital vorab, stimmen uns ab, suchen gute Ideen, die wir digital einbringen können.

Und wir werden die neue Souveränität der Vielen auch wieder anwenden, wenn es jetzt in einem nächsten Schritt um die Gestaltung des JahnPlatzes geht – wir möchten eine Parkerweiterung statt Luxusbebauung. Wir sehen den Park als Grünschneise, als Beitrag zur Co2-Minderung als Ort für das Gemeinwesen. …. Zum Vormerken: wir haben schon auch einen Spaziergang durch den Park auf den – natürlich digitalen – Kalender der Klimawoche Gütersloh gesetzt. In Corona-Wiederkehrzeiten ginge der zur Not auch, na klar, digital…..

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