Wenn der Besuch im Heim verboten ist, die Nähe aber viel bedeutet und Digitales noch immer nicht geht….

Pflegende und sorgende Angehörige haben es dieser Tage besonders schwer. Sind ihre zu Versorgenden in einem Heim oder einer Demenz-Wohngemeinschaft untergebracht, herrscht derzeit absolute Kontaktsperre.

Höchstens ein Telefonat geht. Aber das schafft wenig Verbindlichkeit.

Kontaktmangel in Zeiten von Viruskrisen

 

Der Besuch im Heim ist seit dem 22.32020 bis bisher Anfang April strikt untersagt, nur in besonderen Ausnahmefällen erlaubt:

Stationäre Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen
Besuche sind grundsätzlich untersagt, wenn sie nicht der medizinischen oder pflegerischen Versorgung dienen oder aus Rechtsgründen erforderlich sind. Die Einrichtungsleitung soll Ausnahmen unter Schutzmaßnahmen und nach Hygieneunterweisung zulassen, wenn es medizinisch oder ethisch-sozial geboten ist (z.B. auf Geburts- und Kinderstationen sowie bei Palliativpatienten). (Quelle: Landesregierung NRW, 22.3.2020)

Es ist eh schon schwer, sich vor dem Hintergrund der besonderen Herausforderungen in der Demenzpflege mit den Betroffenen zu verständigen. Kognitiv gelingt dies in weiten Teilen kaum mehr. Aber das Gefühl, das bleibt. Wenn sich niemand der Angehörigen jetzt vor Ort kümmern kann, Händchenhalten, ein Lächeln schenken, Mut zusprechen, Nahrung anreichen: dann bleibt das Gefühl der Leere, Verlassenheit und die Angst, weil die Erkrankten ihre Bezugspersonen nicht mehr erleben können. Bei den Angehörigen versiegt das „Gefühl“, welches man in den Jahren der Pflege entwickelt hat, wie es dem Erkrankten geht: Stand der Vitalität, Stand der Demenz, gesund oder besorgniserregend. Denn die Gesunden haben in den Jahren gelernt, für die Erkrankten mitzudenken, sie sind der gesunde Zwilling. Diese Sensorik fehlt, wenn Besuche verboten sind.

Wir als Beirat der Pflegedemenz-WG der Diakonie haben angeregt, doch virtuelle Kommunikationsmöglichkeiten einzurichten. Sprich über Tabletts zu kommunizieren oder über das Smartphone. Mit Sichtkontakt. Wir haben die Einrichtung einer WhatsApp-Gruppe angeregt. Das würde sogar bedeuten, dass dem Anbieter des Wohnheims keine Kosten entstehen.

Dagegen spricht bisher der Datenschutz, sagt das Haus. Natürlich ist uns klar, wem die Plattform gehört und dass der Datenschutz ein Problem darstellt. Aber besondere Zeiten brauchen besondere Antworten. Zudem sind zahlreiche staatliche Institutionen und Einrichtungen derzeit auch auf Kommunikationsplattformen ausgewichen, die nicht von ihnen selbst eingerichtet und nach ihren Sicherheitskriterien vorgehalten werden – sondern von Community-betriebenen Plattformen für modernes kollaboratives Zusammenarbeiten. Auch da geht es.

Wir hoffen nun auf eine Antwort des Betreibers des Wohnheims. Und haben gleichzeitig auch an den Landesdatenschutzbeauftragten NRW geschrieben, wie er die Situation und unseren Wunsch nach digitalem Austausch einschätzt.

Denn eines ist sicher: das nächste Virus kommt. Im Heim ist das gut und gerne mal eine Grippewelle oder auch der Noro-Virus, die immer wieder anklopfen. Und dann auch eine gesicherte Kommunikation für die Angehörigen aus der Ferne notwendig macht, denn auch dann sind die Heime geschlossen. Gleiches gilt für die Unterschriften unter die Pflegedokumentation – niemand kann die derzeit handschriftlich leisten, so wie das vorgeschrieben ist. Digital? Geht nicht, ist verboten. Vielleicht ist aber die geschäftliche Notwendigkeit des Geldeintreibens der Treiber für digitale Kommunikation und den Zugriff auf Krankendaten und -akten. Wir warten schon so lange auf die ePatientenakte, auf die Möglichkeiten der eGesundheitskarte…

Ich berichte über den weiteren Verlauf unseres Wunsches nach Digitalem, damit unser sozialer Kontakt bleiben kann. Geschützt. Aber trotzdem verbunden.

 

Sie wartet auf mich – aber Besuch ist verboten.

 

 

 

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