Zu langsam – dieses Internet

Die Kluft wird größer in der digitalen Netzwelt. Die einen haben es, schnelles Netz und können ihr gesamtes Leben damit virtuell organisieren. Die anderen warten bei einem Upload von Daten schon mal vier Stunden, um ein Video hochzuladen, das ganze 4 Minuten dauert (um nur einen kleinen Aspekt der Nutzung zu nennen.) Die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse – eine Maxime der Politik – gibt es in Fragen der Anschlussgeschwindigkeit längst nicht.

Dabei wird „Digitalisierung“ mittlerweile rauf und runter gebetet. Aber vom Beten allein wird etwa die digitale Infrastruktur leider nicht besser. Wir sind gedanklich geparkt bei der Versprachlichung von 50 mbit – wenn die denn überhaupt beim Nutzer ankommen. Aber allein die digitale Infrastruktur ist eine der Grundvoraussetzungen, um die Potenziale der Digitalisierung freizusetzen und nutzen zu können. Wir wissen: Da, wo schnelles Netz ist, steigt die Nutzungsvielfalt. Wir wissen: Da, wo schnelles Netz ist, steigen Innovation und schließlich Wertschöpfung. Die Funktionen folgen der Form. Wir sind längst im Bedarf der Gigabit-Gesellschaft angelangt.

Meine immer wiederkehrende Bitte ist also – ich will Glasfaser!


Insbesondere Kommunen im ländlichen Raum sind gefragt. Sie gehören zu denen, die vier Stunden warten müssen, bis ein kleiner Videoschnippsel online ist. Sie begnügen sich aber weitestgehend mit mit Ankündigung von 50 mbit, wobei nicht selten maximal 1 mbit real bei den Nutzern ankommen. Aber gerade sie müssten profitieren vom Anschluss an Gigabit-Netze, weil das Leben in kleinen Gemeinden künftig nur digital noch zu organisieren ist. Wie also können Kommunen hier eine Schippe drauflegen?

Kommunen können an den Verheißungen von Bund und Länder anschließen. Sie müssen sich einmischen, konkret werden, eigene Wege zum Anschluss ausloten und ihre Ziele hochgesteckt auch formulieren. Einige Argumentationshilfen für die kommunale Diskussion seien hier vorgestellt:

Auf der Website des Bundesministeriums für Wirtschaft findet sich folgender Passus unter dem Stichwort „Zehn Schritte in die Zukunft – unsere Digitale Strategie 2025“:

Nur mit gut ausgebauten „Datenautobahnen“ kann Deutschland die immer schneller voranschreitende Digitalisierung erfolgreich bewältigen. Hochleistungsfähige Breitbandnetze bilden damit die Voraussetzung für die digitale Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Deshalb wollen wir eine digitale Infrastruktur aufbauen, die drei zentrale Anforderungen erfüllt: Sie muss erstens über eine hohe Kapazität verfügen, das heißt pro Minute Billionen von Gigabyte Datenvolumen transportieren können. Sie muss schnelles Internet ermöglichen – und zwar in allen Regionen und für alle Nutzer in Deutschland. Und sie muss eine verzögerungsfreie Übertragung gewährleisten, sodass neue internetbasierte Dienste für die private Kommunikation und die vernetzte industrielle Produktion in Echtzeit erfolgen können.

Für die Bewältigung dieser dreifachen Aufgabe ( wollen wir in Deutschland bis zum Jahr 2025 ein Glasfasernetz aufbauen, das Übertragungsgeschwindigkeiten im Gigabitbereich ermöglicht – und zwar im Up- wie Downstream. Nur so können wir ausreichende Kapazität in allen Netzebenen gewährleisten: für zuverlässige Echtzeitfähigkeit und höchste Dienstqualität.

Ganz aktuell vom Juni 2017 findet sich in der Ludwigshafener Erklärung im Rahmen des Digitalgipfels der Bundesregierung 2017 ebenfalls ein zentraler Passus dazu:

Die flächendeckende Breitbandverfügbarkeit gewinnt als eine der grundlegenden Einflussgrößen für die industrielle und gesellschaftliche Entwicklung weiter an Bedeutung. Wir brauchen deshalb möglichst bis 2025 flächendeckend bedarfsgerechte Gigabit-Infrastrukturen im Fest- und Mobilfunknetz. (…) Die Glasfaserinfrastruktur wird durch den weiteren Ausbau der Fest- und Mobilfunknetze stetig weiter in die Fläche getrieben. Die Flächendeckung bleibt dennoch eine zentrale Herausforderung, der wir durch die Stärkung von Investitionsanreizen auf europäischer und nationaler Ebene begegnen werden. Wir werden uns deshalb u.a. dafür einsetzen, dass neue Gigabitinfrastrukturen unter bestimmten Voraussetzungen nicht der Regulierung unterworfen werden.

In einem Positionspapier der Deutschen Telekom zum Digitalgipfel im Juni 2017 heißt es ausdrücklich, dass sich die Deutsche Telekom zur Glasfaser als Grundlage bekennt, um ein 5G-Netz auszubauen. Vorgestellt wurde das Papier von der Projektgruppe Konvergente Netze als Infrastruktur für die Gigabit-Gesellschaft, drunter stehen Stefan Rinkel-Holgersson Telekom Deutschland und Ingobert Veith, Huawei Technologies Deutschland.

Mit Blick auf die langfristig erwarteten Anforderungen von 5G hinsichtlich Datenrate, Latenz und Ausfallsicherheit ist die Glasfaser grundsätzlich das zukunftssicherste und skalierbarste Medium. Zudem ist sie langfristig kostengünstig im Betrieb, da es keine aktiven Netzelemente zwischen Zentrale und Mobilfunkstandort mehr gibt.

 

Telekomchef Höttges hatte bisher in Frage gestellt, ob Deutschland überhaupt eine solche hohe Bandbreite braucht. Zudem hatte er eine Diskussion angezettelt: Ihm zufolge sei FTTC (Fibre to the Cabinte) Glasfaser. Er lehne es ab, sich an einer sinnfreien Diskussion um „gute oder schlechte“ Glasfasertechnik zu beteiligen. Die Telekom hatte in ihrem Geschäftsbericht VDSL (FTTC – Fiber To The Curb), Vectoring (FTTC) und FTTH (Fiber To The Home) zusammengerechnet und als „Glasfaser-Anschlüsse“ ausgewiesen.

Aufschlussreich ist zudem der Koalitonsvertrag in NRW, der durch die neue schwarz-gelbe Landesregierung ausgehandelt wurde und jetzt Wirkung zeigen soll. Hier findet sich auf Seite 29/30 u.a.:

  • Gigabit-Masterplan Wir entwickeln einen Masterplan für unser Gigabit-Ziel: Bis 2025 verfügt Nordrhein-Westfalen über flächendeckende, konvergente Gigabit-Netze. Als Zwischenziel werden wir schnellstmöglich alle Gewerbegebiete, Schulen, Bildungseinrichtungen und Landesbehörden an das Gigabit-Netz anschließen.
  • Dabei verfolgen wir den Grundsatz der Technologie-Neutralität. Bei allen öffentlichen Fördermaßnahmen und entsprechenden Ausschreibungen verfolgen wir einen „Glasfaser-first“-Ansatz.
  • Durch eine Weiterentwicklung des Breitbandatlas zu einem Gigabit-Atlas, der Verankerung vereinfachter Verlegetechnik in der Landesbauordnung sowie eine beschleunigte Umsetzung der Regeln für die Mitnutzung bestehender Infrastrukturen senken wir die Kosten des Gigabit-Netzausbaus.
  • Wir bauen die Beratungsleistungen für Kommunen aus, damit Bundesmittel in Zukunft zügig und vollständig abgerufen werden können. „Breitband.NRW“ bauen wir zu einer dauerhaften Task Force beim Land aus.
  • Wir werden die interkommunale Kooperation bei der Digitalisierung fördern und Ausbauregionen stärker zu Clustern verbinden, um den Netzausbau in ländlichen und urbanen Regionen zu synchronisieren.
  • Wir werden Bürger-Breitbandprojekte zum Beispiel für Einzellagen im ländlichen Raum vorantreiben und besser vermitteln.

Interessant und aufschlussreich ist auch das Papier derFraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI), von Dr. Bernd Beckert „Ausbaustrategien für Breitband in Europa“. Die Studie zeigt im europäischen Vergleich, wo und was Deutschland von den Nachbarländern lernen kann – er geht dabei auch auf die kommunale Ebene ein. Die Studie wurde im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt. Beckert ist ein ausgewiesener Kenner der Szene und es gelingt ihm, verständlich rüber zu bringen, Fallstricke zu umschiffen und Zusammenhänge darzustellen.

Wer nun die Kluft in der digitalen Netzwelt für seine Kommune aufheben möchten, zumindest die Kluft der Anschlussgeschwindigkeiten – findet ausreichend Material und Argumentationshilfe, um Glasfaser in der Erde zu verbuddeln.

Nur wer hochbitig angeschlossen ist, kann teilhaben. Ohne Ausnahme in jedem Lebensbereich: Mobilität, Regierungsfähigkeit, Umweltschutz, Wirtschaft, Bildung, Lebensqualität. Und gesellschaftliche Teilhabe. Alles hängt am schnellen Netz. Ein Ignorieren ist nicht mehr möglich.

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