Naturgewalten und Zivilschutz

Naturkatastrophen nehmen zu. Vor knapp drei Wochen war es der Sturm „Xavier“ mit Orkanböen, die in Nord- und Ostdeutschland tobten und Menschenleben kostete, heute ist es „Herwart“, der das Land lahm legt. Empfindliche Infrastrukturen funktionieren nicht mehr. Wiederholt steht alles still. Wir stehen Naturgewalten gegenüber, die uns stärker treffen als wir das bisher gewohnt waren.

Wie gehen wir damit um? Zuallererst: digital.

Windstärke kippt Baugerüst in Fußgängerzone Foto: J.Zimmermann

Die online Wettervorhersagen sind mittlerweile als App auf sicherlich jedem Smartphone abrufbar. Das Wetter ist jederzeit mit örtlichen Spezifizierungen in seiner Konstellation zu verfolgen. 24 Stunden-Prognosen, 3 Tagesvoraussagen etc. Alles erhältlich, in Echtzeit, ob Regen, Sturm oder Hitze. Das Wetter findet sich im Smartphone.

Im Wetterkanal von Kachelmann gibt es sogar einen Live-Wetter-Ticker zum aktuellen Sturmtief.

Auf der Homepage vom Wetterkanal finden sich weitere wichtige Links:
– Karten Windböen
– Ortsvorhersage Super HD (3 Tage)HD (5 Tage)
– Windböen der Modelle für ihren Ort vergleichen: Vorhersage XL – Ort eingeben, Windböen wählen
– Karten Signifikantes Wetter (Regen, Schnee, Schneeregen), mehrere Wettermodelle wählbar
– HD+ Radar
– Stormtracking (Gewitterverfolgung und Zugbahnprognose)
– Aktuelle Tenperaturen
– Aktuelle Windböen

Auf @Kachelmannwettr kann man Kachelmannwetter folgen und erhält regelmäßig Infos auf dem TwitterKanal. Wie zentral das Bedürfnis nach Übersicht über das Wetter ist, zeigt sich u.a. auch daran, dass allein diesem Kanal nahezu 66 Tausend Nutzer folgen.

Wie kann man sich schützen? Wenn es ums Wetter geht, heißt es: Information und zwar detailliert, hilft bereits, um sich einzustellen. Und wie hilft Digitalisierung dabei? Zahlreiche WarnApps sind auf dem Markt. Etwa KATWARN ein Tool von Fraunhofer und auch NINA, eine App des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Vor Herwart wurde über NINA gewarnt. Die Infos erhält jeder, der diese App geladen hat, auf sein Smartphone.

Und wenn der Strom ausfällt – Blackout? 

Interessant ist die Frage des Schutzes nicht allein für den Personenschutz. Wichtige Infrastruktur kann ausfallen. Wie etwa Strom.

Sturmschäden – sie nehmen zu

Ein Blick in die Notfallpläne der Regierung sind da sehr aufschlussreich. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe etwa gibt einen eigenen Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen heraus. Den kann man sich hier downloaden.

Für den Fall eines Blackouts gibt es eine ganze Fibel mit Informationen und Handlungsempfehlungen, die im Mai 2015 herausgekommen ist. „Stromausfälle für längere Zeit sind auch in Deutschland möglich“, heißt es hier.

Eine zentrale Aussage ist: „Mit Hilfe eines batteriebetriebenen Radios oder auch des Rundfunkgerätes im Auto bleiben Sie über Informationen des behördlichen Krisenstabes und der Stromversorger auf dem Laufenden.“ Eine wichtige Information, denn ohne Strom funktioniert auch kein Smartphone.

Es gibt sogar eine persönliche Checkliste für diese Notfälle, die das Amt bereithält.

Auf dem Ausstellungsschiff „MS Wissenschaft“ des Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung gab es bereits 2015 verschiedene Exponate, die sich mit dem Thema „Stadt der Zukunft“ auseinandersetzen. Ein Projekt hieß eben „Blackout – was nun?“

Eine Antwort auf einen kompletten Stromausfall in einer Stadt waren die sogenannten Kat Leuchttürme. Ein Projekt der Beuth Hochschule für Technik in Berlin. Zuständig ist der Fachbereich Informatik und Medien und dort das Fachgebiet Embedded Systems: „Im Projekt Kat-Leuchttürme wird ein Konzept für Anlaufstellen für die Bevölkerung im Krisenfall entwickelt. Dabei sollen ausgewählte Gebäude so ausgestattet werden, dass hier die nötigsten Hilfeleistungen erbracht oder von dort aus organisiert werden können. Weiterhin wird untersucht, wie die Bevölkerung als aktive Hilfeleistende in den Prozess des Krisen- und Katastrophenmanagements mit eingebunden werden kann. Damit die Anlaufstellen diese Funktion wahrnehmen können, müssen sie über einen längeren Zeitraum die Informations-, Kommunikations- und Versorgungsbedürfnisse der Bevölkerung gewährleisten. Im Projekt soll das Konzept exemplarisch für verschiedene Leuchtturmmodelle, wie zum Beispiel Feuerwachen, Krankenhäuser oder Bezirksämter, erarbeitet und getestet werden. Dabei werden neben der organisatorischen und technischen Realisierung auch die sozial-psychologischen Faktoren zur Einbindung der Bevölkerung sowie die rechtlichen Aspekte erforscht.“

Ein solches Projekt wäre sicher sinnvoll für jede Stadt. In der Regel hat jede Stadt zwar einen Notfallplan in der Schublade liegen – aber kennt auch die Bevölkerung die Mechanismen und die Möglichkeiten, die dann vorherrschen? Oder muss  man das nicht miteinander besprechen, sogar gemeinsam entwickeln – und auch einüben? Im Notfall ist für Vorsorge und lange Erklärungen keine Zeit. Da geht es schnell um Menschenleben. Und alles ohne Smartphone. Also analog.

Wetterkatastrophen nehmen zu – die Fähigkeit ohne Smart auszukommen, um sich zu informieren, nehmen ab. Beide Szenarien sind zu üben: der Umgang mit digitalen Hilfsmitteln als Warnimpulse und Informationsquelle und der Umgang mit Hilfeleistung ohne Digitales. Eins ist klar: Die Stürme nehmen zu. Kann man digital nachlesen. Nur handeln geht dann meist analog.