Zwei Welten

„Ich hätte gerne einen Roboter als Pausenaufsicht auf dem Schulhof. Der kann mit uns Kindern fangen spielen.“ – Ganz mein Humor.

„Warum sprechen Sie eigentlich immer von Robotern? Die haben mit Digitalisierung doch nichts zu tun!“ Auch ganz mein Humor.

Zwei Welten prallen unvereinbar aufeinander. Während die Welt der Robotermöglichkeiten ganz pragmatisch in einen Kinderalltag der kleinen Grundschülerin Lucy (7) eingebaut werden, ist das in der Erwachsenenwelt ganz anders. Das zweite Zitat stammt von einem Referenten einer hohen Entscheiderpersönlichkeit der deutschen Wirtschaft. Er ist knapp über 30 und sorgt dafür, dass die Chefetage gut informiert ist. Wunderbares Deutschland!

Stolpern kann man sogar bereits über Studien, die belegen, wie sehr das Land schon den Anschluss an die Digitalisierung verliert.

Wie war das noch: Lasst Kinder an die Macht!

Das Foto zeigt ein Karussell mit Löwe und Pferd.

Die Aufholjagd beginnt.

Nadine – künstliche Intelligenz in Bestform

Roboter – ein Thema nimmt Fahrt auf. Es gibt kaum einen Bereich in unserem Leben, in dem sie nicht zum Einsatz kommen. Faszinierend, wie weit die künstliche Intelligenz vorangeschritten ist. Bei meinem Besuch im Heinz-Nixdorf-Forum in Paderborn, in der Ada-Lovelace-Ausstellung, fand ich jetzt eine Gattung von Roboter vor, die mich allerdings richtiggehend fasziniert hat: „Nadine“ – ein humanoider Roboter.

Das Foto zeigt den Roboter Nadine.

Das ist Nadine.

Nadine ist ein Roboter, der nicht nur aussieht wie ein Mensch, er soll sich in gewissen Situationen auch so verhalten wie ein Wesen aus Fleisch, Blut und Seele. Nadine wurde ihrer Schöpferin Professor Nadia Magnenat-Thalmann nachempfunden. Gerade noch saß „Nadine“ in der Nanyang Technological University in Singapur, jetzt erwartet sie die „normalen Menschen“ in der Ausstellung in Paderborn.

Es war wie Science Fiction in Echtzeit: Als ich dem Androiden begegnet bin, dachte ich für einen ganzen Augenblick, da sitzt ein echter Mensch in der Ausstellung und wird uns gleich etwas am Rechner vorführen. Dann trat ich vor Nadine und wusste, es ist ein Roboter! Aber so unglaublich menschlich, mit Blickkontakt, mit einer leichten Drehung des Kopfes in meine Richtung. Die Augen reagieren, suchen den Blick. So interagiert sie, mit Sprache und mit Emotion. Außerdem kann sie sich merken, wen sie schon mal getroffen hat. Sie spricht englisch und deutsch.

Hier ist „Nadine“ in Aktion (Video von Paderborn, meine Stadt). Ihre intelligente Sprachsteuerung ist Siri von Apple und Cortana von Microsoft nachempfunden:

Mr. Robo statt analoges Suchen

Wir müssen uns unterhalten! Es wird höchste Zeit: Darf man an Demenz erkrankten Menschen im Krankenhaus elektronische Suchbänder umbinden, um sie schneller wiederzufinden, wenn sie „weglaufen“? Und könnten künftig Roboter oder Drohnen auf die Suche nach diesen vermissten Patienten gehen?

Die zweitälteste Bevölkerung der Welt, nämlich wir in Deutschland, sollten Digitales als Chance für den demographischen Wandel verstehen. Daher meine Antwort vorweg: Ich finde ja, man darf. Und Roboter sollten sogar zum Einsatz kommen.

Das Foto zeigt einen Roboter der älteren Ausgabe in der Ausstellung der DASA.

Mr. Robo das Multitalent

Die Gesellschaft altert, die Anzahl der Hochbetagten steigt signifikant. Damit erhöht sich die Zahl der an Demenz erkrankten Menschen stetig. In fast jeder Familie findet sich mittlerweile jemand, der in einer anderen Zeit lebt, der seine Angehörigen nicht mehr erkennt – der massiv Hilfe braucht – der an Demenz erkrankt ist. Das Stadium der Erkrankung ist dabei fließend.

Zuhause bleiben

Die meisten Menschen wollen in den eigenen vier Wänden verbleiben und im Alter zuhause betreut werden. Das jedenfalls wünschen sich die meistern Befragten, die nach ihrer Versorgung im Alter befragt werden. Das ist auch billiger für den Staat – und für Familien. Was sich so locker daherfabuliert, wird aber in der Regel auf die Schultern der weiblichen Familienmitglieder gepackt. Betreuung Älterer und Pflege ist allerdings ein Full-Time-Job, neben Familie und Beruf ist diese Herkulesaufgabe nur eine kurze Zeit wirklich zu leisten. Ganz besonders ist die Bewerkstelligung einer Demenzbetreuung. In Deutschland knüpfen wir hier übrigens gern nahtlos an die Tradition unserer Kindererziehung an: wer sein Kind in die Kita gibt, ist Rabeneltern. Wer seine Angehörigen in Pflege gibt, ist es nicht wert. Das aber wäre noch ein weiters Thema.

Nicht vorbereitet

Trotz aller Fürsorge passiert es, dass die erkrankten Dementen sich verletzten oder gar derart erkranken, dass sie stationär behandelt werden müssen. Also im Krankenhaus landen. Meine Behauptung ist die: Die Krankenhäuser in Deutschland sind auf diesen Anstieg der Fallzahlen von Patienten mit Demenz nicht eingestellt. Sie sind schlicht überfordert. Die Einrichtung von Demenzbegleitern oder auch ehrenamtlichen Helfern sowie Sozialberatern in den Häusern reicht nicht aus, um dieser Herausforderung gerecht zu werden.

Was passiert, wenn ein Mensch mit Demenz ins Krankenhaus kommt: Neben der Problematik der kognitiven Fähigkeiten ist die größte Gefahr die des „Weglaufens“. Ist der Patient halbwegs mobil, bricht in dem Fall schnell das Chaos aus. Die Krankenhäuser dürfen die Patienten nicht festhalten, auch nicht die Türen abschließen. Die Menschen können sich also frei bewegen – und das tun sie auch. Sie folgen ihrer „Hinlauftendenz“. Früher hieß das noch „Weglauftendenz“. Auf einer Station mit 30 Patienten und vielleicht zwei Nachtschwestern kann das zu einer allerhöchsten Bedrohung werden. Verschwinden die Dementen, ist die große Suche angesagt bei der oft Logik nicht das Suchkriterium ist. Wenn man großes Pech hat, verlassen die Menschen sogar das Haus. Sie sind dann regelrecht schutzlos. Und die Angehörigen sind hilflos.

Personenortung privat längst Fakt

Im privaten Bereich ist das schon einfacher, da kommen immer mehr technische Systeme mittels GPS zur Personenortung zur Anwendung, die das Finden der „Läufer“ erleichtert. Hinweise dazu finden sich auch auf der Seite der „Deutschen Alzheimergesellschaft“. Danke an @Wolfgang Ksoll für diesen Link.

Das Foto zeigt einen Rollstuhlfahrer auf einem Klinikflur.

mobil ohne Ziel

Ruhelos 

Nun darf man im Krankenhaus dem Pflegepersonal keinen Vorwurf machen – sie machen ihre Arbeit bereits oft über das Limit hinaus. Gesundheit ist ein Wirtschaftsfaktor, Geld und Personal für Menschen ist knapp gehalten. Als Angehöriger fragt man sich allerdings, wie das gehen soll – die Patienten dort allein zu lassen, nachts beruhigt zu schlafen, wenn der demenzerkrankte Patient aber nicht geschützt ist. Aber durchaus geschützt sein könnte!

Das Betreuungsrecht ist so eine Sache. Menschen dürfen nicht einfach festgehalten werden. Bei Dementen ist hier eine Grauzone gegeben: denn sie wissen nicht mehr, was sie tun, wenn sie etwa im Nachthemd in die Kälte entwischen. Selbstbestimmung ist ein hohes Gut, welches jeder Mensch für sich in Anspruch nehmen muss. Unbestritten. Da beginnt jedoch der Punkt, über den wir uns unterhalten müssen. Es gilt, die Würde bei Demenz und die Fürsorge der Angehörigen neu in Beziehung zu setzen, sie neu zu vermessen. Wann wird die Selbstbestimmung für den Betroffenen würdelos? Und muss man nicht längst flächendeckend mehr digitale Hilfsmittel einsetzen, die diese Würde und Selbstbestimmung lange erhalten können?

Analoge Suche ist ein Luxus 

Jetzt ist die Praxis im Krankenhaus eher diese: Sind Demente mobil unterwegs, folgt ihnen ein Pfleger, der sie aber nicht „festhalten“ darf. Das ist allerdings „Luxus“, denn dafür ist normalerweise gar keine Zeit und kein Personal vorhanden. Glück ist es, wenn jemand überhaupt rechtzeitig bemerkt, dass da gerade ein Mensch wegläuft, der nicht mehr auf sich selbst aufpassen kann. Ist jemand verschwunden, kommen teilweise sogar Suchhunde zum Zug. Im besten Fall werden die Vermissten umgehend gefunden. Mittlerweile kann man im Außenbereich dafür auch Drohnen einsetzen, die auch in unwegsamen Gelände Überblick behalten.

In dem Fall der Hinlauftendenz wünsche ich mir ein elektronisches Armband um das Handgelenk der Menschen mit Demenz, wenn sie ins Krankenhaus kommen. Das gibt Signal, wenn er oder sie die Station oder das Krankenhaus verlässt. Das Haus muss daher mit Sensoren ausgestattet sein, die diese Signale auch abgeben. Im Grunde funktioniert das System wie eine elektronische „Wegfahrsperre“. In einigen Häusern ist bereits ein Roboter in der Testphase unterwegs auf den Fluren, der die Patienten nach Erhalt des Signals wieder „einfängt“. Er sucht sie, findet sie, funkt Hilfe herbei und begleitet die Menschen zurück in menschliche Obhut. Gleiches kann ich mir in Pflegeheimen vorstellen, die keine geschlossene Abteilung haben aber „Läufer“ beherbergen.

Künstliche Intelligenz als Altersvorsorge

Das hört sich unmenschlich an? Auf den ersten Blick vielleicht. Allerdings muss man das Thema langfristig betrachten. Die nächste Generation wird sehr viel weniger Pflegepersonal vorfinden, sie wird dies ggf. auch nicht mehr bezahlen können. Und die nächste Generation wird ganz anders alt, viel selbstbestimmter und mit höheren Ansprüchen an Individualität. Da werden Roboter, also ingesamt künstliche Intelligenz helfen müssen, die Selbstbestimmtheit solange wie möglich zu ersetzen. Gleiches gilt übrigens auch für den Verbleib im eigenen Zuhause der Menschen, auch hier hilft der Roboter.

Alles Spinnerei? Gerade eben hat ein jugendlicher Softwareentwickler in Japan „Socken mit Signal“ erfunden: Sein Opa leidet an Demenz. Er lief weg. Mit den Sensor-Socken, die er jetzt trägt, bekommt die Familie ein Signal, wenn der alte Mann wegläuft. So ist Hilfe sofort möglich. Und die Menschen mit Demenz gefährden sich nicht mehr selbst, die Familie kommt zur Ruhe. Japan ist übrigens die älteste Gesellschaft der Welt, sie gilt sogar schon als „überaltert“.

Let´s talk about…

Mir ist der professionelle Einsatz von digitaler Technik beim Suchen und Finden sehr viel lieber als das angstbelastete analoge Suchen in Feld und Flur, wo Logik nicht die Suchkriterien sind. Nur reden müsste man drüber: Was will eine alternde Gesellschaft wie wir? Ist künstliche Intelligenz dabei Fluch oder Segen? Und müsste das nicht längst auch in jedem Krankenhaus Thema sein?

Schnittstelle Mensch-Maschine

Die Digitalisierung wird unseren Arbeitsalltag nachhaltig verändern. In einem Booksprint haben zahlreiche Autoren dazu Beiträge geschrieben. Mein Beitrag ist jetzt auch online auf dem Blog „Arbeit 4.0“ der Kollegen der Bertelsmann Stiftung. Hier verlinke ich „Die Mensch-Maschine-Schnittstelle“.

Mittlerweile sehen die künstlichen Kollegen uns schon sehr ähnlich. Ein besonders hübsches Exemplar ist der Willkommensroboter in der Ausstellung der DASA. 

Das Foto zeigt einen Roboter, der der menschlichen Statur sehr ähnlich ist. Ort: DASA

uns immer ähnlicher – der Roboter (DASA)

 

Künstliche Intelligenz erwacht

Das Foto zeigt eine Figur aus dem Film Metropolis.

Metropolis – früher Traum von KI

Der künstliche Kollege „Roboter“ durchdringt immer mehr Lebensbereiche unserer Alltagsgestaltung. Im Wegweiser Kommune-Blog habe ich über die Ausstellung in der DASA zu „Robotern“ geschrieben. Hier verlinke ich daher nur.

Als kleiner Appetithappen aber auch noch dieser kurze Streifen, wie Roboter in der Ausstellung als Helfer agieren:

Zukunft der Arbeit hat begonnen

Die Proklamation „Zukunft der Arbeit“ ist online: 18 Autorinnen und Autoren aus der Zivilgesellschaft haben in den letzten Wochen in einem kreativen Online-Prozess eine Broschüre zum Thema Arbeit 4.0 erarbeitet und herausgegeben.

Das Foto zeigt eine Roboterhand vor grauem Hintergrund.

Proklamation – Zukunft der Arbeit

Foto: Ben Schaefer, Creative Commons by 4.0

Die Broschüre kann man hier downloaden – und lesen.

Die Proklamation „Zukunft der Arbeit“ erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie bietet auch keine einfachen Lösungen an, die es aus Sicht der Autoren nicht gibt. Es ergibt sich jedoch eine Vielzahl an Perspektiven, die als Impulse verstanden sein wollen.

Hier die Autoren:  Jörn Hendrik Ast, Gebhard Borck, Guido Bosbach, Lars M. Heitmüller, Sabine Jank, Sarah Kebbedies, Anke Knopp, Roland Panter, Nicola Peschke, Medje Prahm, Andre Schleiter, Gunnar Sohn, Sarah Staffen, Anja C. Wagner, Jan Westerbarkey, Birgit Wintermann, Ole Wintermann und Annette Wittke.

UPDATE  –

Hier der Blogpost zur Publikation. Er ist zuerst auf Arbeit 4.0 erschienen:

Die #ZukunftderArbeit (aka Arbeit/en 4.0) kommt, unaufhaltsam – egal was wir von ihr halten. Sie ist Revolution und Evolution. Sie nimmt keine Rücksicht und kann uns zugleich neue Perspektiven eröffnen, zumindest wenn wir aufhören, nur über sie zu sprechen und beginnen sie aktiv zu gestalten. Unsicher ist: Wie die #ZukunftderArbeit tatsächlich aussieht. Sicher ist: Anders als bisher!

Wir haben es in der Hand die #ZukunftderArbeit mit einem klaren Fokus auf die menschliche Bedürfnisse zu gestalten, wenn wir unsere Haltung und Lebensart aktiv in diese Entwicklung einbringen. Lassen wir die Chancen ungenutzt verstreichen, steigt das Risiko, dass mit Arbeit 4.0 der Mensch gegenüber den reinen Marktkräften und den Algorithmen weiter verliert.

In den letzten Monaten haben sich 18 Autoren im Nachgang des BarCamps Arbeiten 4.0Gedanken darüber gemacht, wie die Arbeit der Zukunft aussehen könnte, unter welchen globalen Rahmenbedingungen wir arbeiten werden und welche ethischen Fragen mit dem Wandel der Arbeitswelt verbunden sind.

Konservativer Korporatismus verhindert das digitale Deutschland

Um aber die #ZukunftderArbeit im Sinne der einzelnen Menschen gestalten zu können, ist es an der Zeit zu realisieren, dass die technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen unseres globalen Arbeitsumfeldes auch in Deutschland ein Überdenken tradierter Denk- und Sichtweisen in allen Bereichen der Arbeitsmärkte bedingen. Wir sollten uns von den althergebrachten Sichtweisen der Lobbyverbände an den beiden Polen des Arbeitsmarktes verabschieden. In Deutschland misstrauen viele der disruptiven Kreativität. Ihre Möglichkeiten sind weithin unbekannt. So entsteht Angst vor Verlusten und Neuordnungen, die alte Strukturen aus den Angeln zu heben vermag. Als Reaktion darauf bleibt die Mehrheit der Firmen einem konservativen Korporatismus des rheinischen Marktwirtschafmodells treu.

New Digital Deal

Die Digitalisierung lässt zunehmend neue Formen entstehen über die wir unsere Wahrnehmungen und Befindlichkeiten ausdrücken. So bekommt die Zivilgesellschaft eine veränderte Stimme und ein neues Gesicht. Menschliche Digitalisierung der Arbeit verlangt unter anderem Authentizität, Selbstbestimmung sowie Teilhabe. Die #ZukunftderArbeit braucht die Ressource der Intelligenz der Menschen. Dazu gilt es, die gute alte hierarchische Ordnung zu überdenken. Denn wo im Netzwerk gearbeitet wird, stören Freigabeprozesse nur. Zudem wird in Netzwerken eine natürliche Führungsstruktur wirksam, die sich nicht selbstreferentiell verhält und damit weniger verwundbar oder anfällig zeigt. Das hebelt die bisher auf dem Arbeitsmarkt stillschweigend übliche Massenvereinbarung – Gehorsam gegen Entgelt – aus. Die damit sinnvoll verbundene Neuverteilung der Erträge kommt einer Revolution gleich.

Der „Neue Digitale Deal“ ermöglicht den Menschen auch in ihrem Arbeiten endlich die Freiheit, die die Digitalisierung für sie bereit hält und die sie im privaten Umfeld in vielfältiger Weise bereits heute schon intensiv nutz. Er macht das gegen das Interesse der Wahrer und der Bedenkenträger. Um die weitere Öffnung der Schere zwischen “privater- und arbeitsbezogener Freiheit” zu vermeiden, braucht es aus Politik und Wirtschaft eine breit initiierte Agenda “2030”, die den Umgang zwischen uns Menschen, den Organistaions- und Führungsstrukturen in denen wir Arbeiten und der digitalen Technik sinnvoll sowie wertbasiert verortet.

Digitale Transformation steht nur auf einem kulturellen Fundament stabil

Transformation bedeutet im Zuge dieses Digital Deals, über das Bestehende hinauszukommen, den nächsten logischen Schritt der Freiheit zu gehen, auf eine neue Stufe zu gelangen, den Status Quo hinter sich zu lassen. Mit Reförmchen gibt man die Chancen der Digitalisierung unserer Arbeit von vorne herein verloren. Neues Denken versteht die digitale Technik als Kulturtechnik. Die digitale Transformation beinhaltet immense Auswirkungen wie auch Potenziale – gerade für Deutschland. Bei den schlagkräftigen, etablierten Akteuren stehen weiterhin wohlfeile Sonntagsreden und Lippenbekenntnisse im Vordergrund vor echtem Innovieren, womit diese die globalen Treiber der Entwicklung negieren und Deutschland in Richtung eines digital-sozialen Entwicklungslandes vor sich hindümpeln lassen.

Die #ZukunftderArbeit verlangt von uns – neben den technischen Aspekten der Digitalisierung – vielfältige ethische Herausforderungen zu lösen. Wir fordern von Unternehmen, hier glaubwürdige Antworten anzubieten. Nur so können sie, wenn überhaupt, im globalen War for Talents bestehen.

Vorurteile gegenüber digitalen Möglichkeiten abbauen

Wir brauchen den Mut, evolutionär und transformativ zu denken und Neues zu wagen. Das Bildungssystem ist derzeit Teil des Problems und nicht der Lösung. Hier bedarf es grundlegender Änderungen, damit sie substanzielle Beiträge zur Entfaltung der digitalen Potenziale leisten können und so große Teile der Bevölkerung erst an digitalen Chancen und Mehrwerten teilhaben lassen können. Die jüngeren Generationen wachsen bereits mit dieser neuen Kulturtechnik auf. Gleichzeitig halten sie auch weiterhin in Europa an diesen überholten Modellen fest, weil sie beständig mit den Vorbehalten konfrontiert werden. Jüngere Menschen in anderen Gesellschaften werden innovativer mit den Potenzialen verfahren können.

Soziale Sicherungs- und Steuersysteme neu denken

Der veränderte Umgang mit sozialen Systemen und die Entstehung neuer Steuerlogiken folgen zwangsläufig aus dem grundlegenden Wandel des Faktors “Arbeit” in der Wertschöpfung. Etliche Studien zeigen, dass die Digitalisierung jede Einkommenshöhe und jedes Qualifikationsniveau treffen kann.

Wird der Algorithmus und der Roboter der verlängerte Arm des Beschäftigten, fallen große Teile des Arbeitsmarktes durch die digitale Disruption weg und verlieren nationale Steuergrenzen in einem komplett globalisierten Wirtschaftssystem ihre Wirkung.

Es macht demnach Sinn, über die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens und eines supranationalen Steuersystems nachzudenken. Gleichwohl wird auch ein Grundeinkommen nicht die Fliehkräfte einer ungerechten Einkommensverteilung auffangen können. Hier bedarf es fundamental neuer sozialer Gesellschaftsdiskurse.

Gegen German Googlephobia in der Politik

Ein nationalstaatlicher Protektionismus im Politikfeld der Digitalisierung – Stichwort German Googlephobia – ist keine wirksame Handhabe gegen digital induzierte und disruptive Innovationen. Gesetze verhindern keine Ideen, deren Zeit gekommen ist. Die Welt um uns herum bewegt sich bereits in der Transformation der Arbeit. Mit oder ohne uns. Stillhalten heißt, dass Deutschland sich abhängen lässt.

Verschlafen wir die #ZukunftderArbeit einfach weiter, übernehmen andere die Verantwortung dafür. Wir verkommen dann zu einer Randerscheinung globalen Fortschritts. Den Weg von einer führenden Wirtschaftsnation zum Dritt-(Arbeits-)Welt-Land verkürzt die global dynamische Komplexitätssteigerung ebenso wie die stattfindende weltweite Digitale Transformation rapide. Oder aber weiter gedacht: Inwiefern ein nationalstaatlicher Wettbewerb heute überhaupt noch zeitgemäß erscheint, sollte in den politischen Kreisen des föderal zersplitterten Landes umfänglich diskutiert werden.

Megatrends verlangen nach einer Politik 2.0 und nach digitalen Bürgern

Wir stehen zum ersten Mal in der Geschichte an der Schwelle, dass künstliche Intelligenz unsere Arbeit in allen Lebensbereichen übernehmen kann. Damit stehen wir mehr als je zuvor am Scheideweg menschlichen Wirtschaftens. Wir können auf 100% Technisierung setzen und uns (soziale abgefedert) aus dem Produktions- und vielen Serviceprozessen zurückziehen oder die Maschinen und Computer weiter nutzen, um in den humanen Nischen noch besser zu werden: Kreativität und zwischenmenschliche Interaktion. Oder wir können weiter den Kopf in den Sand stecken. Dann entscheiden eben andere über unsere Zukunft.

Wir plädieren für einen offenen Umgang mit der digitalisierten Arbeit. Die nächste Generation fragt uns dann mit Recht: Warum ward ihr die erste Generation, die den Schritt in die Zukunft verweigerte – aus reiner Angst vor der Wirksamkeit der Vielen? Die rein menschliche, analoge Arbeitskraft führte uns zur ungehemmten Ausbeutung von uns selbst und unseren natürlichen Ressourcen. Was ist dagegen einzuwenden, wenn uns künftig Algorithmen vor diesen selbstzerstörerischen Handlungen warnen? Wenn wir auf digitalem Weg, mit der Kreativität der Vielen, unabhängig von überkommenen nationalstaatlichen Grenzen und Denkräumen die globalisierten Herausforderungen der Menschheit anpacken?

– “Imagine … It’s easy if you try” by John Lennon –

Wir danken allen Autoren der Proklamation für ihre Beiträge und damit ihren engagierten Einsatz über das ursprüngliche BarCamp-Format hinaus. Wir konnten damit nicht nur über die Prinzipien der Zukunft der Arbeit – Transparenz, Kollaboration, Hierarchiefreiheit Partizipation – sprechen sondern diese während der Erstellung des Papers auch anwenden:

Jörn Hendrik Ast, Gebhard Borck, Guido Bosbach, Lars M. Heitmüller, Sabine Jank, Sarah Kebbedies, Anke Knopp, Roland Panter, Nicola Peschke, Medje Prohm, Andre Schleiter, Gunnar Sohn, Sarah Staffen, Anja C. Wagner, Jan Westerbarkey, Birgit Wintermann, Ole Wintermann und Annette Wittke.

Darüber hinaus gilt unser Dank auch der Lektorin Esther Debus-Gregor für ihre Unterstützung beim Zustandekommen der Publikation.

Der Beitrag ist zuerst auf dem Arbeiten 4.0-Blog erschienen und stellt eine gemeinsame Autorschaft der hier genannten Autoren dar.