Offene Daten wirkungsvoll einsetzen

Daten sind die Wertschöpfung der neuen Generation. Ohne Daten wird eine künftige Gesellschaft nicht mehr auskommen. Die Rede ist dabei nicht von den großen Datensammlern, die unsere Datenspuren im Netz sammeln und gerne als die apokalyptischen Reiter bezeichnet werden: Facebook, Amazon, Google und Apple. Die Rede ist von Offenen Daten, die einen gewichtigen Beitrag zur sozialen und gesellschaftlichen Transformation in einer digitalisierten Welt leisten. Offene Daten fallen nicht vom Himmel. Sie müssen erschaffen werden aus den Daten, die u.a. öffentliche Verwaltungen sammeln – und auch Wirtschaft und Wissenschaft. Die Community, die offene Daten aus ihrem Schattendasein befreit, wird größer.

Mit dem Willen zur Gestaltung von Offenen Daten werden diese zu einem Treiber für den Kulturwandel, Open Data sind ein wesentlicher Bestandteil von Open Government als umfassenden Begriff für die Öffnung von Verwaltungs- und Regierungshandeln.

Im Arbeitskreis Open Government Partnership Deutschland arbeiten wir an diesem Kulturwandel. U.a. an der Umsetzung des 1. Nationalen Aktionsplans zur Verankerung dieser neuen Politikansätze und überlegen als Zivilgesellschaft gleichzeitig, wie der Prozess in die Breite getragen werden kann: Auch Kommunen mit ihren Verwaltungen und politischen Gremien sind tragenden Bestandteile dieses neuen Kulturwandels hin zu einer Öffnung von Verwaltungs- und Regierungshandeln.

Ich habe Oliver Rack am Rande einer Arbeitssitzung des AK OGP um ein kurzes Statement gebeten – er schlägt den großen Bogen zu den Kommunen:

 

 

Open Government – Mode oder Muss?

Open Government leben – und Verwaltung innovativ denken. München bietet die Plattform zum Austausch: mit dem Open Government Tag 2017. Ich darf referieren zum Thema „Ist Open Government Mode oder Muss?“.

Open Government Tag München 2017

Moder oder Muss?

Vorweg die Beantwortung der Frage: Ja, Open Government ist ein Modethema. Die Avantgarde treibt die Inhalte seit Jahren vor sich her, die zur Zeit sehr gefragt sind: Öffnung von Regierungs- und Verwaltungshandeln, Transparenz, Partizipation, Digitalisierung, Interaktion mit dem Souverän, Revitalisierung der Demokratie, Innovation.

Damit sind die Werkzeuge von Open Government Antworten auf die großen Herausforderungen, vor denen unsere Gesellschaft steht: Gestaltung der digitalen Transformation, Globalisierung, Klimawandel, Demographischer Wandel, Spaltung der Gesellschaft in unterschiedliche Gegensätze u.a. auch digital und analog. Wir erleben in vielem einen Kulturwandel, eine Zeitenwende. Das braucht Gestaltung. Die Avantgarde der Gestaltung findet sich, vernetzt sich. Es sind die, die Veränderung als Normalität begreifen, die Digitalisierung als Chance verstehen, die digitale DNA und zivilgesellschaftliches Herzblut mitbringen und verbinden.

Runter vom Laufsteg 

Wir stehen an einem Punkt, wo aus einer Modeerscheinung getrieben durch Wenige ein Muss wird, welches den Laufsteg verlässt und längst auf die Straßen vor Ort gehört. Wir befinden uns im Modus des Schaulaufens und der Modenschau. Stoff zur Verarbeitung gibt es genug. Es fehlen kreative Schneider, also Handlung und Köpfe. Die technische Entwicklung und Vernetzung von „toter Materie“ ist mit dem Aufkommen von künstlicher Intelligenz und dem Internet der Dinge bereits etablierter als die gesellschaftliche Entwicklung dies für sich zu leisten vermag. Hier gilt es, den Anschluss nicht zu verpassen, um die Transformation zu gewährleisten, damit Teilhabe für alle gesichert bleibt. 

Open Data als Mode angekommen 

Im großen Themencluster Open Government zeigen sich Nischenthemen, die bereits tragbare Mode für die Gesellschaft bereitstellen wie OpenData. Die Wertschöpfung, die in dieser Thematik steckt, ist angetan, Veränderungen innovativ voranzubringen. Open Data als kreativer und agiler Treiber ist marktkompatibel und damit leichter zu verankern als weichere Faktoren des Open Government.

Gemeinwohl im Mittelpunkt 

Gleichzeitig erleben wir die Entfesselung der Märkte und das Zurücklassen der öffentlichen Daseinsvorsorge. Der Aspekt des Gemeinwohls muss neu aktiviert werden zum Wohle aller. Teilhabe aller gehört (wieder) in den Mittelpunkt. Mit den Instrumenten des Open Government stehen hier viele kreative Ideen und Werkzeuge zur Verfügung.

Kreativität in Kommunen 

Schließlich richtet sich der Blick auf die Kommunen vor Ort. Hier gibt es keine avantgardistischen Laufstege. Mode wird hier zur passgenauen modernen Bekleidung modifiziert, wozu Kreativität, Agilität und Mut gefragt sind. Aus Mode wird ein Muss – vor Ort entscheidet sich die Zukunft der Gesellschaft. Kommunen kaufen keine Kleider von der Stange, zu unterschiedlich sind die Bedarfe, zu komplex die örtlichen Begebenheiten. Kommunen brauchen Experimentierräume, Freiräume, um die modischen Impulse zwar aufzunehmen aber in ihrer Eigenart umzusetzen. Kommunen brauchen Übersetzer von Schnittmustern. Analog der Spannungsbögen zwischen Vergesellschaftung und Individualisierung können die Menschen vor Ort am besten erachten, welche Herausforderungen sie konkret angehen, um individuelle Antworten für ihre Lebenswelten zu entwickeln. Zahlreiche gute Beispiele, wie das mit der Herangehensweise des Open Government gelingen kann, gibt es bereits: Die Flüchtlingskrise etwa ist lediglich durch Kooperation zwischen Staat, Politik und Verwaltung bewältigt worden. Weitere Beispiele finden sich u.a. in den anlaufenden kommunalen Modellprojekten. Mit dem Open Government Manifest NRW, geschrieben von der Zivilgesellschaft, liegt zudem ein Schnittbogen vor. Und doch bleibt eine Frage bisher offen: Brauchen wir Kriterien für das Label „Open Government Kommune“ damit auch drin ist, was drauf steht?

Cluetrain Manifesto – mal wieder lesen 

Am Ende geht der Beitrag auf einzelne Thesen des Cluetrain Manifestes ein: vormals eine avantgardistische Modeerscheinung – heute sind die erweiterten 95 Thesen in weiten Teilen Realität, Normalität und im Zentrum angekommen. So wie die Open Government Bewegung das mit ihren Inhalten auch realisieren kann: transparent, partizipativ und offen. Von der Mode zum Muss des Wandels als innovative Normalität.

Open Data auch für IHK und Handwerkskammer

Wir sind mitten drin in der Digitalisierung. Publikum und Podium waren sich einig. Unsere Generation erlebt plötzlich zwei Welten, in denen wir leben: die reale und die virtuelle Welt. Beide verschmelzen – jetzt gilt es, die Kenntnis über beide Welten zu vermitteln.

Das jedenfalls stand auf dem Zettel:  Medienkompetenz in KMU – Wie Social Media unsere Geschäfte verändert – so titelte die WIM ihre Veranstaltung in der Ravensberger Spinnerei in Bielefeld. WIM – das Netzwerk für Unternehmen in OWL – hatte in Ko- operation mit der WEGE mbH zum 2. WIM Open Panel eingeladen. Chancen und Risiken von Social Media in KMU standen im Fokus des Panels. Getwittert wurde unter #wimop17

Social Media in KMUs – Foto Sandra Wilms

Es diskutierten: Vera Wiehe (WEGE) Moderation, Thorsten Ising (Vorstand für Kommunikation im Bundesverband Community Management e.V. für Social Media und digitale Kommunikation, Christina Quast, Hashtaghüterin (freie Journalistin), Detlev Buschkamp, Buschkamp Consulting (Social Media Beratung), Anke Knopp, freie Beraterin und Autorin (Open Data, Smart City), Thomas Werning, Strategieberatungen (Datenschutz und Internetmarketing) und Roman Mahr, Laufwerk m – Programmierung.

Es ist keine Frage mehr ob Unternehmen im Netz unterwegs sind, sondern nur noch wie. Jedes Unternemen ist ein Medium.

Sichtbarkeit, Erreichbarkeit, Kommunikation, Kundennähe – alles Themen, die auch KMUs betreffen. Die Chancen wurden rauf und runter erläutert. Will ich hier auch nicht wiederholen. Es braucht offenbar noch mehr Zeit, bis Social Media zur Normalität in Unternehmen wird. Solange es allerdings in einigen Betrieben untersagt ist, diese neuen Formen der Kommunikation zu nutzen, wird es noch Überzeugungsarbeit brauchen.

Im Barcamp-Format wurden verschiedene vertiefende Sessions angeboten – alle gut besucht.

Mein Part war einen Schritt weiter gedacht: Social Media als mögliches Tor für Unternehmen, um für sich den Mehrwert von Open Data zu entdecken, sich über Social Media eine eigene Community aufzubauen. Noch ist „die Wirtschaft“ hier sehr zögerlich, was sowohl den Nutzen als auch das eigene Einbringen von Daten angeht. Dabei sind Daten auch für KMUs eine mögliche künftige Quelle für Wertschöpfung. Ein Beispiel: Es gibt die Gesetzeslage, dass alte Heizungen ausgetauscht werden müssen, wenn ein Haus etwa nicht selbst bewohnt wird. Damit soll das Ziel der CO2-Einsparung erreicht werden. Dahinter liegen handfeste messbare Kriterien. Wenn nun diese Werte eingehalten werden sollen, ist das auch eine Frage für Heizungsinstallateure und auch Schornsteinfeger, die mit gesammelten Daten Nachhaltigkeitskriterien nachhalten und belegen können. Gleiches gilt etwa für die Nutzung von Daten zu Lärmmessungen an bestimmten Orten in der Stadt: LärmApps etwa können Hinweise für Handwerker darstellen, gezielte Lärmschutzmaßnahmen anzubieten.

Größeres Erstaunen stellte sich ein, als ich das Thema #OpenData auch für IHK und Handwerkskammer anschnitt. Auch diese Verbände sitzen auf einem großen Schatz an Daten – rücken ihn aber nicht raus und nutzen ihn auch nicht umfänglich für sich selbst. Dabei gibt es vielfältige Anwendungen. Etwa: Auch Arbeit selbst verändert sich und die Gewinnung von Nachwuchs für die Betriebe gerät ins Stocken, gerade da wären Daten – offene Daten – eine Quelle für neue Muster und neue Ideen. Etwa beim Bedarf von ad-hoc-Trainings: Wenn gerade eine bestimmte Qualifikation besonders gefragt ist, könnten die Verbände darauf zeitnah reagieren und Personal genau darin schulen – passgenau, vielleicht sogar aus dem Kontext einer umfänglichen und langen Ausbildung herausgeschnitten. Qualifikation on demand ist ein Stichwort.

Berufe bleiben nicht gleich, Ausbildung wird sich ändern. Zugehörigkeiten zu Firmen werden sehr viel kürzer sein als wir das bisher kennen, weil Firmen vielleicht immer kürzere Lebenszeiten haben als ihre Angestellten, die dann bei mehreren Firmen als Projektmitarbeiter anheuern.

Wir werden eine Ökonomie der Ideen erleben – nicht die der Dinge. Das bedeutet auch, wir brauchen Prozesse mit Open Source – das Schützen von Firmenideen wäre daher sinnlos.

Gleichzeitig muss man darüber nachdenken, ob solche hierarchischen Verbandsformen noch Bestand haben. (Das ist ein weiteres Thema.)

Es wurde weit in die Zukunft geschaut an diesem Abend. Aber auch Handfestes und Ordnungspolitisches aufs Tablet gehoben – der Datenschutz etwa:

 

Das WIM-Format trägt – gern mehr davon.

Offene Daten auch aus NGOs und Stiftungen

UPDATE vom 15. Juli 2017: In Österreich gibt es bereits mit Open Data Portal Österreich ein öffentliches Datenportal für Daten aus Wirtschaft, Kultur, NGO, Forschung und Zivilgesellschaft. Vorbildlich! Das befeuert die Diskussion in Deutschland nochmals. Öffnet die Aktenschränke! 

Open Data wirkt. Immer mehr öffentliche Daten (open data) gehen online. Immer mehr Nutzer schätzen diese Daten als Quelle für Neues, Innovatives, für Wertschöpfung – denn Ideen entstehen oft aus der Zusammensetzung von Daten oder deren Muster, die darin erkennbar sind. Immer mehr konkrete Anwendungen werden entwickelt, die aus der Theorie Praxis entstehen lassen und damit den Wert von Daten unterlegen. Beispiele finden sich etwa hier bei Code for Germany. Oder auch hier bei Blogger Wolfgang Ksoll aufgelistet. (dies im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.)

Das Foto zeigt zwei Schilder mit Zugang und Utopia.

Daten sind Macht

Wie sieht das aber mit weiteren Quellen aus, die ebenfalls Daten produzieren? Open Data ist nicht nur eine Frage öffentlicher Daten der Verwaltungen. Auch andere erheben Daten. Etwa gemeinnützige Stiftungen erheben Daten, die unter den Aspekt Open Data fallen (sollten): Daten werden mit steuerbegünstigten Geldern erhoben. Aus ihnen werden viele Studien erstellt, die Einfluss haben auf die gesellschaftliche und politische Entwicklung. Diese Datenrohsätze sind daher auch sehr aufschlussreich für Interessierte und Softwareentwickler und sollten unbedingt frei zugänglich sein. Oftmals werden längst nicht alle Ergebnisse dieser Erhebungen veröffentlicht. Brachliegende Nebenergebnisse aber könnten durchaus von Interesse sein – oder gar erst interessant. Vor allem in der Summe oder in der Kreuzung der Daten miteinander ergibt sich Neues. Auch ermöglicht eine Freigabe der Datensätze eine unterschiedliche Draufsicht auf Ergebnisse. Zudem liegen oft lange Zeitreihen vor, die in der Auswertung nochmals eigene Ergebnisse produzieren könnten. Ein wahrer Schatz also. 

Solange sie aber nur von wenigen gesehen werden, bleibt ihr Wert verborgen.

Das Foto zeigt Blumen unter Gittern.

Aufblühen

Ich habe dazu den Bonner OpenData-Experten DamianPaderta @paderta befragt, der auch im @CodeforBonn // Code for Bonn im Rahmen des Coding for Germany als Projekt der Open Knowledge Foundation mitwirkt. „Nutze deine Fähigkeiten, um deine Stadt zu verbessern“ – ist ihr Credo.

Was hälst Du von der Idee der Öffnung auch in Richtung Stiftungen?

Akteuren aus Zivilgesellschaft und Wirtschaft sollte von staatlicher Seite aus die Möglichkeit gegeben werden, ihre Daten auf Open Data Portalen der öffentlichen Hand zu stellen. Zentralität ist hier das Zauberwort. Gleichzeitig braucht es neben einem nationalen Open Data Portals durchaus verschiedene Kommunal- und Landesportale. Die technische Diversität und die verschiedenen Ansätze sollten weiterhin bestehen bleiben, um innerhalb des digitalen Ökosystems verschiedene „Mutationsformen“ auszuprobieren.

Ein nicht unerheblicher Aspekt wird von Paderta angesprochen, der der Auffindbarkeit:

Die erleichterte Auffindbarkeit von Daten, die Gewissheit dass es diese Dienste morgen noch gibt sowie die ökonomische Ersparnis für Nichtregierungsorganisationen (NGO) sind gute Argumente, um öffentlichen Portalen eigene Daten zur Verfügung zu stellen. Das ist viel sinnvoller als ein eigenes Portal anzubieten oder Daten auf einer versteckten Unterseite anzubieten.

Orte zum Einstellen dieser Daten finden sich ausreichend:

Mit Hilfe von GovData etwa – das Datenportal für Deutschland – sind 2016 über 18.000 offene Datensätze für Verwaltungen über ein zentrales Portal zugänglich – und für jeden Interessierten durchsuchbar und nutzbar. Daten werden ebenenübergreifend aus Kommunen, Ländern und Bundeseinrichtungen zentral verzeichnet und nach einem einheitlichen Schema beschrieben. Warum nicht auch mit Daten aus Stiftungen?

Noch umfassender – warum nicht auch Daten aus Wirtschaftsunternehmen hier einstellen? Damian Paderta dazu:

Für die Wirtschaft kann u.a. ein Anreiz dadurch entstehen, dass sie Daten als Open Data veröffentlichen, um Dritten Innovationen zu ermöglichen, die sie selber nicht im Stande sind zu leisten und zu einem späteren Zeitpunkt dennoch davon profitieren können. Der Staat kann sich tatsächlich als Plattform verstehen und diesen Dienst anbieten. Auf kommunaler Basis funktioniert diese Prinzip ja schon – siehe Bonn.

Das volkswirtschaftliche Potenzial von Open Data hat die Konrad Adenauer Stiftung ermittelt. Dr. Pencho Kuzev als Herausgeber schreibt dazu:

Der optimistische Bereich kann bis in die Höhe von 131,1 Mrd. EUR p.a. reichen. Dies bedeutet, Open Data als Kernkomponente einer nationalen Strategie für das 21. Jahrhundert zu positionieren und sein Potential für große gesellschaftliche Herausforderungen zu identifizieren und zu mobilisieren. Ein derartiger Plan ginge über die digitale Transformation hinaus: Es ginge darum, sich als Nation in Bezug auf den Aufbau eines nationalen offenen Ecosystems selbst herauszufordern und dadurch zur weltweit führende Open-Data-Nation zu werden.

(Im konservativen Fall ist ein Potential von 12,1 Mrd. EUR p.a. realistisch. Im ambitionierten Fall ist ein Potential von 43,1 Mrd. EUR p.a. realistisch.) Seite 10.

Auch in NRW gibt es das Landesportal OpenDataPortal #OpenNRW. Bei der Arbeit der Landesverwaltung entstehen jeden Tag eimerweise Daten rund um das Leben in Nordrhein-Westfalen. Die stellt die Landesregierung allen kostenfrei zur Verfügung. „Ein echter Schatz für Journalisten, Unternehmen, Wissenschaftler, Vereine und alle Menschen in NRW“ – so schreiben die Macher des Datenportals selbst.

Angesichts der großen Anzahl von Stiftungen in Deutschland, die allesamt zahlreiche Studien erheben und Daten produzieren, könnte hier ein enormer Datenschatz gehoben werden. Auf der Seite des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen finden sich Zahlen, demnach gibt es:

  • 21.806 rechtskräftige Stiftungen
  • 95 Prozent gemeinnützige Stiftungen
  • 100 Mrd. Euro geschätztes Vermögen deutscher Stiftungen

Auch der Bundesverband Deutscher Stiftungen hat übrigens ein Datenportal. Wunderbar, wenn diese Daten zu offenen Daten würden und ihren Weg in die offenen Datenportale auf Bundes- oder Landesebene fänden. Gleiches gilt für Wirtschaftsunternehmen, die sich ihrerseits Gedanken machen müssten, welche Daten zur gesellschaftlichen Wertschöpfung beitragen könnten.

Wir wissen nämlich: Wissen ist das einzige Gut, welches mehr wird, wenn man es teilt. (Marie Ebner-Eschenbach)

Feinstaub – Offene Daten retten Leben

Immer wird darüber diskutiert, wozu #OpenData taugt. Was macht man mit Daten, die offen sind und für alle zugänglich? Ein wunderbares Beispiel dafür ist die Feinstaubmessung. Feinstaub – ist eher ein Begriff, der eine wegwerfende Handbewegung zur Folge hat. Was geht mich das an? Feinstaub aber hat es zu morbidem Ruhm gebracht: Je höher die Konzentration von Feinstaub in der Luft ist, desto höher ist die Sterblichkeit für den Menschen. Auf der Website des Umwelt Bundesamtes findet sich dazu:

Die durch Feinstaub für die Bevölkerung induzierten gesundheitlichen Folgen werden durch Schätzung der Krankheitslast ermittelt. (…) Die vorliegenden Schätzungen kommen zum Ergebnis, dass im Zeitraum 2007-2014 im Mittel jährlich etwa 45.300 vorzeitige Todesfälle durch Feinstaub verursacht wurden.

Es ist also im Interesse eines jeden Einzelnen zu erfahren, wie hoch die Feinstaubbelastung in seiner Umwelt ausfällt. Nur: Feinstaubmessungen gibt es lediglich an sehr wenigen Messpunkten. Mit Hilfe von OpenData ändert sich das. Frank Riedel und viele Aktive aus dem OKLab Stuttgart zeigen mit OpenData auf der Website von Luftdaten.info , wie sich Luftverschmutzung durch Bürgermessungen erfassen und visualisieren lässt.

Das Foto zeigt die Einzelteile für eine Feinstaubmessung in Bürgerhand.

Selbst ist der Mensch – Bausatz für Feinstaubmessung leicht gemacht, Foto: Wiedemann

Das OK Lab Stuttgart als Teil der OKF widmet sich mit dem Citizen Science Projekt luftdaten.info der Feinstaub­messung. Hier heißt es:

Du und 299 Paten installieren selbst gebaute Messgeräte an der Außenwand ihres Hauses. Aus den übermittelten Daten generiert luftdaten.info eine sich ständig aktualisierende Feinstaub-Karte für die gesamte Region. So wird Feinstaub sichtbar…

Mit den Feinstaubsensoren in Eigenbau werden also die spärlich offiziellen Feinstaubmessstationen durch inoffizielle Feinstaubsensoren in Bürgerhand ergänzt, deren Anzahl ständig wächst. So entsteht eine flächendeckende Messung. So entsteht eine flächendeckende Vernetzung, die schließlich ein umfängliches Bild ermöglicht und damit aussagekräftig wird. Mit Daten lässt sich klar belegen, wo genau Feinstaub wie hochkonzentriert die Luft verpestet. Feinstaub ist damit ein hoch politische Thema. Und ein Thema, an dem der Mehrwert von offenen Daten sehr einleuchtend wird.

Daten sind so nun nicht nur transparent für Verwaltungen und Politik, sondern eben auch für die Allgemeinheit, die auch an der Erhebung maßgeblich beteiligt ist. Werden die zulässigen Grenzwerte überschritten, ist es Zeit zu handeln. Daten erhöhen politischen Handlungsdruck.

Erinnern wir uns, wie aktuell Feinstaub in unserem Leben ist: Wir haben gerade den Abgas-Skandal von Volkswagen (VW) und weiteren führenden Automarken erlebt. Ein Weltkonzern pfeifft auf die Gesundheit der Menschen und manipuliert Autos und Abgaswerte, um Profit zu machen. Mit Feinstaubmessungen in der Erhebung durch Viele ist jetzt ein wirksames Instrument entstanden, diesen Missständen verursacht durch Wenige auf Kosten von Vielen Einhalt zu gebieten. Datenevidenz macht das perfide Spiel der Täuschung noch offensichtlicher – und politisch unverantwortbar. Tote Menschen durch Feinstaub will kein Politiker verantworten müssen.

Wie die Sensoren gebaut werden können, beschreibt das OKLab Stuttgart hier. 

Mein Tipp: Feinstaub ist in praktisch jeder Stadt ein Thema. Jede Kommune sollte einen Workshop anbieten, wie diese Sensoren zu bauen sind. Das OKLab Stuttgart hilft bestimmt. Ein wunderbarer Beitrag für Open Government.

Open Data – Impressionen vom Hackday

Der Hackday in Moers ist zu einer kleinen Tradition geworden. Die #Familie wächst, die Verwandtschaft wird mehr. Der Umgang mit Offenen Daten und den vielfältigen Anwendungen gewinnt immer mehr Freunde und Anhänger. Von alt bis jung, von Nerd bis Verwaltungsmitarbeiter und Kommunalpolitiker. Hier ein kleiner Einblick und einige Statements:

Sturm selbst gesät

Bäume. Sie sind ein wichtiger Bestandteil für unser Leben. Insbesondere wirken sie als grüne Lunge in einer Stadt, sie regeln das Klima. Und natürlich nicht nur das Stadtklima, sondern jeder einzelne Baum trägt zum Weltklima bei.

Dieser Tage sind unzählige große Bäume mitten in der Innenstadt von Gütersloh gefällt worden. Sie weichen, damit ein Neubau für die Feuerwehr gebaut werden kann. Unbekannte haben das mit dem Schriftzug „Das ist ein Verbrechen“ auf dem öffentlichen Gehweg kommentiert.

Vier Gedanken dazu: 

Das Foto zeigt eine Baumreihe im Oktober 2016.

noch stehen sie

Das Foto zeigt die kahle Starßenzeile ohne Bäume.

Das Foto zeigt die kahle Starßenzeile ohne Bäume.

Erster Gedanke: Wir brauchen ein öffentliches Register zum Straßen-Baumbestand in der Stadt. Die Städte Berlin und Köln haben diesen Bestand bereits als Offene Daten in GovData eingestellt. Der Datensatz gibt Auskunft darüber, um welche Art von Baumbestand es sich im Straßenbaumbestand handelt, wo der Baum steht (Adresse), wann er gepflanzt wurde und welche Höhe er hat. So ergibt sich im wahrsten Sinne des Wortes ein Überblick, wenn solche Abholzungen diskutiert werden: Die Angaben lassen sich in einem Stadtplan visualisieren. Offene Daten bieten ein Gesamtbild über den öffentlichen Baumbestand – und erleichtert die Entscheidungsfindung in einer Stadt ungemein.

Zudem könnte man mit einer solchen Übersicht auch ein Verzeichnis erstellen, welches etwa Allergiker darüber informiert, wo welche Bäume mit welchen Pollen und Blütezeiten stehen. Die Stadt Wien hat das mit dem PollenRadar erstellt – auch ein Produkt von Open Data. Das allerdings ist nur ein positiver Nebeneffekt – hier soll es ums unnötige Abholzen von Bäumen gehen.

Zweiter Gedanke: Dass man eine Feuerwache auch unter ganz anderen Aspekten hätte planen können, macht das ODI in London deutlich: Die Nutzung von Open Data und einer Visualisierung dieser offenen Daten hat etwa in London zu einem anderen Umgang bei der Planung und Schließung von Feuerwehren geführt. Das Projekt enthüllt die Auswirkungen von Schließungen von Feuerwehrstandorten auf die Menschen, die dort wohnen und kann beim OpenDataInstitut (ODI) nachgelesen werden. Auch eine Visualisierung der verwendeten Daten findet sich hier. Künftige werden solche offenen Daten noch wichtiger für politische Entscheidungen etwa bezogen auf die Stadtentwicklung. Dazu aber müsste man als Kommune solche Datensätze für die Nutzung durch die Zivilgesellschaft und auch die Wirtschaft öffnen und bereit stellen.

Ein dritter Punkt: Es gab ausreichend Proteste gegen die Fällung der Bäume. Der vorhandene Entscheidungsspielraum allerdings wurde nicht genutzt. Der Bauverein Gütersloh hat da anders reagiert: Als es um das geplante Abholzen eines ganzes Wäldchens ging, welches zugunsten eines Bauvorhabens des Bauvereins durchgeführt werden sollte, gab es großen Protest, woraufhin der Bauverein sein Bauvorhaben absagte – und nochmal nachdenken wird. Gut so.

Ein vierter Punkt: Der Klimawandel ist kein Märchen. Er existiert. Auch wir erfahren mehr und mehr seine Auswirkungen dieser Entwicklung, obwohl wir geographisch vorteilhaft gelegen sind. Stürme und Sturmschäden jedoch etwa haben auch in Deutschland zugenommen. Es ist schon ein Treppenwitz, dass nun ausgerechnet die klimarelevanten Bäume mitten in der Stadt für eine Feuerwache weichen müssen, die künftig ausrücken muss, um eben diese vermehrten Sturmschäden zu beheben oder zu lindern.

 

Open Data auf der Siegessäule?

Open Government und Open Data – der Kreis der Aktiven ist leider noch eher klein, die Themen nehmen aber deutlich an Fahrt auf und zeigen eine hochaktuelle Relevanz. Tapfer trifft man sich zum Austausch, um den Kulturwandel innerhalb der Verwaltung sowie auch in der Zivilgesellschaft hin zu einem offenen Verwaltungs- und Regierungshandeln zu gestalten. Gestern gab es ein Expertengespräch dazu in der Konrad Adenauer Stiftung in Berlin. Danke an das Orgateam dort, insbesondere an Dr. Pencho Kuzev für sein wunderbares Papier mit den wichtigsten Punkten zu Open Gov und Open Data. Eine Empfehlung für Einsteiger!

Mit von der Partie mit anschließendem Rundgang um die Siegessäule, weil das ein wunderbares Symbol sein könnte für den Einzug von Open Government:

Thomas Tursics, Oliver Rack und Claus Arndt:

Das Foto zeigt Open Data Aktive im Selfie.

Claus Arndt, Oliver Rack, Thomas Tursics

Das Foto zeigt die Siegessäule in Berlin.

Open Data bald auch in Gold?