E-Government aufs Korn genommen

Das Thema e-Government scheint eine leidige Endlos-Soap in Deutschland zu sein. Immer neue Versuche werden unternommen. Die Reanimation wird von vielen Seiten versucht. Allein der Patient Government möchte weiter im Wachkoma verbringen.

Ein wenig Ironie sei daher erlaubt: Es ist lediglich ein Zeichen dafür, dass ich das Thema schon sehr ernst nehme und es eigentlich auch weiter mit Herzblut betreiben möchte. Aber manchmal sind die Hemmschwellen einfach zu hoch als dass man noch an baldigen Erfolg glauben möchte.

Auf der rpten haben wir einfach mal eine kleine Unterhaltung dazu aufgelegt, die der @Ajuvo in seiner Reihe „damals tm-podcast.de“ als Podcast im Sendezentrum auf dem  Sofa aufgenommen hat. Sein Claim ist die Betrachtung aus der Brille von „damals, wie war das eigentlich noch…“

Das Foto zeigt drei Menschen mit Kopfhörern bei der Aufnahme.

E-Government – aus dem Sendezentrum der rp16

Mit dabei war auch Torsten Frenzel. Er betreibt seit langem den PodcasteGovernment Podcast„.

Auf seinem Blog ist unsere Unterhaltung auch schon erschienen. Kann man gerne reinhören. – Ist ein damalstm und eGovernment Crossover.

Die Profis werden beim Hören vom Sessel kippen – unsere Unterhaltung war einfach launig und ein wenig auch Querbeet gedacht… Viel Vergnügen!

Digitaler Lifestyle in einem ganzen Land

Estonia, also Estland, traut sich was. Das nördliche EU-Land lebt einen digitalen Lifestyle und erfindet sich und seine digitalen Möglichkeiten ständig neu. In Deutschland ist das anders. Deutschland belegt Platz 9 im EU Digitalbericht 2016. Das ist gutes Mittelfeld.

Das Foto zeigt die Flagge von Estland vor blauem Himmel.

Estonia – digitales Land

Ich bin mit dem Team von @SmartCountryDE der Bertelsmann Stiftung auf einer Studienreise in Estland. Estland gilt als „das“ Digitalland Europas. Wir suchen nach guten Beispielen, wie digitale Strategien ein Land in der Fläche zu einem smarten Ort macht. Auf dem Zettel der Glanzleistungen in Estland ganz oben stehen vorbildliche Anwendungen für das E-Government bis hin zu flächendeckender Versorgung mit WIFI sowie der schnellste Weg, eine eigene Firma zu gründen. Das dauert nach der Statistik in Estland nur ganze 18 Minuten. Estland bietet zudem die digitale E-Residency, eine digitale Existenz für Bürger weltweit. Alles Gründe genug, sich einmal vor Ort anzuschauen, was genau das Erfolgsrezept von Estland ist – und was davon nach Deutschland übertragbar ist. Am Ende geht es darum, Teilhabe zu ermöglichen und zu erhalten.

Digital-Tourismus 

Digitalisierung scheint ein Exportschlager zu sein. Gepaart mit dem Fakt, dass im kommenden Jahr in Deutschland die Bundestagswahlen stattfindet und zudem eine richtungsweisende Landtagswahl in NRW ansteht, erklärt sich, warum sich gerade deutsche politische Delegationen die Klinke in die Hand geben, wenn die einen den Showroom von e-Estonia betreten und die anderen hinausgehen. Experten der Digitalausschusses waren schon hier, kürzlich war Armin Laschet (CDU NRW und stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU) vor Ort, am Ende dieser Woche reist die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft an, ihre Staatskanzlei postet derweil Flugbilder.

Gerade gestern hat sich die Bundeskanzlerin Merkel im Rahmen einer Klausurtagung des Kabinetts mit dem estnischen Ministerpräsident Taavi Rõivas getroffen. Inhalt: Fortschritte zur digitalen Agenda in Deutschland.

Mit dabei war auch Siim Sikkut, einer der digitalen Köpfe Estlands und digitaler Berater des Präsidenten. Einer, der schon bewiesen hat, dass er digital denken und handeln kann. Er ist auch ein Experte für e-Government. Ohne schon in diesem Blogpost auf die vielen Vorzüge Estlands einzugehen, mal an dieser Stelle ein kurzes Fazit: Sikkuts Ziel wäre, Government unsichtbar zu machen. Alle notwendigen Angelegenheiten sollen für die Menschen im Land so clever und simpel geregelt sein, dass sie leicht zugänglich sind, von jedem genutzt werden können, dies von der Wiege bis zur Bahre. Nur rund 4 Prozent der Menschen in Estland nutzen diese Services des E-Government nicht – sie sind analog. Wenn also rund 96 Prozent digital sind was staatliche Dienstleistungen (und sonstige Services angeht), ist das eine nationale Erfolgsstory, die nur von der Nachricht getoppt wird, dass 100 Prozent der Bevölkerung über einen Kühlschrank verfügen. Selbst der Taxifahrer erklärt mir die „Normalität“ des Digitalen in Estland als eben eine solche Natürlichkeit und verweis auf die gleiche Zahl der analogen Mitbürger, wie Sikkut sie nennt, um dann kein Bargeld anzunehmen, sondern nur meine Kreditkarte akzeptiert.

So dreht sich auch jede der Erfolgsgeschichten um eben eine einzige Karte, auf der alles gespeichert ist. Hier schon mal ein Bild von dem PlastikChipWunderDing, Details wie gesagt im nächsten Blogpost.

Das Foto zeigt eine Art EC_Karte, auf der alle Daten gespeichert sind.

eine Karte für alle Services

Wenn nun alle das Ziel verfolgen, von Estland zu lernen (es reisen auch andere Nationen hierher), muss man sich fragen, warum die Esten so erfolgreich sind in dem, was sie tun – und Deutschland seit langem schon den Anschluss verpasst hat (Glasfaser fast unbekannt) oder bestenfalls hinterherhinkt, Interaktion zwischen Staat und Bevölkerung ist weitestgehend analog und nur mit hohem bürokratischen Aufwand leistbar. Gerade wenn von E-Government die Rede ist, türmen sich die Fragen nach dem Grund des Scheiterns auf wie die Wolken über der Küste von Estland.

Hier vor Ort wird klar: Digitalisierung und die sich daraus ableitenden Möglichkeiten digitale Services zu entwickeln und dabei den Menschen und seine Notwendigkeiten in den Mittelpunkt zu stellen, ist keinesfalls nur eine Frage der Technik.

Digitale Transformation und digitale Services sind eine Frage der Haltung und der Veränderung der Prozesse und des Zugangs. Eine Form der Hierarchieverschiebung, eine Frage der Transparenz, eine Frage der Ausrichtung auf die Bedarfe der Menschen. Und am Ende schlicht auch eine, wie künftig Geld verdient wird, wenn die Wissens- und Informationsgesellschaft sich über Nacht Bahn bricht. Moore´s Law spricht von exponentieller Beschleunigung. Estland hat die neuen Formen gemeinsam entwickelt, gemeinsam ermöglicht. Estland hat sich zum Ziel gesetzt, auf lange Sicht 1 Millionen E-Residents nach Estland zu holen – kurz blitzt auch die Zahl mit einer weiteren Null daran auf. Über 100.000 sind es schon. Angesprochen werden die neuen Kreativen, die neuen Wertschöpfer, denen es egal ist, ob sie nun in Timmendorfer Strand sitzen oder in HongKong wirken, sie aber einen Ort suchen, an dem die „Firma“ residiert und das eben virtuell möglich ist. Estland schafft das. Estland bindet damit langfristig den Rohstoff an sich, der bald (und schon jetzt) gebraucht wird, nämlich Kreativität und Flexibilität. Anderen Ländern gelingt das nicht.

Selbstverständlich muss man schauen, dass Estland ein Land mit rund 1,2 Millionen Einwohnern ist, also überschaubar. Und erst sei 1991 in der Unabhängigkeit lebt. Beim Neustart die Restbestände einer russischen Mangelwirtschaft vorfand aber junge quirlige Leute hatte. Dazu jedoch einen mächtigen Nachbarn Russland hat, der immer wieder die Keule schwingt und bedrohlich nahe kommt, symbolisch und faktisch. Cyberattacken nicht ausgenommen. Die Besatzungszeit ist in Estland nicht vergessen. Sie ist real immer vorhanden, die Gefahr, wieder annektiert zu werden, ist präsent. Die Esten müssen intelligent sein, um zu überleben und ihre Freiheit zu bewahren, das schafft Möglichkeiten.

Deutschland hat keinen Feind an seinen Grenzen. Wohl aber muss sich Deutschland um seine Prosperität sorgen, um den Erhalt oder gar Ausbau des Lebensqualität, der längst schon nicht mehr alle erreicht. Die Ausgangslagen der Länder sind unterschiedlich, die Zukunft aber ähnlich: wie die Chancen der Digitalisierung nutzen, zum Wohle der Menschen? Liegt Deutschland jetzt schon auf Platz 9, ist der Erhalt kaum möglich, angesichts der Tatsache, dass eine tragfähige digitale Infrastruktur nicht über Nacht wächst und mit Kupferkabel längst das falsche Medium in den Einsatz gebracht wird.

Wenn die Delegationen hier Antworten darauf finden, hoffe ich, dass sie diese nicht behandeln wie ein Souvenir, welches ausgepackt aus dem Koffer lediglich im Regal verstaubt. In Vorwahlzeiten könnte Estland auch ein Ausflug und damit Alibi sein für vorgetäuschte Beweglichkeit im Mindset. Die Vorteile Estlands könnten zuhause auch schnell vom Positiven ins Negative gedreht werden, um in Deutschland im analogen Modus zu verbleiben. Nach dem Motto: Ja, aber wir hier sind ganz anders….

Digitales aus Estland ist jedenfalls ein Exportschlager: wie geht digital und wie geht es gemeinsam mit den Menschen, nicht von oben herab und auch nicht ohne die Bedarfe zu kennen. Wer diese neuen digitalen Lebensformen nicht versteht oder nicht annehmen will, darf sich nicht wundern, wenn die Zivilgesellschaft im eigenen Land nicht wartet, sondern schon mal in anderen Feldern der privaten Lebensorganisation digital vorausgeht. Damit aber zeigt sich der Staat langfristig als unfähig zu Wandlung und Meisterung seiner Kernaufgaben. Mit einer Politik 1.0 sind politische Entscheidungen hinfällig und undemokratische Schreihälse besetzen Themen und füllen sie mit nationalistischen Inhalten. Selbst digital wird so auf national gestutzt.

Keine Frage, in den digitalen Services des Staates als ein fester Bestandteil der Politik 2.0 sehe ich eine Chance. Eine Chance für Menschen, Demokratie und Lebensqualität. Ich nehme aus Estland mit den Beweis, dass es digitale Treiber braucht und dass Veränderung möglich ist.

Werkstattbericht aus dem CoLab #digitaleRegion

Die 11. Initiatve des CoLab Internet&Gesellschaft zusammen mit dem Verein “Unternehmen für die Region” (UfdR) beschäftigt sich in den kommenden Monaten mit dem Schwerpunkt#digitaleRegion. Über den Start hatte ich schon gebloggt. Ich arbeite hier als Expertin mit.

Zwei Testregionen

Im zweiten Workshop gestern im FraunhoferForum in Berlin kristallisierten sich nun differenzierte Herangehensweisen heraus: Wir werden Grundlagenarbeit in bekannter interdiszipliärer Besetzung betreiben. Die Schwerpunkte sind Wirtschaft&Arbeit, Bildung, Mobilität und Logistik sowie Staat und Verwaltung. Viel herausfordernder aber wird der Realitycheck vor Ort sein. Geplant sind zwei konkrete Workshops in Regionen, die sich teilweise schon sehr erfolgreich auf den Weg gemacht haben, wie Augsburg und Umgebung sowie in einer “Newcomer”-Region mit der Gemeinde Wennigsen (Deister), wo sich ein Netzwerk abzeichnet, welches die digitale Transformation für sich entdeckt. In der Experten-Diskussion fanden gerade diese beidenbipolaren Ansätze großen Zuspruch: Nord-Süd, Starter und Erfahrung, um den Sprung von der Theorie in die Praxis zu bewerkstelligen.

Zum Aufbruch in Wennigsen habe ich Christian Mainka um ein kurzes Statement gebeten, er ist Projektmanager und Wirtschaftsförderer in Wennigsen. Zudem gibt Tina Weber (UdfR) einen kurzen Einblick, wie sehr das Thema “Digitalisierung” auch die Netzwerke in den Regionen bewegt und treibt:

Einen kurzen Zwischenstand vermitteln die Macher der 11. Initiative des CoLab Gerald Swarat und Resa Mohabbat Kar:

AG Wirtschaft und Arbeit 

Ich selbst arbeite in der AG “Arbeit, Wirtschaft und KMUs” mit. Zentrale Arbeitsstränge werden sein, die Lebensqualität für Familien auf dem Land zu verbessern, was besonders Kinder und Schulen berühren wird aber auch das Einsparen von Zeit durch Wegfall der Pendlerzeiten. Zweitens werden wir in den Blick nehmen, welche Rahmenbedingungen das neue Arbeiten eigentlich bräuchte (Arbeit4.0 ist das Schlagwort), berücksichtigt man die Bedarfe der Menschen an erster Stelle – dies aus der Sicht derer, die gerne in der “Fläche” leben möchten und nicht in den Ballungsgebieten.

Das berührt selbstverständlich auch Fragen der Nachhaltigkeit, die Ausformung neuer Berufsbilder sicherlich auch, gekoppelt mit der Überlegung, welche Berufsgruppen man gerne vor Ort ansiedeln möchte. Müssen jetzt alle Designer aufs Land ziehen? Auch der Aspekt der Landwirtschaft als Arbeitsfeld soll betrachtet werden: gibt es etwa digitale Plattformen für neue Geschäftsmodelle des Vertriebs? Wichtig ist mir der Aspekt, dass nicht alles eine Frage der Technik sein muss. Digitale Strategien sollen in erster Linie den Menschen in den Fokus stellen. Nur auf diesem Weg kann man zur Verbesserung (oder für den Erhalt?) der Lebensqualität beitragen.

Um möglichst nah an den Bedarfen in der Region zu bleiben, werden die Fragen der Experten daher an die regionalen Netzwerke auf diese Gesichtspunkte hin geschärft und in einem Fragenkatalog abgefragt. Wir identifizieren hierbei Entscheider und Akteure aus den unterschiedlichen Zusammenhängen. Darauf aufbauen wird eine Schwerpunktstudie, am Ende steht bestenfalls eine Roadmap für neue Impulse der Wirtschaft und des Arbeitens.

Gedacht sind auch Zukunftsszenarien, die einen Schritt weiter über das Mach- und Wünschbare hinausweisen sollen. Klar ist dabei allen Experten: eine digitale Region wird man nicht einfach, weil man eine Idee “von der Stange” für sich kauft. Digitale Region wird man, wenn die Strategie direkt an den Bedarfen vor Ort ausgerichtet ist – und von vielen Aspekten und Beteiligten getragen wird. Alte Hüte – möchte man meinen, doch die Notwendigkeit der Neudefinition von regionalen und ländlichen Lebensräumen hin zu einem smarten Ansatz setzt Kreativität frei, die dringend notwendig ist.

Open Data nutzen 

Zu all diesen Überlegungen sind konkrete Daten notwendig. Spezifische Daten und auch Handlungsempfehlungen aus der Demographie heraus gedacht, gepaart mit digitalen Herangehensweisen können eine gute Grundlage sein, um daraus Konzepte zu entwickeln. Mein Ansatz ist immer der, die Daten aus dem Wegweiser zu nutzen, die sich nach über 100 Kriterien differenzieren lassen, auch was Wirtschaft und Bevölkerung angeht. Und dann kommt man schnell auch zu meinem Lieblingsthema: Nutzen von Offenen Daten aus den Aktenschränken der Kommunen und Regionen, aus denen sehr passgenaue Anwendungen und Muster abzuleiten sind, die beim Nachdenken über digitale Prozesse mehr als hilfreich sind. Ich finde ja, sie sind essentiell.

Aber wir werden sehen, welche Bedarfe die beiden Testregionen Augsburg und Wennigsen anmelden. Es wird auf jeden Fall spannend, vor Ort zu schauen, wie man Luft unter die Flügel einer digitalen Region bekommt. So viel erstmal als kleiner Werkstattbericht aus dem CoLab. Bald mehr.

Der Blogbeitrag ist auch erschienen im Blog „Wegweiser Kommune“ der Bertelsmann Stiftung.

Wie digital ist Ihre Feuerwehr?

In vielen Kommunen dreht sich die politische Diskussion meistens nur um den Neubau von Feuerwehrgebäuden. Etliche sind baulich in die Jahre gekommen. Eine Pflichtaufgabe, die jedoch teuer oder auch preisgünstig gemeistert werden kann. Wie digital aber eine Feuerwehr aufgestellt ist, wird kaum diskutiert.

Das Foto zeigt einen Rettungswagen vor dem Theater in Gütersloh.

Feuerwehrwache – so teuer wie ein Theater?

Spannender: digitale Infrastruktur der Wehren 

Viel spannender ist daher die Frage, ob Feuerwehren künftig die finanziellen Mittel zur Verfügung stehen, um sich digital(er) aufzustellen, als sie das bisher sind. Oder bleibt die Ausrüstung eher analog und damit weit hinter den Vorteilen digitaler Hilfsmittel zurück, weil das Geld fehlt?

Mich interessiert etwa die Frage, wie gut die Feuerwehren mit digitalem Alarm ausgestattet sind, wie digital die Funktionskleidung der Feuerwehren ist und schließlich, wie der Einsatz von Sensoren zur Übermittlung von Daten in Echtzeit an den Geräten wie Feuerwehrwagen oder Ausrüstung (Schläuche etc.) aussieht. Um nur einige wesentliche Punkte zu nennen, die sowohl den Bürgern als auch den Feuerwehrleuten selbst zugute kommen. Die Aufwände hierfür dürften eine noch bessere Investition in die Zukunft sein als „nur“ neue Gebäude. Eine politische Diskussion zu dieser notwendigen Aufrüstung nehme ich allerdings nicht wahr.

Alarmsysteme 

Die Alarmierungssysteme der Feuerwehrleute waren bisher als analoge Sirenen bekannt. Installiert auf zahlreichen Dächern öffentlicher Gebäude warnten sie nicht nur die Bevölkerung, sondern riefen auch die Feuerwehrleute selbst zum Einsatz. Heute sind sie kaum noch im Dienst. Diese Form der Warnung kann die vielfältigen Herausforderungen einer differenzierten dialogorientierten Kommunikation nicht mehr bedienen. Sie sind ein analoges Zeichen für eine schlichte Einbahnstraßenkommunikation. Kommunikation in Notsituationen aber erfordert heute differenzierte Information im Austausch und in Echtzeit. Das rettet nicht nur Menschen, sondern auch materielle Werte.

Die „stille“ Kommunikation dieses Alarmsystems verläuft über Funk – jeder kennt den „Piepser“, der die Einsatzkräfte informiert. Mit Hilfe einer Fünf-Ton-Folge werden die rudimentären Nachrichten übermittelt. Diese Funksystem ist bundesweit standardisiert und erlebt gerade den Wechsel hin zur durchgehenden Digitalisierung. Gut nachzulesen ist das auf Wikipedia.

Nur sind die neuen digitalen Systeme noch lange nicht flächendeckend im Einsatz. Auch die Vernetzung über das Smartphone hat seine Tücken. Es funktioniert nur, wenn überall ausreichendes Netz zur Verfügung steht. Das ist lange nicht überall und schon gar nicht flächendeckend der Fall. Kürzlich sprach ich mit einem „Retter“, der davon berichtete, wie manchmal der Kontakt abbricht, weil man in einem Funkloch steht. Dann laufen die Rettungssanitäter oder Feuerwehrleute ein paar Meter hin und her – um wieder ein Netz zu erhaschen. Das kann gefährlich werden. Update 16.5.2016: Hier erreichten mich zwei Hinweise, die ich gerne aufnehmen will. Viele nutzen bereits eigene Whats App Gruppen, in denen sie sich schneller zusammenfinden und koordinieren als mit den standardisierten Techniken, die vorgeschrieben sind. Zudem nutzen viele auch ihre eigenen Smartphones im Dienst, weil die ein schnelleres Netz garantieren als die oft mit einem langsamen Netz verbundenen Dienstsmarts, die eingekauft wurden, weil sie auf den ersten Blick billiger waren. Also auch hier lautet die Devise: BYOD, bring your own device. Immer mehr Arbeitnehmer nutzen ihre privaten Geräte, weil diese den digitalen Notwendigkeiten eher gewachsen sind als die Geräte, die man im Dienst nutzen muss. Pypass-Politik aller Orten

Im Aufbau befindet sich das System MoWaS (= Modulares Warn-System). Dieses System bietet Funktionen, mit denen die Leitstellen zeitgleich alle wichtigen Kanäle ansteuern können, an die die Warnung verbreitet werden muss. Beispielsweise können auch die Fernseh- und Radiostationen oder Nachbarkommunen so informiert werden. Dieses System korrespondiert mit der App NINA: Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat die Smartphone-App (= Notfall-,Informations- und Nachrichten-App) entwickelt. Wer sie nutzt, wird damit aus den Leitstellen der Kreise und kreisfreien Städte über Gefahr und sinnvolle Schutzmaßnahmen informiert.

In Nordrhein-Westfalen sollen alle Leitstellen der Kreise und kreisfreien Städte mit MoWaS ausgestattet werden. Das System befindet sich noch im Aufbau. Daher steht die App NINA auch nur dort zur Verfügung, wo MoWaS bereits im Einsatz ist.

Funktionskleidung und Sensoren 

Neben dem Alarmsystem ist sicher die Kleidung der Feuerwehrleute eine notwendige Investition für den Einsatz digitaler Technik zur Gefahrenerkennung und -abwehr. Kleidung als die zweite Haut der Einsatzkräfte wird mehr und mehr mit Sensoren versehen. Mit ihrer Hilfe werden Körperfunktion und Vitalwerte der Träger gemessen. So erhält die Einsatzleitung Daten in Echtzeit über die körperliche Verfassung des Feuerwehrmenschen – und kann im Notfall umgehend eingreifen. Zudem senden diese Sensoren Daten etwa über die Beschaffenheit von Gasen im Brandraum oder aber von sonstigen gefährlichen Stoffen, die umgehend analysiert werden können, das spart Zeit und zeigt direkt Lösungswege auf an denen gleich alle beteiligt sind, weil sie Zugriff darauf haben. Diese gewonnene Zeit und Information ist in Notsituationen essentiell. Dazu hatte ich mich auf der Hannover Messe sehr lange mit dem Produzenten solcher Innovationen (Honeywell) unterhalten. Dazu im nächsten Blogpost mehr, in dem es auch um Datenschutz geht, weil natürlich die „Anzugträger“ jederzeit überwacht werden können. Das ist die Kehrseite der digitalen Anwendungen.

Sensoren als Echtzeitdatenlieferanten

Sensoren können gleichfalls an den Einsatzfahrzeugen angebracht werden und übermitteln ihrerseits Daten aus dem Einsatzbereich, wie Umweltdaten oder auch Belastungsdaten der Materialien. Zudem werden immer mehr Materialien selbst „intelligent“ also „smart“. Ihre Garne und Stoffe sind bereits mit leitfähigem Garn gefertigt und übermitteln etwa den Grad der Beanspruchung oder Überlastung und lassen sichere Prognosen auf mögliche Funktionsfehler, Bruchstellen oder Verschleiß früh erkennen. Bei Löschschläuchen ist diese Frage nicht unerheblich.

Das Foto zeigt eine Feuerwehr auf einem Karussell.

Digitale Transformation ist kein Kinderkram.

Investieren in digitale Prozesse 

Die Liste dieser digitalen Einsatzmöglichkeiten ließe sich beliebig verlängern. Sie ist gleichfalls natürlich eine Liste, die Kosten verursacht in dem Maße, wie sie auch mehr Sicherheit und frühzeitige Handlungsoptionen zur Gefahrenabwehr mit sich bringt. Die Sicherheit der Gesellschaft ist teuer.

Dazu fehlt allerdings häufig die politische Diskussion – insbesondere in den Kommunen, die sich eher mit Steinen und Neubauten beschäftigen, die digitale Transformation aber noch nicht mitdenken oder sie stehen im Glauben, sie seien nicht zuständig. Vielleicht liegt der Grund aber auch darin, dass hier einfach die Vorstellungskraft fehlt, wie sich mittlerweile ganze Prozesse und Geschäftsfelder in der digitalen Transformation verändern. Um einen Schritt weiterzugehen, müsste man sich auch über künftige Berufe unterhalten, die es heute bei der Feuerwehr noch gar nicht gibt, mit dem weiteren Wandel aber entstehen. Dann muss man auch darüber sprechen, wie man etwa das passende Personal für eine zukünftige Feuerwehr für sich gewinnt. Es wäre daher gut, über einen Neubau hinauszudenken.

Open Data bei der Planung 

Noch ein kurzer Ausflug ins Nachbarland GB. Die Nutzung von Open Data und einer Visualisierung dieser offenen Daten hat etwa in London zu einem anderen Umgang bei der Planung und Schließung von Feuerwehren geführt. Das Projekt enthüllt die Auswirkungen von Schließungen von Feuerwehrstandorten auf die Menschen, die dort wohnen und kann beim OpenDataInstitut (ODI) nachgelesen werden. Auch eine Visualisierung der verwendeten Daten findet sich hier, die nochmal einen ganz anderen Blick auf künftige Stadtentwicklung empfiehlt. Das aber nur als kleiner Exkurs und als Einladung, sich damit zu beschäftigen.

Digitales – Bindemittel für den ländlichen Raum

Nichts überbrückt räumliche Distanzen so gut wie Digitales. Das gilt auch für den ländlichen Raum, das gilt auch und vor allem bei Teilhabe und Partizipation der Menschen. Digitales gewinnt nochmal an Fahrt, wenn es für den ländlichen Raum und für Menschen im Einsatz ist.

Ich habe dazu einen Beitrag im „Treffpunkt Kommune“ der Zeitschrift „dergemeinderat“ verfasst. Diesen kann ich hier nur verlinken, leider nicht einbetten.

der Schriftzug "Smart" auf einem Betonpfeiler im ländlichen Raum.

Smart – Digitales überbrückt.

Tenor: „Digitale Kommunikationsformen bergen viele Möglichkeiten, das Leben im ländlichen Raum zu beleben und die junge Generation an die Gemeinde zu binden. Kommunal orientierte Apps können helfen, den Alltag besser zu bewältigen und öffentliche Dienstleistungen gezielt an die Bürger zu vermitten.“

Ich kam auf diese Verbindung durch meinen digitalen Wahlkampf im letzten Jahr und die Idee, dass die Ortsteile eine eigne App für sich entwickeln könnten, um die quartiersspezifischen Wünsche der Einwohner besser zu kommunizieren und zu vernetzen.

Nächste Dimension – Virtuelle Realität

Virtuelle Realtiät – virtual reality. Was so sprachlich harmlos daherkommt, ist beim Ausprobieren der virtuellen Brillen ein Megahammer. Da ergeben sich neue Welten und Dimensionen, die dem Betrachter förmlich den Boden unter den Füßen wegziehen.

Auf der rp16 ist das ZDF (!!) wohl ein Magnet für das Testen der Brillen, die einen kleinen Eindruck dessen vermitteln, wie künftig Fernsehen oder Kino oder sonstige Bildwelt „elebbar“ werden könnten. Hinter diesen tierischen Masken verbirgt sich ein neuer Kosmos. Ich hab es ausprobiert. VR-Brille auf, Kopfhörer auf die Ohren – und ab geht es in eine andere Dimension. In meinem Fall: explodierende Vulkane, abgrundtiefe Weiten ohne Boden, Himmel und auffliegende Vogelschwärme – und ich mitten drin, ohne Zeit und Raum und ohne Boden oder Orientierung. Einfach mitfliegend, die Bezugspunkte fallen weg, es ist gar nicht mehr so einfach, festen Boden unter den Füßen zu behalten.

Das Foto zeigt den Infostand des ZDF mit den Brillen zur Virtuellen Realität.

Das Jetzt und Hier vergessen.

Hier ein kleiner Bewegtbildeindruck – leider nur von den Menschen, die Schlange stehen, um sich für Momente in eine andere Galaxis zu beamen. Die Aufnahmen im Innern der Brille kann die Kamera nicht aufnehmen.

Ein paar Meter weiter gab es nochmal eine Kostprobe von Samsung. Im Innern des Oculus  tobte eine riesige Wasserwelle, die mich vom Surfbrett gekickt hat, traten Musiker in einem Rockkonzert neben und vor mich hin, zum Anfassen nahe. Ein Zirkuspotpourri mit skurrilen Figuren verzauberte, eine Skifahrt mit Schuss machte mich schwindelig. Ich rang nach Luft und um Gleichgewicht – und saß doch nur auf dem Hocker.

Es war kaum möglich, beim Schauen ruhig zu sitzen oder emotionslos zu bleiben, so real war plötzlich die virtuelle Welt in der Brille. Virtuelle Realtität. In Sekunden wechselt unsere Welt.

Das Foto zeigt eine virtuelle Brille.

durch die VR-Brille

Was macht das künftig mit uns? Auch eine Frage der digitalen Transformation. Wir leben schon mitten drin. Und es braucht nicht nochmal zehn Jahre (rpTEN), bis wir alle es merken. Die Jungen sind schon da, die damit aufgewachsen sind. Sie machen einfach.

Nadine – künstliche Intelligenz in Bestform

Roboter – ein Thema nimmt Fahrt auf. Es gibt kaum einen Bereich in unserem Leben, in dem sie nicht zum Einsatz kommen. Faszinierend, wie weit die künstliche Intelligenz vorangeschritten ist. Bei meinem Besuch im Heinz-Nixdorf-Forum in Paderborn, in der Ada-Lovelace-Ausstellung, fand ich jetzt eine Gattung von Roboter vor, die mich allerdings richtiggehend fasziniert hat: „Nadine“ – ein humanoider Roboter.

Das Foto zeigt den Roboter Nadine.

Das ist Nadine.

Nadine ist ein Roboter, der nicht nur aussieht wie ein Mensch, er soll sich in gewissen Situationen auch so verhalten wie ein Wesen aus Fleisch, Blut und Seele. Nadine wurde ihrer Schöpferin Professor Nadia Magnenat-Thalmann nachempfunden. Gerade noch saß „Nadine“ in der Nanyang Technological University in Singapur, jetzt erwartet sie die „normalen Menschen“ in der Ausstellung in Paderborn.

Es war wie Science Fiction in Echtzeit: Als ich dem Androiden begegnet bin, dachte ich für einen ganzen Augenblick, da sitzt ein echter Mensch in der Ausstellung und wird uns gleich etwas am Rechner vorführen. Dann trat ich vor Nadine und wusste, es ist ein Roboter! Aber so unglaublich menschlich, mit Blickkontakt, mit einer leichten Drehung des Kopfes in meine Richtung. Die Augen reagieren, suchen den Blick. So interagiert sie, mit Sprache und mit Emotion. Außerdem kann sie sich merken, wen sie schon mal getroffen hat. Sie spricht englisch und deutsch.

Hier ist „Nadine“ in Aktion (Video von Paderborn, meine Stadt). Ihre intelligente Sprachsteuerung ist Siri von Apple und Cortana von Microsoft nachempfunden: