Ich wähle Zukunft

Am Sonntag war ich Wahlhelferin zur #BTW2017.

Die Wahl fand in einer Grundschule statt. Die Bundestagswahl 2017 war die erste Wahl in Deutschland, an der die Wählerschaft über die Hälfte aus Personen über 50 Jahre bestand.

Die eine Hälfte wählte Vergangenheit. Die andere Hälfte bastelte Zukunft.

Das Foto zeigt einen selbstgebastelten Roboter.

keine Angst vor #KI

Zukunft – eine Frage des Alters

UpDate vom 2. August 2017: Der Artikel zu VR passt ganz hervorragend dazu. 

Wie sieht Zukunft aus? Folgernder kurzer Wortwechsel zeigt die disruptive Entwicklung der Digitalisierung, was insbesondere Zukunftsbilder angeht. Vorsicht: mit Augenzwinkern zu lesen.

Ich: „Wenn ich alt bin und im Heim leben sollte, wünsche ich mir einen Roboter, der mit mir singt und tanzt. Wer weiß, ob sonst noch jemand da ist, der mir Gesellschaft leistet.“

(Ich bin 52 Jahre alt und gehöre damit der Babyboomer-Generation an, die künftig nicht mehr auf Pflegefachkräfte hoffen darf.)

Replik von Ingrid Brodnig (Jahrgang 1984, Publizistin, Digital Champion der EU in Österreich, geboren in Graz): „Wenn ich alt bin, gibt es sicher schon das HoloDeck. Da brauche ich keinen Roboter mehr.“

Holodeck: Raum, in dem Objekte und Menschen durch eine Kombination von Materie, Balken und Feldern simuliert werden, auf die holographische Bilder projiziert werden. Der Nutzer kann mit seiner virtuellen Realitätsumgebung und seinen Charakteren interagieren. Holodecks kennt man aus Star Trek. 

Ingrid Brodnig Foto: Johannes Pressl

So sieht das aus: unsere Welt ändert sich schneller als wir es jetzt fassen können. Oder wollen. 20 Jahre Altersunterschied machen in der Vorstellungskraft bereits einen kolossalen Unterschied.

Wo fand dieser Austausch statt? In der letzten Woche hatte ich das Vergnügen mit IngridBrodnig (@brodnig) auf der Bühne im Rahmen der Kommunalen Sommergespräche des österreichischen Gemeindebundes zu diskutieren. Thema: Digitale Gemeinde. Moderiert von Meinrad Knapp, von ATV.

Wir sprachen über Zukunft. Natürlich!

Autonomes Fahren – Zukunft beginnt in Sion

Autonomes Fahren – ich hab mich getraut! Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich in einem Bus ohne Fahrer mitgefahren. Nicht in freier Wildbahn – aber in einer Halle auf der CeBIT 2017. Allerdings: Der Post-Bus Schweiz AG fährt real bereits im öffentlichen Raum durch Sion im schweizerischen Kanton Wallis – autonom. In echt. Ein neues Kapitel für den Öffentlichen Nahverkehr ist aufgeschlagen. Zukunft beginnt bereits bei den Nachbarn im Dorf. Der Dauerversuch ist bisher weltweit einmalig.

Das Foto zeigt den fahrerlosen Postbus aus Seon, Schweiz auf der CeBIT.

wie von Geisterhand – der fahrerlose Bus

Das Unternehmen PostAuto und MobilityLab Sion-Valais (Stadt Sitten, Kanton Wallis, HeS-So, EPFL, Schweizerische Post) testen in diesem Dauerversuch gemeinsam mit ihren Partnern im Projekt «SmartShuttle», wie und ob der Einsatz von autonomen Shuttles im öffentlichen Raum technisch sowie betrieblich machbar ist. Der Spaßfaktor für Kunden und die Sogwirkung dieser neuen Mobilität steht ebenfalls zum Test an. Der Umweltfaktor wird auch eine große Rolle spielen.


Es war der Renner auf der CeBIT: Wer mitfahren wollte, stand an, so groß war der Andrang, einmal zu testen, wie sich das anfühlt, dieses viel diskutierte autonome Fahren. 11 Personen finden ihren Platz in dem gelben Futurshuttle. Und dann ging es los, im Schritttempo bei 20/kmh durch die Halle. Schneller sollte es auch gar nicht sein, so konnte man den Ausblick genießen – und das Gefühl des Erstaunens, welches sich breit machte, spätestens als das Pendant an uns in anderer Richtung vorbeifuhr, in sauberen Linien und Kurven. Solch ein Fahrgefühl könnte sich ganz bald auf vielen Straßen breit machen. Besonders Kommunen dürften hier einen Blick drauf werfen.

Ausgerüstet ist das «SmartShuttle» mit hochsensiblen Sensoren, die in der Lage sind, miteinander zu kommunizieren und ihre Daten abzugleichen, um die Entscheidungsfindung des Fahrzeugs zu verbessern. Die technischen Details finden sich kurz beschrieben auf der Website von „Post-Auto – die gelbe Klasse“:

  • Multisensor-Technologie = sind in der Lage miteinander zu kommunizieren
  • LIDAR-Sensoren = 3D-Wahrnehmung, Kartografierung des Standortes, Gewährleistung der Erkennung der Position und Hindernisse werden erkannt
  • GPS RTK = Kommunikation zwischen GPS-Sensor und Basis, jeder Zeit ist Position bekannt
  • ODOMETRIE = Messung Fahrweg und Geschwindigkeit
  • Kamera-Sterovision = Analyse der Verkehrsumgebung (Straßenschilder, Ampel etc.)

Mit an Bord war für die Probefahrt kein Fahrer – wohl aber eine Begleitung, die alle technischen Details erklärte und für Fragen zur Verfügung stand. Real. Übrigens in drei Sprachen: französisch, englisch, deutsch.

Das Foto zeigt den Postbus Schweiz als autonomen Bus.

Autonomes Fahren – Einsteigen bitte!

In den echten Fahrzeugen vor Ort im Wallis fahren ebenfalls Begleiter mit. Sie werden „Grooms“ genannt. „Grooms“ waren früher mal „Stallburschen“ oder auch „Pferdeknechte“. Spaß an Ironie ist also vorhanden. Sie sind in Sion verantwortlich für das einwandfreie Funktionieren der Shuttles und vor allem für die Sicherheit der Fahrgäste. Sie können eine Notbremsung einleiten, sie informieren die Fahrgäste und helfen ihnen beim Ein- und Aussteigen. Sie sind zur Stelle, wenn es schwieriger wird, etwa bei Reisenden mit Rollstühlen oder Kinderwagen. Nebenbei bemerkt: Der Groom könnte auch Fahrbewegungen steuern. Im Bedarfsfall.

In der Halle auf der CeBIT brauchte es keine Korrekturen. Die Fahrt war stressfrei. Mir hat es gefallen. Ich erahne das riesige Potenzial dieses Unterfangens der „gelben Klasse. Kommunen müssten nun Schlange stehen.

VR – Brillen in sexy

Gerade eben trug ich nochmal eine VR  – Brille. Eine virtual reality- Brille, die den Nutzer in ungeahnte Welten ohne Boden und in Reiche der Phantasie entführen. Übrigens nicht nur Gamer, sondern immer mehr Nutzer, die die Möglichkeiten dieser neuen Realität von Sehen und Kommunikation für sich erkennen.

Dabei möchte ich nochmal den Blick auf das Äußere der Brillen erweitern: Während im Innern einer solchen Brille Ungeahntes möglich wird, zeigt sich die Machart der Brillen in der Regel völlig unsexy. Das muss nicht so sein. Auf der FashionTech im Rahmen der #rpten, also der republica 2016 in Berlin, fand ich einige wunderbare Exemplare dafür, wie VR künftig aussehen können. Hier ein paar Kostproben – vorgestellt vom Projekt Eyesect von Theconstitute.

Das Foto zeigt eine VR-Brille in futuristischem Design.

VR und die Zukunft

Das Foto zeigt eine VR-Brille auf der Fashiontech in Berlin.

VR-Brille wird alltäglich

Das Foto zeigt eine VR-Brille auf der Fashiontech in Berlin.

VR goes green

Solche Events zeigen, was künftig möglich ist. Jede Stadt, die solche Macher in ihren Reihen wähnt, sollte sich auf die Suche machen, diese Kreativen für sich zu finden. Sie sind die Zukunft. Sie brauchen Raum und Möglichkeiten.

Offene Daten – Ein noch sehr selten genutzter Schatz

Warum überlassen wir die Gestaltung der Zukunft eigentlich einer relativ obsoleten Entscheiderriege, die oftmals ohne Bezug zu Partizipation und Transparenz ihren seit Jahrzehnten gewohnten Stiefel durchzieht? Das Durchschnittsalter in den kommunalen Räten ist in der Regel sehr hoch, die Mandate werden seit mehreren Wahlperioden ausgeführt. Fraglich ist, ob das nicht mittlerweile als Lähmschicht gegen den Wandel vom Heute ins Morgen wirkt? Bekanntermaßen befindet sich Deutschland im digitalen Steinzeitalter und ist wenig anschlussfähig an globale Entwicklungen. Und nicht nur das. Die hochkomplexen Herausforderungen sind einfach nicht mehr nach altem Muster von kleinen politischen Eliten zu bewerkstelligen. „Wir regeln das für euch“ – geht nicht mehr!

Das Foto zeigt zahlreiche Notebooks auf einem Tisch bei einem Hackertreffen.

Auf gehts – Daten nutzen.

Ein Beispiel für prospektive Anwendungen wäre die Stärkere Nutzung von Offenen Daten zur Gestaltung und auch zur zukunftsfähigen Simulation von künftigen Entwicklungen. Entscheidungen werden verifizierbarer, granularer und auch sichtbarer in ihren Auswirkungen.

Jeder Bürgermeister sollte sich dafür interessieren, ob nicht gerade in seiner Kommune Menschen leben und wirken, für die sich bisher nur die eingefleischte digitale Community interessiert: Hacker, Softwareentwickler, Interessierte. Sie finden sich bisher in den OK Labs von Code for Germany zusammen.

Die guten Beispiele von Code for Germany zeigen mittlerweile in 24 Städten in Deutschland, was man mit offenen Daten aus den Kommunen etc. alles entwickeln kann. Die Labs sind regionale Gruppen von Designern, Entwicklern, Journalisten und anderen, die sich regelmäßig treffen, um an nützlichen Anwendungen rund um offene Daten zu arbeiten. Sie entwickeln Apps, die informieren, die Gesellschaft positiv gestalten und die Arbeit von Verwaltungen und Behörden transparenter machen. Rund 300 Freiwillige sind dabei. Menschen, die simplen Datensätze zum Leben erwecken.

Wer sich langfristig um die Bindung von Jugendlichen an seine Kommune interessiert, könnte bei insbesondere bei „Jugend hackt“ fündig werden.

„Jugend hackt“ ist ein Format, in dem sich diese talentierten Jugendlichen in regionalen Treffen zusammenfinden. Ihr Ziel ist es, mit Daten eine Idee für Softwareprojekte zu entwickeln, die „die Welt ein bisschen besser machen“. Hier werden z.B. Wetterdaten visualisiert oder intelligente Ampelschaltungen entwickelt, die Wartezeiten vermeiden. In der Flüchtlingshilfe hat u.a. „Jugend hackt“ 2015 das Projekt „Germany says Welcome“ erarbeitet. Es handelt sich sowohl um eine App als auch um eine Plattform im Netz für Informationen, Hilfe und Unterstützung bei der Integration. Flüchtlinge und freiwillige Helfer finden auf dieser Plattform die notwendige Möglichkeit zum bedarfsgerechten Austausch.

Daten und Hacker helfen, eingestaubte Prozesse wieder flott zu machen, den Weg in die digitale Transformation in Angriff zu nehmen. Man muss sie nur finden, ansprechen und einladen. Das geht am besten, wenn schöne Daten in gläsernen Aktenschränken warten.

1. Mai – Antworten auf neue Herausforderungen?

Heute ist der 1. Mai und damit Tag der Arbeit. Die politischen Fahnen sind am Tag der Maikundgebungen traditionell rot: Alles, was Rang und Namen hat in der eher sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Riege der Stadt war heute auf dem Dreiecksplatz zur traditionellen Kundgebung versammelt. Gehobenes Durchschnittsalter allerdings.

Anke Knopp

Die Redebeiträge 2015 unterscheiden sich nicht viel von den traditionellen Beiträgen der Vorjahre. Immer wieder aber schlich sich der Begriff „Industrie 4.0“ und auch „Digitalisierung“ in die Nebensätze. Und leider auch das große Angstpotenzial, das diese neue Formen der Arbeit mit sich bringen würde. Ich wünsche mir einen Diskurs in der Stadt und für die Stadt, der die Chancen dieser Veränderung aufgreift.

// Gütersloh wird sich verändern

Ob wir das in Gütersloh nun gut oder schlecht finden: der digitale Wandel ist längst im Gang. Wir können das nicht aufhalten. Man kann sich aber dazu positionieren und herausarbeiten, was das für eine Stadtgesellschaft bedeutet.  Vor allem für die nächsten Generationen, die auch noch ihre Arbeitsplätze in Gütersloh finden möchten. Ich will die Chancen vermitteln. Jetzt ist es Zeit, die Menschen in einer Stadt bei diesem historischen Wandel aktiv mitzunehmen. Das Schreckgespenst, dass künftig Roboter „unsere“ Arbeit wegnehmen ist nicht allein die Zukunft. Es wird neue Formen der Arbeit geben, die wir jetzt noch nicht kennen. Es bedarf anderer Qualifikationen, anderer Ansätze der Lösungen.

// Strukturen ändern sich 

Was aber ist mit den Strukturen etwa der Gewerkschaften selbst, die die Antworten auf die künftige Arbeitswelt geben wollen? Ich bin nachdenklich geworden. Denn: Erreichen Gewerkschaften heute die Arbeitnehmer noch mit ihren Ansichten und Haltungen? Sind sie auch ein Zugpferd für Jugendliche? Wie kommen digitale Veränderungen auch in ihren eigenen Reihen an und was heißt das für das Engagement (in Gütersloh)?

Ich habe mich mit einigen Aktiven zum weiterführenden Gespräch verabredet. Ich will mit den gewerkschaftlich Engagierten ins Gespräch kommen. Ich will mehr von ihnen wissen.

Hier noch einige Impressionen: