Erst Mars – dann E-Government

Meine Freude über einen wunderbaren Twitterfund möchte ich heute gerne teilen. Zur Frage, wann eGovernment endlich fruchtet, schreibt @tlangkabel Folgendes.

Treffender kann man es nicht beschreiben. Danke!

Das goldene Rad – Spaß an Mobilität

UPDATE 1: Im WDR Westpol vom 25.6. fand ich diesen Beitrag über den Vergleich zwischen Fahrradwegen in den Niederlanden und NRW. Radwege-Check. Nichts Geringeres als die Zahl der tödlichen Fahrradunfälle wird herangezogen. In einem sehr sehenswerten Beitrag zeigen die Bilder, woran das hohe Risiko in Deutschland mit dem Fahrrad tödlich zu verunglücken liegen könnte.

Update 2: Ich sprach mit einer Niederländerin. Ihren sehr prägnanten Kommentar zu den Unterschieden zwischen Deutschland und den Niederländern möchte ich gerne teilen: „In den Niederlanden haben viele Menschen gar kein Auto, weil sie es aufgrund des guten ÖPNV gar nicht brauchen. In Deutschland wirkt zudem der Klassenunterschied: Autofahrer sind die Bosse, Fahrradfahrer werden für arme Schlucker gehalten, die sich kein Auto leisten können. Das macht den Unterschied aus zu den Niederlanden.“

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Mobilität neu denken: das ist die Aufgabe für die Zukunft. Insbesondere die Zukunft für die Städte. Drei Beweggründe zwingen die Stadtgesellschaft dazu – der Klimawandel, die Belastung mit Feinstaub/Stickoxide und die Notwendigkeit, den Ressourcenbedarf zu verringern.

Heute war ich in Alkmaar, Niederlande. Eine Stadt, die vorlebt, wie umweltschonende Mobilität auch Spaß vermitteln kann:

Das Foto zeigt Fahrräder in den Niederlanden: in gold, mit Lastenkarre, mit Kindersitz.

Wo Mobilität offenbar Spaß macht

Wasserstraßen integrieren; Kindersitze auf dem Zweirad – so lernen schon die Kleinen, das Rad als Fortbewegung zu nutzen. Goldene Fahrräder als Sinnbild für eine edle Variante der Fortbewegung: das Selbstfahren mit Pedale. Das selbstgebaute Lastenrad. Hier eine Variante in lindgrün – sie begegnen einem in Holland in (fast) jeder Ausführung, auch tauglich, um zwei Kinder zu befördern, im Maxi Cosi und sitzend oder, um – ja, das sei jetzt mal erlaubt: Käse zu transportieren.

Schön, wenn dann solche Dinge dabei ein Umdenken anstoßen: Ein Kölner parkte sein Lastenfahrrad mitten auf der Straße, hängte ein Schild dran „Eben zum Bäcker“ – und nimmt damit die Autofahrer aufs Korn, die sich jahrzehntelang daran gewöhnt haben, Fußgängerwege und Fahrradwege zuzuparken.

IOT in Bürgerhand

Heute einfach nochmal meine Lieblingsgeschichte aus Bristol:

Bristol in #GB ist eine #SmartCity.

Das Foto zeigt ein gutes Beispiel für SmartCity Bristol, und das spielen mit IOT.

Spielen mit IOT

Bristol vernetzt viele Dinge, die sonst einfach nur ein Ding geblieben wären: Straßenlaternen spenden nicht nur Licht. Sie sammeln auch Daten, etwa zum Wetter, zur Bewegung von Mensch und Tier, die unter ihr hermarschieren. Diese Daten wandern in eine Datenbank, die Dinge miteinander vernetzt, miteinander „sprechen“ lässt, also Informationen austauscht und damit intelligent macht. Warum soll die Lampe scheinen, wenn kein Mensch ihr Licht nutzt – außer Hase und Igel in der Nacht? Geldverschwendung. Stromverschwendung. Braucht man nicht, wenn man intelligent Ressourcen einsparen will und damit der Umwelt hilft. Sie könnte sich selbst ausschalten, wenn kein Mensch sie braucht.

Um den Umgang mit Sensoren in der Bevölkerung einzuüben und die Menschen sensibel zu machen, für das, wie sich ihre Umwelt von einem „Ding“ zu einem „interaktiven System“ mit dem Können zur Kommunikation verändert, spielt die Stadt. Sensoren werfen Lichtreflexe auf die Straße. Kleine virtuelle Vöglein oder auch Lichtkegel tauchen auf im öffentlichen Raum, auf Straßen und Plätzen. Menschen zeigen sich irritiert. Woher kommt das? Wer lässt diese Reflexe entstehen? Wozu ist das gut?

Es dauert nicht lange und Menschen treten in Aktion, mit dem Ungewöhnlichen in ihrer Stadt. Sie „fangen“ die Lichtwesen, sie tanzen in den Lichtkegeln. Sie sprechen miteinander. Stellen sich Fragen, zeigen ihre Verwunderung. Sie sind Teil des „Internet of Things“ – also dem Internet der Dinge. Sie machen es zum Internet von Allem. In tollem neuen Englischsprech heißt das „Internet of Everything“. Alles ist künftig miteinander verbunden: Mensch-Maschine-Maschine-Mensch.

Bristol gelingt es, seine Bevölkerung mitzunehmen auf dem Weg der Digitalisierung. Diskurse in Gang zu setzen. Das ist gut und notwendig. Nur so entsteht Bewegung. Bewegung etwa, wenn künftig die Mülleimer im Stadtgebiet mit Sensoren ausgestattet werden. Die Leerung findet nur noch dann statt, wenn die Sensoren signalisieren: ich bin voll. Der städtische Müllwagen fährt los, wenn es sein muss und wenn eine intelligente Route errechnet wird, wo und wie viele Mülleimer zu leeren sind. Warum das alles? Weil es dazu beiträgt, Rohstoffe zu sparen oder die Umwelt zu schonen: Sprit, Luftverschmutzung. Wir leben auf Kosten der nächsten Generation. Wir brauchen künstliche Intelligenz, um diesen hohen Standard zu halten aber nicht weiter Raubbau zu betreiben.

So simpel ist manchmal IOT. So komplex aber bleiben die Herausforderungen.

So wollen wir leben – Meinung in Echtzeit abgefragt

Vielen ist Campact e.V. ein Begriff – und eine Plattform, auf der sie sich zu vielen Themen politisch und zivilgesellschaftlich online (und offline) einbringen können.

Diesmal startet Campact die Aktion „Aufbruch 2017 – so wollen wir leben“. Ein sehr ambitioniertes Projektekt, deutschlandweit organisiert in einer Mischung aus online-Aktion gepaart mit direkten Konsultationen der Menschen vor Ort. Es geht um die zivilgesellschaftliche Diskussion im Bundestagswahljahr 2017 mit dem Wunsch, am Ende einen Forderungskatalog an die politischen Entscheider zu überreichen, der von der breiten Basis formuliert und erarbeitet worden ist.

Es geht darum, möglichst viele Menschen im Land an Diskursen zu beteiligen, herauszufinden, wo die Herausforderungen der Zukunft liegen, welche Themen Schwerpunkte bilden. Und schließlich: Welche konkreten Maßnahmen können ergriffen werden, mit denen die neue Bundesregierung auf diese Herausforderungen antworten sollte. Damit wäre auch schon die 3-stufige Struktur der Aktion „Aufbruch2017“ skizziert. Wer könnte das nicht besser als die Menschen vor Ort selbst?

Das Foto zeigt den Schriftzug.

Aufbruch – die Einladung zum Diskurs

Das Netz macht es möglich, einen solch umfassenden Aufbruch zu organisieren: Via Netz konnten sich Aktive bei Campact anmelden und Diskussionsrunden vor Ort anbieten und andere dazu einladen. Online verzeichnet auf einer Deutschlandkarte, mit Ort, Zeit und Einlader abrufbar für jeden. Orten waren egal: Ob in der Kneipe oder privat auf dem Sofa zuhause. Einziges Ziel: diskutiert, tauscht euch aus. Bündelt die Ergebnisse und spielt sie zurück an die Plattform von Campact. Hier werden die Ergebnisse gebündelt, ausgewertet und im Juli wiederum in einer ersten Schleife zurückgespiegelt an die Community von unten – zur zweiten Bewertung und Gewichtung. Und schließlich auch zur onlinegetragenen Abstimmung bevor sie in einem Forderungskatalog an die Politik übergeben werden.

Beteiligung breit organisiert

Beteiligung breit organisiert

Wir von „Demokratie wagen“ hatten zur Diskussion „Aufbruch2017“ eingeladen. In den Bürgerkiez „Die Weberei“. Angemeldet hatten sich sechs Teilnehmer, gekommen waren schließlich fünf. Das hört sich wenig an (ist es auch, wenn Demokratie beinhaltet, dass sich viele beteiligen), aber damit hatte Campact gerechnet: eine gute Gruppengröße wurde mit Personen zwischen 5 und 10 angegeben.

In einer ersten Runde wurden die großen Herausforderungen diskutiert und notiert. Unsere listen sich wie folgt (ohne ein Ranking): Soziales, Steuerpolitik, Bildung, Entwicklungspolitik Umweltpolitik, Digitalisierung Daseinsvorsorge, Parteien und Bürger im Sinne von Demokratievitalisierung, Klimawandel, Finanzwirtschaft, Mobilität, Außen- und Sicherheitspolitik, Armut. Konkreter ging es weiter mit der Auswahl von zwei Themenschwerpunkten, die wir ermittelt haben: Soziales sowie Steuerpolitik. Soziales summierte auch die Felder Gesundheit und Pflege, Einwanderung (eine längere Diskussion entbrannte, ob das ein eigener Punkt sein müsste oder eben unter Soziales falle – wir haben uns für Unterpunkt entschieden), Wohnungspolitik, Armut und Inklusion. Wir plädierten für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens, für eine sozialere Wohnungspolitik, für gerechtere medizinische Versorgung, für die Schaffung eines Einwanderungsgesetzes, für profundere Sozialarbeit. In Steuerfragen diskutierten wir die fehlende Steuergerechtigkeit, die vielfältigen Ausnahmen, die Verteilungsgerechtigkeit. Konkrete Maßnahmen skizzierten wir mit: Einführung BGE, was auch bedeutet, Hartz-IV abzuschaffen, Anhebung von Mindestlohn zur Prävention von Altersarmut, Erhöhung der Mindestrente, Förderung von sozialem Wohnungsbau (auch in kommunaler Hand), ein Ministerium für Integration auf Bundesebene, Kopplung von Pflegegrad und gleichzeitiger Anerkennung von Rentenpunkten für pflegende Angehörige, Schaffung eines Einwanderungsgesetzes, mehr Einstellungen von Sozialarbeitern, gesetzliche Arbeitszeitverkürzung (als Antwort auf den Einsatz von mehr KI in der Arbeitswelt). In der Steuerpolitik war zentral, die Einführung von Vermögenssteuer, Transaktionssteuer, Besteuerung in Erbschaftsfällen auch von Unternehmen, Einführung einer Algorithmensteuer als Antwort auf die Zunahme von künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt und der damit beginnenden Umdefinierung von Arbeit an sich in unserer Gesellschaft.

Klebezettel - unerlässlich für Demokratie ?

Klebezettel – unerlässlich für Demokratie ?

Unsere Ergebnisse flossen zurück in die Campact-Plattform. Unsere Erfahrung: es ist ein Gewinn, neue Formen der Partizipation in so großem Stil einzusetzen, um mehr oder weniger in Echtzeit ein gesellschaftliches Meinungsbild einzuholen. Problematisch auch hier – es ist nicht repräsentativ. Es müssten sich noch mehr Menschen einbringen. Der Diskurs dazu ist bekanntlich alt – und manchmal auch ermüdend. Ermutigend jedoch ist der erkennbare Trend zur Repolitisierung in der Gesellschaft, die sich an vielen Ecken bemerkbar macht, etwa an der Aktion von Pulse of Europe etc.

Das Abfragen von Meinungen und Positionen sowie Themen in der Bevölkerung geht übrigens auch eine Nummer kleiner: In Kommunen. In Regionen. In der wunderbaren Kopplung von online und realer Begegnung vor Ort liegt eine große Chance auf Revitalisierung von Demokratie auf lokaler Ebene. Kann man sich gerne abschauen – und selbst umsetzen. Ran!

 

Wasser wird knapp – hier und im Himalaya

Update vom 7. Juni 2017: Auch in Schweden ist der Wassermangel ein Thema. Die zuständigen Behörden haben das Motto ausgegeben, nur noch 30 Sekunden Duschen. Ein Beitrag schon von März 2017 dazu im SWR. 

Internationale Politik findet seine Entsprechung oft direkt vor unserer Haustür. Der Klimawandel ist so ein Thema. Längst klopft er direkt bei uns an die Tür. Ein Beispiel ist die Wasserknappheit in den Kreisen Herford und Minden in Ostwestfalen-Lippe. Trinkwasser ist knapp. Die verantwortlichen Verwaltungen warnen derzeit, Wasser möglichst sparsam zu verwenden, weil die Vorräte überschaubar vorhanden sind. Ursachen: trockener Winter und heiße Tage bereits im Mai. Wir sprechen nicht über Indien, Bangladesch oder Afrika. Wir sprechen über einen Landstrich mit mitteleuropäischem Klima in einer wirtschaftlich prosperierenden Region. Wasserknappheit findet bei uns statt.

Damit sind wir mit einem Thema konfrontiert, welches Verhaltensänderungen auch in unserem eigenen Lebensalltag notwendig macht. Der Umgang mit schwindenden Ressourcen ist uns neu. Es braucht Ideen und Technologien, wie mit dieser neuen Verantwortung umzugehen ist – und wie die Veränderungen intelligent steuerbar sind. Im wahrsten Sinne braucht es dazu mehr an künstlicher Intelligenz – Rechnerleistung, Daten, Datenauslese, Datenvisualisierung. Ein Beispiel könnte ein City-Dashboard sein:

Das Foto zeigt ein City-Cockpit auf der CeBIT 2017.

Daten intelligent nutzen

Ein solches Kontrollcockpit ist eine Webplattform, in die alle zur Verfügung stehenden Daten einfließen. In Echtzeit. Öffentlich einsehbar für alle. Quellen für solche Daten können sein:

  • Umweltdaten
  • Wetterdaten
  • Verbrauchsdaten der Stadtwerke
  • Energieverbrauchsdaten
  • behördlich erhobene Daten
  • zivilgesellschaftlich erhobene Daten

Aus diesen zusammengetragenen Daten entsteht ein Überblick, über den aktuellen Stand wie etwa über den Wasserverbrauch einer Stadt. Die Datenlieferung in Echtzeit lässt eine direkte Steuerung zu, die auf den aktuellen Bedarf reagieren kann: Jeder kann individuell reagieren, Entscheider haben eine Datenbasis als Entscheidungsgrundlage für das Gemeinwohl, die für jedermann nachvollziehbar ist. Bei Wasserknappheit könnte das bedeuten, dass etwa Schwimm-Pools nicht mehr mit Trinkwasser befüllt werden dürfen, oder Beete nicht mehr gewässert werden – oder wenn es ganz krass ausfällt, Duschen und Baden untersagt sind.

Das Foto zeigt eine Grafik, wofür wie viel Liter Wasser genutzt werden.

jeder Tropfen genutzt

In den frühen 80er Jahren habe ich in einem Wasserwerk gearbeitet. Schon damals war ablesbar, wie hoch der Wasserverbrauch in der Stadt insgesamt ist. Ein schönes Beispiel: Während eines Fußballspiels der deutschen Nationalmannschaft verbrauchen die Bewohner einer Stadt in der ersten und zweiten Halbzeit sehr wenig Wasser. In der Pause und direkt nach dem Spiel fließt um so mehr Wasser, weil dann erfahrungsgemäß die Nation auf die Toilette geht und die Wasserspülung benutzt. Das wissen die Wasserwerker – und sind darauf vorbereitet.

Neben Daten aus den Wasserwerken sind auch diese Daten von besonderem Interesse für die Steuerung – sie fristen aber leider bisher oftmals eher ein Dornröschen-Dasein: die GeodatenPortale der Kreise, in Verbindung mit Daten, die auf Ebene der Bundesländer erhoben werden und vernetzt sind. Sie sind wichtige Lieferanten von gebündelten Informationen und damit essentielle Entscheidungshilfen.

Das Foto zeigt die Landkarte von MInden mit den Pegelständen der Flüsse.

Daten nutzen

Es finden sich Umweltinformationen in Kartenform mit vertiefenden Informationen wie etwa Wasserqualität der Flüsse, Pegelstände, Niederschlagsdaten, Verortung von Grundwassermessstellen etc. Alle Informationen zusammen genommen ergeben ein Bild der aktuellen Situation der Wasserversorgung einer Region. Unerlässliche Daten, will man künftig unmittelbarer steuern und Verbrauchsstände intelligent anpassen. Man muss sie nur zusammentragen, kennen und auswerten. Eine Aufgabe, die sich über ein City-Dashboard hervorragend realisieren lässt.

Minden und Himalaya – vereint 

Ungeachtet dessen, bleibt die Aufgabe, das Schwinden von Wasservorräten grundsätzlich im Blick zu behalten. Der blaue Planet hat bereits heute große Probleme mit Wasser. Ein Umstand zeigt sich gerade im Himalaya, dem höchsten Gebirge der Welt. Hier schmelzen die 46.000 Gletscher schneller als gedacht, Wasser entweicht, Wasser wird knapp. Der Einsatz von neuer Technik macht es möglich, diese Vorgänge genauer zu untersuchen: Datenanalysen, Drohnen, die über die Gletscher fliegen und umfassendes Datenmaterial sammeln können, so dass Verläufe ganz anders visualisiert werden können und mehr Erkenntnisse liefern.

Wir lernen:

Klimaschutz, Solarenergie, Windräder, Heizung, Wasser, Verbrauch insgesamt – alles ist miteinander verbunden. Künftig sind Sensoren zu deren Verbrauchsmessung miteinander vernetzt und kommunizieren miteinander. Künstlicher Intelligenz kann dabei helfen, Infos so ermitteln und aufzubereiten, dass weniger intelligente Menschen ihre Fehler früher korrigieren können – oder sie bezogen auf das Weltklima gar nicht erst mehr begehen. Daten in Echtzeit von hier und heute helfen, unsere Zukunft zu verbessern. Zeit fürs Handeln.

Makerspaces als Treiber für SmartCity

Getüftelt wurde schon immer. Selbst gebaut ebenso. Gestern wie heute. Früher fand das im Hobbykeller statt, heute sind neue kreative Orte entstanden, an denen gebastelt und gewerkelt werden kann: die Makerspaces. Die Möglichkeiten des Digitalen schaffen dabei ganz neue Komponenten.

Das Foto zeigt einen Makerspace auf dem CCC-Kongress in HH.

Vorreiter der Makerspace-Szene

Kreative im digitalen Hobbykeller der Zukunft 

Makerspaces sind offene Räume, in denen Menschen zusammen kommen, die entwickeln, produzieren, reparieren und einfach nur ausprobieren. Hier entstehen neue Produkte und Ideen, kreativ und im Selbstbau – und zwar unter der Zuhilfenahme von neuen Werkzeugen wie 3D-Drucker, Vinyl Cutter, Laser-Cutter, Apps und so weiter. Die neuen Kreativen aus der Do-it-yourself-Hacker-und-Maker-Szene verschwinden dazu nicht mehr im Keller, sondern erobern die öffentlichen Räume zurück. Ihre Werkstätten finden sich heute mehr und mehr in eigenen öffentlichen Laboren, vor allem auch in Bibliotheken. Es sind öffentlich zugängliche Räume, die darauf setzen, die Menschen zum Selbertun anzuregen, einzuladen. Menschen mitzunehmen und in ihrem eigenen Tun zu befähigen. Makerspaces sind auch bekannt unter der Bezeichnung „Fablab“ oder „Offenes Technologielabor“ oder auch „Hackerspaces“, dort wird mit Open Source Software programmiert – aber nicht nur. Fakt ist: es ist ein Kreativpool von Menschen, die sich finden. Wenn von SmartCity die Rede ist, sind es diese Hotspots, die eine Stadt dazu machen, die beitragen, dass Smart City von unten gelebt und beatmet wird. Smart im Sinne von Innovation in und durch Bürgerhand.

Die Idee ist getragen von der Beteiligung der Menschen, vom kreativen Ausprobieren, aber auch durch den Aspekt der Gemeinschaft, der Nutzung neuer Technologien und dem Anspruch, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen, wenn etwa aus Offenen Daten Apps entstehen, die der Gesellschaft helfen. Oder auch wenn Lastenfahrräder gebaut werden, die die Mobilität in den Städten wegbringen vom Autoverkehr und die Menschen im urbanen Raum anders mobil machen. Oder wenn man einfach lernt, zu programmieren. Was in den meisten Schulen nicht auf dem Lehrplan steht. Und auch sonst nicht.

Das Foto zeigt Techkids beim CCC in HH.

Techkids – Vorreiter hier beim CCC

Hier findet sich eine Liste von Makerspaces, die man besuchen kann, um Erfahrungen zu sammeln. Der Gedanke der Makerspaces verbreitet sich, hält bereits Einzug in vielen Städten und Gemeinden, die sich auch den Weg machen, Digitales und künstliche Intelligenz mit der Do-it-yourself-Bewegung zu vernetzen und für sich kreativ zu nutzen. Die Menschen vernetzen sich, basteln und probieren gemeinsam, tauschen sich aus. So entsteht Beteiligungskultur und das gemeinsame Lernen im Umgang mit digitaler Technik als Bewegung von unten. Und alles angesiedelt im öffentlichen Raum.

Bibliotheken als Hotspots 

Viele Bibliotheken nutzen diesen Aufbruch und schaffen Räume für diese Bewegung. Die Stadtbibliothek Köln eröffnete 2013 als erste Bibliothek in Deutschland einen Makerspace. Aber nicht nur das Tüfteln wird hier ermöglicht, sondern auch der Umgang mit Tablets und Smartphones wird vertieft. Hier kann man Podcasts aufnehmen, an IPads komponieren. Damit wird die Grundidee von Bibliotheken neu beatmet, als ein Ort des Lernens, des Ausprobierens und der Vermittlung von Mut, mit neuer Technologie in Berührung zu kommen. Die Bevölkerung einer Stadt wird so vom Konsumenten zum Produzenten mitgenommen. Teilhabe wird ermöglicht. Ein öffentlicher Raum wird zum Ermöglicher und zur Plattform für Entfaltung von Neuem. Das Geheimnis des Gelingens liegt darin, dass unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zusammenkommen, nicht nur die Nerds am Werk sind.

Mein Favorit: Ulm 

Ein ganz besonderes Beispiel für das Gelingen dieser neuen Ansätze ist das „Verschwörhaus“ in der Stadt Ulm. Eingerichtet wurde es im Rahmen der digitalen Agenda der Stadt Ulm als das „Experimentierfeld für die Welt von morgen“. Ausgestattet ist es mit 3-D-Druckern, offenen Werkstätten und Vortragssälen. Ziel ist es, die Stadtbevölkerung mitzunehmen und fit zu machen, gemeinsam die Zukunft zu gestalten. Das Verschwörhaus ist deutschlandweites Leuchtturmprojekt für netzkulturelle Programme und Diskurse um die „Zukunftstadt 2030“. Die Räume befinden sich mitten in der Innenstadt, sind fußläufig zu erreichen – also sichtbar und zentral in der Wahrnehmung der Stadtgesellschaft. Eine Perle in der insgesamt hervorragenden digitalen Strategie der Stadt. Man kann darüber ins Schwärmen geraten. Demnächst mehr von vor Ort.

Klein starten aber mit Mut 

Vielleicht kann nicht jede Kommunen gleich so einen großen Wurf hinbekommen. Vernetzen und schauen, wo am Ort schon eine kreative Gemeinschaft programmiert und bastelt, das jedenfalls können Verantwortliche aus Verwaltung und Politik schon ermitteln. Und Wege aufzeigen, hier Möglichkeiten zu schaffen. Es braucht Orte, die dazu einladen, es braucht die Anbindung an ein schnelles Netz, es braucht Netzwerke, die Finanzhilfe leisten, es braucht aber vor allem eins: Mut, das Thema anzupacken und für sich zu entdecken.

Internet der Dinge – im Alltag schon da

Sie tauchen auf im Alltagsleben unserer Gesellschaft: die neuen Formen der Kommunikation. Da sprechen nicht nur Menschen mit Menschen. Jetzt kommunzieren auch die Dinge miteinander. Internet of Things ist längst keine Zukunftsmusik. Sie findet statt. Am Ende wird es ein Internet of Everything sein: Mensch-Maschine-Maschine-Mensch etc. Die Welt kommuniziert.

Heute ist es der digitale Stuhl: Er steht im Konzertsaal, aneinandergereiht und weist seine Nummer aus, je nachdem, wie er gereiht ist. Alles digital. Vernetzt zählt er seine Position selbst. Vernetzt könnte er demnächst auch noch seine Sensoren dazu einsetzen, das Gewicht dessen zu bestimmen, der auf ihm Platz nimmt – um das Ergebnis gleich weiterzuleiten, es gibt immer jemanden, der mit diesem Datensatz etwas anfangen kann.

Das Foto zeigt einen Stuhl mit einer digitalen Nummerierung.

digitaler Stuhl – IOT im Alltag

Noch interessanter: die Preisschilder (hier in Norwegen) im Supermarkt sind elektronisch. Die Preis- und Informationsbeschriftung ist digital. Sensoren sind in der Lage, die Preise und Infos in Sekundenschnelle zu aktualisieren. Elektronische Regaletiketten (ESL Electronic Shelf Labels) machen es möglich – und erleichtern zudem die Inventur. Elektronische Regaletiketten kommen im Handel immer selbstverständlicher zum Einsatz, so, wie dies bereits in der Industrie verwendet wird: von gewöhnlichen Preisauszeichnungen bis zur Beschriftungen von Produktionsstrassen (Kanban) oder Lagerplätzen im Logistikbereich – alles drin. Firmen wie EDEKA, Media Saturn Holding, Netto sind bereits auf dem Weg, ihre Ladenlokale flächendeckend mit elektronischen Preisschildern auszuzeichnen. Das spart Personalkosten, das spart Druckkosten für Papieretiketten, das spart Zeit. Das ermöglicht blitzschnelle Marktanpassung. Etwa dann, wenn das Wetter gut ist und alle Welt grillen möchte: Der Preis für Grillware könnte dann augenblicklich erhöht werden. Auf Knopfdruck. Die Vorteile liegen auf der Hand, Einsparungen, Profit, Marktposition. Über die Nachteile wird weniger ausführlich gesprochen. Bisher.

Vernetzt können diese Preisschilder künftig nämlich noch mehr: etwa erkennen, welches Smartphone an ihnen vorbeigeht. Diese Info gibt Rückschlüsse auf den „Träger“, also den Kunden: Nutzt der teure Marken wie Apple, so wäre es durchaus möglich, dass sich Preise blitzschnell verändern können, nach oben nämlich, weil der vor der Ware stehende potenzielle Kunde selbst als vermögend klassifiziert wird.

digitaler Preis

digitaler Preis

Aber auch in den Städten tauchen immer mehr Sensoren auf. Smart City. Lichtmasten etwa sind in vielen Städten schon jetzt keine einfachen Lichtspender mehr. Sondern sie sind auch Sensoren – Produzenten und Aufsauger von Daten. Sie kommunizieren in Echtzeit.

Bristol als Smart City in GB spielt mit Sensoren in der Innenstadt und nimmt die Menschen so mit auf dem Weg: Durch Lichtspiele, die an zentraler Stelle in der Innenstadt angebracht wurden. Diese warfen Lichtmotive auf die Straße oder auf Wände. bunte virtuelle Vöglein etwa. Menschen blieben verwundert stehen und traten dann in die Interaktion mit diesen „Lichtwesen“, man versuchte sie zu fangen, zu berühren oder drauf zu treten. Wohlwissend, dass es nur Licht war. Und doch kam es zum positiven Nebeneffekt, dass sich die Bevölkerung bewusst wurde – da sind Sensoren im meiner Stadt. Die liefern Daten, sie produzieren Daten. Mit Daten wird künftig mein Umfeld gesteuert – und die Daten liefere zum größten Teil ich als Teil der Stadtbevölkerung. Wem aber gehören künftig Daten? Eine Frage, die sich gerade sehr deutliche in Barcelona stellt, eine SmartCity, die Daten künftig in Bürgerhand belassen will und nicht in der Hand der großen Tech-Firmen. Es verspricht eine spannende Diskussion zu werden. Dabei sprechen die Dinge ein Wörtchen mit.

Bristol spielt.

spielend die Bevölkerung mitnehmen

VHS als Tor zur Digitalisierung

Die VHS Osnabrück nimmt vorbildhaft die Stadtgesellschaft mit, wenn es um Digitalisierung geht. Sie hat in diesem Semester das große und umfängliche Thema Arbeit 4.0 auf die Agenda gesetzt und informiert zu diesen Themen rund um die Veränderung der Arbeitswelt bis hin auch zur digitalen Stadtentwicklung.

Gestern war ich Referentin zum Thema „Smart City – wie Digitalisierung unsere Städte verändert.“ Vielen Dank für die Gelegenheit, dort zu sprechen. Auch für die sehr anregende Diskussion.

Das Foto zeigt die VHS Osnabrück.

VHS Osnabrück goes Digital

Hier ist eines der Charts, welches ich gestern vorgestellt habe. Ein Teilaspekt von Smart City ist die Immersion. Dabei geht es um die Verknüpfung von virtueller und physischen Realität im Stadtraum. Informationen sind nicht nur in immer größerem Umfang verfügbar – sie finden sich auch mehr und mehr im realen Stadtraum verankert.

Digitale Anwendungen in dem Bereich werden zunehmend auch in der Geschäftswelt genutzt, um Daten neu zu nutzen: Kundenverhalten, Kundenwünsche, Kundeninformation. Warum dann nicht auch in der zivilen Nutzung von Stadt als öffentlichem Raum einsetzen?

Schönes Beispiel für den Einsatz neuer Technik ist etwa das Projekt Guide4Blind aus dem Kreis Soest – ein Blindennavigationstool, welches mit unterschiedlichen Ansätzen Sehbehinderte und Blinde anspricht, um touristische Angebote wahrnehmen zu können. Diese Idee lässt sich aber auch übertragen in die Welt der Sehenden, deren Wahrnehmung durch Augmented Reality erweitert werden kann. Etwa durch virtuelle Stadtrundgänge. 

Wohl schönstes Beispiel für dieses Verschmelzen zwischen realer und virtueller Welt ist „Pokemon Go“. Dazu hatte ich hier bereits gebloggt.

Das Foto zeigt ein Chart zur Immersion.

Verschmelzung

47 Prozent! DAS ist eine Nachricht wert

Die re:publica 2017 ist beendet, rund 8.000 Besucher waren vor Ort auf der größten Bloggermesse in Deutschland. Und das hier ist auch im 11. Jahr eine der besten Nachrichten: 47 Prozent der Speaker waren weiblich.

Eine solche Nachricht ist immer noch notwendig. Denn wäre es normal, dass Frauen etwas zu den grundlegenden Veränderungen in unserer Gesellschaft zu sagen haben, es wäre keine Nachricht wert. Dass Frauen durchaus innovative Treiber sind und digitale Veränderung reflektieren und kommentieren, begleiten und gestalten, dürfte längst zu einem eigenen Thema werden. Warum nicht eine eigene Konferenz dazu ausrichten? Insbesondere in den vielen Verwaltungen, auch kommunal, sind es gerade Frauen, die den innovativen Ideen gegenüber sehr aufgeschlossen sind und digitale Veränderung vorantreiben. Sie verfügen leider oft zu wenig über tragfähige eigene Netzwerke. Da darf man sich schon mal inspirieren lassen, wie Veranstaltungen gelingen, in dem der Anteil von Frauen hoch ist: 

Zudem gibt es die wunderbare Plattform „Speakerinnen“, die sich zum Ziel gesetzt hat, Frauen auf die Bühne zu bringen: Rednerinnen, Referentinnen, Moderatorinnen. Frauen sind aussagefähig – man muss sie nur finden. Speakerinnen ist eine Plattform, die die Ausreden, man habe keine passende Referentin gefunden, ad absurdum führt. Reinschauen lohnt sich. Qualität gesichert! 

Unterwegs für die Zukunft

Update vom 19. Mai 2017: dieses Interview findet sich dazu auf der Website des Breitbandbüros / Bundesministerium Verkehr und digitale Infrastruktur. Immerhin informativ. 

Die Zukunft parkt direkt vor dem Rathaus in Gütersloh. So wie in diesen Monaten in unzähligen weiteren Städten in Deutschland auch: das Informationswohnmobil des Breitbandbüros Bund ist im Dienste der Digitalisierung in ganz Deutschland unterwegs. Das ist auch notwendig, denn Deutschland tickt analog. Damit setzen verantwortliche Entscheider landauf und landab unseren Lebensstandard aufs Spiel. Da dachten sich also die Macher der Kampagne Breitband@Mittelstand: Wenn die Stadtspitzen und Unternehmer sich nicht selbst aufmachen, die Welt vor Ort in die digitale Transformation mitzunehmen – kommt eben die digitale Welt häppchenweise zu ihnen.

Das Foto zeigt das Infomobil der Kampagne Breitband in Deutschland.

Rathaus erhöre mich.

Ermöglicht hat das Mobil das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, die DIHK als Dachverband und das Breitbandbüro des Bundes. Die Idee: Menschen verstehen Digitales besser, wenn es in ihrem Alltag stattfindet. Wo andere Leute also sonst Urlaub machen, ist im Info-Mobil ein bunter Strauß an technischen Möglichkeiten im Gepäck. Etwa ein 3-D-Drucker, der mit 20 Micron Schichtdicke detaillierte dreidimensionale Werkstücke aus unterschiedlichen Ausgangsmaterialien ausdrucken kann. Oder noch besser ein Telepräsenzroboter. Dieses „Ding“ ermöglicht es Anwendern ohne physische Anwesenheit präsent zu sein. Per Internetverbindung schaltet man sich hinzu. #remote also qua persönliche Fernbedienung sind Führungsaufgaben möglich, Telearbeit – und eigentlich alles. Nur angekommen ist das bisher nicht wirklich. Übrigens sehr schleppend in ganz Deutschland. Und doch wäre das wünschenswert, denn Arbeit verändert sich weg von der Vorortbindung hin zu digitaler Überbrückung von räumlichen Distanzen. Leben in OWL, arbeiten in Berlin etwa. Ein Umstand, der künftigen Arbeitgebern deutlich werden müsste, wenn sie zukünftig kompetente Mitarbeiter finden – und halten möchten. Etwa im ländlichen Raum, in dem Fachkräfte kaum zu finden sind, aber gerne mit ihren Familien dort wohnen würden.

Weiteres Anliegen im Mobil: Ausbau mit Glasfaser. Ein echter Anschluss an die Gigabit-Gesellschaft also, denn nur mit Glasfaser werden die zukünftig notwendigen Datenmengen etwa für digitale Infrastruktur auch in Kommunen (Smart City, fahrerloses Fahren etc.) übertragbar. Die Rede ist nicht von der Überbrückungstechnik „Vectoring“. Die hat ihre besten Zeiten lange hinter sich – ist leider aber dominant in Gütersloh, weil von der Telekom im Vorrecht der Verlegung verlegt. Auf lange Sicht oder bereits jetzt ist das ein massiver Standortnachteil für Unternehmen und Bevölkerung gleichermaßen. Diesen Schritt ins schnelle Netz aber müssen die Entscheider gehen. Für Gütersloh steht das noch aus.

Infografik: Deutschland bleibt Glasfaser-Entwicklungsland | Statista

Das Infomobil ermöglicht Seminare, Workshops und Demonstrationen der mitgebrachten digitalen Anschauungsmaterialien. Wohl auch Multimedia und jede Menge Infos. Besondere Zielgruppe ist der Mittelstand.

Tim Brauckmüller, Geschäftsführer des Breitbandbüros des Bundes lässt sich zitieren mit:

Durch die Informationskampagne @Mittelstand soll vor allem eine Plattform für den Mittelstand entstehen. Wir zeigen praxisnahe Beispiele, die sich daraus ergebenen Möglichkeiten für regionale Unternehmen und stellen die jeweilen Fördermöglichkeiten vor. (…) Der Mittelstand ist Motor der Deutschen Wirtschaft! Die Digitalisierung ein „Muss“ um im globalen Markt zu bestehen. Die Digitalisierung bedeutet für die Unternehmen und die Kommunen einen Kraftakt! Die Herausforderung müssen wir annehmen, um den Wohlstand in Deutschland zu erhalten.“

Das Breitbandbüro des Bundes übernimmt damit die wichtige Aufgabe der Kommunikation und Information zur Digitalisierung in Deutschland – und vor Ort. Sie möchten Ansprechpartner sein für Verwaltungen und Politik in Kommunen, für Unternehmen – aber auch für die Bevölkerung.

Was aber, wenn keiner Notiz nimmt von der Zukunft vor der Haustür? In Gütersloh reichte es zumindest für einen Fototermin mit dem Bürgermeister der Stadt. Die IHK hat keinen Termin vereinbart, also werden auch die Mitglieder der IHK nicht erreicht. Ich habe daraufhin bei der IHK per Mail nachgefragt, ob es stimmt, dass kein Termin mit dem Infomobil zustande kam. Einfach weil ich es schade finde, dass solche Angebote direkt vor der Haustür ungenutzt verpasst werden. Und erhielt einen Anruf aus der Geschäftsleitung. Fakt ist: ja, es hat keinen Termin gegeben. Fakt sei aber auch, dass die IHK bereits sehr engagiert in dem Thema Digitales unterwegs sei, viele Veranstaltungen dazu anbiete, enorme Anstrengungen unternehme, die Mitglieder zu erreichen und im digitalen Wandel mitzunehmen. Digitales machen wir schon, war die Antwort. Zudem sei die Aktion ja auch von der DIHK getragen, eine Dachorganisation der IHKen in Deutschland, daher sei man als IHK ja faktisch eingebunden. Für mich besonders erstaunlich, denn wenn eine Dachorganisation schon so eine gelungene Aktion auf die Beine stellt – warum ist man dann nicht vor Ort aktiv dabei? „Geht es Ihnen nur darum, ein Haar in der Suppe zu finden?“ – fragte mich der Geschäftsführer. Wenn Sie so wollen: Ja. Denn Deutschland kann es sich gar nicht mehr leisten, so schleppend voranzukommen, was Digitalisierung angeht. Am Ende ist es eine Frage des Erhalts unserer Wettbewerbsfähigkeit und der Zukunft der nächsten Generation. Wir als entscheidende Generation tragen ein hohes Maß an Verantwortung, diese Entwicklungen zu gestalten und nicht zu verschlafen. Einig war ich mit dem Anrufer, dass noch eine Menge getan werden muss, etwa die Infrastruktur mit Glasfaser auszubauen. Auch die Ansprache der Handwerksbetriebe, des Mittelstandes und vieler Unternehmer sei eher schwierig. Es stellt sich die Frage, wie man diese Zielgruppe noch besser erreichen könne. Nicht jeder sei offen, nicht jeder sei zu diesem Wandel bereit. Offenbar ist damit ein Kern getroffen: Uns fehlt ein Narrativ und wohl auch die Überzeugungskraft, die digitale Zukunft zu erklären und den Menschen die Angst davor zu nehmen. Auch was das angeht, sind wir ein Entwicklungsland, im internationalen Vergleich fruchten die Anstrengungen müheloser und effektiver. Fehlen uns dafür digitale Köpfe? Fehlen uns dafür wirksame Konzepte, weil die analogen nicht mehr funktionieren?

Was müsste also passieren, damit die Ansprache und die Mitnahme der Menschen besser gelingen? Auf jeden Fall: das Infomobil weiter durch Deutschland schicken. Noch präsenter sein. Noch mehr Aufmerksamkeit erringen. Noch mehr Neugierde wecken. Vielleicht muss künftig ein solches Mobil nicht nur auf dem Rathausplatz Halt machen, sondern auch an den Werktoren oder Werkstätten. Anklingeln. Nicht nur Führungspersönlichkeiten ansprechen, sondern ganze Belegschaften. Hier finden sich IMMER Changer oder solche, die Lust haben, diese Herausforderung anzunehmen. Oder eben ganz wichtig auch: Termine vor Ort wahrnehmen, wenn sie denn so offensichtlich angeboten werden. Es ist auch eine Pflicht der Multiplikatoren, ihrer großen Verantwortung gerecht zu werden und Chancen zu erkennen. Und dafür ist es mir ganz recht, das Haar in der Suppe zu finden.

So aber fährt das Zukunftsmobil nun ganz einfach in den nächsten Ort. So viele Gelegenheiten zum Aufspringen kommen nicht mehr.