Butler – analog und digital gefragt

Die Welt teilt sich, in analog und digital. Das merken auch die Butler der Welt. Es gibt sie in real und mit künstlicher Intelligenz.

das Foto zeigt eine Hand mit Tätowierung.

Der Butler – die helfende Hand

Heute durfte man im Lokalteil der Neuen Westfälischen Zeitung lesen, dass der Beruf des „echten“ Butlers ein Exportschlager sei – und die Ausbildung zum selben hoch nachgefragt ist. Es gibt sogar eine Schule und eine Fortbildung, die das für reale Menschen anbietet. Offenbar bedienen diese hochausgebildeten und multifunktional im höheren Spektrum der Gesellschaft einsetzbaren Menschen eine echte Marktlücke.

Dabei wird der Butler für die breite Masse der Menschheit künftig digital sein. Ein Breitenartikel. Mark Zuckerberg hat gerade einen „Butler“ für seine Familie entwickelt: Jarvis.

Auf Facebook schreibt er am 19.12.2016:

So far this year, I’ve built a simple AI that I can talk to on my phone and computer, that can control my home, including lights, temperature, appliances, music and security, that learns my tastes and patterns, that can learn new words and concepts, and that can even entertain Max. It uses several artificial intelligence techniques, including natural language processing, speech recognition, face recognition, and reinforcement learning, written in Python, PHP and Objective C.

Der persönliche „Butler“ Jarvis übernimmt die Lichtsteuerung im Hause Zuckerberg, öffnet die Haustür, wenn Freunde davor stehen und klingeln (und nur für sie versteht sich, weil er die Gesichtserkennung sicher drauf hat), macht Toast und soll auch Unterricht geben können in Mandarin für die Tochter. So findet es sich in einigen Meldungen über den Zeitvertreib eines der einflussreichsten Menschen der Welt. Man darf gespannt darauf sein, dass Jarvis bald Marktreife erlangt – und dann ein Butler sein wird für das gemeine Volk wie Du und ich. Übrigens ist Morgan Freeman  die reale Person, die AI Jarvis seine Stimme geliehen hat.

Gleichzeitig erlebt der Butler sein digitales Wiederbeleben auch in der Betreuung von an Demenz erkrankten Menschen, die durch diese künstliche Intelligenz (KI) ihre Autonomie in den eigenen vier Wänden erhalten. Ein Team von Wissenschaftlern tüftelt im Projekt KogniHome daran. Bald ist sicher mehr zu erwarten.

Übrigens taucht die Figur eines Butlers mit künstlicher Intelligenz auch ganz zentral auf im Werk „Germany 2064“ von Martin Walker. Dort heißt der Roboter „Stirling“ – als fast gleich programmiertes Pendant zu einem fiktionalen Roboterkollegen, der für die Polizei im Einsatz ist „Roberto“. Kurze Zeit wird sogar der Butler verdächtigt, der Haupttäter im Geschehen zu sein, übrigens einer von der Sorte, der auch Liebesdienste leisten kann.

Der Butler, eine offenbar vielschichtige Persönlichkeit, die sogar in der digitalen Welt ihren Wert behält. Wer hätte das gedacht.

Pilotprojekt Modellkommune Open Government

Es startet ein Pilotprojekt „Modellkommune Open Government“ – bewerben können sich alle Städte und Gemeinden sowie Landkreise. Das Anmeldeformular findet sich auf der Seite des Bundesministerium des Innern.

Öffnung für den Austausch

Öffnung für den Austausch

Ziel der Initiatoren ist es, über den Wettbewerb voneinander zu lernen, wie kommunales Open Government effizient und mit hohem gesellschaftlichem Nutzen eingesetzt werden kann. Es gibt bereits zahlreiche gute Beispiele in den Städten und Gemeinden, die durch den Wettbewerb stärker gefördert werden sollen. Hierzu zählen unter anderem Bürgerhaushalte, Konsultationen im Rahmen der Stadtplanung oder Ideensammlungen bei konkreten kommunalen Projekten.“

Hier der Teilnahmeaufruf. Das Modellprojekt gliedert sich in mehrere Schritte, von der gemeinsamen Analyse bis hin zur Erstellung eines Leitfadens für Open Government.

Interessant ist auch diesmal, dass insbesondere Kommunen mit Erfahrung von Bürgerhaushalten angesprochen sind – wer hätte das gedacht, dass dies wiederum ein Kriterium für eine erfolgreiche Teilnahme an einem Pilotprojekt sein könnte. Schade, dass es in meiner Heimatstadt leider eingedampft wurde. Demokratievitalisierung und offenes Regierungshandeln sind jedoch gefragt wie nie zuvor.

Auf der Website des BMI findet sich folgendes Zitat:

Open Government als offenes Regierungs- und Verwaltungshandeln hat ohne Zweifel einen starken kommunalen Bezug. Die Bürgerbeteiligung als wesentlicher Teilaspekt hat dabei eine lange kommunale Tradition. Mit den Möglichkeiten moderner Informationstechnologie können wir weit mehr Menschen erreichen und so in den Beteiligungsprozess einbeziehen als beispielsweise mit der klassischen Gemeindesaalsitzung. Deshalb werbe ich für mehr Transparenz, Bürgerbeteiligung und Partizipation in Bund, Ländern und Kommunen und hoffe auf eine rege Teilnahme an unserem Pilotprojekt. Wir zählen auf großartige Ideen und wertvolle Erfahrungen unserer zahlreichen Kommunen!“, so IT-Staatssekretär Klaus Vitt zum Start des Modellvorhabens.

Kriterien zur Auswahl am Ende werden sein:

Überzeugungskraft der Konzeptidee  Breitenwirkung der Maßnahmen  Nachhaltigkeit der Maßnahmen  nutzerfreundliche IT-Unterstützung

Hoffentlich bewerben sich viele  Kommunen, damit die Idee des Open Government möglichst breit vor Ort verankert wird.

OGP – Startschuss für Nationalen Aktionsplan

Offenes Verwaltungs- und Regierungshandeln steht im Mittelpunkt der Open Government Partnership (OGP). OGP versteht sich ganz vereinfacht gesagt als ganzheitlicher Ansatz zur Belebung der Demokratie. Im letzten Jahr ist Deutschland diesem Bündnis beigetreten. Jetzt wird ein Nationaler Aktionsplan entwickelt. Die Federführung liegt beim Bundesministerium des Innern. Getrieben wird der Prozess jedoch von einem Netzwerk von Vielen, insbesondere aus der Zivilgesellschaft. Am Freitag fand ein erster Workshop mit Vertretern der Zivilgesellschaft statt. Dem voraus gegangen waren bereits zahlreiche online-Netzwerktreffen der verschiedenen Gruppen und Beteiligten.

Offenes BMI

Offenes BMI

Die am OGP teilnehmenden Regierungen (mittlerweile 70 Staaten) setzen sich zusammen mit der Zivilgesellschaft für Transparenz, die Stärkung der Rolle der Bürger, Korruptionsbekämpfung und die Nutzung neuer Technologien ein, um das Regierungs- und Verwaltungshandeln zu verbessern. Die jetzt in Gestaltung befindlichen Aktionspläne setzen den politischen Willen, den die Staaten mit der Zivilgesellschaft an die OGP senden, in konkretes Handeln um. Bestandteil des Nationalen Aktionsplans werden konkrete Verpflichtungen zur Erreichung der Ziele für ein offenes Verwaltungs- und Regierungshandeln sein.

Es ist ein besonderes Vorhaben und ein besonderes Experiment, sich in einem solchen Prozess zu öffnen – das ist für eine Bundesbehörde nicht selbstverständlich – daher großes Lob:

Als Teilnehmer von OKNRW lag unser besonderes Augenmerk im Workshop auf der Transformation insbesondere in die Kommunen hinein: Wie kann es gelingen, Impulse, die auf Bundesebene festgeschrieben werden, auch vor Ort zu verankern? (Auch NRW als Bundesland hat einen OpenGovernmentPakt mit den Kommunen geschlossen, der derzeit aber noch deutlich mit Leben gefüllt werden muss.) Wir von OKNRW hatten zum Open Government bereits unser Manifest veröffentlicht, in dem wir vier Punkte aufgreifen. Unsere Punkte greifen direkt Hand in Hand mit dem, was auch am Freitag in den jeweiligen Arbeitsgruppen diskutiert wurde. Der Workshop am Freitag fand in einer Art „barcamp light“ statt, gearbeitet wurde anhand der Themencluster, die vorab in Gemeinschaftsarbeit geclustert wurden (siehe Pad, hier finden sich der Prozess und die Genese).

Ich habe Marc Groß (KGSt) um ein Statement gebeten. Er befasst sich intensiv mit dem Werden von digitalen Kommunen:

Auch das Colab Internet&Gesellschaft war vertreten, insbesondere aktiv im Schwerpunktcluster 8 „Kompetenzaufbau und Qualifizierung von Multiplikatoren“. Alles nachlesbar im Pad siehe oben.

Der Prozess zum Nationalen Aktionsplan wird jetzt zunächst online fortgesetzt, um dann in weiteren Workshops vertieft zu werden. Der Fahrplan bis zur Fertigstellung des Aktionsplans ist ambitioniert, fertig sein soll er bis Ende Juni 2017.

Zwei Welten

„Ich hätte gerne einen Roboter als Pausenaufsicht auf dem Schulhof. Der kann mit uns Kindern fangen spielen.“ – Ganz mein Humor.

„Warum sprechen Sie eigentlich immer von Robotern? Die haben mit Digitalisierung doch nichts zu tun!“ Auch ganz mein Humor.

Zwei Welten prallen unvereinbar aufeinander. Während die Welt der Robotermöglichkeiten ganz pragmatisch in einen Kinderalltag der kleinen Grundschülerin Lucy (7) eingebaut werden, ist das in der Erwachsenenwelt ganz anders. Das zweite Zitat stammt von einem Referenten einer hohen Entscheiderpersönlichkeit der deutschen Wirtschaft. Er ist knapp über 30 und sorgt dafür, dass die Chefetage gut informiert ist. Wunderbares Deutschland!

Stolpern kann man sogar bereits über Studien, die belegen, wie sehr das Land schon den Anschluss an die Digitalisierung verliert.

Wie war das noch: Lasst Kinder an die Macht!

Das Foto zeigt ein Karussell mit Löwe und Pferd.

Die Aufholjagd beginnt.

Mensch und Maschine – eine Annäherung

Wir interagieren mit Maschinen. Wir kommunizieren mit Maschinen. Noch sieht das ungelenk und skurill aus. Die Fortschritte allerdings sind enorm, die Tore der Forschungslabore öffnen sich weiter und weiter. Ein kleiner Geschmack auf mehr:

Fakenews – Philosophisches zum Zeitgeschehen

Fakenews – „Falschmeldungen“, fern der Wahrheit, sind sie nicht neu aber heute in der Lage, viele Menschen aus einem längeren Schlaf aufzurütteln, in den unsere Gesellschaft in den letzten Jahren verfallen ist: Zu selbstverständlich war sie, unsere Demokratie, zu sehr hatte man sich daran gewöhnt, dass alles geordnet verläuft – und die repräsentative Demokratie mit ihren Gewählten und auch die mediale Berichterstattung „es schon richten werden“. Fakenews sind in der Lage, diese Sicherheit in ihr Gegenteil zu kehren. Auch und insbesondere vor dem Hintergrund der neuen Medien, die ungeahnte Reichweiten ermöglichen. Was also ist das und was ist dran an diesen „Fakenews“? Das PhilosophieCafé im Haus der Volkshochschule Gütersloh nahm sich des Themas an: „Zur Wahrheit verpflichtet? – Soziale Medien, Fake News und Bürgerpflichten aus Sicht der Philosophie.“ Am Sonntagnachmittag diskutierte Kevin Dear (Uni Paderborn) mit Dr. Andrea Reichenberger (Uni Paderborn) und mit zahlreichen Gästen quer durch die Altersklassen.

Das Foto zeigt das Panel im Philisophischen Cafe der VHS

Fakenews – Thema auch für die Philospohie?

Keine Angst. Hier folgt kein philosophischer Abriss. Es gab auch keine passgenaue Handreichung, wie WIR damit umgehen müssen. Lediglich eine kleine Werkschau sei hier geschildert dessen, was die Bewohner einer Mittelstadt bewegt, wenn der gesellschaftliche Zeitgeist in solch einer Runde diskutiert wird. Das war nicht wenig: „Müssen wir uns ernsthaft Sorgen machen, um unsere Quellen der Informationswelt?“ führte Kevin Dear ein. Eine konkrete Antwort gab es nicht. Auch keine philosophische Einordnung oder eine konkrete Anleitung zur eigenen Verortung. Wäre auch nicht möglich. Weil: Wahrheit hat viele Gesichter und wird in unzähligen (philosophischen) Theorien diskutiert. Wahrheit und eigenes Denken sind untrennbar. Wohl aber finden sich Verbindungen. Verbindungen, die unterschiedliche Bereiche von Wahrheit betrachten: Lüge, Fake, Wissen. „Wahrheit und Wissen sind nicht eins.“ Wahrheit ist komplex. Es braucht eine jeweils differenzierte Betrachtung. „Verantwortung“ taucht auf als Kategorie der Moral aber auch des (wiederholt): eigenen Denkens. Wenn Technik heute so vieles möglich macht, wie steht es da mit der Verantwortung der Techniker? Trägt Facebook die Verantwortung für das, was die Nutzer mit der Technik anstellen? Oder trägt der Nutzer die Verantwortung für das, was er postet? Begriffe wie „Recht“ und „Pflicht“ werden gestreift. Dann geht es ans Eingemachte, „Konstruktion von Wirklichkeit“ steht im Raum. Ist Journalismus eine solche Konstruktion? Konnte der Journalismus wie wir ihn bisher kennen eher den Anspruch auf Wahrhaftigkeit erheben als die vielen Nutzer in der Summe oder als Einzelne? Es gibt keine objektive Wahrheit. Karl Popper wird zitiert, sein kritischer Rationalismus zeige eine Annäherung an Wirklichkeit, zudem habe sich eine ganze Nation an ihn angelehnt, als es in den 70er Jahren darum ging, die Revolution gegen „die Alten“ und damit „für eine rechtschaffende Zukunft zu arbeiten“. Popper befürwortete eine offene, pluralistische Gesellschaft, die Konflikte mit rationalem Diskurs zu lösen vermag – um es ganz kurz zu machen. Wo stehen wir heute? – schließt sich wieder die Frage an, in der Lösungen für unsere heutigen Probleme der Unsicherheit und des erstarkenden Nationalismus implementiert zu sein scheinen.

Wer jedoch an diesem Nachmittag klar abgegrenzte Antworten suchte, ein Rezept etwa oder eine Weisung – der ging leer nach Hause. Eigenes Denken war die Losung und die Antwort auf Fakenews – schon zur Halbzeit war das ein Ergebnis.

Wer Wahrheit sucht, kommt an Sprache nicht vorbei. Sprache hat eine besondere Bedeutung, Sprache, die wir in Politik und Medien verwenden. Wo finden sich Beispiele für Fake, wann fing das an? Ein kleiner Parcoursritt durch Politik und Zeitgeschehen folgen: Hackerangriffe, Irakkrieg – die aktuellen Bezüge aus Politik und Weltgeschehen werden hergestellt. Um dann die Kurve zu „den Medien“ zu kriegen:

„Facebook wird zu hoch bewertet. Fakenews ist so neu nicht, das hat es schon zu Zeiten des Buchdrucks gegeben. Früher blieb das aber im Dorf.“ (Schön der Vergleich, weil ein Dorf früher auch eine Welt war.)

Zentral ist die Frage: Woher wissen wir eigentlich, was wahr und was falsch ist? Es komme auf die Bewertung an, diese Haltung wird kontrovers diskutiert. Dabei wir der enorme Brückenschlag deutlich: Das Privileg der Medien als Instanz für die Vermittlung, Einordnung und Bewertung von Informationen ist längst obsolet. Wir alle, jeder von uns kann veröffentlichen, im Netz und mit den neuen Informations- und Kommunikationsmitteln ist das weltweit möglich. Niemals zuvor war Meinungsverbreitung so einfach wie mit den neuen Medien. Wir sind damit aber auch von Konsumenten zu Produzenten geworden. Mit einer neuen Verantwortung des Individuums. Genau diese Diskussion schloss sich an: Wird Verantwortung wahrgenommen oder nicht? Das Plenum sinniert über eine Art „Epochenempfinden“ – ein kollektives Gefühl für die Veränderungen, für die Manipulationen, denen wir alle täglich ausgesetzt sind. Sprechen wir über Bürgerpflicht, ist es eben eine solche, kritisch zu bleiben, Informationen zu überprüfen – so weit möglich.

In den 80er Jahren sei der allgemeine Rückzug ins Privatleben erfolgt, man überließ Wenigen (und anderen als sich selbst), die politische Aktion, die Richtungsentscheidung. Sei man seither anfälliger für Manipulationen? Weil das Private wichtiger war als das Politische? Hat man zu wenig Aufmerksamkeit auf politische Bildung gelegt, so dass das gesellschaftliche Bewusstsein für Bürgerpflicht und für kritisches Denken ein Stück weit sediert war? Und dann das Auftauchen der neuen Medien, die plötzlich alle Möglichkeiten der Kommunikation bereit hielten. Muss man Facebook und Co nicht verbieten, abschalten? Diese Frage allerdings fand sehr schnell eine Antwort: Nein. Das ist nicht der Weg – die Geschichte zeigt, abschalten oder verbieten sind falsche Wege! Die Antwort kann auch hier wieder nur sein: Stärkung der individuellen Verantwortung, Stärkung des Selbstbewusstseins (und des Wissens) im Umgang mit Informationen sind gefragt und gefordert wie selten in den letzten Jahrzehnten. Ein Rückzug ins Private ist in Zeiten des Wandels und der Gefährdung der Demokratie nicht mehr – ja was? – erklärbar?

Ein Plädoyer für politische Haltung folgt. Wir haben eine Bürgerpflicht zum Einmischen, hieß es. Es braucht politische Antworten, hieß es weiter. Schulen haben den Auftrag, Medienkompetenz zu vermitteln. Eine staatliche Verantwortung für Medienkompetenz wurde gestreift. „Wir leben in einer Zeit der Desorientierung. Trump, Erdogan, Putin – sie alle destabilisieren das Weltgefüge.“ Die Welt war plötzlich zu Gast in Gütersloh. Die allgemeine Unsicherheit greifbar.

Hier eine kurze Verschnaufpause.

Zwei kleine Anekdote am Rande: Moderator Dear erklärte zu Beginn, er sei nicht auf Facebook vertreten. Könne aber dennoch mitreden. Einige Sequenzen später lässt er uns wissen, dass seine Mutter nun WhatsApp nutze – um mit ihm in Kontakt zu bleiben, informiert zu bleiben selbst über sein Essen im Urlaub. Um damit doch noch bei Facebook zu landen – der Internetriese hat WhatsApp gekauft, seit 2014 ist es Teil von Facebook. Immerhin. Zweiter Punkt: es gab kein WLAN im Haus der VHS.

Nach dem gefühlt bedrohlichen Ausflug in die Weltgeschichte, folgte der Blick auf lokale Tageszeitungen. Kann man die Inhalte dort überprüfen? Gibt es noch kritischen Journalismus? Wird nicht auch hier einfach nur noch Copy&Paste betrieben, weil einige wenige Mediendienste die Richtung vorgeben? Werden Pressemitteilungen nicht zu oft einfach nur noch gedruckt, ohne kritisches Augenmerk von Journalisten, die einzuordnen in der Lage seien? Kant, Immanuel Kant, kommt ins Spiel (nachdem schon einige andere gewichtige Philosophen kurz gestreift wurden, Adorno etwa). Kant formuliert „habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“ – trotz aller Unverbindlichkeit der Antworten an diesem Nachmittag, dieser Ansatz fand Geltung. Mut zum selbstkritischen Nachdenken – diesem Aspekt schenkte auch die Referentin Dr. Andrea Reichenberger ihre Sympathie. Sie ermuntert nach dem Wahrheitsgehalt von Informationen zu fragen und zu forschen.

Mutig meldete sich eine Teilnehmerin: „Bisher habe ich mich auf den Wahrheitsgehalt von Informationen verlassen.“ Es sei eine Frage der Zeitkapazität, ob man alles kritisch hinterfragen könne. Gibt es ein Recht darauf, sich auf Wahrheit verlassen zu dürfen? Die Referentin verknüpfte nun Wahrheit mit dem noch weiteren Begriff von „Vertrauen“. Die Gesellschaft pendelt zwischen „radikalen Skeptikern“ und jenen, die grundsätzlich vertrauen. Sind soziale Medien aus der Perspektive heraus nicht eine wunderbare Quelle der Vielfalt, sich in diesem Spektrum selbst zu verorten? Die Anzahl der Möglichkeiten, Wissen zu beziehen sind mittlerweile schier unendlich. Eine Gegenstimme formulierte, nichts reiche an den Diskurs von Mensch zu Mensch in direkter Auseinandersetzung heran. Das schaffe Orientierung. (In einer globalisierten Welt rang mir dieses Postulat jedoch ein Lächeln ab.) Und dennoch bleibt der Wunsch, dass Menschen angesprochen werden wollen.

Ein Highlight waren zwei Jugendliche, im Alter von um die 15 Jahre, die ihrerseits einwarfen, dass auch sie die Zeitung lesen – aber eben digital. Das sei auch eine Frage der Kosten übrigens. Um dann aus dem Schulalltag zu erzählen: „Lehrer zeigen dort 15 Jahre alte Artikel und wir sollen die dann kommentieren.“ – Und auch: Medienkompetenz ist klar auch bei den Älteren vorhanden. „Mein Opa hat einen moderneren Laptop als ich.“

Das Foto zeigt die bunte Garderobe in der VHS.

Vielfalt – Meinung ist gefragt.

Ein kurzer Schlagabtausch folgte, wer wie kompetent ist: muss in einer Welt der digitalen Transformation und einer instabil werdenden Weltpolitik angesichts eines erstarkenden Nationalismus nicht jeder ein kleines Stück an individueller Verantwortung übernehmen und sich mit dem, was er kann für eine offene plurale Gesellschaft einsetzen?

Der Umstand, dass „Fakenews“ einen solch zentralen Stellenwert in unserem täglichen Dasein als „Teil der Gesellschaft“ eingenommen haben, scheint in weiten Teilen eben der Gesellschaft angekommen zu sein. Und auch ihre Brisanz. Und auch die Frage, was jeder Einzelne leisten müsste, um das zu bewahren, was wir kennen und wertschätzen: unsere Demokratie. Dass das Thema auf den Nägeln brennt, zeigte sicher auch die hohe Teilnehmerzahl am Sonntag sehr anschaulich. Im lokalen Rahmen werden Menschen genau da angesprochen, wo sie leben und mit Themen einbezogen, die sie bewegen. Gern mehr davon!

P.S. Auch angesprochen wurden: Habermas, Aristoteles und Adorno.

Hier noch ein Link „Fakenews erkennen“.

Hackday Moers #ODDMO17

Update vom 4. Februar 2017:

OpenData ist unbedingt auch etwas für Kinder und Jugendliche. Schaut dazu den @derArndt im Video von #OffeneKommunenNRW ab Zeit 10:07 –

Es kommt auf Euer Engagement an. Daher: 

Es wird wieder gehackt: der nächste Hackday in Moers ist in Sicht und terminiert:

am 18. und 19. März 2017     im Rathaus Moers 

Sa.: 10 – 20 Uhr
So.: 10 – 17 Uhr

Das Foto zeigt zwei Kinder vor dem Rechner

Children – Foto: Website Hackday Moers

Hier findet sich das Programm und alle Details.

Am Vor-Abend des Hackday Moers findet zum 2. Mal der „Wirtschaftstalk“ statt. Ich habe die große Freude, diesen zu moderieren:

Smarthpones, Apps, Soziale Netzwerken und Co.: Der Umgang mit den spannenden Angeboten der digitalen Welt will gelernt sein.

Freitag, 17. März, 18 – 19.30 Uhr, Rittersaal des Moerser Schlosses

Will man sie verantwortungsbewusst und sicher einsetzen, braucht es Medienkompetenz.
In der letzten Zeit prägen Meldungen über Fake News, Hasskommentare, Sicherheitslücken und die Diskussion über ein Pflichtfach Informatik die öffentliche Debatte.
Spaltet Digitales unsere Gesellschaft in Digitale Natives und Uniformierte? Müssen Schüler*innen programmieren lernen, um den Anforderungen der Zukunft gerecht werden zu können?
Ist Schule noch der Ort, an dem diese Kompetenzen vermittelt werden? Wagen sich immer noch zu wenig Frauen und Mädchen an IT-nahe Themen heran? Können Open Data und die Aktivitäten der Community einen Beitrag zur Stärkung der Medienkompetenz leisten? All diese Fragen und mehr werden in unserem Talk zum Hackday 2017 kontrovers erörtert.“

Teilnehmende:

Kordula Attermayer, Referat Digitale Gesellschaft, Medienkompetenz, Staatskanzlei NRW
Prof. Ulrich Greveler, Hochschule Rhein-Waal
Thomas Nolte, Lehrer am Moerser Gymnasium Adolfinum und Beteiligter am Projekt Open Data und Schule
Moderation: Dr. Anke Knopp, Autorin und als Freiberuflerin unterwegs für den digitalen Wandel

Der Talk findet in Kooperation mit dem Grafschafter Museum statt.

Ich freu mich drauf – Gäste und Interessierte an allen Tagen und zu allen Programmpunkten sind herzliche willkommen.

Marta Museum responsiv und digital

Kunst zieht Menschen an. Kommunen und kommunalpolitische Akteure streiten zwar nicht selten über Förderung derselben oder über Unterstützung von Räumen für Kultur und Kunst.

Sind Raum und Werke nach diesen Kämpfen erstmal da, ist es eine Lust und Bereicherung für das Leben vor Ort. Nicht selten werden diese Kleinodien auch zum Standortfaktor. So wie das Museum Marta in Herford. Die Ausstellung #derfremdeRaum ist wieder einmal köstlich, verstörend und auf feine Art eine Antwort auf die Frage, warum Kunst sein muss.

„Acht internationale KünstlerInnen reagieren mit massiven Eingriffen, Umbauten und Verletzungen auf die eigenwillige und selbstbewusste Architektur des Museums Marta Herford.“ – aktueller kann man kaum sein. 

Das Foto zeigt eine Installation von Arne Quinze.

derfremdeRaum, Arne Quinze

 

@nowanda1 Danke, das freut uns! #keeponrocking

Das Foto zeigt den Eingang der Ausstellung Museum Marta.

Marta Museum, Esther Stocker

Warum ich in einem digitalen Kommunalblog darüber schreibe? Aus vielfältigem Grund, einmal, weil Kunst sich finanziell immer erklären muss obwohl sie so nährend ist wie Wasser und Brot – und auch aus digitalem Interesse. Das Marta Museum ist responsiv auf die beste Art und Weise: Es ist erlaubt, Fotos zu machen. Es ist erlaubt, die Freude und Begeisterung über die Exponate und die quirligen Ideen digital mit der Außenwelt zu teilen, die Mauern des Museums mittels neuer Medien nach außen zu verlegen. In die weite Welt. Um dann das Echo aus Herford zu vernehmen, direkt und ziemlich schnell: der TwitterAccount vom @martamuseum ist kein Fake – er lebt.

Es ist jedesmal eine Freude zu erleben, wie sich Kunst und Kultur digital auf den Weg machen, ihre Reichweite durch die neuen Medien erweitern und damit die Botschaften noch ein Stück lebensechter und näher zu den Menschen bringen.

Ich spreche nicht von digitaler Kunst – das ist eine andere Gattung. Ich spreche von digitaler Vermittlung, digitaler Kommunikation von Kunst und Kultur. Sogar Freifunk Herford war im Marta zu empfangen, also WLAN vorhanden. Der Blog vom Marta ist einfach großartig, die Videotrailer sind schon Kunst für sich, die Website ist fein gemacht. Ich bin begeistert, wenn auf diesen Kanälen Leben auffindbar ist. Hach, ja, ich bin gerockt, Marta. Echt!

Museum Marta #derfremdeRaum

Museum Marta #derfremdeRaum

Datenschutz – nicht nur im Netz ein Thema

Die NW-Zeitung fragte mich in der letzten Woche um ein Interview an. Thema: Europa begeht zum 10. Mal den Tag des Datenschutzes (28. Januar 2017). Wir sprachen rund fünf Minuten über Datenschutz – dann ließ ich meiner Leidenschaft für #OpenData und ihre Vorteile für eine Gesellschaft freien Lauf. Im Artikel zitiert wird jedoch nur der Datenschutz.

Das Foto zeigt Leitungen.

Kabelsalat und Datensicherheit

Datenschutz: Mein Ansatz: Dafür muss man nicht nur auf das Internet schauen. Es reicht ein Blick in die analoge Alltagswelt der Menschen, die sich kaum einen Deut mehr um Datenschutz kümmert als anderswo. Die Realität: an jedem Thresen in Arztpraxen, in jeder Bankfiliale wird der Datenschutz täglich ignoriert. Nach einer längeren Wartepause etwa in der Notaufnahme eines hiesigen Krankenhauses wusste ich nach 45 Minuten über jeden der Wartenden mehr Bescheid als mir lieb war: Name, Telefonnummer, Krankenkasse, Anschrift – und der Grund ihres Aufenthaltes, also eine Diagnose waren mir bekannt.

Gleiches gilt für Schalterräume von Banken… da kann einem schon schwindelig werden. Und übel aufstoßen, dass immer nur das „böse“ Internet aufs Korn genommen wird, wenn Datenschutz zum Thema wird.

Den Artikel der NW kann ich hier nicht ablichten, dazu brauche ich die Genehmigung des Verlages. Verlinken aber geht: Den Beitrag findet man hier. 

Eine skurile Anmerkung bleibt: den städtischen Datenschutzbeauftragten lichtet die Zeitung in seiner Uniform als Schützenbruder ab. Privat. Das wäre ein Umstand für Datenschutz.