Grenzenlos: Kommunales Herzblut

UPDATE: Hier kann man die gesamte Podiumsdiskussion anschauen. 

Es ist stets hochbrisant, sich in die Innenpolitik eines anderen Landes einzumischen. Schon gar, wenn man geladener Gast ist. Und trotzdem habe ich das einfach mal gewagt. Schließlich ging es um Digitalisierung von Kommunen im ländlichen Raum. Die Probleme sind in Deutschland ähnlich gelagert wie in Österreich.

Im Rahmen der Kommunalen Sommergespräche 2017 hatte ich die Ehre auf einem sehr illustren Panel zu sitzen. In Gesellschaft von Prof. Peter Filzmaier (Politikwissenschaftler), dem Präsidenten des österreichischen Gemeindebundes Bürgermeister Mag. Alfred Riedl, der Bürgermeisterin der Stadt Lienz Elisabeth Blanik und mit dem Innenminister von Österreich, Mag. Wolfgang Sobotka. – Wir sind in Österreich, da braucht es die komplette Bezeichnung. Hab ich mit einem Augenzwinkern meines Gegenüber gelernt.

Das Foto zeigt alle Podiumsteilnehmer.

Digitale Herausforderungen – Diskurs, Foto Johannes Pressl

Drei Punkte möchte ich aus dieser Diskussion kurz anreißen, weil sie mich besonders bewegt haben:

Erster Aspekt: Der Innenminister definiert den notwendigen Ausbau mit Glasfaser nicht als seine Aufgabe. Dafür sei der Ministerkollege für Strukturfragen der richtige Mann. Er als Innenminister sei in Sachen Sicherheit unterwegs. Sicherheit, meinte ich, könne man aber künftig aber auch so definieren, dass Glasfaser zu einem Sicherheitsaspekt gerade der ländlichen Bevölkerung werde. Was ist, wenn die Versorgung der Menschen mit Gesundheitsdiensten und auch mit Rettungsdiensten nicht ausreichen gewährleistet sein wird, weil nicht oder nur unzureichend am schnellen Netz angeschlossen? Wie soll künftig Telemedizin möglich sein, wenn die Dienste in netzunterversorgten Gegenden nicht ausreichen? Gleiches gilt auch für die Rettungsdienste, die auf mobiles Netz angewiesen sind. In Deutschland laufen sie gerne mal mit den Armen und Smartphones in der Luft stochernd herum, um Netzanschluss zu finden. (Ich habe dazu bereits gebloggt.) Eine profunde Debatte begann. Auch und insbesondere um die Frage, wie weit Politik (noch) in der Lage ist, Digitalisierung ordnungspolitisch zu begleiten. Diese Frage der Sicherheit gilt es weiter in die Tiefe zu denken. Die jeweiligen Positionen kann ich hier nicht wiedergeben, sie sind im obigen Link zum Video zu sehen. (Sprechen UND bloggen geht nicht zusammen).

Wolfgang Sobotka und Anke Knopp im Gespräch.

hört zu – der Innenminister von Österreich Wolfgang Sobotka, Foto: Johannes Pressl

Zweiter Aspekt: Die Bürgermeisterin von Lienz, Elisabeth Blanik, hat mir großen Respekt eingeflößt. Ihre Energie zum Breitbandausbau in ihrer Region ist schon beispielgebend. 15 Bürgermeister haben sich zusammengeschlossen und alle bürokratischen Hindernisse geschickt umschifft. Ihr Ziel: schneller Anschluss aller hat sie kreativ gemacht, hat sie auf den Weg geschickt, am Ende erfolgreich zu sein. Kann man nur von lernen. Nachmachen. Sich dort Rat holen. Die Vergabeverordnungen in Deutschland und Österreich sind zwar verschieden – aber am Ende zählt das „wie habt ihr das hinbekommen!“ Großes Lob nach Lienz!

Dritter Aspekt: der hat im Nachhinein wohl alle Frauen im Saal vom Hocker gerissen. Eigentlich war zündender Funke nur eine Randbemerkung, versteckt in einem Nebensatz von Herrn Prof. Filzmaier. Die Landflucht nämlich und konkret die von gut ausgebildeten Frauen, die nach ihrer Ausbildung in der großen weiten Welt eben nicht zurückkehren in den ländlichen Raum. Warum nicht, das habe ich versucht auf den Punkt zu bringen. Weil sie nicht blöd sind! Sie wissen ganz genau, was sie vor Ort dann erwarten würde: traditionelle Rollenbilder und traditionelle Wertehaltungen gegenüber der Art, wie sich Frauen zu verhalten haben – und noch deutlicher – am Ende sind sie es, die die Pflege der dort lebenbenden alternden Eltern und Großeltern übernehmen müssen. Unhinterfragt, ob sie das möchten oder nicht. Aus diesem Aspekt wird sich sicher noch eine tiefere Betrachtung ergeben. Ich bleibe dran.

Denk digital – bleib kommunal

Update: Hier findet sich der Link zu meinem Eingangsvortrag. Ebenso wie der von Ingrid Brodnig (Österreichische Journalistin und Digitalexpertin) und der anschließenden Diskussion zusammen mit Moderator Meinrad Knapp. 

Update 2: Ich empfehle dazu auch den Blog von Johannes Pressl „Langfristig denken – Konkret handeln“. 

Laden die Nachbarn aus Österreich ein, muss man als Deutsche(r) kleine Brötchen backen, wenn es um E-Government geht. Sie sind uns meilenweit voraus. Ein Beispiel? Die Post, die morgens noch in Papierform im ländlichen Rathaus eingeht, ist mittags gescannt – und am Nachmittag ist analoges Totholz bereits geschreddert. Als Referentin aus Deutschland im Kreis von österreichischen Kommunalis darf man sich hier ehrfürchtig verneigen.

Ich war eingeladen, zu den Kommunalen Sommergesprächen 2017 in Bad Aussee, Österreich. Gastgeber und Ausrichter war der Österreichische Gemeindebund und die Kommunalkredit Österreich. „Thema: Denk digital. Bleib kommunal.“ Treffender konnte der Titel nicht sein. Die Musik spielt hier zwischen Tradition und Moderne:

Das Foto zeigt ein Schlagzeug mit einem Blick aus dem Fenster auf Dächer und Berge.

Kurhaus Aussee – über den Dächern spielte die kommunale Musik

In vier Fachforen konnte das weite Feld „Digitalisierung“ anschaulich aufgebohrt werden. Die jeweiligen Fachimpulse kann ich hier nicht beschreiben – ich stand selbst auf dem Podium, dann ist bloggen schwer.

Das Foto zeigt mich mit zwei weiteren Referenten.

Christoph Meineke, Bürgermeister Wennigsen/Deister (Hannover)  und Simon Rosner (Wiener Zeitung)

Die Foren mit ihren Themen sowie die Ergebnisse in aller Kürze – die Ähnlichkeiten oder Deckungsgleichheit mit der Diskussion in Deutschland liegt auf der Hand:

Nummer 1: Social Media und Kommunikation auf lokaler Ebene:

Social Media ist eine Herausforderung; gutes Kommunikationsmittel für die Kommune, weil in eigener Hand und unabhängig von anderen (Zeitungen); Kommunikation auch für die, die nicht mehr in der Gemeinde leben (Weggezogene aber Heimatverbundene); sie können sich hierüber immer noch informieren, was daheim passiert; Social Media muss professioneller werden (Technische Installation / Anwendung, Anleitung für Verwaltungsmitarbeiter); das Wissen und die Erfahrung ist nicht vorhanden, wie man mit Trollen/Shitstorm umgeht; gewünscht ist, „die Kontrolle“ in der Gemeinde zurückzuholen.

Das Foto zeigt das Panel der Ergebnisverkündigung mit den Referenten

Ergebnisse

Thema 2: Digitale Verwaltung braucht den Menschen (Kommune 4.0)

Ergebnisse: Vorbereitung und Einstellen auf eine noch schnellere Taktung der Geschwindigkeit der Veränderungen als das bisher der Fall war; Muss man mehr Personal einstellen, um die Aufgaben leisten zu können?!; es ist keine Aufgabe für Roboter: Verwaltung, Pflege von Alten, Müllabfuhr = das müssen nach wie vor menschliche Arbeitsplätze bleiben; mehr Stimmungen und Ängste der Menschen aufnehmen, Ängste wahrnehmen und ernstnehmen; digitale Werkzeuge müssen beherrschbar sein für eine Verwaltung; (Exkurs: Wenn man das kann, dann gelingt das auch  ( es braucht Erfahrungen, die erlangt man lediglich durchs Machen); wir brauchen einen Plan; die Frage beantworten: Was will ich mit den neuen Tools erreichen? (das sagt einer, der lange Jahre Erfahrung hat; Personalabteilung wird immer wichtiger = Personalentwicklung als Teil der Kommune 4.0.

Das Foto zeigt einen Konferenzraum in Österreich mit traditionellem Jagdmotiv.

Traditionell – und modern

Thema 3: Digitale Plattformen zur Umsetzung kommunaler Projekte

Digitale Werkzeuge und digitale Angebote = unüberschaubar ( es gibt zu viel, die Auswahl ist nicht mehr gewährleistet nach  handhabbaren Kriterien); die Frage ist und bleibt: Was davon soll ich nehmen? Was passt zu mir und meiner Verwaltung? Was passt zu meiner Kommune?; Womit soll ich anfangen? Die Themenpalette ist so vielschichtig: Glasfaser, E-Government+; Wie bringe ich Bürger dazu, Digitales auch zu nutzen?; Wenn digitale Angebote = dann müssen diese den Arbeitsaufwand für die Menschen reduzieren (Beispiele: Wasserzähler; keine Anträge mehr im Amt); am gefährlichsten ist es, diesen Weg NICHT zu gehen!; Vorschläge konkret: 1. Zentrales Angebot geben (1 Anlaufstelle, sinnvoll alles digital anzubieten; 2. Holschuld der Gemeinden; 3. zentrales Angebot für die Qualifikation der Mitarbeiter machen (Wartung; Bestimmungen; übergeordnete Aufgaben); 4. Klare Definition von Bundesseite wird erwartet. Schließlich bleibt die Frage: Was MUSS ich denn als Kommune anbieten? Anleitungen und klare Vorgaben werden erwartet, Vernetzung untereinander ist zentral und wichtig

Forum 4 Smart Country – digitale Strategien für den ländlichen Raum

Simon Rosner als unser Moderator stellt die Ergebnisse für unseren Workshop vor, den ich zusammen mit Christoph Meineke, Bürgermeister aus Wennigsen/Deister im Raum Hannover gestaltet habe. 

Ergebnisse in aller Kürze: Digitalisierung kann man nicht von oben überstülpen und verordnen; Verständnis der Politik und der Verwaltung über digitale Themen vertiefen; Akzeptanz der Bürger stärken; Bürger einbeziehen; das Wissen und KnowHow der Vielen und bisher unentdecken Quellen wie auch der Jugend (Jugend hackt);  Bedürfnisse und Bedarfe feststellen; Know-How in den Kommunen fehlt; Einbringen von Zivilgesellschaft in neuen Formaten wie Koproduktionen; Scheitern erlauben; Strategieplanung und beginnen!

Die Foren waren gut besucht. Das ist eine zentrale Aussage, denn wer den wunderbaren Ort der Tagung kennt: Bad Aussee, der ahnt, dass es dort um Entschleunigung geht, um Entspannung und um den Genuss der Natur. Viele Gründe also, die Landschaft zu genießen. Statt dessen rauchten die Köpfe und es wurde sehr ernsthaft und vielschichtig diskutiert. Kommunales Herzblut pochte. 

Einige besonders herausragende Sätze und Erkenntnisse am Ende der Ergebnisverkündigung. Ich schreibe sie hier gerne auf, weil sie Mut machen, aber auch schmunzeln lassen. 

1) „Wir schaffen das!“ Kein Stress.

2) Wir auf dem Land werden als Volliditionen gehalten. Wir sind es nicht!

3) Es braucht weniger! Wir machen eh schon alles  – dann klappt das mit der Digitalisierung hier auch noch.

4) Anekdoten aus dem Forum 4: Alle im Gemeinderat stimmen für Glasfaser, nur einer nicht. Am Abend bespricht der Nichtstimmer diesen Umstand mit seinem Sohn. Der erklärt dem Vater, was man damit alles anfangen kann. Am folgenden Tag geht der Anruf ein beim Bürgermeister: Glasfaser sei doch eine tolle Sache. Man solle da mitmachen. 

Berge und schnelles Netz

Wenn der Fahrer über einen Pass fährt und unten liegt eine tiefe Schlucht, er dabei das Handy am Ohr hält und mit 80 um die nächste Ecke braust – während ich schlucke und weiß um die Nase werde, er das mit „passt“ kommentiert – dann ist man angekommen.

Gleich beginnen die #KommunalenSommergespräche in #Österreich #BadAussee – freue mich drauf.

Das Foto zeigt das Kurhaus von Bad Aussee.

Kommunale Sommergespräche

Landleben am digitalen Puls anschließen

Sie möchten auf dem Land leben (bleiben)? Sie möchten nicht in die Stadt ziehen?

Dann wird es Zeit, den ländlichen Raum auch an die digitale Entwicklung anzuschließen, damit diese Wünsche in Erfüllung gehen. Konzepte gibt es. Ich habe dazu einen Gastbeitrag in der Wiener Zeitung verfasst. Die Herausforderungen in unserem Nachbarland, damit der digitale Brückenschlag ins Land gelingt, sind ähnlich gelagert wie die in Deutschland.

Hier geht´s zum Artikel in der Wiener Zeitung. 

Das Foto zeigt den Artikel in der Wiener Zeitung.

Gastbeitrag in der Wiener Zeitung

 

Zu Besuch bei #Emma

In dieser Woche durfte ich #Emma kennenlernen. Sie ist ganz charmant. Emma ist ein Pepper Robot. Ihr „Vater“ ist Hannes Eilers, M.Sc. an der FH, Fachbereich für Informatik und Elektrotechnik in Kiel. Emma hat einen tollen Job: Sie besucht seit geraumer Zeit die Demenz-WG der Diakonie Altholstein in Kiel. Wenn Emma dort aufrockt, dann rockt sie im wahrsten Sinne des Wortes: Sie singt, tanzt und unterhält die Bewohner einer Demenzwohngemeinschaft.

Das Foto zeigt Emma, einen Roboter aus der FH Kiel. Man sieht ihre beleuchteten Augen ins schwarz mit einem roten Rand.

Emma FH Kiel

Mit ihrem Können trägt sie sehr zur Abwechselung für die Heimbewohner bei. Sie ist eine Bereicherung auch für die Pflegekräfte, die ihre Arbeit durch ihren Einsatz unterstützt sehen. Die Angst vor Wegrationalisierung von Arbeitsplätzen wird vielfach diskutiert – doch es geht darum, Roboter als Helfer zu betrachten, die mehr Raum und Zeit schaffen für die zwischenmenschlichen Kontakte zwischen Heimbewohnern und Pflegekräften.

Hier eine kleine Kostprobe aus dem Labor der FH Kiel:

Es war ein Vergnügen, Emma kennen zu lernen. Auf ein baldiges Wiedersehen.

Das Foto zeigt die Hand von Emma, eine Roboterhand von Pepper.

Shake Hands, auf bald

 

Zu langsam – dieses Internet

Die Kluft wird größer in der digitalen Netzwelt. Die einen haben es, schnelles Netz und können ihr gesamtes Leben damit virtuell organisieren. Die anderen warten bei einem Upload von Daten schon mal vier Stunden, um ein Video hochzuladen, das ganze 4 Minuten dauert (um nur einen kleinen Aspekt der Nutzung zu nennen.) Die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse – eine Maxime der Politik – gibt es in Fragen der Anschlussgeschwindigkeit längst nicht.

Dabei wird „Digitalisierung“ mittlerweile rauf und runter gebetet. Aber vom Beten allein wird etwa die digitale Infrastruktur leider nicht besser. Wir sind gedanklich geparkt bei der Versprachlichung von 50 mbit – wenn die denn überhaupt beim Nutzer ankommen. Aber allein die digitale Infrastruktur ist eine der Grundvoraussetzungen, um die Potenziale der Digitalisierung freizusetzen und nutzen zu können. Wir wissen: Da, wo schnelles Netz ist, steigt die Nutzungsvielfalt. Wir wissen: Da, wo schnelles Netz ist, steigen Innovation und schließlich Wertschöpfung. Die Funktionen folgen der Form. Wir sind längst im Bedarf der Gigabit-Gesellschaft angelangt.

Meine immer wiederkehrende Bitte ist also – ich will Glasfaser!


Insbesondere Kommunen im ländlichen Raum sind gefragt. Sie gehören zu denen, die vier Stunden warten müssen, bis ein kleiner Videoschnippsel online ist. Sie begnügen sich aber weitestgehend mit mit Ankündigung von 50 mbit, wobei nicht selten maximal 1 mbit real bei den Nutzern ankommen. Aber gerade sie müssten profitieren vom Anschluss an Gigabit-Netze, weil das Leben in kleinen Gemeinden künftig nur digital noch zu organisieren ist. Wie also können Kommunen hier eine Schippe drauflegen?

Kommunen können an den Verheißungen von Bund und Länder anschließen. Sie müssen sich einmischen, konkret werden, eigene Wege zum Anschluss ausloten und ihre Ziele hochgesteckt auch formulieren. Einige Argumentationshilfen für die kommunale Diskussion seien hier vorgestellt:

Auf der Website des Bundesministeriums für Wirtschaft findet sich folgender Passus unter dem Stichwort „Zehn Schritte in die Zukunft – unsere Digitale Strategie 2025“:

Nur mit gut ausgebauten „Datenautobahnen“ kann Deutschland die immer schneller voranschreitende Digitalisierung erfolgreich bewältigen. Hochleistungsfähige Breitbandnetze bilden damit die Voraussetzung für die digitale Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Deshalb wollen wir eine digitale Infrastruktur aufbauen, die drei zentrale Anforderungen erfüllt: Sie muss erstens über eine hohe Kapazität verfügen, das heißt pro Minute Billionen von Gigabyte Datenvolumen transportieren können. Sie muss schnelles Internet ermöglichen – und zwar in allen Regionen und für alle Nutzer in Deutschland. Und sie muss eine verzögerungsfreie Übertragung gewährleisten, sodass neue internetbasierte Dienste für die private Kommunikation und die vernetzte industrielle Produktion in Echtzeit erfolgen können.

Für die Bewältigung dieser dreifachen Aufgabe ( wollen wir in Deutschland bis zum Jahr 2025 ein Glasfasernetz aufbauen, das Übertragungsgeschwindigkeiten im Gigabitbereich ermöglicht – und zwar im Up- wie Downstream. Nur so können wir ausreichende Kapazität in allen Netzebenen gewährleisten: für zuverlässige Echtzeitfähigkeit und höchste Dienstqualität.

Ganz aktuell vom Juni 2017 findet sich in der Ludwigshafener Erklärung im Rahmen des Digitalgipfels der Bundesregierung 2017 ebenfalls ein zentraler Passus dazu:

Die flächendeckende Breitbandverfügbarkeit gewinnt als eine der grundlegenden Einflussgrößen für die industrielle und gesellschaftliche Entwicklung weiter an Bedeutung. Wir brauchen deshalb möglichst bis 2025 flächendeckend bedarfsgerechte Gigabit-Infrastrukturen im Fest- und Mobilfunknetz. (…) Die Glasfaserinfrastruktur wird durch den weiteren Ausbau der Fest- und Mobilfunknetze stetig weiter in die Fläche getrieben. Die Flächendeckung bleibt dennoch eine zentrale Herausforderung, der wir durch die Stärkung von Investitionsanreizen auf europäischer und nationaler Ebene begegnen werden. Wir werden uns deshalb u.a. dafür einsetzen, dass neue Gigabitinfrastrukturen unter bestimmten Voraussetzungen nicht der Regulierung unterworfen werden.

In einem Positionspapier der Deutschen Telekom zum Digitalgipfel im Juni 2017 heißt es ausdrücklich, dass sich die Deutsche Telekom zur Glasfaser als Grundlage bekennt, um ein 5G-Netz auszubauen. Vorgestellt wurde das Papier von der Projektgruppe Konvergente Netze als Infrastruktur für die Gigabit-Gesellschaft, drunter stehen Stefan Rinkel-Holgersson Telekom Deutschland und Ingobert Veith, Huawei Technologies Deutschland.

Mit Blick auf die langfristig erwarteten Anforderungen von 5G hinsichtlich Datenrate, Latenz und Ausfallsicherheit ist die Glasfaser grundsätzlich das zukunftssicherste und skalierbarste Medium. Zudem ist sie langfristig kostengünstig im Betrieb, da es keine aktiven Netzelemente zwischen Zentrale und Mobilfunkstandort mehr gibt.

 

Telekomchef Höttges hatte bisher in Frage gestellt, ob Deutschland überhaupt eine solche hohe Bandbreite braucht. Zudem hatte er eine Diskussion angezettelt: Ihm zufolge sei FTTC (Fibre to the Cabinte) Glasfaser. Er lehne es ab, sich an einer sinnfreien Diskussion um „gute oder schlechte“ Glasfasertechnik zu beteiligen. Die Telekom hatte in ihrem Geschäftsbericht VDSL (FTTC – Fiber To The Curb), Vectoring (FTTC) und FTTH (Fiber To The Home) zusammengerechnet und als „Glasfaser-Anschlüsse“ ausgewiesen.

Aufschlussreich ist zudem der Koalitonsvertrag in NRW, der durch die neue schwarz-gelbe Landesregierung ausgehandelt wurde und jetzt Wirkung zeigen soll. Hier findet sich auf Seite 29/30 u.a.:

  • Gigabit-Masterplan Wir entwickeln einen Masterplan für unser Gigabit-Ziel: Bis 2025 verfügt Nordrhein-Westfalen über flächendeckende, konvergente Gigabit-Netze. Als Zwischenziel werden wir schnellstmöglich alle Gewerbegebiete, Schulen, Bildungseinrichtungen und Landesbehörden an das Gigabit-Netz anschließen.
  • Dabei verfolgen wir den Grundsatz der Technologie-Neutralität. Bei allen öffentlichen Fördermaßnahmen und entsprechenden Ausschreibungen verfolgen wir einen „Glasfaser-first“-Ansatz.
  • Durch eine Weiterentwicklung des Breitbandatlas zu einem Gigabit-Atlas, der Verankerung vereinfachter Verlegetechnik in der Landesbauordnung sowie eine beschleunigte Umsetzung der Regeln für die Mitnutzung bestehender Infrastrukturen senken wir die Kosten des Gigabit-Netzausbaus.
  • Wir bauen die Beratungsleistungen für Kommunen aus, damit Bundesmittel in Zukunft zügig und vollständig abgerufen werden können. „Breitband.NRW“ bauen wir zu einer dauerhaften Task Force beim Land aus.
  • Wir werden die interkommunale Kooperation bei der Digitalisierung fördern und Ausbauregionen stärker zu Clustern verbinden, um den Netzausbau in ländlichen und urbanen Regionen zu synchronisieren.
  • Wir werden Bürger-Breitbandprojekte zum Beispiel für Einzellagen im ländlichen Raum vorantreiben und besser vermitteln.

Interessant und aufschlussreich ist auch das Papier derFraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI), von Dr. Bernd Beckert „Ausbaustrategien für Breitband in Europa“. Die Studie zeigt im europäischen Vergleich, wo und was Deutschland von den Nachbarländern lernen kann – er geht dabei auch auf die kommunale Ebene ein. Die Studie wurde im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt. Beckert ist ein ausgewiesener Kenner der Szene und es gelingt ihm, verständlich rüber zu bringen, Fallstricke zu umschiffen und Zusammenhänge darzustellen.

Wer nun die Kluft in der digitalen Netzwelt für seine Kommune aufheben möchten, zumindest die Kluft der Anschlussgeschwindigkeiten – findet ausreichend Material und Argumentationshilfe, um Glasfaser in der Erde zu verbuddeln.

Nur wer hochbitig angeschlossen ist, kann teilhaben. Ohne Ausnahme in jedem Lebensbereich: Mobilität, Regierungsfähigkeit, Umweltschutz, Wirtschaft, Bildung, Lebensqualität. Und gesellschaftliche Teilhabe. Alles hängt am schnellen Netz. Ein Ignorieren ist nicht mehr möglich.

Wahltag – mein Buch erscheint

Ich darf ankündigen – mein Buch erscheint am 19. Juli 2017 im Wochenschau-Verlag: 

Das Foto zeigt ein Buchcover mit dem Titel Wahltag.

Wahltag

Über das Buch:

Demokratie lebt von Demokraten. Demokratie lebt von der Praxis. Wie sieht die aus, wenn sich eine unabhängige und parteilose Kandidatin in einen digitalen Wahlkampf um das höchste Amt in einer Stadt begibt, also Bürgermeisterin werden will? In einem neunmonatigen Wahlkampf tritt die Politikwissenschaftlerin an, graue Theorie in die Praxis umzusetzen. Sie nimmt den Leser mit auf und hinter die politische Bühne, beschreibt, was sie mit den lokalen Medien und im Gespräch mit den Bürgern auf der Straße erlebt hat. Ihr zentrales Thema ist der digitale Wandel in einer Stadtgesellschaft, der bereits heute alles auf den Kopf stellt. Kann man aber mit Digitalisierung Wahlen gewinnen? Die Antwort lautet: nicht gestern, nicht heute – morgen aber schon.

Freue mich auf Rückmeldungen dazu, freue mich auf Diskussionen, Kommentare – oder auch Einladungen zur Diskussion.

Offene Daten auch aus NGOs und Stiftungen

UPDATE vom 15. Juli 2017: In Österreich gibt es bereits mit Open Data Portal Österreich ein öffentliches Datenportal für Daten aus Wirtschaft, Kultur, NGO, Forschung und Zivilgesellschaft. Vorbildlich! Das befeuert die Diskussion in Deutschland nochmals. Öffnet die Aktenschränke! 

Open Data wirkt. Immer mehr öffentliche Daten (open data) gehen online. Immer mehr Nutzer schätzen diese Daten als Quelle für Neues, Innovatives, für Wertschöpfung – denn Ideen entstehen oft aus der Zusammensetzung von Daten oder deren Muster, die darin erkennbar sind. Immer mehr konkrete Anwendungen werden entwickelt, die aus der Theorie Praxis entstehen lassen und damit den Wert von Daten unterlegen. Beispiele finden sich etwa hier bei Code for Germany. Oder auch hier bei Blogger Wolfgang Ksoll aufgelistet. (dies im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.)

Das Foto zeigt zwei Schilder mit Zugang und Utopia.

Daten sind Macht

Wie sieht das aber mit weiteren Quellen aus, die ebenfalls Daten produzieren? Open Data ist nicht nur eine Frage öffentlicher Daten der Verwaltungen. Auch andere erheben Daten. Etwa gemeinnützige Stiftungen erheben Daten, die unter den Aspekt Open Data fallen (sollten): Daten werden mit steuerbegünstigten Geldern erhoben. Aus ihnen werden viele Studien erstellt, die Einfluss haben auf die gesellschaftliche und politische Entwicklung. Diese Datenrohsätze sind daher auch sehr aufschlussreich für Interessierte und Softwareentwickler und sollten unbedingt frei zugänglich sein. Oftmals werden längst nicht alle Ergebnisse dieser Erhebungen veröffentlicht. Brachliegende Nebenergebnisse aber könnten durchaus von Interesse sein – oder gar erst interessant. Vor allem in der Summe oder in der Kreuzung der Daten miteinander ergibt sich Neues. Auch ermöglicht eine Freigabe der Datensätze eine unterschiedliche Draufsicht auf Ergebnisse. Zudem liegen oft lange Zeitreihen vor, die in der Auswertung nochmals eigene Ergebnisse produzieren könnten. Ein wahrer Schatz also. 

Solange sie aber nur von wenigen gesehen werden, bleibt ihr Wert verborgen.

Das Foto zeigt Blumen unter Gittern.

Aufblühen

Ich habe dazu den Bonner OpenData-Experten DamianPaderta @paderta befragt, der auch im @CodeforBonn // Code for Bonn im Rahmen des Coding for Germany als Projekt der Open Knowledge Foundation mitwirkt. „Nutze deine Fähigkeiten, um deine Stadt zu verbessern“ – ist ihr Credo.

Was hälst Du von der Idee der Öffnung auch in Richtung Stiftungen?

Akteuren aus Zivilgesellschaft und Wirtschaft sollte von staatlicher Seite aus die Möglichkeit gegeben werden, ihre Daten auf Open Data Portalen der öffentlichen Hand zu stellen. Zentralität ist hier das Zauberwort. Gleichzeitig braucht es neben einem nationalen Open Data Portals durchaus verschiedene Kommunal- und Landesportale. Die technische Diversität und die verschiedenen Ansätze sollten weiterhin bestehen bleiben, um innerhalb des digitalen Ökosystems verschiedene „Mutationsformen“ auszuprobieren.

Ein nicht unerheblicher Aspekt wird von Paderta angesprochen, der der Auffindbarkeit:

Die erleichterte Auffindbarkeit von Daten, die Gewissheit dass es diese Dienste morgen noch gibt sowie die ökonomische Ersparnis für Nichtregierungsorganisationen (NGO) sind gute Argumente, um öffentlichen Portalen eigene Daten zur Verfügung zu stellen. Das ist viel sinnvoller als ein eigenes Portal anzubieten oder Daten auf einer versteckten Unterseite anzubieten.

Orte zum Einstellen dieser Daten finden sich ausreichend:

Mit Hilfe von GovData etwa – das Datenportal für Deutschland – sind 2016 über 18.000 offene Datensätze für Verwaltungen über ein zentrales Portal zugänglich – und für jeden Interessierten durchsuchbar und nutzbar. Daten werden ebenenübergreifend aus Kommunen, Ländern und Bundeseinrichtungen zentral verzeichnet und nach einem einheitlichen Schema beschrieben. Warum nicht auch mit Daten aus Stiftungen?

Noch umfassender – warum nicht auch Daten aus Wirtschaftsunternehmen hier einstellen? Damian Paderta dazu:

Für die Wirtschaft kann u.a. ein Anreiz dadurch entstehen, dass sie Daten als Open Data veröffentlichen, um Dritten Innovationen zu ermöglichen, die sie selber nicht im Stande sind zu leisten und zu einem späteren Zeitpunkt dennoch davon profitieren können. Der Staat kann sich tatsächlich als Plattform verstehen und diesen Dienst anbieten. Auf kommunaler Basis funktioniert diese Prinzip ja schon – siehe Bonn.

Das volkswirtschaftliche Potenzial von Open Data hat die Konrad Adenauer Stiftung ermittelt. Dr. Pencho Kuzev als Herausgeber schreibt dazu:

Der optimistische Bereich kann bis in die Höhe von 131,1 Mrd. EUR p.a. reichen. Dies bedeutet, Open Data als Kernkomponente einer nationalen Strategie für das 21. Jahrhundert zu positionieren und sein Potential für große gesellschaftliche Herausforderungen zu identifizieren und zu mobilisieren. Ein derartiger Plan ginge über die digitale Transformation hinaus: Es ginge darum, sich als Nation in Bezug auf den Aufbau eines nationalen offenen Ecosystems selbst herauszufordern und dadurch zur weltweit führende Open-Data-Nation zu werden.

(Im konservativen Fall ist ein Potential von 12,1 Mrd. EUR p.a. realistisch. Im ambitionierten Fall ist ein Potential von 43,1 Mrd. EUR p.a. realistisch.) Seite 10.

Auch in NRW gibt es das Landesportal OpenDataPortal #OpenNRW. Bei der Arbeit der Landesverwaltung entstehen jeden Tag eimerweise Daten rund um das Leben in Nordrhein-Westfalen. Die stellt die Landesregierung allen kostenfrei zur Verfügung. „Ein echter Schatz für Journalisten, Unternehmen, Wissenschaftler, Vereine und alle Menschen in NRW“ – so schreiben die Macher des Datenportals selbst.

Angesichts der großen Anzahl von Stiftungen in Deutschland, die allesamt zahlreiche Studien erheben und Daten produzieren, könnte hier ein enormer Datenschatz gehoben werden. Auf der Seite des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen finden sich Zahlen, demnach gibt es:

  • 21.806 rechtskräftige Stiftungen
  • 95 Prozent gemeinnützige Stiftungen
  • 100 Mrd. Euro geschätztes Vermögen deutscher Stiftungen

Auch der Bundesverband Deutscher Stiftungen hat übrigens ein Datenportal. Wunderbar, wenn diese Daten zu offenen Daten würden und ihren Weg in die offenen Datenportale auf Bundes- oder Landesebene fänden. Gleiches gilt für Wirtschaftsunternehmen, die sich ihrerseits Gedanken machen müssten, welche Daten zur gesellschaftlichen Wertschöpfung beitragen könnten.

Wir wissen nämlich: Wissen ist das einzige Gut, welches mehr wird, wenn man es teilt. (Marie Ebner-Eschenbach)

Hästi tehtud Estonia -aitäh

Estland – die einen feiern es als das Gelobte Land. Die anderen kennen es nicht oder wollen es nicht zur Kenntnis nehmen. Weil es spitze ist, was Digitalisierung angeht. Estland ist topp in Europa. Heute erhielt der ehemalige estnische Staatspräsident Toomas Hendrik Ilves @IlvesToomas den Reinhard Mohn Preis 2017 unter dem Motto #SmartCountry – vernetzt. intelligent.digital. Ilves wurde als Vordenker und Antreiber der Digitalisierung in Regierung, Verwaltung und Bildung im Theater zu Gütersloh geehrt. Seine Rede (klasse!!) ist leider noch nicht online. Das wäre was für die Gute_Nacht_Lektüre vieler Nachtschränke.

Das Foto zeigt Toomas Ilves.

Visionär und Macher

Ich konnte mir selbst ein Bild von Estland verschaffen. Siehe hier zwei Beiträge: Digitales Leben in Estland // Daten können Leben retten.

Gratulation an Herrn Ilves. Gratulation an Estland. Hästi tehtud Estonia.