Glasfaser ist Zukunft

Die digitale Infrastruktur ist der Standortfaktor Nr. 1. Wer künftig kein Glasfaser in seiner kommunalen Erde flächendeckend verlegt hat, wird dieses Versäumnis kaum mehr aufholen.

Die BiTel hatte in der letzten Woche ihren Geschäftsbericht für Gütersloh vorgestellt. (leider nicht online) Gütersloh ist meine Heimatstadt – und zudem der Ort, der demnächst in weiten Teilen des Stadtgebietes vom schnellen Netz der Zukunft abgekoppelt sein wird.

ohne Worte

ohne Worte

Hier mein Leserbrief dazu: (vielleicht veröffentlicht ihn auch die Lokalzeitung)

Die BiTel sieht sich vor einem guten Geschäftsergebnis. Das erfreut. Was nicht zu lesen ist: sie unterliegt einer Wettbewerbsverzerrung, die sich insgesamt schädlich für Gütersloh auswirken wird.

Die Telekom hat sich den Löwenanteil der Versorgung mit angeblich schnellem Internet in Gütersloh gesichert. Der Grund ist nicht etwa Qualität oder Cleverness. Es ist bedingt durch ein wettbewerbshinderliches Vergabeverfahren durch die Bundesnetzagentur. Damit liefert man einem ehemaligen staatlichen Monopolisten den größten Teil des Zukunftskuchens Freihaus auf den Teller. Die Telekom verwendet bei ihrem Vectoring-Ausbau veraltete Kupferkabel und verhindert damit den Ausbau von zukunftsfähiger Glasfaser, wie etwa die BiTel es verbaut. Dem Wettbewerber am Markt, eben wie die BiTel ein solcher ist, bleiben nur Küchenkrümel übrig. Will zudem ein Kunde der BiTel ebenfalls schnelleres Netz, muss er bisher den Anbieter wechseln, etwa zur Telekom, da die BiTel bisher kein Vorleistungsprodukt, welches ihr die Telekom einräumen müsste, anbieten kann. Weil die Telekom das zwar versprochen hat, aber bis jetzt nicht hält.

Was auf den ersten Blick aussieht, als wollte ich Werbung für die BiTel machen, entpuppt sich auf den zweiten Blick als regelrechter Standortnachteil für einen Großteil der Stadtgebiete in Gütersloh. Glasfaser ist die Zukunft. Das ist mittlerweile eine Binsenweisheit, die selbst die großen Wirtschaftsverbände auf den Plan ruft, die gegen das Technologiemonopol der Telekom protestieren.

Wer als Einwohner der Stadt in seinem Stadtviertel eine digitale Infrastruktur mit Glasfaser vorfindet, hat künftig klare Vorteile: Viele werden dorthin ziehen wollen, wo gutes Netz ist, die Immobilienpreise werden steigen, die Arbeitsbedingungen für neue Arbeitsformen wie Arbeit4.0 werden dort hervorragend sein. Glasfaser ist eine Technologie faktisch ohne Beschränkungen hinsichtlich der zu transportierenden Datenmengen. Es ist eine Zukunftstechnologie mit Vorteilen sowohl für den Wohn-, Wirtschafts- und Bildungsstandort in der Stadt. Der Großteil der Bevölkerung aber wird mit der antiquarischen Technik der Telekom zu kämpfen haben, welche schon in wenigen Jahren ihre Leistungsfähigkeit eingebüßt hat. Auf dem Weg in die Gigabit-Gesellschaft bleibt Gütersloh abgeschnitten. Leider ist das immer noch ein Nischenthema in Gütersloh. Leider vertrauen die kommunalen Entscheider weiterhin darauf, dass ein Ex-Monopolist es richten wird. Leider interessieren sich auch die in den Startlöchern stehenden Bewerber für das Bundestagsmandat für den Wahlkreis Gütersloh nicht so richtig für eine digitale Infrastruktur. Wir bleiben auf der untersten Stufe der Möglichkeiten. Trotz der guten Geschäfte der BiTel müssten daher die Alarmglocken der Entscheider losgehen: Wie schaffen sie künftig die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse, wenn die wenigen Kunden der BiTel schnelles Netz haben aber ein Großteil der Bevölkerung nur noch im Schneckentempo Internet nutzen kann? Es wäre Zeit für intelligentes Ausloten, wie man hier den Anschluss behält. Trotz der Telekomhoheit. Dass es möglich ist, zeigen viele andere kommunale Beispiele.

Glasfaserausbau – nichts für Feiglinge

Gerade habe ich als Referentin auf einem Podium mal wieder missioniert, wie wichtig Glasfaser für Deutschland ist.

Das Foto zeigt Glasfaserrohre.

Das Netz macht den Unterschied.

Diesmal war ich auf der Glasfasermesse der BREKO in Frankfurt eingeladen. Mir ist nochmal deutlich geworden, welche Möglichkeiten angesichts der vielen kommunalen Anbieter wir eigentlich hätten, Deutschland flächendeckend mit zukunftsfähigem Glasfaser auszustatten. Leider, leider lässt sich das Land durch mehrere Faktoren lähmen.

  • Lähmen durch die Bundesnetzagentur, die der Deutschen Telekom gerade ohne Not eine Art Vectoring-Monopol im Nahbereich gewährt hat.
  • Lähmen durch die daraus entstehende Versäumnis, das Kreativpotenzial der kommunalen Anbieter und Wettbewerber abzurufen.
  • Lähmen durch Bund und Land, die hier kein nachhaltiges Konzept der Daseinsvorsorge ausgerufen haben.
  • Lähmen durch Entscheider in Kommunen und Regionen, die die Tragweite dieser Möglichkeiten nicht sehen – und daher nicht in die Zukunft investieren.

In dieser Woche erschien zudem ein wunderbarer Artikel von Jens Thaele in der Huffington Post mit dem schönen Titel „Spiel mir das Lied vom Breitbandtot“. Wunderbar auf den Punkt gebracht. Mein Kommentar dazu lautet, dass diese Tat leider ohne Bestrafung bleibt. Wenn die Folgen dieser fatalen Fehlentscheidung für den Einsatz von Vectoring wirksam werden, sind die Entscheider längst in Rente. Die digitale Transformation wird so jedenfalls nicht gelingen.

Hier mal ein paar konkrete Orte, an denen fleißig gebaut und verändert wird. Nur leider immer über der Erde. An eine zukunftsfähige digitale Infrastruktur wird leider nicht gedacht:

Und hier ein kleiner Einblick in eine typische Siedlung aus den 50er Jahren. Diese Ortsteile gibt es in jeder Kommune. Gleiches Spiel überall: Wir erleben gerade hier den Generationenwechsel. Noch sind die Immobilienpreise dieser Quartiere recht hoch. Das wird sich ändern, wenn den jungen neuen Eigentümern klar wird, wie langsam das Netz dort ist. Braucht man schon allein für das Internetfernsehen ein schnelles Netz, sind diese Ortsteile künftig abgehängt. Wie soll das gehen, wenn weitere Anwendungen hinzukommen: SmartHome, smartGrid? Übrigens brauche ich selbst für das Hochladen meiner Videobeiträge in der Länge von rd. 1:30 ganze 35 Minuten. Ohne diese künftige moderne Infrastruktur werden die Preise purzeln.

Digitale Anschlussfähigkeit braucht Kreativität und Ideen.

Wer als Kommune heute an den Ausbau geht, sollte auch kein Feigling sein und sich hinter Ausreden wie „Telekom macht das schon“ und dergleichen verstecken. Es braucht Grips trotz dieser Einschränkungen zum Ziel zu kommen. Um ausreichend Nachfrage für den Siedlungsausbau zu generiren, reicht allein der Blick auf die zivilen Konsumenten nicht. An erster Stelle müsste die öffentliche Hand loslegen und sich als Nutzer positionieren, denn in jedem Quartier finden sich Schulen, Kitas, Turnhallen, Bürgertreffpunkte, Jugendheime, die ebenfalls einen schnellen Zugang zum Netz brauchen, wenn sie zukunftsfähig sein wollen. Alles öffentliche Orte also, die zudem Nachfrage generieren. Einen weiteren guten Tipp habe ich auch noch vom Bürgermeister aus Geseke/NRW Dr. Remco van der Velden mitbekommen: Auch die Sparkassen sollten als Nachfrager angesprochen werden. Sie halten ihre Geldautomaten vor, die brauchen ebenfalls schnelles Netz. Und so steht die Finanzierung schon mal auf einem guten Bein. Smart City mit all seinen Vorteilen für die Menschen rückt so ein Stück näher.

Die digitale Region

Bayerisches Breitbandforum 2015 – Die digitale Region

In der letzten Woche war ich als Referentin zu Gast auf dem Bayrischen Breitbandforum. Tagungsort war die Stadthalle in Neusäß, wenige Kilometer in der Nachbarschaft von Augsburg gelegen. Eingeladen hatte die Bayerische GemeindeZeitung unter dem Motto „Die digitale Region“.

Das Foto zeigt Teilnehmer an einer Diskussionsrunde zu Breitbandversorgung in der digitalen Region.

Diskussion zur digitalen Region

Während meine Mitdiskutanten eher die technischen und finanzpolitischen Aspekte beleuchteten, war mein Part, den Gedanken von #SmartCountry zu erläutern. DasProgramm mit allen Beteiligten findet sich übrigens hier.

// SmartCountry 

“Was ist denn SmartCountry und was machen Sie als Stiftung in dem Feld?”, fragte Christian Sachsinger vom Bayrischen Rundfunk. Eine schnelle erste Antwort darauf lautet: Die Bereitstellung von “schnellem Internet” ist eine zentrale Aufgabe der Daseinsvorsorge. Und aus dem Wegweiser Kommune heraus ist es uns ein Anliegen, den kommunalen Entscheidern Handlungsempfehlungen an die Hand zu geben, wie sie ihre Kommune zukunftsfähig aufstellen können, um die Daseinsvorsorge der Menschen zu gewährleisten. Ein zentraler Aspekt dabei ist mittlerweile die Versorgung mit schnellem Internet als künftige zentrale Lebensader. Es ist daher grundsätzlich eine kommunale Aufgabe der politischen Entscheider, diese Versorgung sicherzustellen und auch die Fragen der Finanzierung in den Blick zu nehmen sowie die rechtlichen Fragen zu klären. SmartCountry bedeutet an der Stelle: auch den ländlichen Raum so mit digitalem Zugang zu versorgen, dass diese Regionen weiterhin umfassend am Leben teilhaben können.

// Bevölkerung 2030

Wir knüpfen hier an unsere Bevölkerungsvorausberechnung für 2030 an, die wir in diesem Sommer veröffentlicht haben. Diese zeigt “bundeslandkonkret”, wie sich die Bevölkerung verändert.

Wichtige Ergebnisse waren hier:

  • der demographische Wandel verstärkt die Unterschiede zwischen Stadt und Land.
  • Deutschlands Bevölkerungsstruktur wird sich in den kommenden Jahren spürbar verändern.
  • Das Durchschnittsalter steigt.
  • Der Pflegebedarf nimmt zu.
  • Während die Städte eher wachsen, dünnt der ländliche Raum weiter aus.
  • Die Kommunen stellt das vor ganz unterschiedliche Herausforderungen.

// Digital ist Zukunft 

Aus dieser Situationsbeschreibung heraus wird klar: der ländliche Raum muss ans schnelle Netz, um die digitalen Möglichkeiten für sich überhaupt in den Blick zu nehmen. Ziel dabei ist: zukunftsfähig zu bleiben, ein Lebens-, Wohn- und Arbeitsraum zu bleiben, künftig auch Chancen umzusetzen, die sich aus den neuen Lebensformen überhaupt erst noch ergeben werden. (Hier sei kurz auf Arbeit 4.0 hingewiesen oder auch auf das zunehmende digitale “Fernsehen”.)

Diese digitale Infrastruktur wird von Bundesland zu Bundesland und auch von Kommunen zu Kommune unterschiedlich angelegt. Dabei ist die Diskussion über eine moderne und zukunftsfähige Infrastruktur mit digitaler Technik in den Kommunen gerade erst erwacht, erreicht aber die Kommunen in Deutschland schon mit aller Wucht. Viele Kommunalpolitiker machen sich jetzt auf den Weg und informieren sich über ihre Möglichkeiten – und vor allem über die Notwendigkeit, den Anschluss nicht zu verpassen.

Das Bild zeigt Glasfaser.

nichts ist schneller als Licht

Obwohl die Versorgung regional sehr unterschiedlich ausfällt, ist allen Beteiligten klar: Nur ein flächendeckender hochbitratiger Breitbandanschluss ist zukunftsfähig und ist bereits jetzt ein echter Standortfaktor. Viele Menschen, viele Unternehmen fragen, wenn sie sich niederlassen wollen, bereits heute als erstes, wie gut die Internetversorgung aussieht. Ist die schlecht, bleibt die nächste Generation diesen Orten der weißen Flecken fern.

// Kein 2-Klassen-Netz

Die Anstrengung der Bundesregierung, bis 2018 flächendeckend ein schnelles Netz zu ermöglichen, ist bisher lediglich eine Ankündigung. Wie die Bemühungen im Einzelfall in der Realität aussehen, unterscheidet sich wie gesagt in ganz Deutschland. In Bayern wähnt man sich schon recht weit. Die Gefahr liegt aber auf der Hand, dass es schnell zu einer Zwei-Klassen-Versorgung kommen kann: hier langsames Netz, dort schnelles Netz, weil sich unterschiedliche Versorger mit unterschiedlichen Konzepten ans Werk machen. Dabei ist schon jetzt absehbar, dass die geplante Mindesversorgung mit 50 mbit schon in drei bis fünf Jahren nicht mehr ausreichen wird. Der Datenhunger in der Gesellschaft wächst nachweislich exponentiell.

//Demographie und Digitales

In meinem Beitrag habe ich kurz die Möglichkeiten der Breitbandnutzung skizziert, die alle Lebensbereiche umfassen: ein wichtiger Baustein aus der Sicht der Demographie ist hier etwa die Pflege, die künftig durch digitale Hilfsmittel ermöglicht wird. Ich habe von Roboter “Flobi” und von “Kogni Home” berichtet, also von einem mitdenkenden Zuhause, welches durch künstliche Intelligenz so ausgestattet ist, dass es multiple erkrankten Älteren ein längeres Verbleiben zuhause ermöglicht.

Dem Publikum in Bayern war der demographische Faktor geläufig: auch in Bayern wachsen die großen Städte, der ländliche Raum dünnt aus. 2030 wird die Stadt Bad Füssing die Stadt mit den ältesten Einwohnern sein, so sagt es unsere Prognose. Die Beschreibung von Flobi und Co. als digitale Ideen für die Gestaltung des demographischen Wandels fielen also auf fruchtbaren Boden.

// Nicht ohne…

Die zahlreichen Vertreter der Kommunen fühlten sich übrigens deutlich abgeholt, als der Sprecher des Brekoverbandes Dr. Stephan Albers betonte, ein Erfolgskriterium für eine gute Versorgung mit Breitband laute: “Nicht ohne meinen Bürgermeister”. Das heißt: diese Entscheidung über eine zukunftsfähige Breitbandversorgung muss Chefsache sein – oder werden.

Der Moderator fragte mich daraufhin: Warum die Bürgermeister sich gerade jetzt mit dem Thema befassen müssten. Meine Antwort war ziemlich konkret: “Weil die Bürgermeister jetzt grad die Schüppe in der Hand halten und darüber entscheiden, ob und wie gut die Kommunen künftig mit High-Speed-Internet versorgt sein werden. Sie werden sich noch in zehn Jahren daran messen lassen müssen, ob sie heute die richtige Entscheidung getroffen haben oder nicht.” Auch wenn hier viel Investition unter der Erde verschwindet, ist es richtig, hierin zu investieren.

// Licht war damals, heute ist es Netz 

Vor hundert Jahren haben viele Stadtväter auch dafür entschieden, sich ans elektrische Licht anschließen zu lassen und haben für eine gute Grundlagen-Infrastruktur in den Städten gesorgt. Damals wusste man noch nicht viel mehr mit Licht anzufangen als Schalter für Lampen ein- und auszustellen. Die Möglichkeiten für Strom haben sich erst durch die Zeit ergeben. Gleiches gilt heute fürs Netz: je besser die Ausstattung, desto mehr Möglichkeiten kann man für sich nutzen. Auch im SmartCountry, also im ländlichen Raum, der an diese  digitale Ader angeschlossen ist. Die Grundlage dafür wird jetzt geschaffen. Die Ideen kommen dann einen Augenblick später, aber sie kommen – und das macht SmartCountry aus.

Dieser Blogpost steht in der Form auch auf dem Blog Wegweiser Kommune.

Glasfaser für den Datenhunger

Als Initiative Demokratie wagen haben wir einen neuen Antrag zur Versorgung mit Glasfaser in Gütersloh gestellt.

Das Foto zeigt ein Rohr mit Glasfaser.

Nichts ist schneller als Licht.

Unsere Pressemitteilung dazu, die ich hier gerne aufnehme – sie findet sich aber genau so auf der Seite von „Demokratie wagen“. 

Schnelles Internet ist in aller Munde. In Gütersloh sorgt dafür zurzeit die Telekom, indem sie ihre bestehende Netzverkabelung auf Kupferbasis auf eine höhere Geschwindigkeit trimmt. So will sie ihre veraltete Technik noch ein paar Jahre über die Zeit retten. Die Kritik an diesem Vorgehen brandet zurzeit bundesweit auf.

Für die neuen Gewerbegebiete, die am Flughafen, bei den Mansergh Barracks und Am Hüttenbrink entstehen werden, hat die Initiative Demokratie wagen! nun den Bürgerantrag gestellt, ein echtes High Speed Internet basierend auf Glasfasertechnik zu installieren, das in kommunaler Trägerschaft verbleibt. Dazu soll die Stadt Gütersloh die Leerrohre verlegen, mit Glasfasertechnik bis in jedes Gebäude bestücken und das Netz in eigener Regie, bzw. in Kooperation mit regionalen Anbietern betreiben. So will die Initiative dafür sorgen, dass von vornherein in diesen Gebieten eine nachhaltige, zukunftsfähige Internettechnologie zum Einsatz kommt. Diese ermöglicht dann gleichzeitig auch einen fairen Wettbewerb der Telekommunikationsanbieter. Bisher gibt es diesen nämlich mit der Technik der Telekom nicht, da hier andere Anbieter auf Grund technischer Gegebenheiten explizit ausgeschlossen werden, eine Verengung des Wettbewerbs, der zu Lasten der Kunden gehen wird.

Einen ähnlichen Antrag auf eine Versorgung mit zukunftsfähiger Glasfasertechnik hatte die Initiative bereits 2014 für das gesamte Stadtgebiet gestellt. Jedoch konnten sich Rat und Verwaltung nicht dazu entschließen, dies auch umzusetzen. Die Telekom hat dann selbst das Heft in die Hand genommen und den Breitbandausbau nach ihren eigenen Vorstellungen begonnen, der unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten erfolgt, aber nicht nachhaltig ist. So ist bereits heute absehbar, dass in spätestens drei bis fünf Jahren erneut hohe Kosten auf die Stadt zukommen, die dann diese Lücke in der Versorgung ausgleichen muss, um die Teilhabe aller Gütersloher gewährleisten zu können. Sonst entsteht auf Dauer eine Zweiklassen-Versorgung: schnelles Netz hier, langsames Netz dort.

Schnelles Internet trotz Telekom

Dieser Post enthält:

  • Breitbandausbau – Förderung der Bundesrepublik
  • Windhundbieterei und Ausbau mit alter Technik durch Telekom
  • Kommunale Auswirkungen in der Praxis
  • Verschlafen der Digitalisierung durch die deutsche Wirtschaft

# Geld fließt 

Die Bundesregierung investiert in den schnellen Internetausbau. Bisher unterversorgte Regionen sollen im Rahmen des Bundesförderprogramms für den Breitbandausbau gefördert werden. Bis 2018 sollten alle Haushalt mit mindestens 50 MBit/s flächendeckend ausgestattet sein. 2,7 Milliarden Euro Fördergelder sollen fließen.

Das Geld könnt aber in viel zu alte Technik fließen. In die der Telekom, die ihre Verzweiger mit Vectoring überbaut. Vectoring ist keine Zukunftstechnik, sondern die Überbrückung alter Kupferkabel, die so nur ein wenig schneller gemacht werden. Mehr nicht. Diese Technik ist endlich, wir sprechen von 3 bis 5 Jahre.

Das Foto zeigt einen Werbespruch der Telekom "Erleben, was verbindet."

Große Worte – großes Erwachen?

Noch ist umstritten, ob dieser Technik-Trick wirklich förderungswürdig ist – stoppen könnte die EU allein diese Zahlung, die eine solche Förderung wettbewerbsrechtlich kritisch sieht. Solange die Bundesregierung und die Telekom aber zusammen kuscheln, sieht es nach Förderung aus.

Zukunftsfähig wäre das Glasfaserkabel. Es ist nur teuerer. Um den internationalen Anschluss nicht zu verlieren, müsste es allerdings längst flächendeckend unter der Erde wirksam sein. Im Vergleich zu den OECD-Ländern hat Deutschland hier jedoch schon verloren:

Infografik: Glasfaser in Deutschland praktisch unbekannt | Statista

Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

# Was bedeutet das für Kommunen, für Gütersloh?

Nicht alle Kommunen werden gefördert. Kommunen, die bereits über ausreichendes Internet verfügung, kommen nicht in den Genuss. Das liegt u.a. auch an der Ausbaupraxis der Telekom, die blitzschnell überall dort „ausgebaut“ hat, wo es sich wirtschaftlich sofort rentiert. In den Fachkreisen nennt man das „Windhundprinzip“. Und das bedeutet, first comes, der Rest ist draußen.

Gütersloh war einer der Orte, in dem die Telekom dieses Prinzip angewendet hat. Damit gilt Gütersloh als „gut versorgt“. So gehen Chancen auf einen nachhaltigen und zukunftstragenden Ausbau vorbei. Sowohl das Breitbandbüro des Bundes als auch das des Landes NRW bestätigten Gütersloh bereits eine gute Versorgung. Der Grund liegt auf der Hand: wer schon einen Krümel hat, fragt erstmal nicht nach dem ganzen Brot. Auch das Breitbandportal der Stadt suggeriert diese Haltung der guten Versorgung. Dies wurde bereits im Forum Breitband in der Stadthalle postuliert, eine Veranstaltung, die eilig vom Stadtbaurat im Bürgermeisterwahlkampf einberufen wurde. Allerdings wird die Versorgung nicht dadurch besser, dass diese Behauptung der guten Versorgung leichtfertig immer wieder behauptet wird. Damit ist nur ein geringer Teil der Bevölkerung ruhig gestellt.

# Die Praxis konkret

Ich bin an einem schnellen Anschluss interessiert. Allein für ein ruckelfreies Fernsehen im Internet braucht man heute mindestens 18 mbit. Auf Anfrage beim örtlichen Anbieter GTelnet und BITelnet nach einer solchen Leistung müssen die leider verneinen. Da die Telekom alleinig die Verteiler nutzen darf und den Mitstreitern noch kein Angebot auf Mitnutzung (einfach ausgedrückt) unterbreitet hat (dies weder als Produkt noch als Zeithorizont, wann das sein könnte), können die regionalen Anbieter nicht mithalten. Das sichtbare Zeichen dieses eklatant ungerechten Wettbewerbs steht mit den überbauten Kabelverzweiger im herbstlichen Laub an den Straßen der Stadt – aufdringlich wahrnehmbar mit den magentaroten „Überzügen“:

Das Foto zeigt einen Telekom-Verteilerkasten mit dem magentaroten Überzug als Werbung.

mit alter Technik in die Zukunft

Der örtliche Anbieter erklärt nun: Auch wenn er das schnelle Netz seinen Kunden gerne anbieten würde – er könnte es nicht, weil die Telekom mit ihrem Ausbau damit auch das Recht auf Erstversorgung für sich reklamiert hat. Nur ein Anbieter kann mit Breitband versorgen. So hält die Telekom die Wettbewerber jetzt am langen Arm auf Abstand. Folge: will man trotzdem (oder als Arbeitnehmer ist es ja mittlerweile überlebenswichtig) ein schnelles Netz haben, muss man den Anbieter wechseln. Wohl oder übel müsste man Kunde bei der Telekom werden. Das erinnert an die Remonopolisierung durch die Hintertür.

Die Telekom führt bereits Listen für Anmeldungen. Im November soll es nach Aussage des Unternehmens losgehen mit dem schnellen Netz. Jeder, der ab Mitte November in den Genuss eines schnellen Netzes kommen möchte, muss sich voranmelden. Weil: auch die Haustechnik, also die Infrastruktur und die Hardware beim Kunden selbst müssen angepasst werden. Weil das kaum jemand selbst machen kann, fallen gleich auch noch rund 90 Euro für den Techniker an, der buchbar ist. Nicht nur die Netznutzung kostet, sondern gleich auch das Umrüsten. Das ist eine schwere Entscheidung. Umrüsten müssten zwar auch die Kunden der regionalen Anbieter, aber das können sie erst gar nicht, weil der ja nicht mal liefern kann.

Gleiches gilt für den Wettbewerber UnityMedia. Hier ist es allerdings noch komplizierter. Liegt hier kein Kabel in der entsprechenden Straße, muss man eine Anfrage nach Versorgung stellen. Das heißt: einreichen eines Lageplans des Hauses, dann ewig lange warten, bis schließlich ein Angebot im Briefkasten (!) landet. Die Erfahrungen zeigen, das die Kosten für einen Anschluss allein schon durch die Buddelei beim Kabellegen schwindelerregend hoch sind. Auch hier kann man nicht bei einem regionalen Anbieter bleiben, man muss wechseln.

Nebenbei bemerkt: vor rund zwei Jahren wurde unsere Straße gerade neu errichtet. Das Anliegen der Anlieger auf Mitverlegung von Glasfaser wurde nicht einmal beantwortet.

# Deutsche Wirtschaft verschläft Chancen

Nun kann man der Telekom nicht mal allein die Schuld für diese schlechte Politik in die Schuhe schieben. Auch die Wirtschaft trägt Verantwortung für diese retardierte Infrastruktur. Neue Studien häufen sich und belegen, dass die deutsche Wirtschaft den Anschluss an die Digitalisierung verschläft. Insbesondere auch die KMUs verlieren den Anschluss. Die Gründe dafür sind vielfältig. Ein zentraler aber ist: Die Führungselite in deutschen Unternehmen ist nicht fit für die Digitalisierung. Zentrale Aussage einer aktuellen Studie zeigt: 61 Prozent der Unternehmen verfügen nicht einmal über ein Strategiepapier, um die Digitalisierung konkret anzugehen. Deutschland hält bei der „Digitalen Agenda“ die rote Laterne. Größte Stolpersteine für die Umsetzung sind zu wenig Fachkräfte, Finanzierungslücken und Mängel bei der Aus- und Weiterbildung. Diese stammen aus der Drei-Länder-Studie „Digitale Agenda 2020“ von CSC (NYSE: CSC). Dazu wurden 500 Unternehmensentscheider in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt.

Gunnar Sohn beschreibt das als „Deutschlands digitale Bräsigkeit“

Kommunikation und Zusammenarbeit müssten sich gleichermaßen agil weiterentwickeln: Vernetzungsanalysen, Digital Needs, Einführung und Umsetzung digitaler Führung und Kultur, Implementierung neuer Kollaborationsplattformen. „Auf die liebenswertesten Gichtlinge des Managements warten in diesem Jahr einige Hausaufgaben.“

Seiner Forderung danach, dass alle Akteure aus Politik, Wissenschaft, Medien, Wirtschaft und Verbänden sich mit den Prinzipien und Chancen der digitalen Welt auseinandersetzen müssten, kann ich nur zustimmen. Das empfiehlt ebenfalls eine Studie von TNS-Infratest-Online-Befragung von 517 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Nur 25 Prozent der Wirtschaft nutzt schnelles Internet

Und dann kommt noch dieses Ergebnis obendrauf: Netzökonom Holger Schmidt schreibt in seinem Blog: „Erst ein Viertel der Unternehmen nutzt Internetverbindungen mit Geschwindigkeiten von 50 Mbit je Sekunde und mehr.(…) Im Fahrzeugbau, der Chemie- und Pharmaindustrie, den Finanzdienstleistungen sowie den Unternehmensdienstleistungen setzt nur jedes dritte Unternehmen Internetzugänge mit mehr als 50 Mbit je Sekunde ein, hat eine Repräsentativbefragung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter 4500 Unternehmen in Deutschland ergeben. Von der „Gigabit-Gesellschaft“ sind also auch die Unternehmen noch weit entfernt.“

Unternehmen der künftigen Wertschöpfung aber suchen sich dann Orte mit einer sehr schnellen Infrastruktur aus, um sich anzusiedeln. Da geht es dann um mehr als 50 Mbit, die sind dann nur noch ein Witz. Um konkurrenzfähig zu bleiben, muss sich also jede Kommune, jeder Politiker, jeder Unternehmer fragen: Wie steht es denn bei uns mit dem schnellen Netz? Und wenn die Antwort „schlecht“ heißt, muss man handeln. 

Eine Möglichkeit neben der Telekom ist: Die Kommunen könnten eine passive Infrastruktur wie Glasfaserleitungen betreiben und die anschließend an einen Netzbetreiber verpachten. Modelle dazu gibt es bereits. Und: man kann die auch in neuen Formen der Finanzierung aufbauen, etwa durch Genossenschaftsmodelle. 

Man muss es nur langsam anpacken. Der Datenhunger steigt exponentiell.