Schnelles Internet trotz Telekom

Dieser Post enthält:

  • Breitbandausbau – Förderung der Bundesrepublik
  • Windhundbieterei und Ausbau mit alter Technik durch Telekom
  • Kommunale Auswirkungen in der Praxis
  • Verschlafen der Digitalisierung durch die deutsche Wirtschaft

# Geld fließt 

Die Bundesregierung investiert in den schnellen Internetausbau. Bisher unterversorgte Regionen sollen im Rahmen des Bundesförderprogramms für den Breitbandausbau gefördert werden. Bis 2018 sollten alle Haushalt mit mindestens 50 MBit/s flächendeckend ausgestattet sein. 2,7 Milliarden Euro Fördergelder sollen fließen.

Das Geld könnt aber in viel zu alte Technik fließen. In die der Telekom, die ihre Verzweiger mit Vectoring überbaut. Vectoring ist keine Zukunftstechnik, sondern die Überbrückung alter Kupferkabel, die so nur ein wenig schneller gemacht werden. Mehr nicht. Diese Technik ist endlich, wir sprechen von 3 bis 5 Jahre.

Das Foto zeigt einen Werbespruch der Telekom "Erleben, was verbindet."

Große Worte – großes Erwachen?

Noch ist umstritten, ob dieser Technik-Trick wirklich förderungswürdig ist – stoppen könnte die EU allein diese Zahlung, die eine solche Förderung wettbewerbsrechtlich kritisch sieht. Solange die Bundesregierung und die Telekom aber zusammen kuscheln, sieht es nach Förderung aus.

Zukunftsfähig wäre das Glasfaserkabel. Es ist nur teuerer. Um den internationalen Anschluss nicht zu verlieren, müsste es allerdings längst flächendeckend unter der Erde wirksam sein. Im Vergleich zu den OECD-Ländern hat Deutschland hier jedoch schon verloren:

Infografik: Glasfaser in Deutschland praktisch unbekannt | Statista

Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

# Was bedeutet das für Kommunen, für Gütersloh?

Nicht alle Kommunen werden gefördert. Kommunen, die bereits über ausreichendes Internet verfügung, kommen nicht in den Genuss. Das liegt u.a. auch an der Ausbaupraxis der Telekom, die blitzschnell überall dort „ausgebaut“ hat, wo es sich wirtschaftlich sofort rentiert. In den Fachkreisen nennt man das „Windhundprinzip“. Und das bedeutet, first comes, der Rest ist draußen.

Gütersloh war einer der Orte, in dem die Telekom dieses Prinzip angewendet hat. Damit gilt Gütersloh als „gut versorgt“. So gehen Chancen auf einen nachhaltigen und zukunftstragenden Ausbau vorbei. Sowohl das Breitbandbüro des Bundes als auch das des Landes NRW bestätigten Gütersloh bereits eine gute Versorgung. Der Grund liegt auf der Hand: wer schon einen Krümel hat, fragt erstmal nicht nach dem ganzen Brot. Auch das Breitbandportal der Stadt suggeriert diese Haltung der guten Versorgung. Dies wurde bereits im Forum Breitband in der Stadthalle postuliert, eine Veranstaltung, die eilig vom Stadtbaurat im Bürgermeisterwahlkampf einberufen wurde. Allerdings wird die Versorgung nicht dadurch besser, dass diese Behauptung der guten Versorgung leichtfertig immer wieder behauptet wird. Damit ist nur ein geringer Teil der Bevölkerung ruhig gestellt.

# Die Praxis konkret

Ich bin an einem schnellen Anschluss interessiert. Allein für ein ruckelfreies Fernsehen im Internet braucht man heute mindestens 18 mbit. Auf Anfrage beim örtlichen Anbieter GTelnet und BITelnet nach einer solchen Leistung müssen die leider verneinen. Da die Telekom alleinig die Verteiler nutzen darf und den Mitstreitern noch kein Angebot auf Mitnutzung (einfach ausgedrückt) unterbreitet hat (dies weder als Produkt noch als Zeithorizont, wann das sein könnte), können die regionalen Anbieter nicht mithalten. Das sichtbare Zeichen dieses eklatant ungerechten Wettbewerbs steht mit den überbauten Kabelverzweiger im herbstlichen Laub an den Straßen der Stadt – aufdringlich wahrnehmbar mit den magentaroten „Überzügen“:

Das Foto zeigt einen Telekom-Verteilerkasten mit dem magentaroten Überzug als Werbung.

mit alter Technik in die Zukunft

Der örtliche Anbieter erklärt nun: Auch wenn er das schnelle Netz seinen Kunden gerne anbieten würde – er könnte es nicht, weil die Telekom mit ihrem Ausbau damit auch das Recht auf Erstversorgung für sich reklamiert hat. Nur ein Anbieter kann mit Breitband versorgen. So hält die Telekom die Wettbewerber jetzt am langen Arm auf Abstand. Folge: will man trotzdem (oder als Arbeitnehmer ist es ja mittlerweile überlebenswichtig) ein schnelles Netz haben, muss man den Anbieter wechseln. Wohl oder übel müsste man Kunde bei der Telekom werden. Das erinnert an die Remonopolisierung durch die Hintertür.

Die Telekom führt bereits Listen für Anmeldungen. Im November soll es nach Aussage des Unternehmens losgehen mit dem schnellen Netz. Jeder, der ab Mitte November in den Genuss eines schnellen Netzes kommen möchte, muss sich voranmelden. Weil: auch die Haustechnik, also die Infrastruktur und die Hardware beim Kunden selbst müssen angepasst werden. Weil das kaum jemand selbst machen kann, fallen gleich auch noch rund 90 Euro für den Techniker an, der buchbar ist. Nicht nur die Netznutzung kostet, sondern gleich auch das Umrüsten. Das ist eine schwere Entscheidung. Umrüsten müssten zwar auch die Kunden der regionalen Anbieter, aber das können sie erst gar nicht, weil der ja nicht mal liefern kann.

Gleiches gilt für den Wettbewerber UnityMedia. Hier ist es allerdings noch komplizierter. Liegt hier kein Kabel in der entsprechenden Straße, muss man eine Anfrage nach Versorgung stellen. Das heißt: einreichen eines Lageplans des Hauses, dann ewig lange warten, bis schließlich ein Angebot im Briefkasten (!) landet. Die Erfahrungen zeigen, das die Kosten für einen Anschluss allein schon durch die Buddelei beim Kabellegen schwindelerregend hoch sind. Auch hier kann man nicht bei einem regionalen Anbieter bleiben, man muss wechseln.

Nebenbei bemerkt: vor rund zwei Jahren wurde unsere Straße gerade neu errichtet. Das Anliegen der Anlieger auf Mitverlegung von Glasfaser wurde nicht einmal beantwortet.

# Deutsche Wirtschaft verschläft Chancen

Nun kann man der Telekom nicht mal allein die Schuld für diese schlechte Politik in die Schuhe schieben. Auch die Wirtschaft trägt Verantwortung für diese retardierte Infrastruktur. Neue Studien häufen sich und belegen, dass die deutsche Wirtschaft den Anschluss an die Digitalisierung verschläft. Insbesondere auch die KMUs verlieren den Anschluss. Die Gründe dafür sind vielfältig. Ein zentraler aber ist: Die Führungselite in deutschen Unternehmen ist nicht fit für die Digitalisierung. Zentrale Aussage einer aktuellen Studie zeigt: 61 Prozent der Unternehmen verfügen nicht einmal über ein Strategiepapier, um die Digitalisierung konkret anzugehen. Deutschland hält bei der „Digitalen Agenda“ die rote Laterne. Größte Stolpersteine für die Umsetzung sind zu wenig Fachkräfte, Finanzierungslücken und Mängel bei der Aus- und Weiterbildung. Diese stammen aus der Drei-Länder-Studie „Digitale Agenda 2020“ von CSC (NYSE: CSC). Dazu wurden 500 Unternehmensentscheider in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt.

Gunnar Sohn beschreibt das als „Deutschlands digitale Bräsigkeit“

Kommunikation und Zusammenarbeit müssten sich gleichermaßen agil weiterentwickeln: Vernetzungsanalysen, Digital Needs, Einführung und Umsetzung digitaler Führung und Kultur, Implementierung neuer Kollaborationsplattformen. „Auf die liebenswertesten Gichtlinge des Managements warten in diesem Jahr einige Hausaufgaben.“

Seiner Forderung danach, dass alle Akteure aus Politik, Wissenschaft, Medien, Wirtschaft und Verbänden sich mit den Prinzipien und Chancen der digitalen Welt auseinandersetzen müssten, kann ich nur zustimmen. Das empfiehlt ebenfalls eine Studie von TNS-Infratest-Online-Befragung von 517 Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Nur 25 Prozent der Wirtschaft nutzt schnelles Internet

Und dann kommt noch dieses Ergebnis obendrauf: Netzökonom Holger Schmidt schreibt in seinem Blog: „Erst ein Viertel der Unternehmen nutzt Internetverbindungen mit Geschwindigkeiten von 50 Mbit je Sekunde und mehr.(…) Im Fahrzeugbau, der Chemie- und Pharmaindustrie, den Finanzdienstleistungen sowie den Unternehmensdienstleistungen setzt nur jedes dritte Unternehmen Internetzugänge mit mehr als 50 Mbit je Sekunde ein, hat eine Repräsentativbefragung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) unter 4500 Unternehmen in Deutschland ergeben. Von der „Gigabit-Gesellschaft“ sind also auch die Unternehmen noch weit entfernt.“

Unternehmen der künftigen Wertschöpfung aber suchen sich dann Orte mit einer sehr schnellen Infrastruktur aus, um sich anzusiedeln. Da geht es dann um mehr als 50 Mbit, die sind dann nur noch ein Witz. Um konkurrenzfähig zu bleiben, muss sich also jede Kommune, jeder Politiker, jeder Unternehmer fragen: Wie steht es denn bei uns mit dem schnellen Netz? Und wenn die Antwort „schlecht“ heißt, muss man handeln. 

Eine Möglichkeit neben der Telekom ist: Die Kommunen könnten eine passive Infrastruktur wie Glasfaserleitungen betreiben und die anschließend an einen Netzbetreiber verpachten. Modelle dazu gibt es bereits. Und: man kann die auch in neuen Formen der Finanzierung aufbauen, etwa durch Genossenschaftsmodelle. 

Man muss es nur langsam anpacken. Der Datenhunger steigt exponentiell. 

Orthopädie statt Interesse

Das neue Werbekonzept der Stadt soll Ruhe ins Stadtbild bringen – und nach Möglichkeit auch Geld in die Kassen des Stadtsäckels.
Dabei führt es eher zu massiven Gesundheitsrisiken bei Betrachtern und Beschickern gleichermaßen:

Das Foto zeigt eine Werbetafel, die fast in den Bäumen hängt.

Werbung mit Nebenwirkungen

1. Schaut sich der Betrachter die Werbung zu lange an, läuft er Gefahr, einen steifen Nacken zu bekommen. Die Schilder hängen so hoch, dass sie die Blickrichtung gen Himmel ziehen und über den normalen Spannungsbogen des Nackens hinausreichen. Ein klarer Fall für den Orthopäden.

2. Ist der Betrachter zu lange mit dem Schauen und Lesen beschäftigt, läuft er Gefahr, gegen etwas zu stoßen oder über etwas zu stolpern, das er normalerweise in seiner Blickrichtung erfassen könnte, müsste er nicht nach oben schauen. Ein klarer Fall für den Krankenwagen.

3. Derjenige, der die Plakate anbringt, muss damit rechnen, dass er von der Leiter fällt. Denn ohne eine solche kann man die Plakate nicht anbringen. Es sei denn, man ist Aktionskünstler im Kletterbereich. Ein klarer Fall für die Radiologie.

4. Der Betrachter wird sich der Frage stellen müssen, ob er nicht doch eine Brille braucht – oder ob die Stärke der Brille noch ausreicht, um die Inhalte der Werbung noch lesen zu können. Ein klarer Fall für den Augenarzt.

Während allerorten Werbung spezifiziert, individualisiert wird, den konkreten Bedürfnissen der Menschen passgenau auf ihren mobilen Geräten direkt geliefert wird – macht die Stadt aus Werbung eines der kompliziertesten und gefährlichsten Unterfangen der letzten Jahre.

Die Ärzteschaft dürfte sich bedanken. Oder macht demnächst dort gleich selbst Werbung.

Neues Outfit für meinen Blog

Die Kandidatur zur Bürgermeisterin liegt hinter mir. Aus diesem Grund hatte ich diesen neuen Blog „Mehr für Gütersloh“ angefangen.

Aber: mein Blog bekommt in den nächsten Tagen ein neues Outfit.

Natürlich blogge ich weiterhin zu kommunalpolitischen Themen – aber der Radius wird größer. 

Das Foto zeigt Meer, Land und Wolken darüber.

dahinten ist schon Neuland

Auch meine zahlreichen Beiträge während des Wahlkampfes bleiben hier natürlich erhalten. Gleichzeitig schließe ich meinen Blog „Blickpunkt aus Gütersloh“, aber auch hier bleiben alle Blogposts bestehen. Immerhin finden sich dort knapp sechs Jahre kritische Jahre an Begleitung der Stadtpolitik Gütersloh sowie überörtlicher Kommunalthemen. Ich verlinke hier weiterhin auf die Chronik und das Archiv von Blickpunkt aus Gütersloh.

Alle Inhalte sind also weiterhin abrufbar.

Vielen Dank an die vielen Leser!

Ich hoffe, Ihr/Sie begleitet/begleiten mich weiterhin auf meiner Reise im Neuland.

Auf ein neues Kapitel im Neuland also!

Messerangriff auf Frau Reker nicht zu fassen!

Heute wurde die parteilose OB-Kandidatin Henriette Reker in Köln im Wahlkampf mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt. Auch vier weitere Menschen aus ihrem Team sind dabei sehr verletzt worden.

Die Nachricht kam heute sehr früh über den Ticker.

Frau Reker und die Mitstreiter seien alle außer Lebensgefahr, heißt es in vielen Medienquellen. Der Attentäter, ein 44-Jähriger Mann aus Köln-Nippes, soll rechtspolitische Motive gehabt haben. Er habe Reker mit den Worten angegriffen: „Ich habe das für uns alle getan.“

Fassungslos 

Ich bin fassungslos. Ich wünsche ihr und den weiteren Betroffenen alles Gute und eine schnelle Genesung. Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass dies nicht nur körperliche sondern auch seelische Narben bedeutet. Ich hoffe sehr, dass die Betroffenen das verarbeiten können.

Als jemand, der gerade selbst mit einem kleinen Wahlkampfteam den Kommunalwahlkampf hinter sich gebracht hat, kann ich sehr gut ermessen, was das heute bedeutet. Auch meine Mitstreiter von Demokratie wagen sind sehr betroffen.

Wir hatten uns selbst über dieses Thema in unserem Wahlkampf ausgetauscht und darüber gesprochen, wie man sich eigentlich schützen kann – und muss. Wir haben keine wirkliche Antwort darauf gefunden. Klar ist aber: ein öffentlicher Wahlkampf ist nicht immer nur stressfrei – es gab sie auch bei uns, diese Begegnungen und Situationen, die auch mir, die auch uns bedrohlich nahe kamen.

Mein Mitgefühl, unser Mitgefühl, gilt Frau Reker, den Betroffenen und ihrem Umfeld.

Was heißt das aber für den Einsatz von Menschen für den demokratischen Prozess in unserem Land.  Es ist nicht das erste Mal, das so etwas passiert. Es wird nicht das letzte Mal sein.

Zappenduster – City-Blackout

Gestern Abend gegen 22:25 war es plötzlich in der mittleren Gütersloher Berliner Straße zappenduster, also komplett dunkel. Blackout. Weder die Straßenbeleuchtung funktionierte noch waren die anliegenden Häuser und Wohnungen mit Strom versorgt. Wie ist eigentlich die Stadt auf so einen Blackout vorbereitet? Kat-Leuchttürme könnten künftig helfen.

Dunkelheit mit Mond

Aktuell betraf es diesmal nur die Innenstadt. Einzig Taschenlampen und die gute alte Kerze spendeten Licht – sofern sie denn vorhanden waren. Telefone sind dann auch tot, Kühlschränke werden warm, die Heizung geht aus…

Auch eine Folge: nicht nur die Citybewohner mussten diesen Ausfall erleiden. Auch die vielen Geschäftsinhaber waren informiert worden. Ohne Strom funktioniert keine Alarmanlage in den Geschäften. So fuhren viele der Kaufleute vor und sicherten die Türen nochmal grade selbst.

Was passiert eigentlich bei einem größeren Blackout in einer Stadt?

Ein Blick in die Notfallpläne der Regierung sind da sehr aufschlussreich. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe etwa gibt einen eigenen Ratgeber für Notfallvorsorge und richtiges Handeln in Notsituationen heraus. Den kann man sich hier downloaden.

Für den Fall eines Blackouts gibt es sogar eine ganze Fibel mit Informationen und Handlungsempfehlungen, die gerade erst im Mai 2015 herausgekommen ist. „Stromausfälle für längere Zeit sind auch in Deutschland möglich“, heißt es hier.

Eine zentrale Aussage ist: „Mit Hilfe eines batteriebetriebenen Radios oder auch des Rundfunkgerätes im Auto bleiben Sie über Informationen des behördlichen Krisenstabes und der Stromversorger auf dem Laufenden.“ Eine wichtige Information, denn ohne Strom funktioniert auch kein Smartphone.

Es gibt sogar eine persönliche Checkliste für diese Notfälle, die das Amt bereithält.

Mich interessiert, welche Auswirkungen so etwas auch für Gütersloh insgesamt hätte?

Auf dem Ausstellungsschiff „MS Wissenschaft“ des Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung gab es dieses Jahr verschiedene Exponate, die sich mit dem Thema „Stadt der Zukunft“ auseinander gesetzt haben. Ein Projekt hieß eben „Blackout – was nun?“

Eine Antwort auf einen kompletten Stromausfall in einer Stadt waren die sogenannten Kat Leuchttürme. Ein Projekt derBeuth Hochschule für Technik in Berlin. Zuständig ist der Fachbereich Informatik und Medien und dort das Fachgebiet Embedded Systems: „Im Projekt Kat-Leuchttürme wird ein Konzept für Anlaufstellen für die Bevölkerung im Krisenfall entwickelt. Dabei sollen ausgewählte Gebäude so ausgestattet werden, dass hier die nötigsten Hilfeleistungen erbracht oder von dort aus organisiert werden können. Weiterhin wird untersucht, wie die Bevölkerung als aktive Hilfeleistende in den Prozess des Krisen- und Katastrophenmanagements mit eingebunden werden kann. Damit die Anlaufstellen diese Funktion wahrnehmen können, müssen sie über einen längeren Zeitraum die Informations-, Kommunikations- und Versorgungsbedürfnisse der Bevölkerung gewährleisten. Im Projekt soll das Konzept exemplarisch für verschiedene Leuchtturmmodelle, wie zum Beispiel Feuerwachen, Krankenhäuser oder Bezirksämter, erarbeitet und getestet werden. Dabei werden neben der organisatorischen und technischen Realisierung auch die sozial-psychologischen Faktoren zur Einbindung der Bevölkerung sowie die rechtlichen Aspekte erforscht.“

Ein solches Projekt wäre sicher sinnvoll für jede Stadt. In der Regel hat jede Stadt zwar einen Notfallplan in der Schublade liegen – aber kennt auch die Bevölkerung die Mechanismen und die Möglichkeiten, die dann vorherrschen? Oder muss  man das nicht miteinander besprechen, sogar gemeinsam entwickeln – und auch einmal einüben? Denn im Notfall ist für Vorsorge und lange Erklärungen keine Zeit. Da geht es dann schnell um Menschenleben.

Interessant wäre so ein Ansatz also auch für die Stadt Gütersloh. Gerade eben haben wir erleben können, wie schnell der Strom auch mal weg sein kann. Auch in Deutschland. Auch hier.

OWL-Parteilose mit Chancen

Die Bürgermeisterwahl in NRW liegt hinter uns. In ein paar Tagen treten die neuen Meister ihr Amt an.

Ein Blick zurück zeigt aber einen neuen „alten“ Trend, der sich verfestigt: Parteilose Kandidaten sind im Kommen und schneiden auch jetzt recht gut ab. Offensichtlich gehören Parteilose zu einem festen Bestandteil der politischen Kultur.

Das Foto zeigt einen Hinweis auf ein Wahllokal.

Gewählt!

Nähern wir uns damit einer neuen Haltung an, wie sie etwa in Baden-Württemberg schon eher Tradition ist? Baden-Württemberg gilt als das Bundesland mit den meisten parteilosen Bürgermeistern. (Hier findet sich ein Vergleich von Jörg Bogumil aus dem Jahr 2005 dazu.)

OWL und ein parteiloser Gewinner der Bürgermeisterwahl

Ein Blick auf OWL zeigt: Die Ergebnisse der Parteilosen sind zumindest ernst zu nehmen, denn es gibt einen Sieger und viele gut Platzierte.

Der Bewerber aus der Stadt Kalletal, Mario Hecker, hat 52,0 Prozent erreicht und ist damit sogar im 1. Wahlgang gewählt.

OWL und „parteilose Verlierer“ der Bürgermeisterwahl

Stadt Minden, Jürgen Schnake, 10,74 Prozent. (Einwohner: rd.  82.300; Wahlbeteiligung: 36,2 Prozent)

Stadt Oerlinghausen, Dr. Ursula Herbort, 29,9 Prozent. (Einwohner: rd. 16.800, Wahlbeteiligung: 52,5 Prozent)

Stadt Kalletal, Elke Dalbke-Fohrmann, 17,00 Prozent. Einwohner: rd.  14.600 , Wahlbeteiligung 56,5 Prozent)

Bad Oeynhausen, Stefan Ott, 21,32 Prozent.

Bad Oeynhausen, Klaus Mueller-Zahlmann, 22,5 Prozent (Einwohner: rd. 48.500; Wahlbeteiligung: 32,1 Prozent nach Stichwahl)

Vlotho, Jürgen Koch, 5,7 Prozent. (Einwohner: rd. 19.400 ; Wahlbeteiligung: 49,6 Prozent)

Gütersloh, Alex Michel, 0,85 Prozent.

Gütersloh, Anke Knopp, 9,35 Prozent. (Einwohner: rund 96 T; Wahlbeteiligung Stichwahl: 31,8 Prozent)

Löhne, Guido Schumacher, 4,00 Prozent. (Einwohner: rund 40.200; Wahlbeteiligung: 42,3 Prozent)

Was bedeutet das? Sicher ein Indiz dafür, dass sich die traditionellen Parteien stärker öffnen müssen. Zudem sind die Parteilosen mit der politischen Maßgabe angetreten, mehr Bürgerbeteiligung zu etablieren und grundsätzlich unkonventioneller arbeiten zu können, dies im besten Sinn als eine neue Mischung aus politischem Vertreter und Verwaltungsmensch.

 OWL undparteilose Gewinner – aber…“ der Bürgermeisterwahl

Weitere parteilose Kandidaten waren auch erfolgreich, aber:  Bei ihrer Kandidatur besteht der gravierende Unterschied, dass sie zwar allesamt Parteilos sind – aber die örtlichen Parteien diese Kandidaturen unterstützt haben. Insgesamt hat das sehr gute Ergebnisse eingebracht, auch, wenn es sich um eher kleine Kommunen handelt.

Hier ein kurzer Überblick:

Marienmünster – Robert Klocke, Parteiunterstützung durch SPD, 57,3 Prozent, Wahlbeteiligung 62,6 Prozent, Einwohnerzahl 5.300.

Schieder-Schmalenberg, Jörg Bierwirth, Parteienunterstützung durch SPD, CDU, UWG und FDP, 89,0 Prozent, Wahlbeteiligung 49,00, Einwohnerzahl: rd. 9.000.

Nieheim, Rainer Vidal, Parteienunterstützung durch CDU, FDP, 68 Prozent. Wahlbeteiligung 45,8 Prozent, Einwohneranzahl: 6.600.

Bad Lippspringe, Andreas Bee, Parteiunterstützung durch SPD und UWG, 63,1 Prozent. Wahlbeteiligung 42,8 Prozent, Einwohneranzahl: 15.000.

Auf die weitere Entwicklung in dieser Richtung darf man gespannt sein. Übertragbar wäre dieses Modell auch auf künftige Wahlen und andere Ebenen, denn die Parteien haben immer größere Schwierigkeiten, überhaupt Menschen zu finden, die sich politisch engagieren wollen.