Lasst die digitalen Köpfe ran!

In meiner Heimatstadt vollzieht sich mit schöner Regelmäßigkeit folgendes digitale Trauerspiel – welches mich zu diesem Leserbrief veranlasste:

Die Grundschulen verpassen den Anschluss an den digitalen Wandel. Alle paar Jahre wieder ertönt ein Aufschrei (der Eltern), der Hektik (in Politik und Verwaltung) auslöst. Allein: Es passiert nichts.

Das Foto zeigt die Aufschrift. your story starts now.

Und Du musst den ersten Schritt machen…

Eltern wissen um die Notwendigkeit digitaler Kompetenz. Digitales Wissen erlangen ihre Kinder eher auf dem Pausenhof oder zuhause am Familienrechner. Eine Grundschulkarriere dauert vier Jahre. Ist der Schulwechsel absehbar und keimt die (fatale) Hoffnung auf, in der weiterführenden Schule würde sich dieses digitale Niemandsland in eine digitale Offenbarung verändern, verebbt der Protest. Bis sich die nächste Generation regt, dauert es wieder zwei Jahre. Das System der analogen Hilflosigkeit bleibt. Schließlich fehlt auch das, was Digitales in der Schule ermöglicht: die digitale Infrastruktur, also Fibre to the School. Und es fehlt der Wille, Geld zu investieren in etwas, das die Entscheider gar nicht kennen: Digitales.

Der Grund: Erreicht werden drei Zielgruppen und ihre Entscheider, die gar nicht in der Lage sind, digitale Konzepte für Schulen zu entwickeln. Die Politik: Mit einem Altersdurchschnitt von rund 55+ Jahren arbeitet der Rat noch mit Papier, der digitale Weckruf ist hier weitestgehend lautlos verhallt. Die Verwaltung: Gütersloh ist zwar Modellkommune für e-Government, aber längst keine digitale Verwaltung. Die Grundschulpädagoginnen: Es fehlt an Kompetenz der Nutzung digitaler Unterrichtsformate, die Beharrungskräfte an alter Stoffvermittlung sind enorm. Damit sind diese Akteure überfordert, denn Digitalisierung ist mehr als eine simple Frage der Technik, es ist ein Kulturwandel.

Fazit: Der Unmut bleibt in der Echoblase der überforderten analogen Theoretiker. Seit Jahren schafft keiner Abhilfe, weil die digitalen Köpfe als Entscheider fehlen. Wie diesen Kreislauf durchbrechen? Findet die digitalen Treiber in Politik, Verwaltung und Schulen, die bisher nicht gehört wurden. Gebt ihnen ein Budget und lasst sie machen! Das Internet selbst und die Technik des Netzwerkens helfen: es gibt Kommunen, es gibt Grundschulen, die längst auf dem Weg sind. Fragt, wie das geht! In Netzwerken lernt es sich hervorragend – das wissen schon die Kleinen durch You Tube – aber die fragt niemand.

Wir brauchen digitale Bildungsnetzwerke, ein schnelles Netz, einen Ort, an dem man sich trifft und Fragen stellt, Antworten hört, aus Fehlern lernt und gemeinsam loslegt. Die Schule einer digitalen Welt kann nicht analog sein. Wer die digitalen Köpfe und Treiber weiter in die hinteren Reihen verbannt, zieht der nächsten Generation den Stecker aus der Dose.

Ja - packe sie an!

Ja – packe sie an!

Weichen stellen für die Zukunft

Wenn man nicht nur den Blick auf #SmartCity richtet, ist man schnell bei #SmartCountry. Was ist das eigentlich – und welche Weichen müsste man denn stellen, um smart zu werden. Und noch viel interessanter die Frage: Warum sollte man das überhaupt wollen?

Das Foto zeigt die Referenten vom Panel SmartCountry

Photo: © Jan Voth Metropolitan Solutions 2016

Alles spannende Denkansätze, die wir auf der Metropolitan Solutions im City Cube zu Berlin diskutiert haben. Ich verlinke mal dazu, weil ich die Moderation für die Bertelsmann Stiftung zum Panel „SmartCountry – Teilhabe sichern“ übernommen habe.

Metropolitan Solutions – hier geht´s zu meinem Blogpost im Wegweiser Kommune der Bertelsmann Stiftung.

Glasfaserausbau – nichts für Feiglinge

Gerade habe ich als Referentin auf einem Podium mal wieder missioniert, wie wichtig Glasfaser für Deutschland ist.

Das Foto zeigt Glasfaserrohre.

Das Netz macht den Unterschied.

Diesmal war ich auf der Glasfasermesse der BREKO in Frankfurt eingeladen. Mir ist nochmal deutlich geworden, welche Möglichkeiten angesichts der vielen kommunalen Anbieter wir eigentlich hätten, Deutschland flächendeckend mit zukunftsfähigem Glasfaser auszustatten. Leider, leider lässt sich das Land durch mehrere Faktoren lähmen.

  • Lähmen durch die Bundesnetzagentur, die der Deutschen Telekom gerade ohne Not eine Art Vectoring-Monopol im Nahbereich gewährt hat.
  • Lähmen durch die daraus entstehende Versäumnis, das Kreativpotenzial der kommunalen Anbieter und Wettbewerber abzurufen.
  • Lähmen durch Bund und Land, die hier kein nachhaltiges Konzept der Daseinsvorsorge ausgerufen haben.
  • Lähmen durch Entscheider in Kommunen und Regionen, die die Tragweite dieser Möglichkeiten nicht sehen – und daher nicht in die Zukunft investieren.

In dieser Woche erschien zudem ein wunderbarer Artikel von Jens Thaele in der Huffington Post mit dem schönen Titel „Spiel mir das Lied vom Breitbandtot“. Wunderbar auf den Punkt gebracht. Mein Kommentar dazu lautet, dass diese Tat leider ohne Bestrafung bleibt. Wenn die Folgen dieser fatalen Fehlentscheidung für den Einsatz von Vectoring wirksam werden, sind die Entscheider längst in Rente. Die digitale Transformation wird so jedenfalls nicht gelingen.

Hier mal ein paar konkrete Orte, an denen fleißig gebaut und verändert wird. Nur leider immer über der Erde. An eine zukunftsfähige digitale Infrastruktur wird leider nicht gedacht:

Und hier ein kleiner Einblick in eine typische Siedlung aus den 50er Jahren. Diese Ortsteile gibt es in jeder Kommune. Gleiches Spiel überall: Wir erleben gerade hier den Generationenwechsel. Noch sind die Immobilienpreise dieser Quartiere recht hoch. Das wird sich ändern, wenn den jungen neuen Eigentümern klar wird, wie langsam das Netz dort ist. Braucht man schon allein für das Internetfernsehen ein schnelles Netz, sind diese Ortsteile künftig abgehängt. Wie soll das gehen, wenn weitere Anwendungen hinzukommen: SmartHome, smartGrid? Übrigens brauche ich selbst für das Hochladen meiner Videobeiträge in der Länge von rd. 1:30 ganze 35 Minuten. Ohne diese künftige moderne Infrastruktur werden die Preise purzeln.

Digitale Anschlussfähigkeit braucht Kreativität und Ideen.

Wer als Kommune heute an den Ausbau geht, sollte auch kein Feigling sein und sich hinter Ausreden wie „Telekom macht das schon“ und dergleichen verstecken. Es braucht Grips trotz dieser Einschränkungen zum Ziel zu kommen. Um ausreichend Nachfrage für den Siedlungsausbau zu generiren, reicht allein der Blick auf die zivilen Konsumenten nicht. An erster Stelle müsste die öffentliche Hand loslegen und sich als Nutzer positionieren, denn in jedem Quartier finden sich Schulen, Kitas, Turnhallen, Bürgertreffpunkte, Jugendheime, die ebenfalls einen schnellen Zugang zum Netz brauchen, wenn sie zukunftsfähig sein wollen. Alles öffentliche Orte also, die zudem Nachfrage generieren. Einen weiteren guten Tipp habe ich auch noch vom Bürgermeister aus Geseke/NRW Dr. Remco van der Velden mitbekommen: Auch die Sparkassen sollten als Nachfrager angesprochen werden. Sie halten ihre Geldautomaten vor, die brauchen ebenfalls schnelles Netz. Und so steht die Finanzierung schon mal auf einem guten Bein. Smart City mit all seinen Vorteilen für die Menschen rückt so ein Stück näher.

Gesichter faken leicht gemacht

Auf der Cebit stellten auch Behörden ihre aktuellen Themen aus. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung war mit acht Projekten vertreten.

Am spannendsten fand ich das Projekt „FeGeb“, welches an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg angesiedelt ist: „Fälschungserkennung für die Gesichtsbiometrie“.

Das Foto zeigt Masken und technisches Gerät zur Gesichtserkennung.

Gesichtserkennung

Automatische Gesichtserkennungssysteme könnten durch Masken oder durch Fotos getäuscht werden. Wie kann man sich davor schützen? Wie kann man Fakes, also künstliche oder verfälschte biometrische Veränderungen, erkennen? Ein aktives Nahinfrarot-Kamerasystem kann echte von unechter Haut unterscheiden. Egal, welches Alter oder welcher Hauttyp vorliegt. Ziel dieser Anwendung ist die Verbesserung der Sicherheit an Grenzübergängen, bei der Überwachung von Flughäfen und Großsportstätten und in allen weiteren Anwendungen, in denen Sicherheit über Gesichtserkennung zum Tragen kommt. Geforscht wird daran bereits seit drei Jahren.

Projektpartner sind übrigens u.a. das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik und Firmen, die in Sachen Sicherheit unterwegs sind. Am Infostand fand ich Roland Koch vor, der sich informieren ließ.

Das Foto zeigt Masken und technische Geräte diese zu erkennen.

Wie sicher sind Gesichter?

Die Forscher werden sich aus gegebenem Anlass daher sicher auch für dieses Novum interessieren: Es gibt einen Live Leak, wie man Gesichter künftig im laufenden Bild faken kann. Das Tape heißt „Real time Facial Reenactment“ – was so viel bedeutet wie: Nachstellung von Gesichtern in Echtzeit. Die Demo ist gemacht von Forschern der Uni Nürnberg, Max-Planck und Stanford.

So ist es möglich, Bewegtbildern in Echtzeit eine gänzlich andere Richtung zu geben, als sie dies in echt eigentlich waren. Man denke hier an die zahllosen Möglichkeiten zur Manipulation von Bildern zu politischem Führungspersonal.

Da ich das Video hier nicht einbetten kann, bleibt nur der Klick auf diesen Link, um einen Eindruck zu bekommen, was bereits möglich ist. Und wie unsicher man sich jetzt schon sein darf über Dinge, die echt sind oder ein Fake.

Ohne Kabel ist keine Stadt zu machen

Sich in fremder Umgebung zurechtzufinden, ist mittlerweile kein Problem mehr. Die Welt steckt in jedem Smartphone und die zahlreichen kleinen HelferleinApps meistern, den individuellen und schnellsten Weg von A nach B: Straßenverzeichnisse, Sehenswürdigkeiten, Öffentliche Mobilität, Koordinaten. Ein Mix an Möglichkeiten steht bereit. Eine der wichtigsten Apps wäre aber wohl mittlerweile die: Wo finden sich öffentliche Steckdosen zum Aufladen von mobilen Devices alles Art? Am besten gratis. Am besten aus regenerativer Energie. Am besten ohne Datenklau. Damit die kleinen mobilen Helfer funktionieren, braucht es Ladestationen.

Das Foto zeigt eine Grafik auf der CeBIT mit dem Hinweis auf Ladestationen für mobile Devices.

ohne Kabel läuft nix – Ladestationen für Cities

Auf der CeBit fand ich genau das ziemlich gut: eine kostenlose, freie Ladestation mit ausreichend Steckdosen und vielen Sitzgelegenheiten. Super gemacht. Wäre meiner Meinung nach auch auf jede Innenstadt zu übertragen. Sogar grün produzierbar. Voraussetzung ist natürlich die Datensicherheit, d.h. kein Hacking möglich, kein Datentransfer und keine Installation von Schadsoftware. Das geht.

Besonderes Augenmerk bekam das Thema nochmal im Rahmen der Hackathons „Refugees Welcome„: Hat man einmal begriffen, wie zentral und schier überlebenswichtig die mobile und globale Kommunikation im Leben der Menschen geworden ist, weiß man, wie wichtig eben auch Ladestationen sind, die man zu jeder Zeit ohne Bezahlung nutzen kann. Warum also nicht solche Ladestationen an zentralen Orten einrichten? Warum nicht auch dazu ein eigene App für die Cities basteln – oder sie in die City-Apps mit aufnehmen – wo diese Ladestationen sind? Smart Data nutzen für ein (smartes) Leben.

Smart Data als Schild auf der CeBIT.

Smart Data als Ziel

GT-Info – Mein Interview zur Kandidatur

 

Das Interview im Spaziergang. Ich habe den Mohns Park ausgewählt, weil mein Sohn dort das Fahrradfahren gelernt hat.

Markus Corsmeyer ist der Chefredakteur des GT-Info, Konrad Ohlson ist der Filmemacher.