Das goldene Rad – Spaß an Mobilität

Mobilität neu denken: das ist die Aufgabe für die Zukunft. Insbesondere die Zukunft für die Städte. Drei Beweggründe zwingen die Stadtgesellschaft dazu – der Klimawandel, die Belastung mit Feinstaub/Stickoxide und die Notwendigkeit, den Ressourcenbedarf zu verringern.

Heute war ich in Alkmaar, Niederlande. Eine Stadt, die vorlebt, wie umweltschonende Mobilität auch Spaß vermitteln kann:

Das Foto zeigt Fahrräder in den Niederlanden: in gold, mit Lastenkarre, mit Kindersitz.

Wo Mobilität offenbar Spaß macht

Wasserstraßen integrieren; Kindersitze auf dem Zweirad – so lernen schon die Kleinen, das Rad als Fortbewegung zu nutzen. Goldene Fahrräder als Sinnbild für eine edle Variante der Fortbewegung: das Selbstfahren mit Pedale. Das selbstgebaute Lastenrad. Hier eine Variante in lindgrün – sie begegnen einem in Holland in (fast) jeder Ausführung, auch tauglich, um zwei Kinder zu befördern, im Maxi Cosi und sitzend oder, um – ja, das sei jetzt mal erlaubt: Käse zu transportieren.

Schön, wenn dann solche Dinge dabei ein Umdenken anstoßen: Ein Kölner parkte sein Lastenfahrrad mitten auf der Straße, hängte ein Schild dran „Eben zum Bäcker“ – und nimmt damit die Autofahrer aufs Korn, die sich jahrzehntelang daran gewöhnt haben, Fußgängerwege und Fahrradwege zuzuparken.

IOT in Bürgerhand

Heute einfach nochmal meine Lieblingsgeschichte aus Bristol:

Bristol in #GB ist eine #SmartCity.

Das Foto zeigt ein gutes Beispiel für SmartCity Bristol, und das spielen mit IOT.

Spielen mit IOT

Bristol vernetzt viele Dinge, die sonst einfach nur ein Ding geblieben wären: Straßenlaternen spenden nicht nur Licht. Sie sammeln auch Daten, etwa zum Wetter, zur Bewegung von Mensch und Tier, die unter ihr hermarschieren. Diese Daten wandern in eine Datenbank, die Dinge miteinander vernetzt, miteinander „sprechen“ lässt, also Informationen austauscht und damit intelligent macht. Warum soll die Lampe scheinen, wenn kein Mensch ihr Licht nutzt – außer Hase und Igel in der Nacht? Geldverschwendung. Stromverschwendung. Braucht man nicht, wenn man intelligent Ressourcen einsparen will und damit der Umwelt hilft. Sie könnte sich selbst ausschalten, wenn kein Mensch sie braucht.

Um den Umgang mit Sensoren in der Bevölkerung einzuüben und die Menschen sensibel zu machen, für das, wie sich ihre Umwelt von einem „Ding“ zu einem „interaktiven System“ mit dem Können zur Kommunikation verändert, spielt die Stadt. Sensoren werfen Lichtreflexe auf die Straße. Kleine virtuelle Vöglein oder auch Lichtkegel tauchen auf im öffentlichen Raum, auf Straßen und Plätzen. Menschen zeigen sich irritiert. Woher kommt das? Wer lässt diese Reflexe entstehen? Wozu ist das gut?

Es dauert nicht lange und Menschen treten in Aktion, mit dem Ungewöhnlichen in ihrer Stadt. Sie „fangen“ die Lichtwesen, sie tanzen in den Lichtkegeln. Sie sprechen miteinander. Stellen sich Fragen, zeigen ihre Verwunderung. Sie sind Teil des „Internet of Things“ – also dem Internet der Dinge. Sie machen es zum Internet von Allem. In tollem neuen Englischsprech heißt das „Internet of Everything“. Alles ist künftig miteinander verbunden: Mensch-Maschine-Maschine-Mensch.

Bristol gelingt es, seine Bevölkerung mitzunehmen auf dem Weg der Digitalisierung. Diskurse in Gang zu setzen. Das ist gut und notwendig. Nur so entsteht Bewegung. Bewegung etwa, wenn künftig die Mülleimer im Stadtgebiet mit Sensoren ausgestattet werden. Die Leerung findet nur noch dann statt, wenn die Sensoren signalisieren: ich bin voll. Der städtische Müllwagen fährt los, wenn es sein muss und wenn eine intelligente Route errechnet wird, wo und wie viele Mülleimer zu leeren sind. Warum das alles? Weil es dazu beiträgt, Rohstoffe zu sparen oder die Umwelt zu schonen: Sprit, Luftverschmutzung. Wir leben auf Kosten der nächsten Generation. Wir brauchen künstliche Intelligenz, um diesen hohen Standard zu halten aber nicht weiter Raubbau zu betreiben.

So simpel ist manchmal IOT. So komplex aber bleiben die Herausforderungen.

Makerspaces als Treiber für SmartCity

Getüftelt wurde schon immer. Selbst gebaut ebenso. Gestern wie heute. Früher fand das im Hobbykeller statt, heute sind neue kreative Orte entstanden, an denen gebastelt und gewerkelt werden kann: die Makerspaces. Die Möglichkeiten des Digitalen schaffen dabei ganz neue Komponenten.

Das Foto zeigt einen Makerspace auf dem CCC-Kongress in HH.

Vorreiter der Makerspace-Szene

Kreative im digitalen Hobbykeller der Zukunft 

Makerspaces sind offene Räume, in denen Menschen zusammen kommen, die entwickeln, produzieren, reparieren und einfach nur ausprobieren. Hier entstehen neue Produkte und Ideen, kreativ und im Selbstbau – und zwar unter der Zuhilfenahme von neuen Werkzeugen wie 3D-Drucker, Vinyl Cutter, Laser-Cutter, Apps und so weiter. Die neuen Kreativen aus der Do-it-yourself-Hacker-und-Maker-Szene verschwinden dazu nicht mehr im Keller, sondern erobern die öffentlichen Räume zurück. Ihre Werkstätten finden sich heute mehr und mehr in eigenen öffentlichen Laboren, vor allem auch in Bibliotheken. Es sind öffentlich zugängliche Räume, die darauf setzen, die Menschen zum Selbertun anzuregen, einzuladen. Menschen mitzunehmen und in ihrem eigenen Tun zu befähigen. Makerspaces sind auch bekannt unter der Bezeichnung „Fablab“ oder „Offenes Technologielabor“ oder auch „Hackerspaces“, dort wird mit Open Source Software programmiert – aber nicht nur. Fakt ist: es ist ein Kreativpool von Menschen, die sich finden. Wenn von SmartCity die Rede ist, sind es diese Hotspots, die eine Stadt dazu machen, die beitragen, dass Smart City von unten gelebt und beatmet wird. Smart im Sinne von Innovation in und durch Bürgerhand.

Die Idee ist getragen von der Beteiligung der Menschen, vom kreativen Ausprobieren, aber auch durch den Aspekt der Gemeinschaft, der Nutzung neuer Technologien und dem Anspruch, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen, wenn etwa aus Offenen Daten Apps entstehen, die der Gesellschaft helfen. Oder auch wenn Lastenfahrräder gebaut werden, die die Mobilität in den Städten wegbringen vom Autoverkehr und die Menschen im urbanen Raum anders mobil machen. Oder wenn man einfach lernt, zu programmieren. Was in den meisten Schulen nicht auf dem Lehrplan steht. Und auch sonst nicht.

Das Foto zeigt Techkids beim CCC in HH.

Techkids – Vorreiter hier beim CCC

Hier findet sich eine Liste von Makerspaces, die man besuchen kann, um Erfahrungen zu sammeln. Der Gedanke der Makerspaces verbreitet sich, hält bereits Einzug in vielen Städten und Gemeinden, die sich auch den Weg machen, Digitales und künstliche Intelligenz mit der Do-it-yourself-Bewegung zu vernetzen und für sich kreativ zu nutzen. Die Menschen vernetzen sich, basteln und probieren gemeinsam, tauschen sich aus. So entsteht Beteiligungskultur und das gemeinsame Lernen im Umgang mit digitaler Technik als Bewegung von unten. Und alles angesiedelt im öffentlichen Raum.

Bibliotheken als Hotspots 

Viele Bibliotheken nutzen diesen Aufbruch und schaffen Räume für diese Bewegung. Die Stadtbibliothek Köln eröffnete 2013 als erste Bibliothek in Deutschland einen Makerspace. Aber nicht nur das Tüfteln wird hier ermöglicht, sondern auch der Umgang mit Tablets und Smartphones wird vertieft. Hier kann man Podcasts aufnehmen, an IPads komponieren. Damit wird die Grundidee von Bibliotheken neu beatmet, als ein Ort des Lernens, des Ausprobierens und der Vermittlung von Mut, mit neuer Technologie in Berührung zu kommen. Die Bevölkerung einer Stadt wird so vom Konsumenten zum Produzenten mitgenommen. Teilhabe wird ermöglicht. Ein öffentlicher Raum wird zum Ermöglicher und zur Plattform für Entfaltung von Neuem. Das Geheimnis des Gelingens liegt darin, dass unterschiedliche Bevölkerungsgruppen zusammenkommen, nicht nur die Nerds am Werk sind.

Mein Favorit: Ulm 

Ein ganz besonderes Beispiel für das Gelingen dieser neuen Ansätze ist das „Verschwörhaus“ in der Stadt Ulm. Eingerichtet wurde es im Rahmen der digitalen Agenda der Stadt Ulm als das „Experimentierfeld für die Welt von morgen“. Ausgestattet ist es mit 3-D-Druckern, offenen Werkstätten und Vortragssälen. Ziel ist es, die Stadtbevölkerung mitzunehmen und fit zu machen, gemeinsam die Zukunft zu gestalten. Das Verschwörhaus ist deutschlandweites Leuchtturmprojekt für netzkulturelle Programme und Diskurse um die „Zukunftstadt 2030“. Die Räume befinden sich mitten in der Innenstadt, sind fußläufig zu erreichen – also sichtbar und zentral in der Wahrnehmung der Stadtgesellschaft. Eine Perle in der insgesamt hervorragenden digitalen Strategie der Stadt. Man kann darüber ins Schwärmen geraten. Demnächst mehr von vor Ort.

Klein starten aber mit Mut 

Vielleicht kann nicht jede Kommunen gleich so einen großen Wurf hinbekommen. Vernetzen und schauen, wo am Ort schon eine kreative Gemeinschaft programmiert und bastelt, das jedenfalls können Verantwortliche aus Verwaltung und Politik schon ermitteln. Und Wege aufzeigen, hier Möglichkeiten zu schaffen. Es braucht Orte, die dazu einladen, es braucht die Anbindung an ein schnelles Netz, es braucht Netzwerke, die Finanzhilfe leisten, es braucht aber vor allem eins: Mut, das Thema anzupacken und für sich zu entdecken.

Internet der Dinge – im Alltag schon da

Sie tauchen auf im Alltagsleben unserer Gesellschaft: die neuen Formen der Kommunikation. Da sprechen nicht nur Menschen mit Menschen. Jetzt kommunzieren auch die Dinge miteinander. Internet of Things ist längst keine Zukunftsmusik. Sie findet statt. Am Ende wird es ein Internet of Everything sein: Mensch-Maschine-Maschine-Mensch etc. Die Welt kommuniziert.

Heute ist es der digitale Stuhl: Er steht im Konzertsaal, aneinandergereiht und weist seine Nummer aus, je nachdem, wie er gereiht ist. Alles digital. Vernetzt zählt er seine Position selbst. Vernetzt könnte er demnächst auch noch seine Sensoren dazu einsetzen, das Gewicht dessen zu bestimmen, der auf ihm Platz nimmt – um das Ergebnis gleich weiterzuleiten, es gibt immer jemanden, der mit diesem Datensatz etwas anfangen kann.

Das Foto zeigt einen Stuhl mit einer digitalen Nummerierung.

digitaler Stuhl – IOT im Alltag

Noch interessanter: die Preisschilder (hier in Norwegen) im Supermarkt sind elektronisch. Die Preis- und Informationsbeschriftung ist digital. Sensoren sind in der Lage, die Preise und Infos in Sekundenschnelle zu aktualisieren. Elektronische Regaletiketten (ESL Electronic Shelf Labels) machen es möglich – und erleichtern zudem die Inventur. Elektronische Regaletiketten kommen im Handel immer selbstverständlicher zum Einsatz, so, wie dies bereits in der Industrie verwendet wird: von gewöhnlichen Preisauszeichnungen bis zur Beschriftungen von Produktionsstrassen (Kanban) oder Lagerplätzen im Logistikbereich – alles drin. Firmen wie EDEKA, Media Saturn Holding, Netto sind bereits auf dem Weg, ihre Ladenlokale flächendeckend mit elektronischen Preisschildern auszuzeichnen. Das spart Personalkosten, das spart Druckkosten für Papieretiketten, das spart Zeit. Das ermöglicht blitzschnelle Marktanpassung. Etwa dann, wenn das Wetter gut ist und alle Welt grillen möchte: Der Preis für Grillware könnte dann augenblicklich erhöht werden. Auf Knopfdruck. Die Vorteile liegen auf der Hand, Einsparungen, Profit, Marktposition. Über die Nachteile wird weniger ausführlich gesprochen. Bisher.

Vernetzt können diese Preisschilder künftig nämlich noch mehr: etwa erkennen, welches Smartphone an ihnen vorbeigeht. Diese Info gibt Rückschlüsse auf den „Träger“, also den Kunden: Nutzt der teure Marken wie Apple, so wäre es durchaus möglich, dass sich Preise blitzschnell verändern können, nach oben nämlich, weil der vor der Ware stehende potenzielle Kunde selbst als vermögend klassifiziert wird.

digitaler Preis

digitaler Preis

Aber auch in den Städten tauchen immer mehr Sensoren auf. Smart City. Lichtmasten etwa sind in vielen Städten schon jetzt keine einfachen Lichtspender mehr. Sondern sie sind auch Sensoren – Produzenten und Aufsauger von Daten. Sie kommunizieren in Echtzeit.

Bristol als Smart City in GB spielt mit Sensoren in der Innenstadt und nimmt die Menschen so mit auf dem Weg: Durch Lichtspiele, die an zentraler Stelle in der Innenstadt angebracht wurden. Diese warfen Lichtmotive auf die Straße oder auf Wände. bunte virtuelle Vöglein etwa. Menschen blieben verwundert stehen und traten dann in die Interaktion mit diesen „Lichtwesen“, man versuchte sie zu fangen, zu berühren oder drauf zu treten. Wohlwissend, dass es nur Licht war. Und doch kam es zum positiven Nebeneffekt, dass sich die Bevölkerung bewusst wurde – da sind Sensoren im meiner Stadt. Die liefern Daten, sie produzieren Daten. Mit Daten wird künftig mein Umfeld gesteuert – und die Daten liefere zum größten Teil ich als Teil der Stadtbevölkerung. Wem aber gehören künftig Daten? Eine Frage, die sich gerade sehr deutliche in Barcelona stellt, eine SmartCity, die Daten künftig in Bürgerhand belassen will und nicht in der Hand der großen Tech-Firmen. Es verspricht eine spannende Diskussion zu werden. Dabei sprechen die Dinge ein Wörtchen mit.

Bristol spielt.

spielend die Bevölkerung mitnehmen

VHS als Tor zur Digitalisierung

Die VHS Osnabrück nimmt vorbildhaft die Stadtgesellschaft mit, wenn es um Digitalisierung geht. Sie hat in diesem Semester das große und umfängliche Thema Arbeit 4.0 auf die Agenda gesetzt und informiert zu diesen Themen rund um die Veränderung der Arbeitswelt bis hin auch zur digitalen Stadtentwicklung.

Gestern war ich Referentin zum Thema „Smart City – wie Digitalisierung unsere Städte verändert.“ Vielen Dank für die Gelegenheit, dort zu sprechen. Auch für die sehr anregende Diskussion.

Das Foto zeigt die VHS Osnabrück.

VHS Osnabrück goes Digital

Hier ist eines der Charts, welches ich gestern vorgestellt habe. Ein Teilaspekt von Smart City ist die Immersion. Dabei geht es um die Verknüpfung von virtueller und physischen Realität im Stadtraum. Informationen sind nicht nur in immer größerem Umfang verfügbar – sie finden sich auch mehr und mehr im realen Stadtraum verankert.

Digitale Anwendungen in dem Bereich werden zunehmend auch in der Geschäftswelt genutzt, um Daten neu zu nutzen: Kundenverhalten, Kundenwünsche, Kundeninformation. Warum dann nicht auch in der zivilen Nutzung von Stadt als öffentlichem Raum einsetzen?

Schönes Beispiel für den Einsatz neuer Technik ist etwa das Projekt Guide4Blind aus dem Kreis Soest – ein Blindennavigationstool, welches mit unterschiedlichen Ansätzen Sehbehinderte und Blinde anspricht, um touristische Angebote wahrnehmen zu können. Diese Idee lässt sich aber auch übertragen in die Welt der Sehenden, deren Wahrnehmung durch Augmented Reality erweitert werden kann. Etwa durch virtuelle Stadtrundgänge. 

Wohl schönstes Beispiel für dieses Verschmelzen zwischen realer und virtueller Welt ist „Pokemon Go“. Dazu hatte ich hier bereits gebloggt.

Das Foto zeigt ein Chart zur Immersion.

Verschmelzung

Lasst die digitalen Köpfe ran!

In meiner Heimatstadt vollzieht sich mit schöner Regelmäßigkeit folgendes digitale Trauerspiel – welches mich zu diesem Leserbrief veranlasste:

Die Grundschulen verpassen den Anschluss an den digitalen Wandel. Alle paar Jahre wieder ertönt ein Aufschrei (der Eltern), der Hektik (in Politik und Verwaltung) auslöst. Allein: Es passiert nichts.

Das Foto zeigt die Aufschrift. your story starts now.

Und Du musst den ersten Schritt machen…

Eltern wissen um die Notwendigkeit digitaler Kompetenz. Digitales Wissen erlangen ihre Kinder eher auf dem Pausenhof oder zuhause am Familienrechner. Eine Grundschulkarriere dauert vier Jahre. Ist der Schulwechsel absehbar und keimt die (fatale) Hoffnung auf, in der weiterführenden Schule würde sich dieses digitale Niemandsland in eine digitale Offenbarung verändern, verebbt der Protest. Bis sich die nächste Generation regt, dauert es wieder zwei Jahre. Das System der analogen Hilflosigkeit bleibt. Schließlich fehlt auch das, was Digitales in der Schule ermöglicht: die digitale Infrastruktur, also Fibre to the School. Und es fehlt der Wille, Geld zu investieren in etwas, das die Entscheider gar nicht kennen: Digitales.

Der Grund: Erreicht werden drei Zielgruppen und ihre Entscheider, die gar nicht in der Lage sind, digitale Konzepte für Schulen zu entwickeln. Die Politik: Mit einem Altersdurchschnitt von rund 55+ Jahren arbeitet der Rat noch mit Papier, der digitale Weckruf ist hier weitestgehend lautlos verhallt. Die Verwaltung: Gütersloh ist zwar Modellkommune für e-Government, aber längst keine digitale Verwaltung. Die Grundschulpädagoginnen: Es fehlt an Kompetenz der Nutzung digitaler Unterrichtsformate, die Beharrungskräfte an alter Stoffvermittlung sind enorm. Damit sind diese Akteure überfordert, denn Digitalisierung ist mehr als eine simple Frage der Technik, es ist ein Kulturwandel.

Fazit: Der Unmut bleibt in der Echoblase der überforderten analogen Theoretiker. Seit Jahren schafft keiner Abhilfe, weil die digitalen Köpfe als Entscheider fehlen. Wie diesen Kreislauf durchbrechen? Findet die digitalen Treiber in Politik, Verwaltung und Schulen, die bisher nicht gehört wurden. Gebt ihnen ein Budget und lasst sie machen! Das Internet selbst und die Technik des Netzwerkens helfen: es gibt Kommunen, es gibt Grundschulen, die längst auf dem Weg sind. Fragt, wie das geht! In Netzwerken lernt es sich hervorragend – das wissen schon die Kleinen durch You Tube – aber die fragt niemand.

Wir brauchen digitale Bildungsnetzwerke, ein schnelles Netz, einen Ort, an dem man sich trifft und Fragen stellt, Antworten hört, aus Fehlern lernt und gemeinsam loslegt. Die Schule einer digitalen Welt kann nicht analog sein. Wer die digitalen Köpfe und Treiber weiter in die hinteren Reihen verbannt, zieht der nächsten Generation den Stecker aus der Dose.

Ja - packe sie an!

Ja – packe sie an!

Weichen stellen für die Zukunft

Wenn man nicht nur den Blick auf #SmartCity richtet, ist man schnell bei #SmartCountry. Was ist das eigentlich – und welche Weichen müsste man denn stellen, um smart zu werden. Und noch viel interessanter die Frage: Warum sollte man das überhaupt wollen?

Das Foto zeigt die Referenten vom Panel SmartCountry

Photo: © Jan Voth Metropolitan Solutions 2016

Alles spannende Denkansätze, die wir auf der Metropolitan Solutions im City Cube zu Berlin diskutiert haben. Ich verlinke mal dazu, weil ich die Moderation für die Bertelsmann Stiftung zum Panel „SmartCountry – Teilhabe sichern“ übernommen habe.

Metropolitan Solutions – hier geht´s zu meinem Blogpost im Wegweiser Kommune der Bertelsmann Stiftung.

Glasfaserausbau – nichts für Feiglinge

Gerade habe ich als Referentin auf einem Podium mal wieder missioniert, wie wichtig Glasfaser für Deutschland ist.

Das Foto zeigt Glasfaserrohre.

Das Netz macht den Unterschied.

Diesmal war ich auf der Glasfasermesse der BREKO in Frankfurt eingeladen. Mir ist nochmal deutlich geworden, welche Möglichkeiten angesichts der vielen kommunalen Anbieter wir eigentlich hätten, Deutschland flächendeckend mit zukunftsfähigem Glasfaser auszustatten. Leider, leider lässt sich das Land durch mehrere Faktoren lähmen.

  • Lähmen durch die Bundesnetzagentur, die der Deutschen Telekom gerade ohne Not eine Art Vectoring-Monopol im Nahbereich gewährt hat.
  • Lähmen durch die daraus entstehende Versäumnis, das Kreativpotenzial der kommunalen Anbieter und Wettbewerber abzurufen.
  • Lähmen durch Bund und Land, die hier kein nachhaltiges Konzept der Daseinsvorsorge ausgerufen haben.
  • Lähmen durch Entscheider in Kommunen und Regionen, die die Tragweite dieser Möglichkeiten nicht sehen – und daher nicht in die Zukunft investieren.

In dieser Woche erschien zudem ein wunderbarer Artikel von Jens Thaele in der Huffington Post mit dem schönen Titel „Spiel mir das Lied vom Breitbandtot“. Wunderbar auf den Punkt gebracht. Mein Kommentar dazu lautet, dass diese Tat leider ohne Bestrafung bleibt. Wenn die Folgen dieser fatalen Fehlentscheidung für den Einsatz von Vectoring wirksam werden, sind die Entscheider längst in Rente. Die digitale Transformation wird so jedenfalls nicht gelingen.

Hier mal ein paar konkrete Orte, an denen fleißig gebaut und verändert wird. Nur leider immer über der Erde. An eine zukunftsfähige digitale Infrastruktur wird leider nicht gedacht:

Und hier ein kleiner Einblick in eine typische Siedlung aus den 50er Jahren. Diese Ortsteile gibt es in jeder Kommune. Gleiches Spiel überall: Wir erleben gerade hier den Generationenwechsel. Noch sind die Immobilienpreise dieser Quartiere recht hoch. Das wird sich ändern, wenn den jungen neuen Eigentümern klar wird, wie langsam das Netz dort ist. Braucht man schon allein für das Internetfernsehen ein schnelles Netz, sind diese Ortsteile künftig abgehängt. Wie soll das gehen, wenn weitere Anwendungen hinzukommen: SmartHome, smartGrid? Übrigens brauche ich selbst für das Hochladen meiner Videobeiträge in der Länge von rd. 1:30 ganze 35 Minuten. Ohne diese künftige moderne Infrastruktur werden die Preise purzeln.

Digitale Anschlussfähigkeit braucht Kreativität und Ideen.

Wer als Kommune heute an den Ausbau geht, sollte auch kein Feigling sein und sich hinter Ausreden wie „Telekom macht das schon“ und dergleichen verstecken. Es braucht Grips trotz dieser Einschränkungen zum Ziel zu kommen. Um ausreichend Nachfrage für den Siedlungsausbau zu generiren, reicht allein der Blick auf die zivilen Konsumenten nicht. An erster Stelle müsste die öffentliche Hand loslegen und sich als Nutzer positionieren, denn in jedem Quartier finden sich Schulen, Kitas, Turnhallen, Bürgertreffpunkte, Jugendheime, die ebenfalls einen schnellen Zugang zum Netz brauchen, wenn sie zukunftsfähig sein wollen. Alles öffentliche Orte also, die zudem Nachfrage generieren. Einen weiteren guten Tipp habe ich auch noch vom Bürgermeister aus Geseke/NRW Dr. Remco van der Velden mitbekommen: Auch die Sparkassen sollten als Nachfrager angesprochen werden. Sie halten ihre Geldautomaten vor, die brauchen ebenfalls schnelles Netz. Und so steht die Finanzierung schon mal auf einem guten Bein. Smart City mit all seinen Vorteilen für die Menschen rückt so ein Stück näher.

Gesichter faken leicht gemacht

Auf der Cebit stellten auch Behörden ihre aktuellen Themen aus. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung war mit acht Projekten vertreten.

Am spannendsten fand ich das Projekt „FeGeb“, welches an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg angesiedelt ist: „Fälschungserkennung für die Gesichtsbiometrie“.

Das Foto zeigt Masken und technisches Gerät zur Gesichtserkennung.

Gesichtserkennung

Automatische Gesichtserkennungssysteme könnten durch Masken oder durch Fotos getäuscht werden. Wie kann man sich davor schützen? Wie kann man Fakes, also künstliche oder verfälschte biometrische Veränderungen, erkennen? Ein aktives Nahinfrarot-Kamerasystem kann echte von unechter Haut unterscheiden. Egal, welches Alter oder welcher Hauttyp vorliegt. Ziel dieser Anwendung ist die Verbesserung der Sicherheit an Grenzübergängen, bei der Überwachung von Flughäfen und Großsportstätten und in allen weiteren Anwendungen, in denen Sicherheit über Gesichtserkennung zum Tragen kommt. Geforscht wird daran bereits seit drei Jahren.

Projektpartner sind übrigens u.a. das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik und Firmen, die in Sachen Sicherheit unterwegs sind. Am Infostand fand ich Roland Koch vor, der sich informieren ließ.

Das Foto zeigt Masken und technische Geräte diese zu erkennen.

Wie sicher sind Gesichter?

Die Forscher werden sich aus gegebenem Anlass daher sicher auch für dieses Novum interessieren: Es gibt einen Live Leak, wie man Gesichter künftig im laufenden Bild faken kann. Das Tape heißt „Real time Facial Reenactment“ – was so viel bedeutet wie: Nachstellung von Gesichtern in Echtzeit. Die Demo ist gemacht von Forschern der Uni Nürnberg, Max-Planck und Stanford.

So ist es möglich, Bewegtbildern in Echtzeit eine gänzlich andere Richtung zu geben, als sie dies in echt eigentlich waren. Man denke hier an die zahllosen Möglichkeiten zur Manipulation von Bildern zu politischem Führungspersonal.

Da ich das Video hier nicht einbetten kann, bleibt nur der Klick auf diesen Link, um einen Eindruck zu bekommen, was bereits möglich ist. Und wie unsicher man sich jetzt schon sein darf über Dinge, die echt sind oder ein Fake.

Ohne Kabel ist keine Stadt zu machen

Sich in fremder Umgebung zurechtzufinden, ist mittlerweile kein Problem mehr. Die Welt steckt in jedem Smartphone und die zahlreichen kleinen HelferleinApps meistern, den individuellen und schnellsten Weg von A nach B: Straßenverzeichnisse, Sehenswürdigkeiten, Öffentliche Mobilität, Koordinaten. Ein Mix an Möglichkeiten steht bereit. Eine der wichtigsten Apps wäre aber wohl mittlerweile die: Wo finden sich öffentliche Steckdosen zum Aufladen von mobilen Devices alles Art? Am besten gratis. Am besten aus regenerativer Energie. Am besten ohne Datenklau. Damit die kleinen mobilen Helfer funktionieren, braucht es Ladestationen.

Das Foto zeigt eine Grafik auf der CeBIT mit dem Hinweis auf Ladestationen für mobile Devices.

ohne Kabel läuft nix – Ladestationen für Cities

Auf der CeBit fand ich genau das ziemlich gut: eine kostenlose, freie Ladestation mit ausreichend Steckdosen und vielen Sitzgelegenheiten. Super gemacht. Wäre meiner Meinung nach auch auf jede Innenstadt zu übertragen. Sogar grün produzierbar. Voraussetzung ist natürlich die Datensicherheit, d.h. kein Hacking möglich, kein Datentransfer und keine Installation von Schadsoftware. Das geht.

Besonderes Augenmerk bekam das Thema nochmal im Rahmen der Hackathons „Refugees Welcome„: Hat man einmal begriffen, wie zentral und schier überlebenswichtig die mobile und globale Kommunikation im Leben der Menschen geworden ist, weiß man, wie wichtig eben auch Ladestationen sind, die man zu jeder Zeit ohne Bezahlung nutzen kann. Warum also nicht solche Ladestationen an zentralen Orten einrichten? Warum nicht auch dazu ein eigene App für die Cities basteln – oder sie in die City-Apps mit aufnehmen – wo diese Ladestationen sind? Smart Data nutzen für ein (smartes) Leben.

Smart Data als Schild auf der CeBIT.

Smart Data als Ziel