Wir sind in der Sensibilisierungsphase!

„Ältere Menschen in ihrer analogen Welt dürfen nicht abgehängt werden!“ „Die Jugendlichen schauen doch nur auf ihr Smartphone und nehmen am Leben gar nicht mehr teil.“ „Facebook ist böse.“ „Datenschutz ist das wichtigste!“ „Vorschläge der Jugend müssen priorisiert werden und sind hier im Ausschuss von uns Politikern zu beschließen!“

Aufbruch gewünscht?

Sie wollen die Kontrolle behalten – und haben sie längst verloren. Sie sollen Zukunft gestalten, der sie aber längst meilenweit abgeschlagen hinterher hecheln. Ihr Altersdurchschnitt liegt zwischen 55 und 60. Längst ist ihnen bewusst, dass die Jüngeren ihnen eigentlich die digitale Welt erklären müssten. Längst sind sie aus dem Paradies der 80er Jahre vertrieben, als die Welt noch den Kalten Krieg kannte und die soziale Marktwirtschaft für Gemeinschaft sorgte und Computer etwas war für Spinnerte. Sie tun alles, um dieses bekannte analoge Leben noch ein klein wenig zu verlängern. Viele Verantwortliche in den Räten und Gremien stehen derzeit vor einem Epochenwandel.

Ähnlich unter Druck gefühlt haben sich wahrscheinlich zum letzten Mal ihre Vorfahren vor rund 100 Jahren: da war es die Elektrifizierung, die eine gesamte Gesellschaft aus den Angeln hob. Damals, als Strom auch nur einen An- und einen Ausschalter kannte. Kaum jemand dürfte einst erkannt haben, wie sehr elektrischer Strom die Welt verändern würde.

Nun steht wieder ein tektonisch bedeutsamer Kulturwandel an. Digitalisierung. Die kommunalen Entscheider sind gefragt, diesen Wandel zu gestalten. Wie kann das gelingen, wenn der Zug bereits volle Fahrt aufgenommen hat – nur nicht in der eigenen Stadt? Wie kann man glaubhaft vermitteln, man habe hier noch alles im Griff?

Viele Fragen, die sich da auftürmen. Unlängst saß ich auf der Zuschauertribüne in einer mittelgroßen Stadt und schaute zu, wie sich Kommunalpolitiker mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzten. In 26 Tagen leben wir im Jahr 2018. Seit Jahren ist das Thema Digitalisierung bekannt. Hier allerdings befasst man sich zunächst noch mit einer Idee für einen gesamtstädtischen Prozess. Bisher steht Digitales lediglich in Buzzwörtern auf dem Papier: Digitale Infrastruktur, Künstliche Intelligenz, Internet der Dinge, Handlungsfelder. Das gesamte Repertoire an üblichem Bullshit-Bingo ist versammelt. Eindrücklich zeigen die großen Wörter Wirkung, drücken die politischen Entscheider noch tiefer in ihre Sessel. Vorgetragen wird diese neue Welt von einem externen Berater, der gleich einem Rufer in der Wüste von Galaxien spricht, die niemand sonst im Raum je betreten hat.

Auf den Rängen im Zuschauerraum ist es mit Händen greifbar: Am liebsten wäre es ihnen da unten, wenn alles so bliebe, wie es ist – analog. Digitales kann gerne in der Zeitung stehen und man kann auch gerne drüber reden – aber Veränderung im eigenen Lebensbereich ist nicht das Ziel. So in etwa könnte ein jeder sein Leben gestalten, wenn man Ü50 ist und Privatmensch: sich entscheiden, Distanz zu nehmen von Fortschritt und Gestaltung und auch im Berufsleben so langsam an die Rente denken. Diese Generation wird sie wahrscheinlich noch erhalten. Für Menschen, die politische Verantwortung tragen und damit Entscheidungen treffen, die von weitreichender Relevanz sind für eine ganze Stadtgesellschaft inklusive für die nächste Generation ist diese Haltung des kommoden Einrichtens in der altbekannten analogen Welt jedoch Sprengstoff – der dann detoniert, wenn die fatalen Folgen dieser Fehlhaltung Wirkung zeigen aber die Verantwortlichen längst ihre Ruhegelder genießen und nicht mehr greifbar sind.

bitte nicht benutzen

Einige Highligts der Debatte:

Breitband. Bemängelt wird das Fehlen einer digitalen Infrastruktur. Moniert wird, Glasfaser sei künftig ebenbürtig mit Wasser, Strom und Gas. Man spricht von Daseinsvorsorge. Vergessen ist, dass sie selbst es sind, die sich seit Jahren um eben diese Glasfaser hätten kümmern sollen. Vergessen ist, dass sie niemals die Hand gehoben haben dafür, dass eine Stadt einen Anschluss an die Gigabit-Gesellschaft erhält. Vergessen ist in Mitte der Ratsperiode, dass sie bereits zur ihrem Amtsantritt keine Verantwortung für dieses Thema übernommen und diesen Umstand auch bis heute nicht korrigiert haben. Kritisieren sie das Fehlen von Glasfaser – kritisieren sie sich selbst.

Jugendbeirat. Ein Beirat soll gebildet werden, alle unter 30 dürfen jetzt mitmachen. (Es fallen hier hauptsächlich politisch aktive Jugendliche ein.) Es wird ein Personenkreis in den Fokus gerückt, den die Stadt bisher sträflich behandelt hat: „Die“ Jugend. Ihr bisheriges Dasein gestaltet durch die Stadt sah so aus: Der Computerschrott der letzten 20 Jahre, gespendet und zusammengetragen aus mühseliger Elternbereitschaft, verrottet in den Kellern der Schulen oder unter deren Dachboden. In Nutzung waren die Geräte selten bis nie. Flächendeckendes WLAN gibt es bis heute nicht, das Nutzen der Smartphones ist unter Todesstrafe in der Schule nicht erlaubt, in den Abiturreden wird Digitales verspottet, digitale Kompetenz im Lehrerzimmer wird schmerzlichst vermisst. Nun aber soll genau diese Gruppe es richten, der man in den kommunalen Ausschüssen bereits seit Jahren die digitale Ausbildung verwehrt hat. Ihre dennoch erlangten digitalen Fähigkeiten jedenfalls haben sich die Jugendlichen bestenfalls auf der Straße selbst organisiert. Zum Erlernen sogar von Programmierfähigkeit wurden sie in einzelnen Fällen in die Nachbarkommune chauffiert, dort gab es Kurse. Außerschulisch versteht sich.

Datenschutz. Keine Daten der Bürger dürfen verkauft werden! wird skandiert. Die Datenhoheit liegt längst schon nicht mehr bei den Kommunen. Die großen Anbieter Facebook, Amazon, Google – sie NUTZEN die Daten bereits. Kommunen können hier eigentlich nur noch damit antworten, ihre Daten als Open Data für die Nutzung der Zivilgesellschaft bereit zu stellen. Die Stadtspitze erklärte, sie habe „mal gegoogelt“. Die wichtigsten Passwörter der Nation. Die Bürger seien selbst Schuld, wenn sie so unbedarft damit umgingen. Und man solle auch alle Dienste in seinem Smartphone ausschalten, die eine Überwachung möglich machten, da müssten die Bürger selbst auf sich achten. Dass ein Smartphone eben seine Funktionalität aus genau diesen Diensten speist… Goldig, dieser Einwand.

Partizipation. Bürgerinnen und Bürger sollen befragt werden. Man kennt das in der besuchten Stadt bereits. Über die „Einmaligkeit“ ist man hier vor Ort bisher nicht herausgekommen, wenn es um so große Projekte geht. Ein Bildungsgipfel tagte genau einmal, so lässt sich vernehmen. Ein Digitalgipfel könnte ein ähnliches Schicksal erleiden.

Budget. Der Haushalt wird verabschiedet. Geld für diesen digitalen Prozess aber sucht der Interessierte vergeblich. Das notwendige Budget wird per Klinkenputzen eingesammelt, heißt es. Der wohl wichtigste Wandel in der Stadtgesellschaft wird damit auf Zuruf finanziert. Ein Weg in eine neue Epoche ist damit abhängig von feudalen Strukturen des Mäzenatentums oder der Spendierlaune weniger, die kaum demokratisch gewählt sind. Ideen aus dem letzten Jahrhundert.

Digitalisierung als Selbstzweck. Diesen Ansatz kann es gar nicht geben. Wir sprechen von Klimawandel und dem Umstand, dass unsere westliche Welt auf dem Rücken armer Länder konsumiert und lebt. Wir sehen uns einem demografischen Wandel gegenüber, in dem viele Menschen ohne Hilfe nicht überleben können – aber es sind zu wenige menschliche Helfer da. Wir sehen eine Umweltverschmutzung durch übermässige Mobilität, die unsere Umwelt zunehmend unbewohnbar macht. Digitales kann helfen, unsere Inkompetenz zu kompensieren und intelligent Lösungen schaffen.

Wie also will ein solches politische Gremium den Anschein erwecken, man handele? Mit der Antwort: Wir befinden uns in der Sensibilisierungsphase!

Offenbar hat man hier reichlich Zeit und Optimismus. Es gilt, diese Kommune im Blick zu behalten – als Anschauungsmaterial, wie Chancen verrinnen.

Am Abend in der gleichen Stadt gab es dann eine weitere Kostprobe, wie sehr eine alternde Gesellschaft am Nabel des Analogen hängt. Eine bekannte Fernsehmoderatorin gab ihre Kenntnisse zur Digitalisierung zum Besten: Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf Gesellschaft und Medien.

In einem voll besetzten Raum mit rund 500 Zuhörern hätte man die Chance nutzen können, diesen epochalen Wandel zu beschreiben. In die Zukunft hinein zu transformieren, Antworten zu skizzieren. Mit relevanten Aspekten versehen – insbesondere vor einer Zuhörerschaft, die sich aus den Mitarbeitern einer Sparkasse zusammensetzte. Anlass genug, etwa auch zu thematisieren, wie sehr gerade das Bankgeschäft disruptiv attackiert wird: Blockchain, Bitcoins, Schließung von Filialen, alleine 2.000 in den letzten beiden Jahren bundesweit, Einsatz von KI mit Algorithmen, die eines besser können als Menschen: rechnen. Und damit das Kerngeschäft von Banken auf die Probe stellen.

Auf der Bühne entfachte sich stattdessen ein Feuerwerk von Naivität, bürgerlicher Gemütlichkeit „uns geht es doch so gut in Deutschland“ sowie ausgelassener Familienzentriertheit „meine beiden Kinder“. Gefragt, wie sich denn die Nutzung der Social Media auf die Informationsvermittlung auswirken werden, gab es als Antworten niedliche Anekdoten aus dem Redaktionsleben eines Fernsehen, wie sehr die Online-Kollegen doch belächelt werden mit ihrem „schneller und kürzer“. Und auch diese Antwort überzeugte kaum: „Ich selbst bin ja nicht bei Facebook“ – für eine Digitalexpertin eine heikle Aussage. Und auf Twitter ist sie auch nur mit einem Rumpf und lediglich einem Tweet. Aber Aussagen über Digitalisierung treffen und sich darüber aufregen, dass nicht alle Welt den Qualitätsjournalismus ihres Senders als Infoquelle nutzt, sondern auch das Netz.

Am Ende gab es den freundschaftlichen Hinweis, dass christliches Ehrenamt ganz schön sei. Und Kirche. Das war sicher ein Trost für alle diejenigen im Publikum, die künftig beten müssen, dass ihre Arbeitswelt noch einen Platz für sie bereit hält.

Ende gut…

Im Verlauf des gestrigen Tages fiel auch der Begriff „Technikfolgeabschätzung“, die man unbedingt brauche, um zu ermessen, was Digitalisierung mit sich bringe. – Ein Terminus aus den frühen Jahren der Wissenschaft um Gentechnik etc.

Heute müsste man vielmehr den Begriff „Zukunftsverweigerungsfolgeabschätzung“ einsetzen, um zu ermessen, welche Folgen das Wegducken einer alternden Entscheidergeneration für die nächste Generation nach sich ziehen wird. 

Gut, dass dieser Ausflug in eine digital nicht affine Kommune nur ein kleines Beispiel ist für die „German Angst“, die vielerorts bereits längst überwunden ist und die meisten Entscheider mit großer Lust seit langem auf den digitalen Zugwandel aufgesprungen sind.

Ein Segen, dass das hier eine Ausnahme ist – sonst würde ich mir ernsthaft Sorgen machen.

Wahltag – Lesung in Buchhandlung Markus

Update: 

Meine Lesung in der Buchhandlung Markus hat nun stattgefunden. Elke Corsmeyer führte ein, wies auf die Ansätze im Buch hin, die den lokalen Rahmen der Betrachtung weit überschreiten. Demokratie, Einmischung und Digitalisierung sind zeitlos beschrieben und von Interesse für alle politisch Interessierten.

An dem Abend der Lesung aber habe ich nicht nur aus meinem Buch vorgelesen, eher weniger sogar, sondern wir haben die Zeit genutzt und sprachen über Zukunft: Wie sieht das konkret aus, wenn sich eine Stadt digital aufstellt? Das Publikum war altersgemischt, so dass es unterschiedliche Perspektiven und Erklärungsansätze gab. Aber hier sei einfach nochmal Dank formuliert, dass ich mein Buch in diesem literarischen Dachbodenrahmen umgeben von Büchern vorstellen durfte.

Das Foto zeigt Elke Corsmeyer und Anke Knopp.

Wahltag – und darüber hinaus Foto: Dr. Jochen Deppe

 

Am Montag (4.9.)  findet meine Lesung statt. Wo? In der Buchhandlung Markus. Beginn: 20 Uhr.

WAHLTAG – Wie ich kandidierte, einen digitalen Wahlkampf führte und verlor. (WochenschauVerlag)

Ich hab schon mal einen Blick auf den Stuhl geworfen, auf dem ich vor Publikum Platz nehmen darf. Elke Corsmeyer hat unter dem Dach Ihrer Buchhandlung in einem wunderbaren historischen Stadthauses einen idealen Platz für Autorinnen und Autoren geschaffen, um das Publikum zu begeistern. Es gibt noch Karten.

Autorenstuhl vor Publikum

 

Bürgermeister: Hergehört!

Sie leben mitten unter uns. Und ihr Können, ihre Begeisterung und ihr Wissen interessieren nur wenige Eingeweihte. Das ist ein Fehler!

Ich spreche von digital bewegten Jugendlichen.

Daher: Bürgermeisterinnen und Bürgermeister im ganzen Land – hergehört!

Da pilgern ganze Scharen Jugendlicher zur Gamescom nach Köln. Sie spielen. Im Netz. Digital. Und mittlerweile wissen auch die Kanzlerin Angela Merkel und auch der Ministerpräsident von NRW, Armin Laschet, diese Bilder für sich zu nutzen. Die Bilder gehen medienwirksam um die Welt. Die Inhalte aber, das Können und die Lust auf digitale Gestaltung bleibt dabei immer noch in den Hallen der Messe. Sie müssen aber stärker den Brückenschlag ins Alltägliche schaffen. Immersion – also die Verschmelzung von virtueller und realer Welt – wird gebraucht, wenn es darum geht, auch IOT, das Internet der Dinge, in den kommunalen Raum zu übertragen. Wir brauchen die Expertise der vielen Spieler, um die Herausforderungen auch vor Ort lösen zu können: Energieeffizienz, intelligente Mobilität, Beteiligung an Entscheidungen, Kooperationen für neue Ansätze. Und vieles mehr. Aus dem Spiel ins echte Leben.

Gleicher Fall beim Codieren

Da basteln ganze Gruppen von Jugendlichen an Codes und Apps – immer im Dienste auch von Gesellschaft und ihrer Lebensumwelt, sie bündeln sich unter „Jugend hackt“ – mit Code die Welt verbessern. Sie beschreiben dieses hohe Ziel sogar in ihrem Claim. Jugend hackt ist ein Programm zur Förderung des Programmiernachwuchses im deutschsprachigen Raum. Mit Hilfe von Open Data basteln sie an Prototypen, digitalen Werkzeugen und Konzepten für ihre Vision einer besseren Gesellschaft. Jugend hackt findet statt in mittlerweile zahlreichen größeren Städten:

 

Den Wissenstransfer in die kleineren Kommunen muss man herstellen. Das, was da gerade passiert, ist pulsierende Zukunft. Das ist geballtes Wissen. Das ist das, was in Managementseminaren gelehrt wird:

Wenn du ein Schiff bauen willst, so trommle nicht die Männer zusammen um Holz zu beschaffen, Werkzeuge vorzubereiten und Aufgaben zu vergeben, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem endlos weiten Meer.

Antoine de Saint-Exupéry, französischer Schriftsteller, 1900-1944

 

Hier könnte man es einfach abrufen: die Motivation, das Wissen und das Können. Wäre ich Bürgermeisterin einer Stadt – ich hätte die Spielerinnen und Spieler, die Hackerinnen und Hacker längst eingeladen. Sie wären mir bekannt und ich suchte den Austausch. Weil sie es sind, die etwas zu sagen haben, beizutragen zum Weg in die digitale Welt. Dies ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch die Chance, die Demokratie updaten kann – mit neuen Formen der Zusammenarbeit, der Teilhabe und der sozialen Verteilung. Wer wenn nicht Jugendliche könnten da ein Wort mitsprechen?

Vielleicht aber sind eher die innovativen Schulen am Drücker als Bürgermeister – da beginnt es zumindest zu rascheln:

 

Denk digital – bleib kommunal

Update: Hier findet sich der Link zu meinem Eingangsvortrag. Ebenso wie der von Ingrid Brodnig (Österreichische Journalistin und Digitalexpertin) und der anschließenden Diskussion zusammen mit Moderator Meinrad Knapp. 

Update 2: Ich empfehle dazu auch den Blog von Johannes Pressl „Langfristig denken – Konkret handeln“. 

Laden die Nachbarn aus Österreich ein, muss man als Deutsche(r) kleine Brötchen backen, wenn es um E-Government geht. Sie sind uns meilenweit voraus. Ein Beispiel? Die Post, die morgens noch in Papierform im ländlichen Rathaus eingeht, ist mittags gescannt – und am Nachmittag ist analoges Totholz bereits geschreddert. Als Referentin aus Deutschland im Kreis von österreichischen Kommunalis darf man sich hier ehrfürchtig verneigen.

Ich war eingeladen, zu den Kommunalen Sommergesprächen 2017 in Bad Aussee, Österreich. Gastgeber und Ausrichter war der Österreichische Gemeindebund und die Kommunalkredit Österreich. „Thema: Denk digital. Bleib kommunal.“ Treffender konnte der Titel nicht sein. Die Musik spielt hier zwischen Tradition und Moderne:

Das Foto zeigt ein Schlagzeug mit einem Blick aus dem Fenster auf Dächer und Berge.

Kurhaus Aussee – über den Dächern spielte die kommunale Musik

In vier Fachforen konnte das weite Feld „Digitalisierung“ anschaulich aufgebohrt werden. Die jeweiligen Fachimpulse kann ich hier nicht beschreiben – ich stand selbst auf dem Podium, dann ist bloggen schwer.

Das Foto zeigt mich mit zwei weiteren Referenten.

Christoph Meineke, Bürgermeister Wennigsen/Deister (Hannover)  und Simon Rosner (Wiener Zeitung)

Die Foren mit ihren Themen sowie die Ergebnisse in aller Kürze – die Ähnlichkeiten oder Deckungsgleichheit mit der Diskussion in Deutschland liegt auf der Hand:

Nummer 1: Social Media und Kommunikation auf lokaler Ebene:

Social Media ist eine Herausforderung; gutes Kommunikationsmittel für die Kommune, weil in eigener Hand und unabhängig von anderen (Zeitungen); Kommunikation auch für die, die nicht mehr in der Gemeinde leben (Weggezogene aber Heimatverbundene); sie können sich hierüber immer noch informieren, was daheim passiert; Social Media muss professioneller werden (Technische Installation / Anwendung, Anleitung für Verwaltungsmitarbeiter); das Wissen und die Erfahrung ist nicht vorhanden, wie man mit Trollen/Shitstorm umgeht; gewünscht ist, „die Kontrolle“ in der Gemeinde zurückzuholen.

Das Foto zeigt das Panel der Ergebnisverkündigung mit den Referenten

Ergebnisse

Thema 2: Digitale Verwaltung braucht den Menschen (Kommune 4.0)

Ergebnisse: Vorbereitung und Einstellen auf eine noch schnellere Taktung der Geschwindigkeit der Veränderungen als das bisher der Fall war; Muss man mehr Personal einstellen, um die Aufgaben leisten zu können?!; es ist keine Aufgabe für Roboter: Verwaltung, Pflege von Alten, Müllabfuhr = das müssen nach wie vor menschliche Arbeitsplätze bleiben; mehr Stimmungen und Ängste der Menschen aufnehmen, Ängste wahrnehmen und ernstnehmen; digitale Werkzeuge müssen beherrschbar sein für eine Verwaltung; (Exkurs: Wenn man das kann, dann gelingt das auch  ( es braucht Erfahrungen, die erlangt man lediglich durchs Machen); wir brauchen einen Plan; die Frage beantworten: Was will ich mit den neuen Tools erreichen? (das sagt einer, der lange Jahre Erfahrung hat; Personalabteilung wird immer wichtiger = Personalentwicklung als Teil der Kommune 4.0.

Das Foto zeigt einen Konferenzraum in Österreich mit traditionellem Jagdmotiv.

Traditionell – und modern

Thema 3: Digitale Plattformen zur Umsetzung kommunaler Projekte

Digitale Werkzeuge und digitale Angebote = unüberschaubar ( es gibt zu viel, die Auswahl ist nicht mehr gewährleistet nach  handhabbaren Kriterien); die Frage ist und bleibt: Was davon soll ich nehmen? Was passt zu mir und meiner Verwaltung? Was passt zu meiner Kommune?; Womit soll ich anfangen? Die Themenpalette ist so vielschichtig: Glasfaser, E-Government+; Wie bringe ich Bürger dazu, Digitales auch zu nutzen?; Wenn digitale Angebote = dann müssen diese den Arbeitsaufwand für die Menschen reduzieren (Beispiele: Wasserzähler; keine Anträge mehr im Amt); am gefährlichsten ist es, diesen Weg NICHT zu gehen!; Vorschläge konkret: 1. Zentrales Angebot geben (1 Anlaufstelle, sinnvoll alles digital anzubieten; 2. Holschuld der Gemeinden; 3. zentrales Angebot für die Qualifikation der Mitarbeiter machen (Wartung; Bestimmungen; übergeordnete Aufgaben); 4. Klare Definition von Bundesseite wird erwartet. Schließlich bleibt die Frage: Was MUSS ich denn als Kommune anbieten? Anleitungen und klare Vorgaben werden erwartet, Vernetzung untereinander ist zentral und wichtig

Forum 4 Smart Country – digitale Strategien für den ländlichen Raum

Simon Rosner als unser Moderator stellt die Ergebnisse für unseren Workshop vor, den ich zusammen mit Christoph Meineke, Bürgermeister aus Wennigsen/Deister im Raum Hannover gestaltet habe. 

Ergebnisse in aller Kürze: Digitalisierung kann man nicht von oben überstülpen und verordnen; Verständnis der Politik und der Verwaltung über digitale Themen vertiefen; Akzeptanz der Bürger stärken; Bürger einbeziehen; das Wissen und KnowHow der Vielen und bisher unentdecken Quellen wie auch der Jugend (Jugend hackt);  Bedürfnisse und Bedarfe feststellen; Know-How in den Kommunen fehlt; Einbringen von Zivilgesellschaft in neuen Formaten wie Koproduktionen; Scheitern erlauben; Strategieplanung und beginnen!

Die Foren waren gut besucht. Das ist eine zentrale Aussage, denn wer den wunderbaren Ort der Tagung kennt: Bad Aussee, der ahnt, dass es dort um Entschleunigung geht, um Entspannung und um den Genuss der Natur. Viele Gründe also, die Landschaft zu genießen. Statt dessen rauchten die Köpfe und es wurde sehr ernsthaft und vielschichtig diskutiert. Kommunales Herzblut pochte. 

Einige besonders herausragende Sätze und Erkenntnisse am Ende der Ergebnisverkündigung. Ich schreibe sie hier gerne auf, weil sie Mut machen, aber auch schmunzeln lassen. 

1) „Wir schaffen das!“ Kein Stress.

2) Wir auf dem Land werden als Volliditionen gehalten. Wir sind es nicht!

3) Es braucht weniger! Wir machen eh schon alles  – dann klappt das mit der Digitalisierung hier auch noch.

4) Anekdoten aus dem Forum 4: Alle im Gemeinderat stimmen für Glasfaser, nur einer nicht. Am Abend bespricht der Nichtstimmer diesen Umstand mit seinem Sohn. Der erklärt dem Vater, was man damit alles anfangen kann. Am folgenden Tag geht der Anruf ein beim Bürgermeister: Glasfaser sei doch eine tolle Sache. Man solle da mitmachen. 

Unterwegs für die Zukunft

Update vom 19. Mai 2017: dieses Interview findet sich dazu auf der Website des Breitbandbüros / Bundesministerium Verkehr und digitale Infrastruktur. Immerhin informativ. 

Die Zukunft parkt direkt vor dem Rathaus in Gütersloh. So wie in diesen Monaten in unzähligen weiteren Städten in Deutschland auch: das Informationswohnmobil des Breitbandbüros Bund ist im Dienste der Digitalisierung in ganz Deutschland unterwegs. Das ist auch notwendig, denn Deutschland tickt analog. Damit setzen verantwortliche Entscheider landauf und landab unseren Lebensstandard aufs Spiel. Da dachten sich also die Macher der Kampagne Breitband@Mittelstand: Wenn die Stadtspitzen und Unternehmer sich nicht selbst aufmachen, die Welt vor Ort in die digitale Transformation mitzunehmen – kommt eben die digitale Welt häppchenweise zu ihnen.

Das Foto zeigt das Infomobil der Kampagne Breitband in Deutschland.

Rathaus erhöre mich.

Ermöglicht hat das Mobil das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, die DIHK als Dachverband und das Breitbandbüro des Bundes. Die Idee: Menschen verstehen Digitales besser, wenn es in ihrem Alltag stattfindet. Wo andere Leute also sonst Urlaub machen, ist im Info-Mobil ein bunter Strauß an technischen Möglichkeiten im Gepäck. Etwa ein 3-D-Drucker, der mit 20 Micron Schichtdicke detaillierte dreidimensionale Werkstücke aus unterschiedlichen Ausgangsmaterialien ausdrucken kann. Oder noch besser ein Telepräsenzroboter. Dieses „Ding“ ermöglicht es Anwendern ohne physische Anwesenheit präsent zu sein. Per Internetverbindung schaltet man sich hinzu. #remote also qua persönliche Fernbedienung sind Führungsaufgaben möglich, Telearbeit – und eigentlich alles. Nur angekommen ist das bisher nicht wirklich. Übrigens sehr schleppend in ganz Deutschland. Und doch wäre das wünschenswert, denn Arbeit verändert sich weg von der Vorortbindung hin zu digitaler Überbrückung von räumlichen Distanzen. Leben in OWL, arbeiten in Berlin etwa. Ein Umstand, der künftigen Arbeitgebern deutlich werden müsste, wenn sie zukünftig kompetente Mitarbeiter finden – und halten möchten. Etwa im ländlichen Raum, in dem Fachkräfte kaum zu finden sind, aber gerne mit ihren Familien dort wohnen würden.

Weiteres Anliegen im Mobil: Ausbau mit Glasfaser. Ein echter Anschluss an die Gigabit-Gesellschaft also, denn nur mit Glasfaser werden die zukünftig notwendigen Datenmengen etwa für digitale Infrastruktur auch in Kommunen (Smart City, fahrerloses Fahren etc.) übertragbar. Die Rede ist nicht von der Überbrückungstechnik „Vectoring“. Die hat ihre besten Zeiten lange hinter sich – ist leider aber dominant in Gütersloh, weil von der Telekom im Vorrecht der Verlegung verlegt. Auf lange Sicht oder bereits jetzt ist das ein massiver Standortnachteil für Unternehmen und Bevölkerung gleichermaßen. Diesen Schritt ins schnelle Netz aber müssen die Entscheider gehen. Für Gütersloh steht das noch aus.

Infografik: Deutschland bleibt Glasfaser-Entwicklungsland | Statista

Das Infomobil ermöglicht Seminare, Workshops und Demonstrationen der mitgebrachten digitalen Anschauungsmaterialien. Wohl auch Multimedia und jede Menge Infos. Besondere Zielgruppe ist der Mittelstand.

Tim Brauckmüller, Geschäftsführer des Breitbandbüros des Bundes lässt sich zitieren mit:

Durch die Informationskampagne @Mittelstand soll vor allem eine Plattform für den Mittelstand entstehen. Wir zeigen praxisnahe Beispiele, die sich daraus ergebenen Möglichkeiten für regionale Unternehmen und stellen die jeweilen Fördermöglichkeiten vor. (…) Der Mittelstand ist Motor der Deutschen Wirtschaft! Die Digitalisierung ein „Muss“ um im globalen Markt zu bestehen. Die Digitalisierung bedeutet für die Unternehmen und die Kommunen einen Kraftakt! Die Herausforderung müssen wir annehmen, um den Wohlstand in Deutschland zu erhalten.“

Das Breitbandbüro des Bundes übernimmt damit die wichtige Aufgabe der Kommunikation und Information zur Digitalisierung in Deutschland – und vor Ort. Sie möchten Ansprechpartner sein für Verwaltungen und Politik in Kommunen, für Unternehmen – aber auch für die Bevölkerung.

Was aber, wenn keiner Notiz nimmt von der Zukunft vor der Haustür? In Gütersloh reichte es zumindest für einen Fototermin mit dem Bürgermeister der Stadt. Die IHK hat keinen Termin vereinbart, also werden auch die Mitglieder der IHK nicht erreicht. Ich habe daraufhin bei der IHK per Mail nachgefragt, ob es stimmt, dass kein Termin mit dem Infomobil zustande kam. Einfach weil ich es schade finde, dass solche Angebote direkt vor der Haustür ungenutzt verpasst werden. Und erhielt einen Anruf aus der Geschäftsleitung. Fakt ist: ja, es hat keinen Termin gegeben. Fakt sei aber auch, dass die IHK bereits sehr engagiert in dem Thema Digitales unterwegs sei, viele Veranstaltungen dazu anbiete, enorme Anstrengungen unternehme, die Mitglieder zu erreichen und im digitalen Wandel mitzunehmen. Digitales machen wir schon, war die Antwort. Zudem sei die Aktion ja auch von der DIHK getragen, eine Dachorganisation der IHKen in Deutschland, daher sei man als IHK ja faktisch eingebunden. Für mich besonders erstaunlich, denn wenn eine Dachorganisation schon so eine gelungene Aktion auf die Beine stellt – warum ist man dann nicht vor Ort aktiv dabei? „Geht es Ihnen nur darum, ein Haar in der Suppe zu finden?“ – fragte mich der Geschäftsführer. Wenn Sie so wollen: Ja. Denn Deutschland kann es sich gar nicht mehr leisten, so schleppend voranzukommen, was Digitalisierung angeht. Am Ende ist es eine Frage des Erhalts unserer Wettbewerbsfähigkeit und der Zukunft der nächsten Generation. Wir als entscheidende Generation tragen ein hohes Maß an Verantwortung, diese Entwicklungen zu gestalten und nicht zu verschlafen. Einig war ich mit dem Anrufer, dass noch eine Menge getan werden muss, etwa die Infrastruktur mit Glasfaser auszubauen. Auch die Ansprache der Handwerksbetriebe, des Mittelstandes und vieler Unternehmer sei eher schwierig. Es stellt sich die Frage, wie man diese Zielgruppe noch besser erreichen könne. Nicht jeder sei offen, nicht jeder sei zu diesem Wandel bereit. Offenbar ist damit ein Kern getroffen: Uns fehlt ein Narrativ und wohl auch die Überzeugungskraft, die digitale Zukunft zu erklären und den Menschen die Angst davor zu nehmen. Auch was das angeht, sind wir ein Entwicklungsland, im internationalen Vergleich fruchten die Anstrengungen müheloser und effektiver. Fehlen uns dafür digitale Köpfe? Fehlen uns dafür wirksame Konzepte, weil die analogen nicht mehr funktionieren?

Was müsste also passieren, damit die Ansprache und die Mitnahme der Menschen besser gelingen? Auf jeden Fall: das Infomobil weiter durch Deutschland schicken. Noch präsenter sein. Noch mehr Aufmerksamkeit erringen. Noch mehr Neugierde wecken. Vielleicht muss künftig ein solches Mobil nicht nur auf dem Rathausplatz Halt machen, sondern auch an den Werktoren oder Werkstätten. Anklingeln. Nicht nur Führungspersönlichkeiten ansprechen, sondern ganze Belegschaften. Hier finden sich IMMER Changer oder solche, die Lust haben, diese Herausforderung anzunehmen. Oder eben ganz wichtig auch: Termine vor Ort wahrnehmen, wenn sie denn so offensichtlich angeboten werden. Es ist auch eine Pflicht der Multiplikatoren, ihrer großen Verantwortung gerecht zu werden und Chancen zu erkennen. Und dafür ist es mir ganz recht, das Haar in der Suppe zu finden.

So aber fährt das Zukunftsmobil nun ganz einfach in den nächsten Ort. So viele Gelegenheiten zum Aufspringen kommen nicht mehr.

Einhörner auf der CeBIT

Seltsame Wesen liefen dort herum, auf der CeBIT 2017. Ich traf das Einhorn „Unicorn“ selbstverständlich dort, wo man es am ehesten vermutet: In der Halle mit den Start-ups, die allesamt hoffen, ihre Geschäftsidee möge zum wirtschaftlichen Durchbruch reichen. Sei es nun ein Schuhdesigner, der Schuhe digital anpasst, sei es ein Anbieter für Finanzdienstleistungen, die rein digital ablaufen und keine Mittler wie Banken mehr brauchen oder sei es eine neue Plattform für Kommunikation im digitalen Arbeitsmodus oder für das Auffinden von Experten. Alle eint:

Ein steiniger Weg bis zum ersten Erfolg. Aber auch ein spannender. Am Ende steht die Möglichkeit, dass eine Idee eine ganze Branche revolutioniert.

das Foto zeigt ein Einhorn auf der CeBIT

seltsame Wesen auf der CeBIT

Unicorn

Alle sprechen drüber, Start-ups sind zum festen sprachlichen Bestandteil in unserer Betrachtung von Wirtschaft und Arbeit geworden. Im besten Fall wünschen sich alle eine substantielle Gründerszene, die den Anschluss hält. Nur: Wie entstehen die eigentlich? Wie sollten die Rahmenbedingungen sein, ein Klima des Gelingens? Das ruft unweigerlich auch die Kommunen auf den Plan. Irgendwo müssen sie ja „gründen“, diese neuen Unternehmen. Gut, wenn Kommunen sich auf diese neue Klientel einstellen, Kompetenz aufbauen, sich selbst fit machen für die neuen Geschäftsentwicklungen. Wirtschaftsförderung muss digital gedacht werden. Das Land NRW ist unterwegs mit dem Ansatz „digitalWirtschaft NRW“ und bringt es auf den Dreiklang: Köpfe, Kapital und Märkte.

Wer gründet, braucht Köpfe. Kommunen blicken auf vielfache Orte, an denen diese wirken: in den Betrieben, in den Schulen, wenn vorhanden in den Unis oder FHs. Stimmt das Umfeld und die Räume zum Ausprobieren, können Köpfe ihre Ideen entwickeln. Es braucht ein Klima des kreativen Aufbruchs.

Wer gründet, braucht Kapital. Sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene sind Fördertöpfe für Start-ups aufgesetzt. Allerdings sind die Wege noch lang und bürokratisch, um die Gelder abzuschöpfen. Zudem fehlt oft die Kompetenz und der Weitblick von Geldgebern, welche Chancen in Ideen stecken. Die Vergabe verläuft oft nach alter Tradition, die Latten liegen hoch. (Wer schon mal einen Kredit beantragt hat….)

Gleiches gilt für die kommunale Wirtschaftsförderung: Es empfehlen sich für Kommunen: digitale Scouts oder auch digitale Dolmetscher, die die bisherige analoge Welt in die digitale übersetzen können. Das aber ist nur ein Einstieg. Längst sind es grundsätzlich digitale Geschäftsmodelle, die es zu denken gilt. Lediglich bestehende Prozesse digital zu machen, wird keinen Bestand haben. Das ist nicht gefragt. Es braucht Beispiele, was Digitalisierung im individuellen und kommunalen/regionalen Kontext an Mehrwert bringen kann, es braucht Innovationszirkel, es braucht einen aktiven Wissenstransfer, die Öffnung zu Impulsgebern, es braucht Stakeholder-Dialoge und die Nähe zum Kunden, die ihre Wünsche und Bedarfe bezogen auf Produkte formulieren. Große Schritte auch für Kommunen und ihr Personal.

Das alles und viel mehr summiert sich in einem veritablen digitalen Kulturwandel. Wobei außer Frage steht, ob „wir“ das wollen oder nicht. Es passiert bereits. Die Frage stellt sich, wie uns der Anschluss gelingt, mit Teilhabe aller und Chancen für alle. Das Unicorn ist Sinnbild für diesen Wandel. Es existiert. Ich habe es gesehen. Fangen wir es ein.

Digitaler Schock erwünscht

Der Hackday in Moers: im dritten Jahr seines Bestehens kann man erahnen, dass diese Veranstaltung mittlerweile Tradition wird. Die Zahl der Besucher steigt, die Zahl der verschiedenen Angebote steigt, vom Workshop zum Coden bis hin zum Talk am Vorabend.

Zum Talk „Medienkompetenz“ eingeladen war auch Prof. Dr. Ulrich Greveler, Hochschule Rhein-Waal mit seinem Schwerpunkt „Angewandte Informatik“ im Fachbereich Kommunikation und Umwelt. Ich habe ihn im Rittersaal Schloss Moers um ein kurzes Statement zum Thema „Medienkompetenz“ gebeten.

Sehr spannender Ansatz, den er da formuliert hat – u.a. auch der, dass Kommunen wie Moers beispielgebend sein können, wenn sie kommunal zu Hackdays einladen:

Pilotprojekt Modellkommune Open Government

Es startet ein Pilotprojekt „Modellkommune Open Government“ – bewerben können sich alle Städte und Gemeinden sowie Landkreise. Das Anmeldeformular findet sich auf der Seite des Bundesministerium des Innern.

Öffnung für den Austausch

Öffnung für den Austausch

Ziel der Initiatoren ist es, über den Wettbewerb voneinander zu lernen, wie kommunales Open Government effizient und mit hohem gesellschaftlichem Nutzen eingesetzt werden kann. Es gibt bereits zahlreiche gute Beispiele in den Städten und Gemeinden, die durch den Wettbewerb stärker gefördert werden sollen. Hierzu zählen unter anderem Bürgerhaushalte, Konsultationen im Rahmen der Stadtplanung oder Ideensammlungen bei konkreten kommunalen Projekten.“

Hier der Teilnahmeaufruf. Das Modellprojekt gliedert sich in mehrere Schritte, von der gemeinsamen Analyse bis hin zur Erstellung eines Leitfadens für Open Government.

Interessant ist auch diesmal, dass insbesondere Kommunen mit Erfahrung von Bürgerhaushalten angesprochen sind – wer hätte das gedacht, dass dies wiederum ein Kriterium für eine erfolgreiche Teilnahme an einem Pilotprojekt sein könnte. Schade, dass es in meiner Heimatstadt leider eingedampft wurde. Demokratievitalisierung und offenes Regierungshandeln sind jedoch gefragt wie nie zuvor.

Auf der Website des BMI findet sich folgendes Zitat:

Open Government als offenes Regierungs- und Verwaltungshandeln hat ohne Zweifel einen starken kommunalen Bezug. Die Bürgerbeteiligung als wesentlicher Teilaspekt hat dabei eine lange kommunale Tradition. Mit den Möglichkeiten moderner Informationstechnologie können wir weit mehr Menschen erreichen und so in den Beteiligungsprozess einbeziehen als beispielsweise mit der klassischen Gemeindesaalsitzung. Deshalb werbe ich für mehr Transparenz, Bürgerbeteiligung und Partizipation in Bund, Ländern und Kommunen und hoffe auf eine rege Teilnahme an unserem Pilotprojekt. Wir zählen auf großartige Ideen und wertvolle Erfahrungen unserer zahlreichen Kommunen!“, so IT-Staatssekretär Klaus Vitt zum Start des Modellvorhabens.

Kriterien zur Auswahl am Ende werden sein:

Überzeugungskraft der Konzeptidee  Breitenwirkung der Maßnahmen  Nachhaltigkeit der Maßnahmen  nutzerfreundliche IT-Unterstützung

Hoffentlich bewerben sich viele  Kommunen, damit die Idee des Open Government möglichst breit vor Ort verankert wird.

Marta Museum responsiv und digital

Kunst zieht Menschen an. Kommunen und kommunalpolitische Akteure streiten zwar nicht selten über Förderung derselben oder über Unterstützung von Räumen für Kultur und Kunst.

Sind Raum und Werke nach diesen Kämpfen erstmal da, ist es eine Lust und Bereicherung für das Leben vor Ort. Nicht selten werden diese Kleinodien auch zum Standortfaktor. So wie das Museum Marta in Herford. Die Ausstellung #derfremdeRaum ist wieder einmal köstlich, verstörend und auf feine Art eine Antwort auf die Frage, warum Kunst sein muss.

„Acht internationale KünstlerInnen reagieren mit massiven Eingriffen, Umbauten und Verletzungen auf die eigenwillige und selbstbewusste Architektur des Museums Marta Herford.“ – aktueller kann man kaum sein. 

Das Foto zeigt eine Installation von Arne Quinze.

derfremdeRaum, Arne Quinze

 

@nowanda1 Danke, das freut uns! #keeponrocking

Das Foto zeigt den Eingang der Ausstellung Museum Marta.

Marta Museum, Esther Stocker

Warum ich in einem digitalen Kommunalblog darüber schreibe? Aus vielfältigem Grund, einmal, weil Kunst sich finanziell immer erklären muss obwohl sie so nährend ist wie Wasser und Brot – und auch aus digitalem Interesse. Das Marta Museum ist responsiv auf die beste Art und Weise: Es ist erlaubt, Fotos zu machen. Es ist erlaubt, die Freude und Begeisterung über die Exponate und die quirligen Ideen digital mit der Außenwelt zu teilen, die Mauern des Museums mittels neuer Medien nach außen zu verlegen. In die weite Welt. Um dann das Echo aus Herford zu vernehmen, direkt und ziemlich schnell: der TwitterAccount vom @martamuseum ist kein Fake – er lebt.

Es ist jedesmal eine Freude zu erleben, wie sich Kunst und Kultur digital auf den Weg machen, ihre Reichweite durch die neuen Medien erweitern und damit die Botschaften noch ein Stück lebensechter und näher zu den Menschen bringen.

Ich spreche nicht von digitaler Kunst – das ist eine andere Gattung. Ich spreche von digitaler Vermittlung, digitaler Kommunikation von Kunst und Kultur. Sogar Freifunk Herford war im Marta zu empfangen, also WLAN vorhanden. Der Blog vom Marta ist einfach großartig, die Videotrailer sind schon Kunst für sich, die Website ist fein gemacht. Ich bin begeistert, wenn auf diesen Kanälen Leben auffindbar ist. Hach, ja, ich bin gerockt, Marta. Echt!

Museum Marta #derfremdeRaum

Museum Marta #derfremdeRaum