Denk digital – bleib kommunal

Update: Hier findet sich der Link zu meinem Eingangsvortrag. Ebenso wie der von Ingrid Brodnig (Österreichische Journalistin und Digitalexpertin) und der anschließenden Diskussion zusammen mit Moderator Meinrad Knapp. 

Update 2: Ich empfehle dazu auch den Blog von Johannes Pressl „Langfristig denken – Konkret handeln“. 

Laden die Nachbarn aus Österreich ein, muss man als Deutsche(r) kleine Brötchen backen, wenn es um E-Government geht. Sie sind uns meilenweit voraus. Ein Beispiel? Die Post, die morgens noch in Papierform im ländlichen Rathaus eingeht, ist mittags gescannt – und am Nachmittag ist analoges Totholz bereits geschreddert. Als Referentin aus Deutschland im Kreis von österreichischen Kommunalis darf man sich hier ehrfürchtig verneigen.

Ich war eingeladen, zu den Kommunalen Sommergesprächen 2017 in Bad Aussee, Österreich. Gastgeber und Ausrichter war der Österreichische Gemeindebund und die Kommunalkredit Österreich. „Thema: Denk digital. Bleib kommunal.“ Treffender konnte der Titel nicht sein. Die Musik spielt hier zwischen Tradition und Moderne:

Das Foto zeigt ein Schlagzeug mit einem Blick aus dem Fenster auf Dächer und Berge.

Kurhaus Aussee – über den Dächern spielte die kommunale Musik

In vier Fachforen konnte das weite Feld „Digitalisierung“ anschaulich aufgebohrt werden. Die jeweiligen Fachimpulse kann ich hier nicht beschreiben – ich stand selbst auf dem Podium, dann ist bloggen schwer.

Das Foto zeigt mich mit zwei weiteren Referenten.

Christoph Meineke, Bürgermeister Wennigsen/Deister (Hannover)  und Simon Rosner (Wiener Zeitung)

Die Foren mit ihren Themen sowie die Ergebnisse in aller Kürze – die Ähnlichkeiten oder Deckungsgleichheit mit der Diskussion in Deutschland liegt auf der Hand:

Nummer 1: Social Media und Kommunikation auf lokaler Ebene:

Social Media ist eine Herausforderung; gutes Kommunikationsmittel für die Kommune, weil in eigener Hand und unabhängig von anderen (Zeitungen); Kommunikation auch für die, die nicht mehr in der Gemeinde leben (Weggezogene aber Heimatverbundene); sie können sich hierüber immer noch informieren, was daheim passiert; Social Media muss professioneller werden (Technische Installation / Anwendung, Anleitung für Verwaltungsmitarbeiter); das Wissen und die Erfahrung ist nicht vorhanden, wie man mit Trollen/Shitstorm umgeht; gewünscht ist, „die Kontrolle“ in der Gemeinde zurückzuholen.

Das Foto zeigt das Panel der Ergebnisverkündigung mit den Referenten

Ergebnisse

Thema 2: Digitale Verwaltung braucht den Menschen (Kommune 4.0)

Ergebnisse: Vorbereitung und Einstellen auf eine noch schnellere Taktung der Geschwindigkeit der Veränderungen als das bisher der Fall war; Muss man mehr Personal einstellen, um die Aufgaben leisten zu können?!; es ist keine Aufgabe für Roboter: Verwaltung, Pflege von Alten, Müllabfuhr = das müssen nach wie vor menschliche Arbeitsplätze bleiben; mehr Stimmungen und Ängste der Menschen aufnehmen, Ängste wahrnehmen und ernstnehmen; digitale Werkzeuge müssen beherrschbar sein für eine Verwaltung; (Exkurs: Wenn man das kann, dann gelingt das auch  ( es braucht Erfahrungen, die erlangt man lediglich durchs Machen); wir brauchen einen Plan; die Frage beantworten: Was will ich mit den neuen Tools erreichen? (das sagt einer, der lange Jahre Erfahrung hat; Personalabteilung wird immer wichtiger = Personalentwicklung als Teil der Kommune 4.0.

Das Foto zeigt einen Konferenzraum in Österreich mit traditionellem Jagdmotiv.

Traditionell – und modern

Thema 3: Digitale Plattformen zur Umsetzung kommunaler Projekte

Digitale Werkzeuge und digitale Angebote = unüberschaubar ( es gibt zu viel, die Auswahl ist nicht mehr gewährleistet nach  handhabbaren Kriterien); die Frage ist und bleibt: Was davon soll ich nehmen? Was passt zu mir und meiner Verwaltung? Was passt zu meiner Kommune?; Womit soll ich anfangen? Die Themenpalette ist so vielschichtig: Glasfaser, E-Government+; Wie bringe ich Bürger dazu, Digitales auch zu nutzen?; Wenn digitale Angebote = dann müssen diese den Arbeitsaufwand für die Menschen reduzieren (Beispiele: Wasserzähler; keine Anträge mehr im Amt); am gefährlichsten ist es, diesen Weg NICHT zu gehen!; Vorschläge konkret: 1. Zentrales Angebot geben (1 Anlaufstelle, sinnvoll alles digital anzubieten; 2. Holschuld der Gemeinden; 3. zentrales Angebot für die Qualifikation der Mitarbeiter machen (Wartung; Bestimmungen; übergeordnete Aufgaben); 4. Klare Definition von Bundesseite wird erwartet. Schließlich bleibt die Frage: Was MUSS ich denn als Kommune anbieten? Anleitungen und klare Vorgaben werden erwartet, Vernetzung untereinander ist zentral und wichtig

Forum 4 Smart Country – digitale Strategien für den ländlichen Raum

Simon Rosner als unser Moderator stellt die Ergebnisse für unseren Workshop vor, den ich zusammen mit Christoph Meineke, Bürgermeister aus Wennigsen/Deister im Raum Hannover gestaltet habe. 

Ergebnisse in aller Kürze: Digitalisierung kann man nicht von oben überstülpen und verordnen; Verständnis der Politik und der Verwaltung über digitale Themen vertiefen; Akzeptanz der Bürger stärken; Bürger einbeziehen; das Wissen und KnowHow der Vielen und bisher unentdecken Quellen wie auch der Jugend (Jugend hackt);  Bedürfnisse und Bedarfe feststellen; Know-How in den Kommunen fehlt; Einbringen von Zivilgesellschaft in neuen Formaten wie Koproduktionen; Scheitern erlauben; Strategieplanung und beginnen!

Die Foren waren gut besucht. Das ist eine zentrale Aussage, denn wer den wunderbaren Ort der Tagung kennt: Bad Aussee, der ahnt, dass es dort um Entschleunigung geht, um Entspannung und um den Genuss der Natur. Viele Gründe also, die Landschaft zu genießen. Statt dessen rauchten die Köpfe und es wurde sehr ernsthaft und vielschichtig diskutiert. Kommunales Herzblut pochte. 

Einige besonders herausragende Sätze und Erkenntnisse am Ende der Ergebnisverkündigung. Ich schreibe sie hier gerne auf, weil sie Mut machen, aber auch schmunzeln lassen. 

1) „Wir schaffen das!“ Kein Stress.

2) Wir auf dem Land werden als Volliditionen gehalten. Wir sind es nicht!

3) Es braucht weniger! Wir machen eh schon alles  – dann klappt das mit der Digitalisierung hier auch noch.

4) Anekdoten aus dem Forum 4: Alle im Gemeinderat stimmen für Glasfaser, nur einer nicht. Am Abend bespricht der Nichtstimmer diesen Umstand mit seinem Sohn. Der erklärt dem Vater, was man damit alles anfangen kann. Am folgenden Tag geht der Anruf ein beim Bürgermeister: Glasfaser sei doch eine tolle Sache. Man solle da mitmachen. 

Hästi tehtud Estonia -aitäh

Estland – die einen feiern es als das Gelobte Land. Die anderen kennen es nicht oder wollen es nicht zur Kenntnis nehmen. Weil es spitze ist, was Digitalisierung angeht. Estland ist topp in Europa. Heute erhielt der ehemalige estnische Staatspräsident Toomas Hendrik Ilves @IlvesToomas den Reinhard Mohn Preis 2017 unter dem Motto #SmartCountry – vernetzt. intelligent.digital. Ilves wurde als Vordenker und Antreiber der Digitalisierung in Regierung, Verwaltung und Bildung im Theater zu Gütersloh geehrt. Seine Rede (klasse!!) ist leider noch nicht online. Das wäre was für die Gute_Nacht_Lektüre vieler Nachtschränke.

Das Foto zeigt Toomas Ilves.

Visionär und Macher

Ich konnte mir selbst ein Bild von Estland verschaffen. Siehe hier zwei Beiträge: Digitales Leben in Estland // Daten können Leben retten.

Gratulation an Herrn Ilves. Gratulation an Estland. Hästi tehtud Estonia.

Digitale Region – aus dem Land, für das Land

Wie überlebt der ländliche Raum im digitalen Wandel? Wir haben hier einige zentrale Handlungsempfehlungen und Anregungen gebündelt:

Colab Internet und Gesellschaft #digitaleRegion

Hintergrundbericht (klein)

Hintergrundbericht

Executive Summary

Das Foto zeigt die Broschüre DigitaleRegion.

Aus dem Land – für das Land

Das Netzwerk und seine Expertinnen und Experten stehen gerne zur Diskussion oder Begleitung zur Verfügung.

 

Was wäre Deutschland ohne ländlichen Raum?

Städte stehen im Rampenlicht, sie wachsen, sie sind sexy – und profitieren von Vielfalt und Modernität. Ländliche Räume führen dagegen eher ein Dasein wie Aschenputtel – sie stehen vor der Bewältigung großer Herausforderungen wie Landflucht, dem demographischen Wandel, Arbeitsplatzschwund, fehlende Mobilität, fehlende Gesundheitsversorgung und dergleichen. Die Probleme sind bekannt. Die 11. Initiative des Colab Internet und Gesellschaft hat Antworten entwickelt, wie digitale Strategien den ländlichen Raum am vitalen Leben (er)halten können und Teilhabe sichern. Wir haben heute die Ergebnisse in Berlin präsentiert.

Das Foto zeigt die Abschlussveranstaltung vom Colab.

11. Initiative Colab #DigitaleRegion

Wie wird man zu einer Digitalen Region?

Antworten auf diese Frage geben über 70 ehrenamtliche ExpertInnen, die in einem fächerübergreifenden Netzwerk Ideen und konkrete Handlungsempfehlungen entwickelt  haben. Die Ergebnisse liegen jetzt vor.

Im Zentrum aller stand das Ziel, die Zivilgesellschaft zu stärken und Kommunen zu einem nach wie vor zentralen Ort für Leben und Arbeiten zu erhalten. Kommunen zu einem Kommunikations-, Erlebnis- und Gestaltungsraum zu machen. In einem kontinuierlichen Dialog zwischen Zivilgesellschaft, Verwaltung, Wirtschaft, Datenenthusiasten und Partizipationsprofis entstanden Ansätze, die in drei Regionalworkshops auf ihre Praxistauglichkeit hin überprüft wurden: raus aus dem Elfenbeinturm auf die Straße. Als drei Modellregionen machten Wennigsen/Deister, der Region Augsburg, die die Stadt Augsburg, den Landkreis Augsburg und den Landkreis Aichach-Friedberg umfasst, sowie Südniedersachsen den Praxischeck. Vom Chatbot bis zum digitalen Dorfkümmerer und der Einrichtung von Coworking-Spaces auf dem Acker ist eine ganze Bandbreite an praxisnahen Handlungsmöglichkeiten entstanden.

Logo_Final

In Gesprächen unter anderem mit Bürgern, Unternehmen und Verwaltungsverantwortlichen hat sich der große Bedarf an Wissenstransfer und Aufbau von Knowhow gezeigt, um vorhandene Ängste zu überwinden und um passende Ausgangspunkte für die eigene digitale Transformation zu finden.

Die Ergebnisse liegen in einer Summary vor ebenso wie in einem vertiefenden Hintergrundbericht. Beides ist als Download verfügbar – man schaue gerne hier:

Executive Summary

Hintergrundbericht (klein)

Hintergrundbericht

Wie definieren wir eine digitale Region?

Eine lange diskutierte Frage, war genau diese – und wir sind froh, eigene Kriterien entwickelt zu haben.  Eine Digitale Region ist man nicht, aber man kann eine werden. Aber liegt diesem Konzept nicht ein fundamentaler Widerspruch zu Grunde, weil die Prinzipien von Digitalisierung und Vernetzung die Eigenschaft haben, Raum und Zeit zu überwinden? Kann Internet überhaupt regional sein? Und was soll in diesem Kontext “regional” bedeuten? Das scheinbare Paradoxon lässt sich nach zwei Seiten hin auflösen: Einerseits steht “hinter” der digitalen Welt eine durchaus raumgebundene Teilhabestruktur. Andererseits kann man bei den Regionen ansetzen und sieht Digitalisierung hier als Lösung für spezifische regionale Herausforderungen.

Die Experten entwickeln fünf wesentliche Bausteine für eine digitale Region:

## Infrastruktur

Verbindender Baustein jeder regionalen Digitalstrategie ist insbesondere die intelligente Infrastruktur. Diese besteht aus dem schnellen Netzzugang über Glasfaseranschlüsse, W-LAN oder Mobilfunkverbindungen als aus sicheren Cloud-Infrastrukturen. Darüber hinaus sind es auch die traditionellen Infrastrukturbestandteile wie Straßen, Laternen oder Ampelanlagen, die mit Hilfe von Sensoren und der Nutzung eines intelligentes Netzes (Internet der Dinge) smart werden.

## Digitalisierung der Alltagserfahrungen

Bei den Anwendungen steht die Digitalisierung der Alltagserfahrungen im Mittelpunkt. Eine Agenda für die Digitale Region sollte Antworten auf nachhaltige und vernetzte Mobilität, dem digitalen Zugang und die digitalen Prozesse für Bildungs- oder Kultureinrichtungen oder auf die künftige Organisation von Gesundheitsdiensten und Pflegeleistungen geben. Daran hängen auch Fragen nach “Digital Literacy”, digitaler Zugang allein genügt nicht: Es bedarf der Kompetenzen, digitale Programme und Informationen zu nutzen.

## Wertschöpfung und Innovation

In den nächsten Jahren wird Digitalisierung und Vernetzung die Arbeitswelt des 21. Jahrhunderts entscheidend verändern.  Wie werden Arbeitsformen dabei genutzt? Welche Elemente umfasst eine Innovationsstrategie im Hinblick auf Organisation, Technologie, Prozesse und Einstellungen?

## Partizipation und Transparenz

Bürgerbeteiligung und Transparenz stehen als Forderungen auf der politischen Agenda. Sie richtet sich auf die Beteiligungen im Verwaltungs- als auch im politisch-parlamentarischen Prozess. Der Aspekt Transparenz wirkt in zweifacher Hinsicht. Es geht darum, Digitalität selbst transparent zu gestalten. Das betrifft den derzeitigen Stand der intelligenten Infrastruktur, den man in Echtzeit erfassen und steuern können will. Angesichts immer neuer digitaler Anwendungen (Apps, Online-Plattformen, IoT etc.) sollten Fragen des Datenschutzes, also der Transparenz der digitalen Angebote gegenüber dem User, nicht aus dem Fokus fallen. Transparenz bezieht sich auf politisch-administrative oder politisch-parlamentarische Vorgänge. Transparenz soll in diesem Fall durch das Mittel der Digitalisierung grundsätzlich ermöglicht werden.

## Digitale Verwaltung

Verwaltung ist nicht mehr nur Ordnungs- und Dienstleistungsverwaltung, sondern als Bürgerverwaltung ein Teil der digitalen Gesellschaft, in der Kunden zunehmend auch zu Produzenten werden. Diese wollen mit öffentlichen Verwaltungen auf Augenhöhe kommunizieren und interagieren.

Habbel fragt - digitale Region antwortet

Habbel fragt – digitale Region antwortet

Appetit-Happen für weitere Ergebnisse in den AG-Schwerpunkten

Wir waren in den Schwerpunkten, Arbeit und Wirtschaft, Mobilität, Bildung, Politik und Verwaltung sowie Facing Fears unterwegs. Die Ergebnisse sind vielflältig, aber allen gemein ist diesmal: Wer den digitalen Transformationsprozess gestalten will, muss sich eines alten Mittels bedienen: Kommen Sie miteinander ins Gespräch! Wir haben in den letzten Jahren viel Zeit darauf zugebracht, voran zu gehen, ohne uns zu vergewissern, wie viele Menschen auf diesem Weg wir mitnehmen. Daher sind sehr unterschiedliche Geschwindigkeiten entstanden, die Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung eingeschlagen haben. Zu unterschiedlich sind daher nun die Kenntnisse, Kompetenzen und Chancen verteilt. Jetzt ist es an der Zeit für eine größere Mitnahme. Diese Erkenntnis ist auch ein Ergebnis der Praxischecks vor Ort.

Die Erdung in den besuchten Regionen und die Gespräche auf der Straße brachten die erstaunlich simple Erkenntnis: die Menschen verstehen nicht mehr, was die Berliner Blase da von sich gibt. Wir brauchen Bilder des Gelingens, der Möglichkeiten und eine einfache Sprache anstatt CargoKult und Buzzwords. Hier knüpfen vor allem die erstaunlichen Ergebnisse aus der AG Facing Fears an, die aus 48 zusammengetragenen Ängsten sieben Ängste besonders „gehighlightet“ haben – die heute aktueller sind denn je: Gläserner Bürger, Datensicherheit, Verlust an Medienvielfalt und -Kompetenz, ständige Erreichbarkeit durch den Arbeitgeber. Der digitale Wandel speist sich erkennbar nicht nur aus Kopf und Verstand, sondern Digitalisierung ist auch ein Bauchgefühl – ein Umstand, der leider bisher zu wenig berücksichtigt wurde.  

Wie geht es jetzt weiter?

Wir haben kein Erkenntnisproblem – wir haben ein Umsetzungsproblem. Die Ideen sind da, die Köpfe sind da – insbesondere im interdisziplinären Netzwerk des Colab – jetzt ist es Zeit, durchs Land zu gehen und die Lust auf Landleben zu erhöhen, in dem das Aschenputtel „Ländlicher Raum“ endlichen den richtigen Schuh an den Fuß bekommt.

Meine Abschlussrede habe ich daher auch mit den Wünschen garniert:

Will heißen: Geht raus ins Land und reicht den Menschen die Hand zum Austausch. 

Dann kann man auch nahtlos anschließen zu dem, was Sönke E. Schulz in seiner Keynote als Brückenschlag skizziert hat: von der Daseinsvorsorge zur E-Daseinsvorsorge. Die unten gestellte Frage wird dann um so deutlicher mit „Ja“ zu beantworten sein: 

#DigitaleRegion – was ist zu tun?

Am Ende gibt es einen Fragebogen zum Thema Wirtschaft und Arbeit – bitte mitmachen: 

Die 11. Initiative des CoLab Internet und Gesellschaft und der Verein „Unternehmen für die Region“ haben die #digitaleRegion in den Fokus genommen. „Aus dem Land – für das Land“.

Von April bis Oktober 2016 kommen ExpertInnen aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sowie Regionalvertreter zusammen: In einer klassischen Think-Tank-Art auf Grundlage ihrer Expertise  diskutieren und erörtern sie die aktuellen Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für den außerstädtischen Raum interdisziplinär. Ich arbeite für die Bertelsmann Stiftung in dem Gremium mit.

Auf dem Weg #digitaleRegion

Auf dem Weg #digitaleRegion

Ein Aspekt aus der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Arbeit ist dabei: Die Auswirkungen der Digitalisierung auf die klein- und mittelständischen Unternehmen als integraler Bestandteil einer vitalen Kommune. „Darüber hinaus geht es um die gesamtgesellschaftlichen Chancen einer Revitalisierung von Regionen durch die Etablierung regionaler Verbünde, die sich im Sinne von Verantwortungspartnerschaften für den digitalen Wandel in ihrer Region einsetzen.“ So steht es auf der Website des CoLab.

Diese Impulse sind nicht unerheblich auch für die Region OWL (Ostwestfalen-Lippe). Wir basteln als Arbeitsgruppe des Colab gerade an einer Kurzstudie, die wir aufsetzen wollen.

Dazu haben wir in einer ersten Phase einen Fragebogen entwickelt, den wir gerade durch die Social Media Kanäle schicken und um deren Beantwortung wir diejenigen bitten, die sich mit Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung beschäftigen.

Hier ist der Fragebogen – wer Zeit und Interesse hat, ist ein geladen, zu antworten und sich zu beteiligen.

Die Ergebnisse fließen dann als Basis in die Studie ein, aus der wir gerne auch konkrete Visionen entwickeln wollen, wie sich eine #digitaleRegion entwickeln lässt. Am Ende wird es zwei konkrete Testphasen geben: in Wennigsen (Deister) und eine in der Region Augsburg. Unser Ziel: von der Theorie in die konkrete Anwendung kommen.

Freue mich über Mitmachen beim Fragebogen. Über den Fortgang des Projektes blogge ich weiter.

Weichen stellen für die Zukunft

Wenn man nicht nur den Blick auf #SmartCity richtet, ist man schnell bei #SmartCountry. Was ist das eigentlich – und welche Weichen müsste man denn stellen, um smart zu werden. Und noch viel interessanter die Frage: Warum sollte man das überhaupt wollen?

Das Foto zeigt die Referenten vom Panel SmartCountry

Photo: © Jan Voth Metropolitan Solutions 2016

Alles spannende Denkansätze, die wir auf der Metropolitan Solutions im City Cube zu Berlin diskutiert haben. Ich verlinke mal dazu, weil ich die Moderation für die Bertelsmann Stiftung zum Panel „SmartCountry – Teilhabe sichern“ übernommen habe.

Metropolitan Solutions – hier geht´s zu meinem Blogpost im Wegweiser Kommune der Bertelsmann Stiftung.

Digitales – Bindemittel für den ländlichen Raum

Nichts überbrückt räumliche Distanzen so gut wie Digitales. Das gilt auch für den ländlichen Raum, das gilt auch und vor allem bei Teilhabe und Partizipation der Menschen. Digitales gewinnt nochmal an Fahrt, wenn es für den ländlichen Raum und für Menschen im Einsatz ist.

Ich habe dazu einen Beitrag im „Treffpunkt Kommune“ der Zeitschrift „dergemeinderat“ verfasst. Diesen kann ich hier nur verlinken, leider nicht einbetten.

der Schriftzug "Smart" auf einem Betonpfeiler im ländlichen Raum.

Smart – Digitales überbrückt.

Tenor: „Digitale Kommunikationsformen bergen viele Möglichkeiten, das Leben im ländlichen Raum zu beleben und die junge Generation an die Gemeinde zu binden. Kommunal orientierte Apps können helfen, den Alltag besser zu bewältigen und öffentliche Dienstleistungen gezielt an die Bürger zu vermitten.“

Ich kam auf diese Verbindung durch meinen digitalen Wahlkampf im letzten Jahr und die Idee, dass die Ortsteile eine eigne App für sich entwickeln könnten, um die quartiersspezifischen Wünsche der Einwohner besser zu kommunizieren und zu vernetzen.

Ohne Kabel ist keine Stadt zu machen

Sich in fremder Umgebung zurechtzufinden, ist mittlerweile kein Problem mehr. Die Welt steckt in jedem Smartphone und die zahlreichen kleinen HelferleinApps meistern, den individuellen und schnellsten Weg von A nach B: Straßenverzeichnisse, Sehenswürdigkeiten, Öffentliche Mobilität, Koordinaten. Ein Mix an Möglichkeiten steht bereit. Eine der wichtigsten Apps wäre aber wohl mittlerweile die: Wo finden sich öffentliche Steckdosen zum Aufladen von mobilen Devices alles Art? Am besten gratis. Am besten aus regenerativer Energie. Am besten ohne Datenklau. Damit die kleinen mobilen Helfer funktionieren, braucht es Ladestationen.

Das Foto zeigt eine Grafik auf der CeBIT mit dem Hinweis auf Ladestationen für mobile Devices.

ohne Kabel läuft nix – Ladestationen für Cities

Auf der CeBit fand ich genau das ziemlich gut: eine kostenlose, freie Ladestation mit ausreichend Steckdosen und vielen Sitzgelegenheiten. Super gemacht. Wäre meiner Meinung nach auch auf jede Innenstadt zu übertragen. Sogar grün produzierbar. Voraussetzung ist natürlich die Datensicherheit, d.h. kein Hacking möglich, kein Datentransfer und keine Installation von Schadsoftware. Das geht.

Besonderes Augenmerk bekam das Thema nochmal im Rahmen der Hackathons „Refugees Welcome„: Hat man einmal begriffen, wie zentral und schier überlebenswichtig die mobile und globale Kommunikation im Leben der Menschen geworden ist, weiß man, wie wichtig eben auch Ladestationen sind, die man zu jeder Zeit ohne Bezahlung nutzen kann. Warum also nicht solche Ladestationen an zentralen Orten einrichten? Warum nicht auch dazu ein eigene App für die Cities basteln – oder sie in die City-Apps mit aufnehmen – wo diese Ladestationen sind? Smart Data nutzen für ein (smartes) Leben.

Smart Data als Schild auf der CeBIT.

Smart Data als Ziel

Digitale Dörfer – der Weg in die Zukunft

Wie können digitale Strategien helfen, Menschen zu vernetzen, die aufgrund von räumlicher Distanz, Alterung und Zerfall der Sozialstrukturen, Schrumpfung von Wohnumfeldinfrastruktur ihren Alltag wie Einkaufen und Mobil-sein nicht mehr bewältigen können? Ideen gibt es. Projekte auch: Eins davon ist „digitale Dörfer“. Gleich mehr dazu mit Videointerview.

Das Foto zeigt ein Windrad auf einem Acker.

fit und digital in die Zukunft

Es gibt zwei Entwicklungen: Ortsteile verlieren ihre Vitalität und/oder ganze Dörfer sterben aus. Im Rahmen meines Bürgermeisterwahlkampfes wurde ich im letzten Jahr oft gefragt, welche Zukunftsentwicklung ich etwa für die Ortsteile meiner Stadt sehe, die sehr dezentral gelegen sind und eben spürbar den Folgen des demographischen und digitalen Wandels unterliegen. Meine Antwort: Digitales. Nichts überbrückt diese Lücken besser. Passgenaue Ortsteil-Apps etwa können helfen.

// Wenn Dörfer (aus)sterben 

Noch größere Herausforderungen bestehen, wenn es um ganze Dörfer geht. Es gibt sie (fast) überall und jeder kennt eins: Dörfer, die so langsam aussterben. Die jüngeren Einwohner ziehen weg, die Älteren bleiben. Die Möglichkeiten zur Arbeit sind sehr mäßig, die Chancen, sich mit Lebensmitteln zu versorgen oder auch mobil ohne Auto etwa im Alter zu bleiben schwinden. Und trotzdem möchten die Menschen hier in der „Fläche“ und in ihren Dörfern leben bleiben. Wie das gelingen kann, zeigt das Projekt „digitale Dörfer“. Drei Dörfer testen digitale Strategien als Möglichkeiten, vital zu bleiben.

// Testregionen Rheinland-Pfalz 

Zwei Testregion in Rheinland-Pfalz und damit drei digitale Dörfer sind beteiligt: die Verbandsgemeinde Betzdorf im Landkreis Altenkirchen sowie die Verbandsgemeinden Eisenberg und Göllheim im Donnersbergkreis. Das Fraunhofer IESE erforscht und erarbeitet mit ihnen in den nächsten zwei Jahren, wie das Potenzial vor allem im Bereich Mobilität und Logistik gewinnbringend mit smarter Technologie zusammengebracht werden kann.

// Innovative Ansätze

Auf der Website wird der Ansatz so beschrieben: Bestehende Systeme müssen dabei ineinandergreifen und aufeinander abgestimmt funktionieren. 1. Der regionale Einzelhandel schließt sich zusammen, mit Hilfe mobiler Bürger werden Lebensmittel und Waren noch am gleichen Tag der Bestellung ausgeliefert; 2. ältere Menschen und Menschen mit Behinderung erhalten Unterstützung bei ihren Wegen zum Einkaufen, zum Arzt oder bei anfallenden Arbeiten durch ihre Mitmenschen; 3. Pendler stellen auf ihren täglichen Routen zur Arbeit oder nach Hause Pakete ohne besonderen Mehraufwand zu und befördern sie gleich mit.

„Durch Software vernetzen sich Mobilitäts- und Logistiksysteme, kombinieren sich Dienste aus unterschiedlichen Bereichen und schaffen für alle einen großen Mehrwert. Die komplexe Zusammenführung und Integration unterschiedlichster Systeme wird beim Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering unter dem Begriff „Smart Ecosystems“ erforscht. In den Testregionen finden sich nun die realen Grundlagen, um Visionen und Ideen zu evaluieren und zu erproben.“

// Das Dorf im Smartphone hilft 

Die Verbandsgemeinde Betzdorf macht hier mit: Sie zählt ca. 15.000 Bewohner auf einer Fläche von 24,53 Quadratkilometer, das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 619 Einwohnern je Quadratkilometern. Eine eigene App für den Alltagsgebrauch wurde entwickelt, um:

  • digitales Einkaufen zu ermöglichen,
  • Paketsysteme per Crowd zu organisieren,
  • mit der Möglichkeit zur individuellen Zustellung,
  • sowie Verkaufskonzepte innovativ zu gestalten.

Die kleine Dorfwelt mit ihren Bedürfnissen findet sich demnach passgenau auf die Größe eines Smartphones gebracht. Die Menschen können mittels digitaler Strategien ihre vermeintlichen Defizite überbrücken. Mobile Ideen helfen.

// Steffen Hess im Interview

Zum Projekt habe ich den Teamleiter von Fraunhofer IESE, Steffen Hess, auf der CeBIT in Hannover um ein kurzes Interview gebeten: