Glasfaser ist Zukunft

Die digitale Infrastruktur ist der Standortfaktor Nr. 1. Wer künftig kein Glasfaser in seiner kommunalen Erde flächendeckend verlegt hat, wird dieses Versäumnis kaum mehr aufholen.

Die BiTel hatte in der letzten Woche ihren Geschäftsbericht für Gütersloh vorgestellt. (leider nicht online) Gütersloh ist meine Heimatstadt – und zudem der Ort, der demnächst in weiten Teilen des Stadtgebietes vom schnellen Netz der Zukunft abgekoppelt sein wird.

ohne Worte

ohne Worte

Hier mein Leserbrief dazu: (vielleicht veröffentlicht ihn auch die Lokalzeitung)

Die BiTel sieht sich vor einem guten Geschäftsergebnis. Das erfreut. Was nicht zu lesen ist: sie unterliegt einer Wettbewerbsverzerrung, die sich insgesamt schädlich für Gütersloh auswirken wird.

Die Telekom hat sich den Löwenanteil der Versorgung mit angeblich schnellem Internet in Gütersloh gesichert. Der Grund ist nicht etwa Qualität oder Cleverness. Es ist bedingt durch ein wettbewerbshinderliches Vergabeverfahren durch die Bundesnetzagentur. Damit liefert man einem ehemaligen staatlichen Monopolisten den größten Teil des Zukunftskuchens Freihaus auf den Teller. Die Telekom verwendet bei ihrem Vectoring-Ausbau veraltete Kupferkabel und verhindert damit den Ausbau von zukunftsfähiger Glasfaser, wie etwa die BiTel es verbaut. Dem Wettbewerber am Markt, eben wie die BiTel ein solcher ist, bleiben nur Küchenkrümel übrig. Will zudem ein Kunde der BiTel ebenfalls schnelleres Netz, muss er bisher den Anbieter wechseln, etwa zur Telekom, da die BiTel bisher kein Vorleistungsprodukt, welches ihr die Telekom einräumen müsste, anbieten kann. Weil die Telekom das zwar versprochen hat, aber bis jetzt nicht hält.

Was auf den ersten Blick aussieht, als wollte ich Werbung für die BiTel machen, entpuppt sich auf den zweiten Blick als regelrechter Standortnachteil für einen Großteil der Stadtgebiete in Gütersloh. Glasfaser ist die Zukunft. Das ist mittlerweile eine Binsenweisheit, die selbst die großen Wirtschaftsverbände auf den Plan ruft, die gegen das Technologiemonopol der Telekom protestieren.

Wer als Einwohner der Stadt in seinem Stadtviertel eine digitale Infrastruktur mit Glasfaser vorfindet, hat künftig klare Vorteile: Viele werden dorthin ziehen wollen, wo gutes Netz ist, die Immobilienpreise werden steigen, die Arbeitsbedingungen für neue Arbeitsformen wie Arbeit4.0 werden dort hervorragend sein. Glasfaser ist eine Technologie faktisch ohne Beschränkungen hinsichtlich der zu transportierenden Datenmengen. Es ist eine Zukunftstechnologie mit Vorteilen sowohl für den Wohn-, Wirtschafts- und Bildungsstandort in der Stadt. Der Großteil der Bevölkerung aber wird mit der antiquarischen Technik der Telekom zu kämpfen haben, welche schon in wenigen Jahren ihre Leistungsfähigkeit eingebüßt hat. Auf dem Weg in die Gigabit-Gesellschaft bleibt Gütersloh abgeschnitten. Leider ist das immer noch ein Nischenthema in Gütersloh. Leider vertrauen die kommunalen Entscheider weiterhin darauf, dass ein Ex-Monopolist es richten wird. Leider interessieren sich auch die in den Startlöchern stehenden Bewerber für das Bundestagsmandat für den Wahlkreis Gütersloh nicht so richtig für eine digitale Infrastruktur. Wir bleiben auf der untersten Stufe der Möglichkeiten. Trotz der guten Geschäfte der BiTel müssten daher die Alarmglocken der Entscheider losgehen: Wie schaffen sie künftig die Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse, wenn die wenigen Kunden der BiTel schnelles Netz haben aber ein Großteil der Bevölkerung nur noch im Schneckentempo Internet nutzen kann? Es wäre Zeit für intelligentes Ausloten, wie man hier den Anschluss behält. Trotz der Telekomhoheit. Dass es möglich ist, zeigen viele andere kommunale Beispiele.

CoLab #digitaleRegion

Ich freu mich sehr darüber:

Zur Zeit arbeite ich mit in der „11. Initiative #digitaleRegion Aus dem Land – für das Land“. Da bin ich gespannt, was wir wieder mit Hilfe der Multistakeholder-Methode auf die Beine stellen. In Kürze starten die ersten Regionalworkshops, dann mehr dazu.

Medienwelt und Medienkenntnis – auf den Kopf gestellt

Wir werden lernen müssen, mit der Angst zu leben. Diesen Satz haben wir alle in den letzten Monaten unzählige Male gehört. Angesichts der Terrorakte in der ganzen Welt und zunehmend vor unserer Haustür fiel er in fast jedem Kommentar, sei es seitens der Politik, der Staatsschützer oder auch von uns selbst. Auch gestern fiel er wieder, als diesmal in München auf wehrlose Menschen geschossen wurde.

Was aber genau müssen wir denn lernen?

Zwei Dinge sicherlich:

  1. Den Umgang mit einer neuen Art von Berichterstattung über diese Vorfälle. Diese hebt längst die traditionelle Medienwelt komplett aus den Angeln.
  2. Den Umgang mit digitalen Hilfsmitteln, die Informationen vermitteln und helfen, sich zu schützen.

Neues Medienverhalten 

Der „Sonderfall“ in München hat es gezeigt, wie selten zuvor: die Medienberichterstattung hat sich fundamental geändert. Die Social Media Kanäle erweisen sich als schneller, als vielfältiger, als zentrale Quelle, obwohl die Informationen aus dem Wissen der Vielen entspringen, die nicht nach journalistischen Grundregeln ticken. Die teilende Gesellschaft ist auch eine teilende Mediengesellschaft, in der nicht mehr konsumiert wird, sondern längst jeder auch produziert – und wo Informationen so schnell geteilt werden, dass selbst die Profis der alten Medien sich dieser Kanäle bedienen, weil die Direktheit in ihren Vorteilen durch nichts mehr zu toppen ist. Die Menschen sind vor Ort, sie berichten in Echtzeit. (Zu den Nachteilen komme ich gleich auch noch.)

Als offenbar zentrale Quelle hat sich Twitter herausgestellt. In Windeseile war der Hashtag #München #OEZ und #Schießerei verbreitet, ein ganzer Kanon an Videos, Bildern, Infos, Meinungen verbreitete sich. In diesem Reigen waren alle beteiligt, wenn auch mit unterschiedlichen Rollen: sowohl die Polizei nutze den Kanal als auch staatliche Stellen wie die Stadtverwaltung, Politiker und auch die Medien. Alle Nutzer sind gleich, die Kommunikation findet auf Augenhöhe statt. Selbst die Polizei in München twittert in der Ansprache mit einem vertrauten „Du“.

Und die Polizei twittert in gleich mehreren Sprachen, weil Twitter universell genutzt wird, in einer globalen Großstadt wie München keine Frage der Notwendigkeit.

Auf Twitter zeigt sich, dass die Qualität nicht in der Einzelmeinung entsteht, sondern in der Vielfalt, die ein facettenreiches Mosaik der Ereignisse aus den unterschiedlichen Blickwinkeln ermöglicht. So eine verdichtete fast 360-Grad-Berichterstattung ist neu. Selbst die traditionellen Medien verwiesen im Fall München in gefühlt jedem vierten Satz auf Twitter als Quelle. Da ist es schon fast kurios, dass ein Twitterati, Blogger und Internetgeschöpf wie Richard Gutjahr gleich zweimal direkt vor Ort ist, wenn ein solches Attentat stattfindet.

Um der Schnelligkeit der Ereignisse und aber auch der Schnelligkeit der neuen Berichterstattung durch die Social Media Kanäle gewachsen zu sein, muss das traditionelle Fernsehen gleich online bleiben. Es kann keine Sendepause mehr einlegen, um die Informationen zu sammeln, zu bündeln oder gar mit Deutungshoheit zu versehen. In der Zeit würde das Netz diese Aufgabe vollends übernehmen und eine ganz eigene Art der Berichterstattung ermöglichen. Die Zuschauer würden dem Medium folgen, welches dran ist, dabei ist. Es geht erst in zweiter Linie um deren Auslegung und Wirkungsanalyse, es braucht keine Journalisten mehr zur Einordnung.

So erstaunt es eigentlich auch nicht mehr, dass Jens Riewa von der Tagesschau plötzlich vom Moderator zum Interviewer wird, dass die Tagesschau gleich einfach weitersendet und ihre sonst heilig eingehaltene Viertelstunde überschreitet. Überschreitet mit vagen und spekulationsfördernden Fragen aus dem Studie an einen Reporter vor Ort, der diese Fragen offensichtlich nicht beantworten kann, ohne der Spekulation ungerechtigerweise Gestalt zu geben. Er ist nur einer, der auf verifizierte Infos angewiesen ist, die er dort, wo er steht, aber nur spärlich oder gar nicht bekommt. Es erstaunt nicht, dass im ZDF live in eine Pressekonferenz in einem Autohaus geschaltet wird und die Reporter und Journalisten überhaupt keine Chance haben, irgendetwas an Information zu filtern, zu sortieren oder einzuordnen. Die Zuschauer, die überhaupt noch Fernsehen schauen, werden gleich mitgenommen. Direkt vor Ort dabei. So wie es auch die Social Media leisten. Zugleich werden auch hier wilde Fragen gestellt, von denen jeder weiß, dass man sie zu diesem Zeitpunkt gar nicht wirklich beantworten kann.

Nicht zuletzt haben viele öffentlich-rechtliche Sender selbst mittlerweile Apps zum Downloaden eingestellt, die es ermöglichen, den Redaktionen Videos und Bilder von Ereignissen direkt in die Redaktionen zu übermitteln. Gleiches gilt für Voice-Aufnahmen, die man einsenden kann. Smartphones machen es möglich, jeder Nutzer eines solchen Gerätes ist auch potenzieller Produzent von News. Jeder könnte ein nächster Augenzeuge sein. So nah kann keine Redaktion der Welt sein, wie die Menschen vor Ort an den Ereignissen dran sind. Es reicht den Vielen offenbar die Einordnung der Vielen – und nicht der wenigen Experten im Fernsehen. Es ist offenbar wichtig, das vor Ort die Arbeit der Sicherheitskräfte geleistet wird, es braucht keine Deuterei von Wenigen mehr, die im Fernsehen auftreten. Die Menschen folgen den Vielen, den Praktikern (Polizei, ihr macht eure Sache gut) und der Vielfalt der Standpunkte.

„Twitter“ –  was ist denn das überhaupt – und kann denn da jeder was reinschreiben?

Diese Frage ist sicher spätestens gestern bei vielen Zuschauern der traditionellen Meiden gefallen. Eine neue Quelle hält Einzug. Die Frage stellt sich, ob und wie der Auftrag der Medienschaffenden als oft zitierte „4. Gewalt im Staat“ überhaupt noch ihre Aufgaben erledigen können, oder ob sich das Geschäftsmodell nicht längst derart verändert hat, dass dies schon nicht mehr in alter Weise funktioniert. Digitale Disruption im Medienschaffen? Die ersten Diskussionen dazu finden bereits statt, aber erst zaghaft und noch sehr auf die Redaktionen selbst beschränkt, die den Schwund des „Journalismus“ als erste bemerken. Andererseits wird die öffentlich-wütende Diskussion um die „Lügenpresse“ auf die Straße getragen und es fehlt bisher an Konzepten, den rechtspopulistischen Hetzern den Wind aus den aufgeblasenen Segeln zu nehmen.

Und was wird sein, wenn künftig nicht mehr reale Menschen die Berichterstattung übernehmen, also etwa in den öffentlich-rechtlichen und auch privaten Medienanstalten, sondern auch noch künstliche Intelligenz Teile dieser Aufgaben übernehmen? Künstliche Intelligenz, die künftig Datensätze in Bruchteilen von Sekunden durchforsten können – und auswerten oder die ganze Berichte aus den vorliegenden Fakten schreiben, ohne, dass ein Mensch diese je gesehen hätte?

Das führt mich zu der zweiten Frage:

Was müssten die Menschen eigentlich alles wissen/lernen, um ihrerseits Berichterstattungen oder auch Katastrophenschutz verfolgen und einordnen zu können? Wie nimmt man etwa die ganze Bevölkerung mit, wenn es um Informationsvermittlung zum Schutz der Bevölkerung geht – diese aber zunehmend digital stattfindet? Dazu muss man die digitalen Handwerkszeuge kennen. Nicht alle haben Anteil daran.

Einige Aspekte seien hier besonders genannt, die schon funktionieren – aber sicher nicht auf dem Radar der breiten Bevölkerung verankert sind:

Katwarn ist ein deutschlandweites Warn- und Informationssystem, welches bei Katastrophen zusätzlich zu den Stellen wie Polizei, Feuerwehr und Medien informiert. Es ist nur orts- und themenbezogen im Einsatz. In einigen Städten und Kreisen steht es zur Verfügung. Dieses Tool überwindet die „letzte Meile“, also den direkten Draht zum Empfänger, also der Bevölkerung. Es soll hier nur darauf verwiesen werden – um zu zeigen, dass es Tools gibt, die aber nicht bei allen in der Bevölkerung bekannt sind oder auch aus Unkenntnis nicht abrufbar sind. Im Falle München zeigte sich das System zwar als überlastet, aber die Idee hinter dieser Art lokaler und konkreter Hilfsapp sollte in die Breite gehen und ausgefeilt werden. Daten dazu liegen ausreichend vor. Dazu wären Strategien sinnvoll, die Bevölkerung über solche Hilfsmittel zu informieren und in der Nutzung zu schulen. Neben Katwarn gibt es auch noch die Warnapp NINA des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz, die ähnlich arbeitet. (Ich hatte dazu schon im Rahmen des Feuerwehrneubaus in GT gebloggt). Auf der Seite des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz finden sich einige gute Hinweise  – es reicht aber nicht, wenn nur digital Affine oder Findige sie dort finden und für sich nutzen. Solche digitalen Strategien gehören ins Allgemeinwissen.

SafetyCheck von Facebook: Am 16. Oktober 2014 gibt Mark Zuckerberg eine neue Funktion von Facebook bekannt, den SafetyCheck. Er schreibt, dass es angesichts der vielen Katastrophen sinnvoll sei, wenn man bei Eintritt solcher Umstände schnell seine Lieben informieren kann, dass man sich in Sicherheit befindet – oder eben auch Freunde checken kann, ob es diesen gut geht. Auch im Fall von München war dieser Safety Check freigeschaltet: Finde Deine Freunde und erkundige dich nach ihnen. Markiere sie als sicher. Ein hilfreiches Tool in einem solchen Fall, in dem potenziell viele Tausend Menschen betroffen sein könnten. Der Datenschutz tritt da deutlich in den Hintergrund der vordergründig genialen Idee.

Twitter: Nutzen von Hashtags – und ein Grundverständnis über das Funktionieren dieses Nachrichtenkanals ist leider noch kein allgemeines Kulturgut. Es bedarf noch einer stärkeren Aufklärung in die Breite hinein, welche neuen Formen der Kommunikation mit diesem Kanal möglich sind und wie diese Echtzeitkommunikation Einsätze und Berichte verändern.

Warnung der Polizei vor Postings von Fotos: Die Polizei in München warnte davor, Bilder und Videos vom Tatort weiterhin hochzuladen. Auch Täter schauen in den Social Media Kanälen nach, auch sie nutzen diese. Um in der Gefahrenabwehr den Tätern keine Informationsvorteile zuzuspielen, ist das Anliegen nachvollziehbar. Es hält sich nur keiner dran, weil der Kanal einfach davon lebt, Infos in Echtzeit einmal rund um den Erdball zu zwitschern. Wir haben uns daran gewöhnt, in Echtzeit dabei zu sein, sei es beim Niederschlag des Putsches in der Türkei oder sei es bei der Täterjagd in München. Der Grad ist schmal, wo Echtzeit und Authentizität richtig sind und wo sie gefährlich werden können.

Checkliste von Fakebildern zu Katastrophen. Es gibt auch Fakebilder, die geteilt werden, weil die Nutzer nicht erkennen (können), dass es Falschmeldungen sind. Der Spiegel hat eine Checkliste veröffentlicht, wie man Bilder auf ihren Echtheitsgehalt hin überprüfen kann. Es gehört eben auch ein hoher Grad an Verantwortung dazu, wenn man eine teilende Gesellschaft ist.

Fakt ist: wir erleben eine rasendschnelle Veränderung in unserem Medienverhalten und in unserer Medienkenntnis. Mir wäre wichtig, dass diese damit verbundenen Möglichkeiten auch allen Menschen in der Bevölkerung bekannt sind – und damit auch die Tragweite und Verschiebung von Verantwortung. Ein neues Kapitel in der Medienbildung wäre angebracht. Eine Aufgabe für uns alle, die Teilhabe aller zu sichern. Gefahren kann man damit nicht abwehren. Am Ende sollen wir wenigstens mit der Angst leben lernen –  auch mit neuen Hilfsmitteln, die das erleichtern.

Real und virtuell – der neue Cocktail Pokémon Go

Der Hype um „Pokémon Go“ freut mich. Millionen Menschen erleben, was mit Augmented Reality alles möglich ist. Die reale Welt verschmilzt mit der virutellen Welt. Das kann sogar Spaß machen. Und offenbar versteht das jeder Spieler in Windeseile ohne sich lange den Kopf zerbrechen zu müssen.

Augmented Reality (AR) bedeutet die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung, davon ist schon viel und oft die Rede gewesen, aber den richtigen Sprung in die Mitte der Wahrnehmung hat dieses Phänomen bisher nicht geschafft. Mit Pokémon Go ist das zumindest gelungen – und dürfte damit der Wegbereiter sein für sehr viel mehr.

real und virtuell verschmelzen

real und virtuell verschmelzen

Die Verschmelzung der realen und virtuellen Welt mit diesem spielerischen Ansatz setzt ganz neue Maßstäbe. Es entsteht eine ganz neue Dimension von Mensch-Raum-Interaktion, die auch noch in Echtzeit stattfindet. Die simple Theorie über diese erweiterte Wirklichkeit könnte kaum bunter und praktischer in unserer Welt in Szene gesetzt werden als mit diesen animierten Comic-Figuren. Die es übrigens schon seit Jahren im Print auf Spielkarten gibt , die aber bereits verstaubt in den Regalen der Kinderzimmer lagen. In dem Remake stehen reale und virtuelle Objekte 3-dimensional in Bezug – und setzen schon mal auch die Gesetze der realen Welt außer Kraft, an die wir uns im öffentlichen Raum gewöhnt haben: Spieler, die sonst eher in ihrem Kämmerchen verschwunden sind, laufen seit ein paar Wochen sichtbar durch die Gegend, schauen jetzt noch mehr aufs Smart und behindern schon mal den Alltagsfluss der Mobilität. Weil sie überall herumstehen und „Dinge“ fangen, weil sie plötzlich überall auftauchen, teilweise in Scharen. Das wirft Fragen auf und lässt Kritik aufkommen.

Einen sehr aufschlussreichen Artikel fand ich gestern dazu auf piqd, empfohlen von Christian Huberts, der u.a. die Frage aufwirft, wem der öffentliche Raum eigentlich gehört, wenn er virtuell wird. Ist es „erlaubt“ Pokémon an Orten zu platzieren, die besonderes Taktgefühl verlangen – oder aber privat sind oder noch besser werksgeschützt?

Viele Städte profitieren von dem Hype, weil ihre gesamte reale Welt sich plötzlich in der virtuellen Welt wiederfindet. Pokémons verstecken sich egal wo (naja, sie sind programmiert), plötzlich tauchen sie in der Umgebung auf. Manche Städte dürfen sich sogar darüber freuen, dass hier ein ganz seltenes Monster auftaucht, welches jede Menge Trainier nach sich zieht, die es fangen wollen. Ein kleines Schauspiel, wie so etwas dann in einer Stadt mal aussehen kann, findet sich in einem Videobeitrag vom Telegraph: „Pokemon Go players go mad as rare Pokemon appears in park“ 

Leider ist auch feststellbar, dass Städte, also der urbane Raum an sich, in dem Spiel klar im Vorteil sind. Hier tauchen fast an jeder Ecke Pokémon auf. Finden lassen sich die Viecher übrigens mit Pokémon Radar. Insbesondere die Sehenswürdigkeiten in den touristischen Zielen haben im wahrsten Sinne des Wortes leichtes Spiel. Natürlich ziehen sie die Spieler an und in ihren Bann. Sicherlich liegt es auch an der guten digitalen Infrastruktur, die man im Ballungsraum findet. In den ländlichen Räumen sieht es da schon schlechter aus. Abgehängt wird man hier schneller – und es tauchen auch nicht so viele Pokémon auf. Das langweilt. Leider.

Das wäre fast schon eine Marktlücke zur Belebung der ländlichen Räume und Regionen: im Stadtmarketing müsste man vermerken können, dass man in diesen abgelegenen Orten ganz besonders rare Wesen des Spiels finden und fangen kann. Wäre doch gelacht, wenn die Spieler dann nicht wie von Geisterhand getrieben in diesen Ecken der Nation auftauchen würden. Immerhin gibt es schon Angebote fürs Übernehmen durch Restaurantketten – warum dann nicht auch in schwachen Gebieten, die ein wenig Hype gut vertragen könnten.

Ja, der Datenschutz ist ein Thema. Auch der Hype ist an sich ein Thema. Mich aber fasziniert, wie plötzlich eine Technik mitten in der Gesellschaft auftaucht, die ganz spielerisch das Zeug dazu hat, die analoge Welt für ganze Momente aus den Angeln zu heben. Das schärft die Sinne für das, was uns die digitale Transformation noch bringen wird. Und es zeigt sich, dass es gut ist, die Diskussion darüber jetzt fortzuführen. In welcher Welt wollen wir leben – und wie wird die aussehen? Auf jeden Fall erweitert mit AR.

Tauschen

Ich fahre viel und oft im Zug. Nirgends kann man den Menschen so im Feld beobachten wie hier. Nirgends schreibt das Leben schönere Geschichten als in der flüchtigen Begegnung zwischen den Haltepunkten.

Heute diese: Im Zubringer zum ICE checke ich meine Mails, höre nebenbei Musik und bediene die Social Media. Nutze also das Smartphone ganz intensiv.

Neben mir ein kleiner Junge, vielleicht 5 Jahre alt. Er schaut mir sehr aufmerksam zu, was ich da so alles mache. Nach einer Weile sagt er zu mir: „Wollen wir vielleicht tauschen? Ich bekomme dein Smartphone – und du kannst dir was von meinen Spielsachen aussuchen!“

Das Foto zeigt Schattenspiele im Zug fotografiert.

Talk im Zug Foto: Anke Knopp

Überwachung normal, WLAN aber nicht

Das Private ist bekanntlich politisch. Daher mal ein paar Zeilen meiner Urlaubserlebnisse unter dem Aspekt eines digitalen Europas:

Das Foto zeigt die Seine_Brücke in der Porte de Normandie.

Videos über der Seine

Mobilität war die zentrale Herausforderung für meine Ferien: In den letzten Wochen sind wir mit einem Camperbus an der Kanalküste entlang gefahren – von Nordholland (Den Helder) bis in die Normandie (Cherbourg). Als digital Interessierte führte mich das unfreiwillig in einen kleinen Selbstversuch, der da lautete „Wie ist das in Nordeuropa mit dem mobilen Netzempfang?“ Vorweg: schlecht. Ganz schlecht. Es sei denn, man ist bereit, eine Menge Geld auf den Tisch zu legen. Mit bezahltem Zugang kein Problem. Angeblich sollen ja im Sommer 2017 die Roaming-Gebühren fallen, so hatte die EU entschieden, obwohl das nicht die ganze Wahrheit ist. Während EU-Kommissar Günther Oettinger das als „Durchbruch“ feiert, sitzt der Teufel nach wie vor im Detail.

Ist schon Netzzugang sau teuer, so ist WLAN auf dieser Route absolute Mangelware. Und wenn vorhanden, dann klingelt auch dafür das Portemonnaie des Bereitstellers ganz enorm. Meine Erfahrungen mit der Preisliste: 1 Stunde WLAN-Zugang kostet 3 Euro. Den Zugang kauft man sich dann auf einem kleinen gedruckten Zettel, wie man ihn früher an den Garderoben im Theater bekam, diesmal aber auf den Campingplätzen oder an Raststätten erhältlich. Dort steht der Zugangscode aufgedruckt. Bei jedem Abriss eines Zettels ein neuer Code. Wahrscheinlich gibt es Findige, die aus dem bezahlten WLAN freies WLAN basteln können. Also die Bezahlung umgehen. Aber das Gros der Nutzer kann das nicht. Und zahlt. Die Gewohnheit, sein Leben im Netz zu checken ist zur Notwendigkeit geworden.

Alternativ gab es Restaurants, in denen WLAN für eine kurze Zeit „gratis“ zur Verfügung steht. Allerdings entpuppte sich das schnell als Fake. Für Kunden des WLAN galt immer auch der „Verzehrzwang“: WLAN ohne Essen oder Getränke? Fehlanzeige. Von Deutschland in NRW bis in die Normandie war also BezahlInternet angesagt. Noch schlimmer war aber auch diese Realität: Fette Löcher, in denen gar kein Netz zu empfangen war. Besonders in Küstennähe fernab der größeren Straßen oder Autobahnen zeigte sich das als große Geduldsprobe und Nervenkitzel, wann wieder Empfang real vorhanden war. Geografisch besonders herausfordernd: die hügelige Landschaft der Picardie und die Porte de Normandie. Kühe ja, Funkmasten nein.

Das fehlende Netz geht gleichzeitig einher mit dem Tod der herkömmlichen Telefonie via öffentlicher Telefonzellen. Lediglich Ruinen und archäologische Funde im öffentlichen Raum erinnern an frühe Zeiten der menschlichen Kommunikation.

Das bezahlte mobile Netz war ein Ergebnis der Reise. – Abgesehen davon, dass man sich ans analoge Leben erst wieder gewöhnen muss, wenn man bis dahin seinen kompletten Alltag mit dem Smartphone organisiert.

Das zweite Ergebnis lautet: Wir Europäer gewöhnen uns offenbar ohne Nachfragen daran, nahtlos überwacht zu werden. An den Autobahnen, den Tunneln, Maut-Stationen und auch auf den Parkplätzen wird mittlerweile fast nahtlos überwacht. An den Masten hängen gut sichtbar jede Menge Kameras von denen man annehmen darf, dass sie scharf sind. Leider ist kaum überprüfbar, wer die aufnimmt, was genau drauf ist, wo die gespeichert werden und wann gelöscht.

Aber auch fernab der Straßen wird gefilmt, bewacht und aufgepasst: in nahezu jeder Stadt finden sich Videokameras an den öffentlichen Plätzen, in den Straßen und an den Häfen und touristischen Einrichtungen sowieso. Einige Schilder weisen öffentlich auf diese Überwachung hin, aber sie sind selten zu finden. Dieses hier habe ich mal nachgelesen und für wenig aussagefähig erachtet. Ein leiser Anstrich von Staatlichkeit, sonst nichts.

Das Foto zeigt eine Anzeigetafel für Überwachung.

mit rechtlichem Verweis

Aber damit nicht genug. Auch auf den privaten Campingplätzen folgen einem überall Kameras. Selbst in den Sanitärhäusern findet sich fast flächendeckend der Hinweis, dass an diesem Ort videoüberwacht wird. Und spätestens am zweiten Tag nimmt man diesen unangenehmen Umstand nicht nur zur Kenntnis, sondern stumm in Kauf. Das Private ist damit öffentlich.

Während also die Überwachung überall möglich ist – und schweigend akzeptiert wird, ist der ungehinderte Zugang (und vor allem kostenlose Zugang) zum Internet nicht möglich. Da laufen zwei Entwicklungen diametral auseinander. Zwei Fakten, die uns Europäern langfristig auf die Nerven gehen müssten und anhand derer ich mir ein Europa der Einheit wünsche: Roaminggebühren weg, freies WLAN als europäisches Grundrecht und Überwachung neu diskutiert. Die Diskussion um die Verankerung des (freien) Zugangs zum Internet auch im Völkerrecht ist daher auch mein Ansatz. Hier ein interessanter Beitrag dazu von Matthias C. Kettemann auf iRightslab, aus dem ich hier zitiere:

„Ohne Zugang zum Internet und zu Internetinhalten können Menschen nicht am Möglichkeitsraum des Internets teilnehmen. Wer seine Menschenrechte und die Meinungsäußerungsfreiheit auch online ausüben möchte, benötigt Zugang zum Internet, das als technische Einrichtung selbst eine katalysierende Funktion für die Ausübung der Menschenrechte hat. Kurz: Was offline gilt, gilt auch online.

Das hat auch der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen mehrfach bestätigt, zuletzt in seiner Resolution aus dem Jahr 2014, in der er die Staaten auffordert, „den Zugang zum Internet zu fördern und zu ermöglichen“. Ähnlich ist der Ansatz, den eine Resolution der Parlamentarischen Versammlung des Europarates zum „Recht auf Internetzugang“ verfolgt. Sie ruft dessen Mitgliedstaaten dazu auf, sicherzustellen, dass „jeder das Recht auf Internetzugang haben soll, als wesentliche Bedingung der Ausübung seiner Rechte gemäß der Europäischen Menschenrechtskonvention“.“

Meine nächste Reise wird nochmal eine sein, auf der WLAN ein Kriterium ist. Wie digital ist der Lifestyle in unseren Nachbarländern?