Open Data – Bedingen die grenzenlose Verbreitung

Vom 8. bis 10. April ist es wieder soweit: der 2. Hackday in Moers startet, den ich dienstlich begleite. Wieder steht Open Data im Vordergrund. Welche Daten liegen vor – und was kann man mit offenen Daten alles an Anwendungen zaubern, die einen Mehrwert für die Allgemeinheit oder auch für die Wirtschaft mit sich bringen?

Am Freitag starten wir mit einer Talkrunde „Open Data Challenge – Wirtschaft und Offene Daten“. Am Freitag und Samstag gibt es eine Runde „Rocket Girls“, eine Code Workshop, der sich an Mädchen und Frauen richtet. Am Samstag und Sonntag geht es ans Hacken unter #ODDM16.

Zum Einstimmen auf den Hackday hier nochmal ein paar Bilder vom letzten Jahr #ODDMO15 :

Vielen Dank für die O-Töne an Kirsten Wohlfahrt, Thomas Tursics, Stefan Kaufmann, @gruenzeug, Madeleine Neumann und David Krystof. Auf eine neue Runde.

(Dieser Inhalt findet sich auch auf dem Blog Wegweiser Kommune, die Teilnahme am Hackday ist aber für jedermann offen.)

Digitale Dörfer – der Weg in die Zukunft

Wie können digitale Strategien helfen, Menschen zu vernetzen, die aufgrund von räumlicher Distanz, Alterung und Zerfall der Sozialstrukturen, Schrumpfung von Wohnumfeldinfrastruktur ihren Alltag wie Einkaufen und Mobil-sein nicht mehr bewältigen können? Ideen gibt es. Projekte auch: Eins davon ist „digitale Dörfer“. Gleich mehr dazu mit Videointerview.

Das Foto zeigt ein Windrad auf einem Acker.

fit und digital in die Zukunft

Es gibt zwei Entwicklungen: Ortsteile verlieren ihre Vitalität und/oder ganze Dörfer sterben aus. Im Rahmen meines Bürgermeisterwahlkampfes wurde ich im letzten Jahr oft gefragt, welche Zukunftsentwicklung ich etwa für die Ortsteile meiner Stadt sehe, die sehr dezentral gelegen sind und eben spürbar den Folgen des demographischen und digitalen Wandels unterliegen. Meine Antwort: Digitales. Nichts überbrückt diese Lücken besser. Passgenaue Ortsteil-Apps etwa können helfen.

// Wenn Dörfer (aus)sterben 

Noch größere Herausforderungen bestehen, wenn es um ganze Dörfer geht. Es gibt sie (fast) überall und jeder kennt eins: Dörfer, die so langsam aussterben. Die jüngeren Einwohner ziehen weg, die Älteren bleiben. Die Möglichkeiten zur Arbeit sind sehr mäßig, die Chancen, sich mit Lebensmitteln zu versorgen oder auch mobil ohne Auto etwa im Alter zu bleiben schwinden. Und trotzdem möchten die Menschen hier in der „Fläche“ und in ihren Dörfern leben bleiben. Wie das gelingen kann, zeigt das Projekt „digitale Dörfer“. Drei Dörfer testen digitale Strategien als Möglichkeiten, vital zu bleiben.

// Testregionen Rheinland-Pfalz 

Zwei Testregion in Rheinland-Pfalz und damit drei digitale Dörfer sind beteiligt: die Verbandsgemeinde Betzdorf im Landkreis Altenkirchen sowie die Verbandsgemeinden Eisenberg und Göllheim im Donnersbergkreis. Das Fraunhofer IESE erforscht und erarbeitet mit ihnen in den nächsten zwei Jahren, wie das Potenzial vor allem im Bereich Mobilität und Logistik gewinnbringend mit smarter Technologie zusammengebracht werden kann.

// Innovative Ansätze

Auf der Website wird der Ansatz so beschrieben: Bestehende Systeme müssen dabei ineinandergreifen und aufeinander abgestimmt funktionieren. 1. Der regionale Einzelhandel schließt sich zusammen, mit Hilfe mobiler Bürger werden Lebensmittel und Waren noch am gleichen Tag der Bestellung ausgeliefert; 2. ältere Menschen und Menschen mit Behinderung erhalten Unterstützung bei ihren Wegen zum Einkaufen, zum Arzt oder bei anfallenden Arbeiten durch ihre Mitmenschen; 3. Pendler stellen auf ihren täglichen Routen zur Arbeit oder nach Hause Pakete ohne besonderen Mehraufwand zu und befördern sie gleich mit.

„Durch Software vernetzen sich Mobilitäts- und Logistiksysteme, kombinieren sich Dienste aus unterschiedlichen Bereichen und schaffen für alle einen großen Mehrwert. Die komplexe Zusammenführung und Integration unterschiedlichster Systeme wird beim Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering unter dem Begriff „Smart Ecosystems“ erforscht. In den Testregionen finden sich nun die realen Grundlagen, um Visionen und Ideen zu evaluieren und zu erproben.“

// Das Dorf im Smartphone hilft 

Die Verbandsgemeinde Betzdorf macht hier mit: Sie zählt ca. 15.000 Bewohner auf einer Fläche von 24,53 Quadratkilometer, das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 619 Einwohnern je Quadratkilometern. Eine eigene App für den Alltagsgebrauch wurde entwickelt, um:

  • digitales Einkaufen zu ermöglichen,
  • Paketsysteme per Crowd zu organisieren,
  • mit der Möglichkeit zur individuellen Zustellung,
  • sowie Verkaufskonzepte innovativ zu gestalten.

Die kleine Dorfwelt mit ihren Bedürfnissen findet sich demnach passgenau auf die Größe eines Smartphones gebracht. Die Menschen können mittels digitaler Strategien ihre vermeintlichen Defizite überbrücken. Mobile Ideen helfen.

// Steffen Hess im Interview

Zum Projekt habe ich den Teamleiter von Fraunhofer IESE, Steffen Hess, auf der CeBIT in Hannover um ein kurzes Interview gebeten:

Garn und Stoff denken künftig mit

Ostwestfalen blickt auf eine regelrecht „stoffliche“ Geschichte zurück: hier waren mal sehr viele Textilhersteller verortet und Webstühle bilden die Grundlage der wirtschaftlichen Prosperität der Region von vor hundert Jahren. Heute sind Textilien, Garne und Stoffe ein disruptives Geschäftsmodell: sie werden smart. Sie liefern Daten in Echtzeit und sind Geschäftsmodelle für Industrie 4.0. Wenn man denn den Trend erkennt.

das Foto zeigt Garne in verschiedenen Farben, künftig werden sie Sensoren in sich tragen.

Textilien werden smart

Diese Analogie ist mir im Rahmen der CeBIT aufgefallen: Am Infostand des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie in Halle 6 gab es verschiedene Vorträge. Einer davon: „Smart Textiles – Future Automated Production Technologies“, gehalten von David Schmelzeisen, RWTH-Aachen, Institut für Textiltechnik und Lehrstuhl für Textilmaschinenbau. Er zeigte sehr anschaulich an welchen Projekten die RWTH arbeitet und machte deutlich, welche Umwälzung wir auch hier künftig erfahren werden.

Das Foto zeigt einen Referenten zum Thema smarte Textilien.

der denkende Stoff – Textilien werden smart

Garne werden heute mit leitfähigen Schichten ummantelt, leitfähige Garnstrukturen in Form der Stricktechnologie umgesetzt: Karbon-, Glas-, Basalt-, Aramid-, Natur-, thermoplastischen und Keramikfasern, sowie metallisierter Garne. Leitfähige Textilien werden auch durch traditionelle Textilprozesse hergestellt – und stellen in ihrer Anwendung doch alles auf den Kopf. Ihre Anwendung liefert künftig Daten in Echtzeit. Egal ob personenbezogen oder für Materialien und deren Verschleiss. Und Textilien werden künftig Träger von smarten Applikationen sein, je näher am Menschen digitale Funktionen ausgeübt werden können, desto besser.

// Disruptive Geschäftsmodelle 

Gerade der Bereich der Textilherstellung hat einen rasanten Wandel erfahren. Es bietet sich förmlich an, anhand dieser Historie „disruptive Geschäftsmodelle“ zu erläutern. Anfangs waren es manuell bedienbare Webstühle, die in den Stuben der eher ärmlichen Katen standen. In der industriellen Revolution kamen die Maschinen dazu, die in England längst schon reihenweise am Werk waren: Webstühle standen jetzt in Fabriken. Sie verdrängten das Handwerk, schafften aber ganz neue und viel effizientere Produktionsverfahren – und veränderten die Arbeit im Handumdrehen. Damit verbunden war der „Maschinensturm“ und auch wurde die „soziale Frage“ gestellt, der Beginn einer neuen Zeit. Keiner konnte sich dieser Entwicklung entziehen. Heute erleben wir einen weiteren Quantensprung, den man sich vor kurzem noch nicht hätte vorstellen können. Smarte Garne? Smarte Textilien? Die Reaktion wäre ein Kopfschütteln gewesen. Wir stehen wieder vor neuen Fragen und neuem Ausloten, wie wir künftig arbeiten wollen und wie wir disruptive Geschäftsmodelle nutzen können. Wenn sie denn als Chancen erkannt und umgesetzt werden.

Hier nur ein paar wenige Projekt-Beispiele aus dem sehr aufschlussreichen Vortrag von David Schmelzeisen, die die Wucht der (notwendigen) digitalen Veränderungen verdeutlichen:

// Überwachung 

Überwachung muss nicht schlecht sein. Textile Elektroden, also in smarter Kleidung, überwachen etwa die Vitalität eines Menschen, übernehmen eine Art Gesundheitsmonitoring. Hier ist beispielsweise die Messung des Flüssigkeitslevels im Körper zu nennen, sie kann zu gering oder auch zu hoch sein. Die Vitalfunktionen werden erfasst, etwa die Temperaturmessung. Textile Thermoelemente aus Edelstahlgarnen und Konstantanfilamenten erkennen Druckstellen, etwa beim längeren Liegen oder auch bei Arbeitsbekleidungen. Im Fokus stehen dabei besondere Benutzergruppen wie ältere Menschen, Sportler und Risikopatienten. Der Referent brachte zudem das Beispiel von Evakuierungsmatten, die künftig digital werden. Sie könnten bereits beim Transport wichtige Ergebnisse liefern, was die Vitalwerte von geretteten Menschen angeht. Erreichen sie dann einen Rettungswagen oder ein Krankenhaus, liegen dort schon die (über)lebenswichtigen Messdaten in ihrem Prozessverlauf vor: die Matte hat sie qua Sensoren in Echtzeit übertragen. Dass smarte Garne künftig auch in normalen Matratzen in Betten verarbeitet werden können und Impulse für Wärme, Kälte oder auch Bewegung und das Einführen von Duftstoffen möglich macht, ist schon fast naheliegend. Man nennt das dann Bewegungs- und Zustandsüberwachung.

Ein weiteres Beispiel ist die Sportbekleidung, hier kommt neben der Vitalmessung in Echtzeit für Sportler auch noch der Sicherheitsaspekt dazu: wie etwa bin ich als Sportler im Dunklen beleuchtet? Auch das liefert künftig das denkende Textil in dem ich gekleidet bin passgenau mit. Die Frage bleibt: Darf eine Sportbekleidungs-Firma diese Daten für sich in Anspruch nehmen?

Packend ist auch der Einsatz von smarten Textilien etwa bei Feuerwehrleuten, die neben ihrer Ausrüstung noch ein ganzheitliches denkendes Einsatzsystem um sich haben werden, wenn sie in ihre Berufskleidung steigen: Jacken und Rettungsleinen, die mitdenken und Daten übermitteln, helfen dem Helfer und machen den Job zukünftig noch sicherer, während er für die Sicherheit anderer Menschen im Einsatz ist.

Diese Entwicklung zeigt: Wo für die textile Branche die rote Laterne brennt oder brannte, könnten sich ganz neue Geschäftsfelder aufschließen. Man muss sie nur sehen, erkennen.

// Materialien werden überwacht 

Auch Bänder und Seile gehören hier in das intelligente Portfolio. Sie könnten qua Sensoren Aufschluss über ihren Verschleiß geben oder über den Grad ihrer Belastung. Bei der Verwendung von Seilen zur Sicherung in Berührung mit Wind und Wasser sind vor allem Wetterdaten wichtig, die einen Hinweis auf die Herausforderung und Beanspruchung der Sicherung geben. Beispiele sind die Sicherung von Schiffsladungen oder Windkraftanlagen bei offshore Witterungssystmen, man nennt das flowting systems. Man denke zudem an Aufzugseile oder Fallschirmseile. Das geht bis hin zur Begutachtung des Zustandes und konkreter Vorhersage des Restlebensdauer des Materials.

// smart Leuchten 

David Schmelzeisen zeigte auch Aspekte der Beleuchtung auf: Textilien werden mit Leuchtgranen versehen, die eine punktgenaue Beleuchtung ermöglichen oder aber einen zeitindividuellen Einsatz und eine immanente Steuerung. LED auf Textilien ist inbegriffen, ebenso wie hybride Strukturen mit diffusen Lichteffekten. Je nach Einsatzort.

// smart durch Falten 

Besonders war auch die Interaktion zwischen Stoff und Nutzern: haptisch-intuitives Ansteuern von Funktionen etwa durch das Infaltenlegen von Stoffen. Einfacher: wenn ich meinen Pullover zwischen den Fingern knittere, wird eine Funktion eingeschaltet. Oder aber die Näherungs- und Berührungssensorik löst eine Handlung aus. Alles möglich durch mitdenkendes Garn oder intelligente Stoffe.

Ein letzter Aspekt soll nicht unerwähnt bleiben, weil er auf den Smart City Gedanken einzahlt: wenn künftig textile Oberflächen in der Lage sind, Energie zu speichern, bekommen Hausfassaden und auch Stadiensegel etc. eine ganz enorme Bedeutung.

// Tastatur auf Stoff

Und auch das Aufdrucken von Tastaturen auf textile Flächen werden die Bedienerfreundlichkeit von weiteren „Anwendungsgeräten“ künftig revolutionieren. Wozu noch ein Smartphone in die Hand nehmen, wenn dieses „auf der Fläche“ der Kleidung integriert ist?

Faszinierende Eindrücke waren das. Und Erkenntnisse darüber, dass und wie Disruption überall stattfindet. Nur leider der Denk- und Diskussionsansatz darüber eher wenig verbreitet ist. Obwohl er uns alle betrifft.

Ein Vortragender zum Thema smarte Stoffe auf der CeBIT.

der Faden wird smart

Digitales Leben

Wie sieht digitales Leben im öffentlichen Raum aus mit den zahlreichen Möglichkeiten der Vernetzung und ist Digitalisierung in der Lage, Demokratie zu stärken?

Das Foto zeigt Anke Knopp im öffentlichen Raum.

Vernetzung im öffentlichen Raum -NRW.BANK, Foto Christian Lord Otto

Viele Fragen, auf die ich Antworten in einem Interview mit der NRW.Bank gegeben habe.

Kann man sich hier ansehen. Weitere Artikel zu dieser digitalen Serie der NRW.Bank gibt es hier.

Startups – Willkommen in (je)der Gemeinde als Zukunftsvorsorge

Der digitale Wandel verändert so ziemlich alles. Auch und gerade die Wirtschaft. Die Kommunen sind gut beraten, sich mit den digitalisierten Vorgängen vertraut zu machen, wenn sie etwa ihre Wirtschaftsförderung wirksam gestalten wollen. Ein wichtiger Baustein wird künftig sein, Startups an sich zu binden. Oder deren Entstehen mit den passenden Rahmenbedingungen zu ermöglichen.

Das Foto zeigt ein Playmobilmännchen, welches an einer Platine sägt.

Wirtschaft digital Foto by Jens Schröder

// Neugründungen

Die „neue digitale Welt“ wird nicht selten an ihrer Dichte von Neugründungen von Unternehmen gemessen: Neudeutsch ist die Rede von Startups. Junge Unternehmen, die sich mit (digitalen) Geschäftsmodellen oder innovativen Problemlösungen auf den Weg machen und Dinge/Prozesse entwickeln und an den Markt bringen, die bisher nicht erdacht oder erfunden wurden. Es geht um die Erschließung von neuen Märkten, insbesondere ist hier der Technologiesektor angesprochen wie Online-Handel, Finanztechnologie, Anwendungssoftware etc. Industrie 4.0 gehört genau so dazu wie Ideen um den Bereich Arbeit 4.0. mit neuer Wertschöpfung. Jede Kommune wird sich also freuen, Startups in ihrem Hoheitsgebiet begrüßen zu können. Sie versprechen den Aufbruch in die digitale Welt und generieren nicht selten auch eine Sogwirkung für andere und sind Vorbilder für den digitalen Brückenschlag, wo andere Firmen noch nicht so richtig wissen, wie Digitalisierung geht.

// CeBIT und digitale Wirtschaft NRW 

Auf der CeBIT in Hannover gab es reichlich Anschauungsmaterial, besonders beim Stand von #DigitaleWirtschaftNRW. Es präsentierten sich hier neun Startups aus NRW. Hier habe ich den Co-Founder von TalkaboutJack, Dr. Hanke Wickhorst, getroffen. Sein Startup befasst sich mit Micro Social Networks. Es heißt „Talk about Jack“ und bietet die Chance, ein solches Micro-Netz für die eigenen Bedarfe aufzubauen. Es ist ein Portal, „welches Themen-basierte Diskussionskanäle anbietet. Diese können sowohl live, wie man es von Chat-Räumen kennt, als auch asynchron, analog eines Diskussionsforums, genutzt werden. Die Kanäle werden mit Webseiten, denen das entsprechende Thema zugrunde liegt, verknüpft.“ – so steht es als Beschreibung auch auf der Homepage von DigitaleWirtschaftNRW. Reinschauen lohnt sich.

// Statement Dr. Hanke Wickhorst 

Ich habe ihn um ein kurzes Statement gebeten, u.a. die Frage gestellt, was Kommunen tun müssten, um junge Gründer zu fördern oder für sich zu gewinnen:

// Kapital mit Risiko

Gründer handeln in der Regel sehr risikofreudig. Das ist nicht nur in NRW so, sondern grundsätzlich. Sie sind dabei keine Spieler, sondern testen aus, wo andere keine Ideen oder Phantasie entwickelt haben. Dafür braucht es spezielles Kapital. Kapital, welches in der traditionellen Vergabe an unzählige Formalia gebunden ist – und in der Regel von Menschen vergeben wird, die wenig bis keine Ahnung von Startups haben.

Im Deutschen Startup Monitor ist eines der Ergebnisse: „Als wichtigste Kapitalquelle bei der Finanzierung nennen die allermeisten Startup-Unternehmer (79,9%) die eigenen Ersparnisse, gefolgt von der Unterstützung durch Freunde und Familie (32%). Immerhin jeder Fünfte (20%) hat sein Unternehmen unter anderem mit Venture Capital finanziert – jeder Dritte mit der Hilfe von Business Angels (29,7%). Mithin sind die Business Angels die wichtigsten externen Kapitalgeber.“ 

Im Grunde kann man es sich als Wirtschaftsstandort nicht leisten – nicht über Startups und deren Förderung nachzudenken. Viele Kommunen aber sind davon weit entfernt, ihre Wirtschaftsförderung fußt weitestgehend noch auf traditionelle Themen aus dem 20. Jahrhundert, wo es vielfach um „Gewerbegebiete“ geht, nicht einmal um eine gute Breitbandversorgung, schon gar nicht um Kapital.

// Monitoring Startups 

In der globalen Welt gehört Deutschland übrigens nicht zu den gründerfreundlichsten Nationen. Der „Deutsche Startup Monitor 2015“ gibt einen guten ersten Überblick mit Zahlen und Fakten, wo Deutschland steht. Klar wird hier: ein Umdenken wird notwendig sein. An der Entwicklung sollten sich auch die Kommunen beteiligen. Denn wie Dr. Hanke Wickhorst schon im Video unterstreicht: Es gibt genügend Nerds in den Kommunen. Für kommunale Wirtschaftsförderer bedeutet dies: sie finden, ermutigen und fördern. Dazu müssen die Verantwortlichen wissen, wie diese potenziellen Gründer ticken.

Startups werden künftig zentraler Bestandteil der Wirtschaft sein. Sie rücken künftig auf den Platz, den der heutige Mittelstand jetzt noch einnimmt. Wer seine Kommune also fit machen will für die Zukunft, darf dieses Thema nicht außer Acht lassen. Das gilt für Verwaltung ebenso wie für die heimische Politik, die auch in Gremien sitzt, die Kapital locker machen können. Ein kommunales Monitoring wäre hilfreich: Was tut sich in meiner Kommune – oder noch besser: wo läge Potenzial.

Drohnen – die bald Alleskönner

Auf der CeBIT in Hannover gibt es eine eigene Halle 16, die dem Fliegen von Drohnen und dem Thema „Drohnen“ an sich gewidmet ist. Sehr beeindruckend.

Das Foto zeigt eine Halle, in der Drohnen getestet werden.

Fliegen und liefern

Das Thema Drohnen nimmt hier einen breiten Raum ein. Das Format DRONEMASTERS bietet den Innovatoren einen eigenen Raum. Diskutiert wird über den Einsatz von Drohnen in sämtlichen Sektoren und Branchen. Ziel ist, die Mischung aus Spaß und Business. Es geht hier aber knallhart auch um Lösungen für globale Herausforderungen, neue Geschäftsmodelle und die Beschleunigung des technischen Fortschritts.

Das Foto zeigt ein Werbeplakat für einen Drohnengipfel.

Ein eigener Gipfel für die Drohnen.

Hier ein paar ganz kleine Impressionen von Beschaffenheit und Flugkunst, die in meinem kleinen Tape leider zu einer Bruchlandung geführt hat. Aber so schnell wie die kleinen Flitzer abstürzen, so schnell sind sie auch wieder in der Luft. Eine Menge Bastel- und Tüftlerarbeit steckt da drin. Und eine Menge Sachverstand. Wir werden das Thema Drohnen noch verstärkt erleben:

Das Foto zeigt eine Drohne in futuristischem Outfit, sieht fast aus wie ein Insekt.

Drohne futuristisch

Und hier in Aktion:


Neben filigranem Fluggerät geht es auch derber: etwa mit der Kapazität des Lasten-tragens:

Das Foto zeigt eine riesige Drohne mit sechs Rotoren und der Kapazität Pakete zu transportieren.

Mit Transportkapazität

Das Foto zeigt eine Drohne im Testflug.

Im Testflug erfahren.

Die Begeisterung für die neue Technik ist nach wie vor da. Ich verweise aber auch auf meinen Blogpost über die notwendige Diskussion dazu – und über die Registrierung, die bisher fehlt.

Drohnenflug – nicht über meiner Stadt?

So oder so ähnlich sehen sie aus: Multicopter oder auch Drohne genannt. Ihre Vielfalt in Ausführung und Können wächst genau so rasant an wie die Anzahl ihrer ferngesteuerten Einsätze. Sie fliegen 50 Kilometer weit, 170 km schnell, tragen Lasten bis 15 Kilogramm. Das ist erst der Anfang.

Was bedeutet das insbesondere für Kommunen und die Bevölkerung? Wie müsste sich also eine Kommune auf diese neue Entwicklung vorbereiten? Ein paar Gedanken dazu: 

Das Foto zeigt eine Drohne, die als Ausstellungsstück in der DASA hängt.

Sie kommen: Drohnen.

Sie sind in Mode gekommen – ferngesteuerte Drohnenflüge. Mit ihrer Hilfe ist so einiges möglich: der Transport von Materie aller Art ist im Angebot, bisher gern erprobt wird die Auslieferung von Post und Paketen oder auch mal Schmuggelware ins Gefängnis.

// Mit Augen 

Besonders wird es, wenn die Drohne Augen bekommt, also eine Kamera an Bord hat. Diese Kameras sind hochauflösend und liefern auch aus großer Höhe gestochen scharfe Bilder, auf denen alles erkennbar ist. Diese Bilder können digital in Windeseile um die Welt gehen.

So ausgerüstet, ist eine Drohne zu fast allem fähig. Sie kann Leben retten. Sie kann töten. Die Bilder von tötenden Drohnen im Militäreinsatz sind bekannt. Dass Drohnen auch Bomben abwerfen können, auch über Städten im Frieden, ist nicht neu. Das ginge in jeder Stadt. Und was, wenn sie in Schwärmen fliegen. Und miteinander vernetzt sind?

Auch medial ist die Drohne im Kommen: „Schauplätze“ aller Art sind um eine weitere Perspektive erweitert. Die von oben. Eine Sicht, die bisher nur schwer zugänglich war. Jetzt wird es kinderleicht, sich einen „Überblick“ zu verschaffen, der eine ganz neue Qualität auch in der Bewertung der damit möglichen Erkenntnisse liefert. Gerade erst sah man dies in den Berichten über die zerbombte Stadt Homs in Syrien. Die Bilder konnte man zwar in der Tagesschau sehen, im Netz abrufen kann man sie aber nicht. Hierzu müsste man sich mit einem Passwort authentifizieren. (Tagesschau: „Zertrümmertes Homs durch die Augen einer Drohne“.)

// Ausnahme und Normalität 

Was hier noch mit einer Sperre versehen ist, die sensible Daten schützen soll, ist im normalen Leben einer ferngesteuerten Drohne längst nicht üblich. Jeder kann so ein Ding kaufen und steuern. Jeder kann daran eine Kamera anbringen und Bilder aufnehmen. Es braucht theoretisch nur eine Haftpflichtversicherung für das Flugobjekt und eine Aufstiegsgenehmigung der Landesluftfahrtbehörde – diese auch nur für Gewerbetreibende. Private Drohnenflieger brauchen eine solche Genehmigung bisher nicht. Auch sind die Drohnen nicht gekennzeichnet, etwa mit einem sichtbaren Nummernschild, so dass man „Drohne und Herrchen“ einander zuordnen könnte. Die Piloten sind nicht registriert. Sie fliegen in der Regel ohne Führerschein.

Wer etwa Stadtansichten und geschlossene Ortschaften filmen will, brauch dazu die Genehmigung der Polizei. Die setzt dazu eine Aufstiegsgenehmigung voraus. Wer über allgemeine Grundstücke fliegt, bräuchte dafür die Genehmigung des Grundstücksbesitzers. Nur, wenn der das nicht mal mitbekommt, kann er die kaum verweigern.

Grundsätzlich ist ein Filmen an folgenden Orten nicht erlaubt:

  • Orte, an denen sich Menschen, Menschenansammlungen oder auch Tiere aufhalten
  • Unglücksorte, Katastrophengebiete und andere Einsatzorten von Polizei oder anderen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben
  • Bahnhöfe, Flughäfen und Autobahnen
  • Justizvollzugsanstalten, militärischen Anlagen, Industrieanlagen, Kraftwerke und Anlagen der Energieerzeugung und -verteilung
  • Luftsperrgebieten und Gebieten mit Flugbeschränkungen (§ 11 LuftVO)

// Drohne und Besitzer

Die Verbote sind bekannt. Daran halten muss man sich aber nicht: Als Einwohner einer Stadt habe ich keinerlei Kenntnis darüber, wer da gerade über meinem Kopf oder über mein Grundstück fliegt. Eine Beschwerde würde auch erstmal ins Nichts führen, weil das Fluggerät nicht zuzuordnen ist. Und damit auch der Pilot nicht.

Nun fliegen die Geräte nicht nur, sie können auch abstürzen, oder Zusammenstoßen und dann abstürzen. Immerhin fliegen sie in einer Höhe bis zu 760 Metern, also im unkontrollierten Luftraum, da, wo sonst auch Ballone fliegen.

// Luftraum 

Der Luftraum über einem Grundstück gehört grundsätzlich zum Verfügungsbereich des Eigentümers, allerdings regeln Gesetze auch, dass ein Überfliegen in bestimmter Höhe nicht verboten werden kann. Dies gilt etwa für den Luftverkehr.

Der darunter liegende Luftraum aber läge im Handlungsbereich des Eigentümers. Wer bisher sein Haus hat verpixeln lassen, um bei Google nicht sichtbar zu sein oder aber Google Maps gruselig findet, wird durch das Filmen durch Drohnen noch getoppt. Was tun? Abschießen darf man solch eine Drohne nicht. Wie auch? Man könnte sie mit einem Netz einfangen oder aber ihre Elektrik lahmlegen, ginge mit Wasser – oder aber man stört die Funkwellen und bringt das Ding so zum Absturz. Wie aber soll ein privater Grundstückseigentümer überhaupt wissen, wann und vor allem WER da über sein Grundstück, sein Haus fliegt und dann vielleicht auch an seinem Fenster vorbei? Noch sind das Einzelfälle und spezielle Fragestellungen, die sich aber sehr bald häufen werden.

Das Bundesland Bremen hat im vergangenen Jahr reagiert und ein Flugverbot um Gefängnisse erlassen, nachdem dort bekannt wurde, wie und dass mit Drohnen geschmuggelt wurde.

// Perspektive erweitern und wach machen 

Den Einsatz von Drohnen finde ich grundsätzlich gut. Es ist eine Erweiterung der menschlichen Perspektive, die bisher nur eingeschränkt möglich war. Die Handlungsspielräume steigen. Das ist immer zu begrüßen. Allerdings muss man als Gesellschaft auch damit umgehen lernen. Ich würde mir eine Diskussion darüber wünschen, wie gerade Kommunen damit umgehen wollen. Allein das Überflugverbot über Wohngebiete und Städte sowie die Genehmigungspflicht durch die Polizei wird nicht ausreichen, um einen verträglichen Umgang mit den Möglichkeiten der Technik zu gewährleisten. Zu viele bisher ungeahnte Möglichkeiten eröffnen sich für den negativen Gebrauch: die Überwachung, das Ausspionieren und die Gefährdung von vielen Menschen. Leider sind Menschen ja nicht nur nett in der Anwendung von technischen Möglichkeiten. Dafür kann man die Technik nicht verurteilen. Das ist wie mit dem Hund, den man nicht dafür verantwortlich machen kann, dass er auf einen Spielplatz kackt. Es ist immer der Mensch.

An erster Stelle steht also das Bewusstwerden über diese Optionen, an zweiter Stelle steht die Regelung für den Umgang mit diesen Möglichkeiten. Registrierung und Kennzeichnung wären schon ein guter Schritt.

// Privat ist weiter als Staat 

Interessant ist dabei, dass gerade ein privater Blog für „Hochzeitsfilme“ hier ganz prima Informationen über den Einsatz von Drohnen beim Filmen bietet. Diese Informationen wünsche ich mir vielmehr auf den Homepages der Kommunen.

Open Government Manifest NRW

Unser Manifest #ogmnrw ist online.

OpenGovernmentManifest NRW

Wir setzen uns ein für mehr Offenheit, Zusammenarbeit, Bürgerbeteiligung und Transparenz in NRW.

Dazu haben wir in den letzten Monaten ein Manifest zu Offenem Regierungshandeln geschrieben.

Wir sind Aktive, die sich aus unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Beweggründen für Offenes Regierungshandeln einsetzen. Wir kommen aus der Partizipations- und Offene Daten-Bewegung. Einmal im Jahr trifft sich die Aktivenschar aus ganz Deutschland zum Netzwerken in einem Barcamp vor Ort in Wuppertal zu “Offene Kommunen.NRW”. Entstanden ist dies aus dem Kompetenznetz Bürgerhaushalt Wuppertal heraus.

Mit dem Manifest möchten wir die Menschen einladen, dieses zu unterstützen, zu teilen und zu diskutieren.

Das Manifest #ogmnrw findet sich hier.

Hier noch ein kurzes Interview zum Manifest mit Mehr Demokratie NRW.