Offene Daten in die Schule!

Der Hackday in Moers #ODDMO17 zeigt an diesem Wochenende wieder viele Beispiele, wie Open Data bis in das Alltagsleben der Menschen hinein Wirkung erzielen kann.

Thomas Nolte etwa, Gymnasiallehrer am Adolfinum in Moers, hat Open Data – also offene Daten der Stadt und weitere Daten-Quellen – in seinen Unterricht integriert: zum Thema Haushalt in Moers, zum Wahlverhalten der Bevölkerung sowie zum Demographischen Wandel in der Stadt. Daten helfen sozioökonomomische und gesellschaftspolitische Muster zu erkennen und zu visualisieren. So entsteht ein neues Verständnis von komplexen Sachverhalten. Der Brückenschlag zwischen Daten, Schule und Stadtentwicklung ist gelegt. Wer mehr wissen möchte, schaue hier nach.

Beim traditionellen Talk am Vorabend des Hackday habe ich Thomas Nolte um ein kurzes Statement zum Thema „Medienkompetenz“ gebeten:

Zwei Welten

„Ich hätte gerne einen Roboter als Pausenaufsicht auf dem Schulhof. Der kann mit uns Kindern fangen spielen.“ – Ganz mein Humor.

„Warum sprechen Sie eigentlich immer von Robotern? Die haben mit Digitalisierung doch nichts zu tun!“ Auch ganz mein Humor.

Zwei Welten prallen unvereinbar aufeinander. Während die Welt der Robotermöglichkeiten ganz pragmatisch in einen Kinderalltag der kleinen Grundschülerin Lucy (7) eingebaut werden, ist das in der Erwachsenenwelt ganz anders. Das zweite Zitat stammt von einem Referenten einer hohen Entscheiderpersönlichkeit der deutschen Wirtschaft. Er ist knapp über 30 und sorgt dafür, dass die Chefetage gut informiert ist. Wunderbares Deutschland!

Stolpern kann man sogar bereits über Studien, die belegen, wie sehr das Land schon den Anschluss an die Digitalisierung verliert.

Wie war das noch: Lasst Kinder an die Macht!

Das Foto zeigt ein Karussell mit Löwe und Pferd.

Die Aufholjagd beginnt.

Lasst die digitalen Köpfe ran!

In meiner Heimatstadt vollzieht sich mit schöner Regelmäßigkeit folgendes digitale Trauerspiel – welches mich zu diesem Leserbrief veranlasste:

Die Grundschulen verpassen den Anschluss an den digitalen Wandel. Alle paar Jahre wieder ertönt ein Aufschrei (der Eltern), der Hektik (in Politik und Verwaltung) auslöst. Allein: Es passiert nichts.

Das Foto zeigt die Aufschrift. your story starts now.

Und Du musst den ersten Schritt machen…

Eltern wissen um die Notwendigkeit digitaler Kompetenz. Digitales Wissen erlangen ihre Kinder eher auf dem Pausenhof oder zuhause am Familienrechner. Eine Grundschulkarriere dauert vier Jahre. Ist der Schulwechsel absehbar und keimt die (fatale) Hoffnung auf, in der weiterführenden Schule würde sich dieses digitale Niemandsland in eine digitale Offenbarung verändern, verebbt der Protest. Bis sich die nächste Generation regt, dauert es wieder zwei Jahre. Das System der analogen Hilflosigkeit bleibt. Schließlich fehlt auch das, was Digitales in der Schule ermöglicht: die digitale Infrastruktur, also Fibre to the School. Und es fehlt der Wille, Geld zu investieren in etwas, das die Entscheider gar nicht kennen: Digitales.

Der Grund: Erreicht werden drei Zielgruppen und ihre Entscheider, die gar nicht in der Lage sind, digitale Konzepte für Schulen zu entwickeln. Die Politik: Mit einem Altersdurchschnitt von rund 55+ Jahren arbeitet der Rat noch mit Papier, der digitale Weckruf ist hier weitestgehend lautlos verhallt. Die Verwaltung: Gütersloh ist zwar Modellkommune für e-Government, aber längst keine digitale Verwaltung. Die Grundschulpädagoginnen: Es fehlt an Kompetenz der Nutzung digitaler Unterrichtsformate, die Beharrungskräfte an alter Stoffvermittlung sind enorm. Damit sind diese Akteure überfordert, denn Digitalisierung ist mehr als eine simple Frage der Technik, es ist ein Kulturwandel.

Fazit: Der Unmut bleibt in der Echoblase der überforderten analogen Theoretiker. Seit Jahren schafft keiner Abhilfe, weil die digitalen Köpfe als Entscheider fehlen. Wie diesen Kreislauf durchbrechen? Findet die digitalen Treiber in Politik, Verwaltung und Schulen, die bisher nicht gehört wurden. Gebt ihnen ein Budget und lasst sie machen! Das Internet selbst und die Technik des Netzwerkens helfen: es gibt Kommunen, es gibt Grundschulen, die längst auf dem Weg sind. Fragt, wie das geht! In Netzwerken lernt es sich hervorragend – das wissen schon die Kleinen durch You Tube – aber die fragt niemand.

Wir brauchen digitale Bildungsnetzwerke, ein schnelles Netz, einen Ort, an dem man sich trifft und Fragen stellt, Antworten hört, aus Fehlern lernt und gemeinsam loslegt. Die Schule einer digitalen Welt kann nicht analog sein. Wer die digitalen Köpfe und Treiber weiter in die hinteren Reihen verbannt, zieht der nächsten Generation den Stecker aus der Dose.

Ja - packe sie an!

Ja – packe sie an!

Senioren: Willkommen in der digitalen Welt!

Sie hat es immer dabei und bedient es wie ein Profi: Mit dem Smartphone organisiert sie ihren Alltag und ihr Leben – und begeistert andere Senioren und Seniorinnen, wie das funktioniert. Die Rede ist von Roelfina Trauernicht-Kloen.

Das Foto zeigt Roelfina mit dem Smartphone in der Hand.

Roelfina Trauernicht-Kloen und die digitale Welt

Mit ihren 72 Jahren lädt sie ältere Menschen ein auf die Reise in die digitale Welt und erklärt, wie man in dieser neuen Welt lebt und mit den technischen Hilfsmitteln wunderbar den Alltag meistern kann. Mit Erfolg. Ihr Rezept: Sie erklärt genau das, was sie gefragt wird. Orientiert sich an den echten Bedürfnissen der Nutzer. Lernen lasse sich nur das, was die Menschen auch wissen wollen. Oft ist die Familie der Antrieb, sich im höheren Alter noch digital fortzubilden. Nur so lässt sich Kontakt halten. Kinder und Enkel leben in der modernen Zeit über Grenzen hinweg in der Welt verstreut.

Mit dem Smartphone lassen sich große Distanzen mühelos überbrücken. Die Enkel in Schweden senden Fotos mobil, die Enkel in den Niederlanden singen ein Lieg für die Oma auf einem Messenger. Oder die Seniorinnen und Senioren chatten via WhatsApp mit der Tochter. Oft sind es die Kinder, die den Senioren und Seniorinnen die Smartphones schenken – sie dann aber mit der Bedienung alleine lassen. Dann ist da Roeli. Sie hilft und erklärt. Egal, ob es sich um ein Virenprogramm handelt oder um eine Wetterapp für Schweden. Gemeinsam legen sie los. Roeli vernetzt im Netz. Die Lernenden tragen diesen Gedanken zurück in ihre eigenen neuen Netzwerke. Der Kreis zieht weitere Kreise.

Ich habe die Niederländerin und ihren ständigen Begleiter, ihr Smartphone, getroffen – und ein kleines Interview mit ihr gemacht – über ihren Weg ins Internet und die Möglichkeit auch im Alter digital zu sein:

Ihre erste Berührung mit dem Computer hatte sie vor fast 20 Jahren. Damals war sie Sozialarbeiterin in einer Obdachlosensiedlung in Gütersloh. Für die Mitarbeiter gab es Computer-Kurse. Die Älteren, die über 55-Jährigen sollten aber nicht mehr in den Genuss einer Fortbildung mit der neuen Technik kommen. Roelfina fand das nicht angemessen, hakte nach und besuchte dann doch die VHS, um sich fit zu machen im Umgang mit O und I. Davon profitierte ihr Beruf – und ihr Arbeitgeber.

„Mit Internet ging doch alles viel schneller. Früher mussten wir das alles mit der Hand schreiben,“ erzählt sie. Der erste Computer in ihrer Arbeitsstelle wurde noch in einem verschließbaren Schrank gesichert, den Schlüssel durfte nicht jeder haben. Ihr Wissen über den Umgang mit Computern gab sie schon damals weiter an ihre Schützlinge in der Obdachlosenunterkunft. Sie unterrichtete auch die Kinder in der Nutzung digitaler Hilfsmittel.

Das Foto zeigt ein großes Smartphone in den Händen.

immer dabei: das Smartphone

Dabei blieb es nicht. Sie wollte auch mobil digital sein. Mit 60 kaufte sie das erste Handy. Wollte diesem kleinen Ding auf den Grund gehen und studierte die Bedienungsanleitung. Sie umschiffte Klippe für Klippe der Nutzungen – und avancierte zum Kenner und Profi. Es gab kaum eine Frage mehr, die sie sich und anderen nicht erklären konnte. „Das kann man ja nicht kaputt machen, man muss selbst herausfinden, wo Probleme sind und die dann lösen,“beschreibt sie ihre Vorgehensweise.

Durch eine Sehbehinderung war sie in ihrer Lesefähigkeit mehr und mehr eingeschränkt. Auch das Lesen der gedruckten Zeitung wurde zum Handicap. Sie nahm bereits eine Lupe zu Hilfe. Da lag es nahe, ein Smartphone zu kaufen. Sie war da schon 70. „Mit dem Smartphone kann ich viel besser lesen, kann die Einstellung der Schrift vergrößern – so nutze ich jetzt das e-Paper der Zeitung.“ Neben der Lesegewohnheit veränderte sich auch die Kommunikation. „Ich habe jetzt so viele neue Kontakte, es macht Spaß sich auszutauschen.“ Digitales verhindert das Verstummen im Alter. Digitales erhält Lebensqualität, weiß sie in vielen konkreten Lebenssituationen zu erzählen.

Am Ende des Interviews beschreibt sie, was für den Rest des Tages noch auf ihrer Tagesordnung steht:

Heute kommt der 80-jährige Herr aus der Urlaubsgruppe mit seinem Fahrrad bei uns vorgefahren und will noch Weiteres an Bedienung mit seinem Smartphone lernen. „Wir sitzen dann auf dem Sofa und schauen beide auf unser Smartphone – und werden heute wohl eine neue App installieren, zum Katastrophenschutz.“

Ich bin sehr beeindruckt. Roelfina lebt das, was wir gerade unter Digital Literacy der Gesellschaft theoretisch diskutieren. Von ihr kann ich lernen – was hatte Roelfina dazu im Interview gesagt: „Man muss die Menschen fragen, wie sie in der digitalen Welt leben möchten.“ –  Ja, fangen wir damit an!

Das Foto zeigt Roeli.

Digital im Alter

IT Ausstattung – Museum oder Zukunft?

Update 21. August 2016: 

Mich erreichen Fragen, was ich denn empfehlen würde. Vier Schritte:

  1. Ein Generalstreik der Eltern und SchülerInnen. „Kein Fuß mehr in analoge Schulen“.
  2. Das Dezernat Bildung ist mit seinen vielfältigen Aufgaben überlastet. Bildung muss einen eigenen Fokus haben.
  3. Die belastbaren und belegbaren Fakten zu Bildung müssen auf den Tisch: Wo genau steht die Stadt denn mit ihren Bemühungen – und wo ist das Ziel? 
  4. Der Bürgermeister macht „Schule“ zur Chefsache.

In meiner Heimatstadt erscheint heute (!) ein Artikel in der Neuen Westfälischen, der die mangelnde Ausstattung der Schulen mit digitaler Technik beklagt. Die Ausstattung insbesondere der Grundschulen mute technisch eher an wie die in einem Computermuseum. Der zuständige Dezernent für Bildung erklärt, man arbeite an einer IT-Strategie. Die zuständige Vorsitzende des Bildungsausschusses ist unzufrieden mit dem Tempo der Entwicklung. Eine politische Zustandsbeschreibung, die sicher auf viele Schulen in Deutschland zutrifft.

Diesen Zustand habe ich selbst schon beklagt als ich 2001 als Grundschulmutter in einer solchen Steinzeitschule Computer gespendet habe. Damals hieß es: Wir arbeiten an einer IT-Strategie. Diesen Zustand habe ich im Wahlkampf als Bürgermeisterkandidatin beschrieben. Da hieß es: Wir arbeiten an einer IT-Strategie.

Getan hat sich: nichts.

Jämmerlich.

In der Welt da draußen aber hat sich schon etwas getan:

Wir befinden uns am Tor zur Ära der 4. industriellen Revolution. Das Internet verändert schon jetzt unser gesamtes Leben in allen Lebensbereichen.

Angesichts dessen: Man kann Schulen so analog lassen, wie sie sind. Man muss nur irgendwann dafür gerade stehen.

Digitalisierung mal hier in Zahlen / im Überblick: 

Anteil der Internetnutzer weltweit 1995 noch 1 Prozent, Anteil der Internetnutzer weltweit 2014 41 Prozent (s.u.).  (Quelle: brandeins in Zahlen, Juni 2016) Der Anteil der Internetnutzer in Deutschland 2015 liegt bei knapp 78 Prozent.

Anteil der Handynutzer 2014 weltweit 73 Prozent. Anteil der Jugendlichen, die in Deutschland ein Handy besitzen, im Alter von 10 bis 11 Jahren, im Jahr 2014 = 76 Prozent. Anteil der Jugendlichen, die ein Handy besitzen im Alter von 16 bis 18 liegt 2014 bei 96 Prozent.

Anteil der Internetznutzer in Deutschland im Alter von 16 bis 24 Jahren: 100 Prozent. Anteil der Internetnutzer in Deutschland im Alter von 65 bis 74 Jahre: rund 58 Prozent. Im OECD-Durchschnitt: die jungen Nutzer liegen auch hier bei 100 Prozent, die Älteren bei rund 50 Prozent. (Quelle: brandeins Juni 2016)

Marktkapitalisierung von Firmen in Mrd. Euro im Juni 2016:

Apple 487 Mrd. Euro

Microsoft 378 Mrd. Euro

alphabet 420 Mrd. Euro

Amazon 307 Mrd. Euro

facebook 245 Mrd. Euro

Siemens 82 Mrd. Euro/ VW 68 Mrd. Euro / Daimler 65 Mrd. Euro / Continental 38 Mrd. Euro/ Thyssen 22 Mrd. Euro

Quelle: brandeins, Juni 2016

Laut Studie des Weltwirtschaftsforums in Davos fallen in den nächsten 5 Jahren 5 Millionen Arbeitsplätze in den 15 wichtigsten Industrie- und Schwellenländern weg.

Hier ein Zitat aus einer Meldung aus heise online: „Schlüsseltechniken wie Maschinenlernen, Künstliche Intelligenz, Robotik, Nano- und Biotechnik oder 3D-Druck führten zu gewaltigen Umbrüchen nicht nur der Geschäftsmodelle, sondern auch in den Arbeitsmärkten, heißt es in der Analyse, für die das Forum Experten aus den 350 größten Konzernen der Welt befragte. Es sei davon auszugehen, dass im untersuchten Zeitraum bis zu 7,1 Millionen Arbeitsplätze wegbrechen könnten. Dies beziehe sich weniger auf Fabriken als vielmehr auf Bürojobs etwa im Gesundheits-, Energie- und Finanzsektor. Dem stünden rund 2,1 Millionen neu geschaffene Jobs gegenüber. Diese entstünden vor allem im Sektor Informations- und Kommunikationstechnik, aber auch in der bereits gebeutelten Medien- und Unterhaltungsbranche.“

Der einzige Roboterbau in Deutschland, Kuka, wird mit weiteren Anteilen an China verkauft. 

In den nächsten zehn Jahren wird geschätzt, dass rund eine Billionen an Sensoren miteinander vernetzt sein werden (IOT).

43 Prozent aller Menschen auf der Erde sind mit dem Internet verbunden.

Hier ein kleiner Einblick in das Ranking des World Economic Forum

„The Global Information Technology Report 2016“:

Künftige Skills für das Bestehen in der Arbeitswelt sind stark geprägt durch Kompetenzen im Umgang mit digitaler Technik und digitaler Haltung.

Die Liste der Zahlen ließe sich weiter ausweiten. Die Interdependenzen der wirtschaftlichen Entwicklung und der Bildung ebenso.

Aber ach, man hat ja noch lange Zeit, sich über die technische Ausstattung in den Schulen zu unterhalten…. und wenn das Konzept dann steht, kann die Umsetzung folgen. Und wenn die Technik da ist, kann man anfangen, Konzepte zu entwickeln, wie man damit umgeht. Wenn das dann klar ist, kann man Konzepte machen, wie man dafür Personal bekommt. Wenn das Personal da ist, ………………………………

Unsere Generation der heutigen Entscheider zerstört die Zukunft der Jungen. Unsere Generation der Entscheider muss dafür die Verantwortung übernehmen.

Tauschen

Ich fahre viel und oft im Zug. Nirgends kann man den Menschen so im Feld beobachten wie hier. Nirgends schreibt das Leben schönere Geschichten als in der flüchtigen Begegnung zwischen den Haltepunkten.

Heute diese: Im Zubringer zum ICE checke ich meine Mails, höre nebenbei Musik und bediene die Social Media. Nutze also das Smartphone ganz intensiv.

Neben mir ein kleiner Junge, vielleicht 5 Jahre alt. Er schaut mir sehr aufmerksam zu, was ich da so alles mache. Nach einer Weile sagt er zu mir: „Wollen wir vielleicht tauschen? Ich bekomme dein Smartphone – und du kannst dir was von meinen Spielsachen aussuchen!“

Das Foto zeigt Schattenspiele im Zug fotografiert.

Talk im Zug Foto: Anke Knopp

Digitales in Schule

Die Bildungspolitik in Gütersloh habe ich ja bereits oft kritisch auf den Prüfstand gestellt. Leider immer wieder mit ernüchternden Ergebnissen.

Dieser Tage gibt es mal wieder bundes- und landespolitisch Luft unter meine Flügel, denn da werden die Notwendigkeiten erkannt, dass insbesondere „die Schule“ im Rückstand ist, wenn es etwa um die notwendige Ausrüstung etwa im digitalen Bereich geht.

Auf jedem Kongress, bei dem es um mittlerweile auch um digitale Veränderungen geht, kommt mittlerweile auch das Thema auf den Tisch, dass es künftig andere Qualifikationen der Menschen braucht, als Schule das bisher leisten kann.

Der Minister Duin etwa erklärt Freitag noch auf dem Wirtschaftskongress in Gütersloh, Schulen müssten im Ausbau der Infrastruktur von Internetzugang Priorität genießen:

Durchaus richtig erkannt. In Gütersloh hat gerade eben die Elterninitiative der Grundschuleltern diesen Punkt der mangelhaften Ausstattung mit IT in ihrem Kriterienkatalog aufgenommen. Die Stadt erarbeite ein Konzept dazu, heißt es nun.

Auch die SPD-Bundestagsfraktion fordert heute das Programmieren als Pflichtfach in den Schulen, damit sich die Heranwachsenden künftig „souverän in der digitalen Gesellschaft bewegen“ können.

Und zudem hat die Bildungsministerin des Landes NRW, Silvia Löhrmann (Grüne) gerade eine Pressemitteilung dazu verfasst, Schule müssen die Digitalisierung für individuelles Lernen nutzen. Sie verweist insbesondere auf das Projekt „Informatik an Grundschulen“:  „Seit Beginn des Schuljahres 2015/16 wird an fünf Grundschulen in NRW das Projekt „Informatik an Grundschulen“ durchgeführt. In Zusammenarbeit mit der Universität Paderborn, der Bergischen Universität Wuppertal und der RWTH Aachen erproben die Pilotschulen Informatikmodule für den Grundschulunterricht. Die Landesregierung investiert dafür rund 500.000 Euro.“

Nun ist die Grundschulinitiative aus Gütersloh eingeladen worden, sich dem Bildungsausschuss der Stadt GT vorzustellen – mit den oben genannten Entwicklungen dürften sie mit ihren Anliegen jetzt durchaus ernster genommen werden. Sie sprechen die richtigen Forderungen aus. Man darf gespannt sein, was konkret daraus entsteht. Mein Anliegen: Die Forderungen der Eltern ernst nehmen, transparent beteiligen – und endlich eine Schüppe drauf, was die Ausstattung der Grundschulen angeht.

Wer fehlt auf dem Treppchen?

In diesen Tagen gibt es sie wieder in Serie: die Fotos der Schul-Absolventen aus den unterschiedlichen Schulformen. Besonders hervorgehoben werden diejenigen mit einer besonderen Glanznote, der eins vor dem Komma. Aber es gibt auch Bildungsverlierer – die kommen nicht aufs Treppchen. Wo sind die Zahlen dazu? Das frage ich mich zeitnah auch vor der Ausgabe der Zeugnisse am kommenden Freitag!

Schüler bei Abschlussfeier

Schön, dass die meisten Jugendlichen an Gütersloher Schulen einen Abschluss geschafft haben.  Die jeweilige Schulgemeinde, die lehrenden Trainer, aber auch die Schulverwaltung freuen sich zu Recht in zahlreichen Abschlussfeiern über die Leistungsschau.

Erstaunlicher Trend: Viele weisen eine eins vor dem Komma auf. Gut so, aber es wirkt fast inflationär, wie viele auf dem Einser-Podium gelandet sind. Zählt nur noch das?

Es gibt aber auch Verlierer: Schüler ohne Hauptschulabschluss, Schüler nur mit einem Hauptschulabschluss nach Klasse 9, Schüler, die keine Lehrstelle bekommen, weil sie nur einen schwachen Hauptschulabschluss nach Klasse 10 vorweisen können, Haupt- und Förderschüler, die ihren Wunschberuf nicht erlernen können, weil die  Ausbildungsbetriebe Schüler mit mittleren und höheren Abschlüssen bevorzugen, Schüler, die jahrelang in den sogenannten „Warteschleifen“ an den Berufsschulen verbringen müssen.

Warteschleifen gibt es übrigens auch für Gymnasialschüler, die ohne eine Eins vor dem Komma in die Fänge des Numerus Clausus geraten und deshalb ein soziales Jahr, ein Praktikum, einen Job im In- oder Ausland annehmen müssen. Auf den Wartelisten landen und Wartesemester sammeln. 

Um neben den Siegeshymnen die tatsächliche Situation an Gütersloher Schulen zu beleuchten, wären auch die Schulwechsler-Zahlen, die Wiederholerquoten, Daten, die die Prognosen am Ende des 4. Schuljahrs im Verhältnis zum erreichten Abschluss aufzeigen und die Chancengerechtigkeit von Migranten und Kindern aus bildungsfernen Schichten vonnöten. Sie liegen vor, werden aber nicht genutzt. Und nicht jedes Kind, das auf ein Gymnasium geht, erreicht das Abitur, wann und wo gehen diese verloren?

Als Rektor einer Schule, als Schulverwaltungsbeamter und als Schulpolitiker sind jedoch genau diese Zahlen von großer Wichtigkeit, sie zeigen den Istzustand ungeschönt und eröffnen eine Handlungsperspektive.

Ob der Schulentwicklungsplan, der zur Zeit aufgestellt wird, solche Daten enthalten wird, ist fraglich – bleibt abzuwarten. Was nicht abzuwarten ist: die, die nicht auf dem Treppchen gelandet sind, dürfen nicht vergessen werden. Am Ende zählt nicht die eins vor dem Komma. Es zählt die Haltung. Es zählt der Mut der jungen Menschen ins Leben zu gehen und in Zeiten einen Platz zu finden, die sich langsam von der Komfortzone verabschieden. 

Politiker setzen Familienfreundlichkeit aufs Spiel

Geht es um die Familienfreundlichkeit in Gütersloh, ist Bildung zentral. Zur Zeit wird diese von allen Fraktionen im Rat aufs Spiel gesetzt.

Radevormwald Das Foto ist nicht in GT entstanden.

Eine grundschulübergreifende Elterninitiative formuliert Kritik an den Grundschulen. Sie beanstanden ganz richtig mangelnde Sauberkeit, drangvolle Enge, Qualitätsmängel im Offenen Ganztag (OGS) und das Verschlafen der digitalen Ausrüstung. Diese Initiative ist zu begrüßen.

Probleme reichen tiefer

Die Probleme reichen aber noch weiter: Die derzeitige Verteilung von Zugängen und Betreuungsplätzen in den Schulen setzt die Vereinbarkeit von Schule und Familie für viele Familien außer Kraft. Die städtische Planung geht an den Bedarfen der Eltern vorbei. Die im Schulentwicklungsplan prognostizierten Schülerzahlen insbesondere für die OGS weichen eklatant ab  – der Bedarf an Betreuung ist größer als das Angebot. Dieser Trend eines größeren Bedarfs war lange erkennbar. In Gütersloh wurde das offenbar nicht ernst genommen – oder aber politisch abgelehnt, weil ein anderes Familienbild gewollt ist: Die Mutter am Herd. 

(…)

Viele dieser grundsätzlichen Fragen werden von der Politik nicht angesprochen. Schule hat sich sehr stark verändert. Die Vermessung im Schulentwicklungsplan aber ist unverändert und unflexibel geblieben. Verweigert die Politik weiterhin eine Diskussion über die künftige Ausrichtung insbesondere der Grundschulen, verspielt sie die Familienfreundlichkeit der Stadt schon in den frühen Jahren der Kinder. Von fehlender Chancengerechtigkeit ist dabei noch gar nicht die Rede. 

Die Langfassung der Pressemitteilung findet sich in meinem Blog Blickpunkt aus Gütersloh – also hier. 

Eine Frage an Frau Knopp…

Heute haben Schülerinnen und Schüler der Klasse 10 der Freiherr-vom-Stein-Realschule Fragen gestellt: Was machen Sie, wenn Sie NICHT gewählt werden? 🙂 Und: Was machen Sie, wenn Karstadt in der Innenstadt geschlossen wird? Was machen Sie für den Umwelt- und Naturschutz? Auch die drei weiteren Kandidaten wurden befragt. Eine Diskussion untereinander konnten wir aber nicht führen…

Schüler fragen - Kandidaten antwortenDie Beiträge wurden gefilmt und erscheinen wieder im nächsten GT-Info-Stadtmagazin.

Beeindruckend ist schon, dass sich die jungen Menschen dieser Tage auf den Weg machen, die Schule verlassen und erste Gehversuche unternehmen, ihren Platz im Leben zu finden. Was für ein spannender Aufbruch. Dieses Gefühl, dass jetzt bald etwas Neues beginnt, das teile ich mit den jungen Damen und Herren.

Mein Herzenswunsch an alle, die jetzt in alle Winde verteilt werden: bleiben Sie aufrecht, vertrauen Sie sich selbst – und bleiben Sie gerne auch Bürger in Gütersloh.