Denk digital – bleib kommunal

Update: Hier findet sich der Link zu meinem Eingangsvortrag. Ebenso wie der von Ingrid Brodnig (Österreichische Journalistin und Digitalexpertin) und der anschließenden Diskussion zusammen mit Moderator Meinrad Knapp. 

Update 2: Ich empfehle dazu auch den Blog von Johannes Pressl „Langfristig denken – Konkret handeln“. 

Laden die Nachbarn aus Österreich ein, muss man als Deutsche(r) kleine Brötchen backen, wenn es um E-Government geht. Sie sind uns meilenweit voraus. Ein Beispiel? Die Post, die morgens noch in Papierform im ländlichen Rathaus eingeht, ist mittags gescannt – und am Nachmittag ist analoges Totholz bereits geschreddert. Als Referentin aus Deutschland im Kreis von österreichischen Kommunalis darf man sich hier ehrfürchtig verneigen.

Ich war eingeladen, zu den Kommunalen Sommergesprächen 2017 in Bad Aussee, Österreich. Gastgeber und Ausrichter war der Österreichische Gemeindebund und die Kommunalkredit Österreich. „Thema: Denk digital. Bleib kommunal.“ Treffender konnte der Titel nicht sein. Die Musik spielt hier zwischen Tradition und Moderne:

Das Foto zeigt ein Schlagzeug mit einem Blick aus dem Fenster auf Dächer und Berge.

Kurhaus Aussee – über den Dächern spielte die kommunale Musik

In vier Fachforen konnte das weite Feld „Digitalisierung“ anschaulich aufgebohrt werden. Die jeweiligen Fachimpulse kann ich hier nicht beschreiben – ich stand selbst auf dem Podium, dann ist bloggen schwer.

Das Foto zeigt mich mit zwei weiteren Referenten.

Christoph Meineke, Bürgermeister Wennigsen/Deister (Hannover)  und Simon Rosner (Wiener Zeitung)

Die Foren mit ihren Themen sowie die Ergebnisse in aller Kürze – die Ähnlichkeiten oder Deckungsgleichheit mit der Diskussion in Deutschland liegt auf der Hand:

Nummer 1: Social Media und Kommunikation auf lokaler Ebene:

Social Media ist eine Herausforderung; gutes Kommunikationsmittel für die Kommune, weil in eigener Hand und unabhängig von anderen (Zeitungen); Kommunikation auch für die, die nicht mehr in der Gemeinde leben (Weggezogene aber Heimatverbundene); sie können sich hierüber immer noch informieren, was daheim passiert; Social Media muss professioneller werden (Technische Installation / Anwendung, Anleitung für Verwaltungsmitarbeiter); das Wissen und die Erfahrung ist nicht vorhanden, wie man mit Trollen/Shitstorm umgeht; gewünscht ist, „die Kontrolle“ in der Gemeinde zurückzuholen.

Das Foto zeigt das Panel der Ergebnisverkündigung mit den Referenten

Ergebnisse

Thema 2: Digitale Verwaltung braucht den Menschen (Kommune 4.0)

Ergebnisse: Vorbereitung und Einstellen auf eine noch schnellere Taktung der Geschwindigkeit der Veränderungen als das bisher der Fall war; Muss man mehr Personal einstellen, um die Aufgaben leisten zu können?!; es ist keine Aufgabe für Roboter: Verwaltung, Pflege von Alten, Müllabfuhr = das müssen nach wie vor menschliche Arbeitsplätze bleiben; mehr Stimmungen und Ängste der Menschen aufnehmen, Ängste wahrnehmen und ernstnehmen; digitale Werkzeuge müssen beherrschbar sein für eine Verwaltung; (Exkurs: Wenn man das kann, dann gelingt das auch  ( es braucht Erfahrungen, die erlangt man lediglich durchs Machen); wir brauchen einen Plan; die Frage beantworten: Was will ich mit den neuen Tools erreichen? (das sagt einer, der lange Jahre Erfahrung hat; Personalabteilung wird immer wichtiger = Personalentwicklung als Teil der Kommune 4.0.

Das Foto zeigt einen Konferenzraum in Österreich mit traditionellem Jagdmotiv.

Traditionell – und modern

Thema 3: Digitale Plattformen zur Umsetzung kommunaler Projekte

Digitale Werkzeuge und digitale Angebote = unüberschaubar ( es gibt zu viel, die Auswahl ist nicht mehr gewährleistet nach  handhabbaren Kriterien); die Frage ist und bleibt: Was davon soll ich nehmen? Was passt zu mir und meiner Verwaltung? Was passt zu meiner Kommune?; Womit soll ich anfangen? Die Themenpalette ist so vielschichtig: Glasfaser, E-Government+; Wie bringe ich Bürger dazu, Digitales auch zu nutzen?; Wenn digitale Angebote = dann müssen diese den Arbeitsaufwand für die Menschen reduzieren (Beispiele: Wasserzähler; keine Anträge mehr im Amt); am gefährlichsten ist es, diesen Weg NICHT zu gehen!; Vorschläge konkret: 1. Zentrales Angebot geben (1 Anlaufstelle, sinnvoll alles digital anzubieten; 2. Holschuld der Gemeinden; 3. zentrales Angebot für die Qualifikation der Mitarbeiter machen (Wartung; Bestimmungen; übergeordnete Aufgaben); 4. Klare Definition von Bundesseite wird erwartet. Schließlich bleibt die Frage: Was MUSS ich denn als Kommune anbieten? Anleitungen und klare Vorgaben werden erwartet, Vernetzung untereinander ist zentral und wichtig

Forum 4 Smart Country – digitale Strategien für den ländlichen Raum

Simon Rosner als unser Moderator stellt die Ergebnisse für unseren Workshop vor, den ich zusammen mit Christoph Meineke, Bürgermeister aus Wennigsen/Deister im Raum Hannover gestaltet habe. 

Ergebnisse in aller Kürze: Digitalisierung kann man nicht von oben überstülpen und verordnen; Verständnis der Politik und der Verwaltung über digitale Themen vertiefen; Akzeptanz der Bürger stärken; Bürger einbeziehen; das Wissen und KnowHow der Vielen und bisher unentdecken Quellen wie auch der Jugend (Jugend hackt);  Bedürfnisse und Bedarfe feststellen; Know-How in den Kommunen fehlt; Einbringen von Zivilgesellschaft in neuen Formaten wie Koproduktionen; Scheitern erlauben; Strategieplanung und beginnen!

Die Foren waren gut besucht. Das ist eine zentrale Aussage, denn wer den wunderbaren Ort der Tagung kennt: Bad Aussee, der ahnt, dass es dort um Entschleunigung geht, um Entspannung und um den Genuss der Natur. Viele Gründe also, die Landschaft zu genießen. Statt dessen rauchten die Köpfe und es wurde sehr ernsthaft und vielschichtig diskutiert. Kommunales Herzblut pochte. 

Einige besonders herausragende Sätze und Erkenntnisse am Ende der Ergebnisverkündigung. Ich schreibe sie hier gerne auf, weil sie Mut machen, aber auch schmunzeln lassen. 

1) „Wir schaffen das!“ Kein Stress.

2) Wir auf dem Land werden als Volliditionen gehalten. Wir sind es nicht!

3) Es braucht weniger! Wir machen eh schon alles  – dann klappt das mit der Digitalisierung hier auch noch.

4) Anekdoten aus dem Forum 4: Alle im Gemeinderat stimmen für Glasfaser, nur einer nicht. Am Abend bespricht der Nichtstimmer diesen Umstand mit seinem Sohn. Der erklärt dem Vater, was man damit alles anfangen kann. Am folgenden Tag geht der Anruf ein beim Bürgermeister: Glasfaser sei doch eine tolle Sache. Man solle da mitmachen. 

Landleben am digitalen Puls anschließen

Sie möchten auf dem Land leben (bleiben)? Sie möchten nicht in die Stadt ziehen?

Dann wird es Zeit, den ländlichen Raum auch an die digitale Entwicklung anzuschließen, damit diese Wünsche in Erfüllung gehen. Konzepte gibt es. Ich habe dazu einen Gastbeitrag in der Wiener Zeitung verfasst. Die Herausforderungen in unserem Nachbarland, damit der digitale Brückenschlag ins Land gelingt, sind ähnlich gelagert wie die in Deutschland.

Hier geht´s zum Artikel in der Wiener Zeitung. 

Das Foto zeigt den Artikel in der Wiener Zeitung.

Gastbeitrag in der Wiener Zeitung

 

VHS als Tor zur Digitalisierung

Die VHS Osnabrück nimmt vorbildhaft die Stadtgesellschaft mit, wenn es um Digitalisierung geht. Sie hat in diesem Semester das große und umfängliche Thema Arbeit 4.0 auf die Agenda gesetzt und informiert zu diesen Themen rund um die Veränderung der Arbeitswelt bis hin auch zur digitalen Stadtentwicklung.

Gestern war ich Referentin zum Thema „Smart City – wie Digitalisierung unsere Städte verändert.“ Vielen Dank für die Gelegenheit, dort zu sprechen. Auch für die sehr anregende Diskussion.

Das Foto zeigt die VHS Osnabrück.

VHS Osnabrück goes Digital

Hier ist eines der Charts, welches ich gestern vorgestellt habe. Ein Teilaspekt von Smart City ist die Immersion. Dabei geht es um die Verknüpfung von virtueller und physischen Realität im Stadtraum. Informationen sind nicht nur in immer größerem Umfang verfügbar – sie finden sich auch mehr und mehr im realen Stadtraum verankert.

Digitale Anwendungen in dem Bereich werden zunehmend auch in der Geschäftswelt genutzt, um Daten neu zu nutzen: Kundenverhalten, Kundenwünsche, Kundeninformation. Warum dann nicht auch in der zivilen Nutzung von Stadt als öffentlichem Raum einsetzen?

Schönes Beispiel für den Einsatz neuer Technik ist etwa das Projekt Guide4Blind aus dem Kreis Soest – ein Blindennavigationstool, welches mit unterschiedlichen Ansätzen Sehbehinderte und Blinde anspricht, um touristische Angebote wahrnehmen zu können. Diese Idee lässt sich aber auch übertragen in die Welt der Sehenden, deren Wahrnehmung durch Augmented Reality erweitert werden kann. Etwa durch virtuelle Stadtrundgänge. 

Wohl schönstes Beispiel für dieses Verschmelzen zwischen realer und virtueller Welt ist „Pokemon Go“. Dazu hatte ich hier bereits gebloggt.

Das Foto zeigt ein Chart zur Immersion.

Verschmelzung

Lasst die digitalen Köpfe ran!

In meiner Heimatstadt vollzieht sich mit schöner Regelmäßigkeit folgendes digitale Trauerspiel – welches mich zu diesem Leserbrief veranlasste:

Die Grundschulen verpassen den Anschluss an den digitalen Wandel. Alle paar Jahre wieder ertönt ein Aufschrei (der Eltern), der Hektik (in Politik und Verwaltung) auslöst. Allein: Es passiert nichts.

Das Foto zeigt die Aufschrift. your story starts now.

Und Du musst den ersten Schritt machen…

Eltern wissen um die Notwendigkeit digitaler Kompetenz. Digitales Wissen erlangen ihre Kinder eher auf dem Pausenhof oder zuhause am Familienrechner. Eine Grundschulkarriere dauert vier Jahre. Ist der Schulwechsel absehbar und keimt die (fatale) Hoffnung auf, in der weiterführenden Schule würde sich dieses digitale Niemandsland in eine digitale Offenbarung verändern, verebbt der Protest. Bis sich die nächste Generation regt, dauert es wieder zwei Jahre. Das System der analogen Hilflosigkeit bleibt. Schließlich fehlt auch das, was Digitales in der Schule ermöglicht: die digitale Infrastruktur, also Fibre to the School. Und es fehlt der Wille, Geld zu investieren in etwas, das die Entscheider gar nicht kennen: Digitales.

Der Grund: Erreicht werden drei Zielgruppen und ihre Entscheider, die gar nicht in der Lage sind, digitale Konzepte für Schulen zu entwickeln. Die Politik: Mit einem Altersdurchschnitt von rund 55+ Jahren arbeitet der Rat noch mit Papier, der digitale Weckruf ist hier weitestgehend lautlos verhallt. Die Verwaltung: Gütersloh ist zwar Modellkommune für e-Government, aber längst keine digitale Verwaltung. Die Grundschulpädagoginnen: Es fehlt an Kompetenz der Nutzung digitaler Unterrichtsformate, die Beharrungskräfte an alter Stoffvermittlung sind enorm. Damit sind diese Akteure überfordert, denn Digitalisierung ist mehr als eine simple Frage der Technik, es ist ein Kulturwandel.

Fazit: Der Unmut bleibt in der Echoblase der überforderten analogen Theoretiker. Seit Jahren schafft keiner Abhilfe, weil die digitalen Köpfe als Entscheider fehlen. Wie diesen Kreislauf durchbrechen? Findet die digitalen Treiber in Politik, Verwaltung und Schulen, die bisher nicht gehört wurden. Gebt ihnen ein Budget und lasst sie machen! Das Internet selbst und die Technik des Netzwerkens helfen: es gibt Kommunen, es gibt Grundschulen, die längst auf dem Weg sind. Fragt, wie das geht! In Netzwerken lernt es sich hervorragend – das wissen schon die Kleinen durch You Tube – aber die fragt niemand.

Wir brauchen digitale Bildungsnetzwerke, ein schnelles Netz, einen Ort, an dem man sich trifft und Fragen stellt, Antworten hört, aus Fehlern lernt und gemeinsam loslegt. Die Schule einer digitalen Welt kann nicht analog sein. Wer die digitalen Köpfe und Treiber weiter in die hinteren Reihen verbannt, zieht der nächsten Generation den Stecker aus der Dose.

Ja - packe sie an!

Ja – packe sie an!

Digitale Region – aus dem Land, für das Land

Wie überlebt der ländliche Raum im digitalen Wandel? Wir haben hier einige zentrale Handlungsempfehlungen und Anregungen gebündelt:

Colab Internet und Gesellschaft #digitaleRegion

Hintergrundbericht (klein)

Hintergrundbericht

Executive Summary

Das Foto zeigt die Broschüre DigitaleRegion.

Aus dem Land – für das Land

Das Netzwerk und seine Expertinnen und Experten stehen gerne zur Diskussion oder Begleitung zur Verfügung.

 

Real und virtuell – der neue Cocktail Pokémon Go

Der Hype um „Pokémon Go“ freut mich. Millionen Menschen erleben, was mit Augmented Reality alles möglich ist. Die reale Welt verschmilzt mit der virutellen Welt. Das kann sogar Spaß machen. Und offenbar versteht das jeder Spieler in Windeseile ohne sich lange den Kopf zerbrechen zu müssen.

Augmented Reality (AR) bedeutet die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung, davon ist schon viel und oft die Rede gewesen, aber den richtigen Sprung in die Mitte der Wahrnehmung hat dieses Phänomen bisher nicht geschafft. Mit Pokémon Go ist das zumindest gelungen – und dürfte damit der Wegbereiter sein für sehr viel mehr.

real und virtuell verschmelzen

real und virtuell verschmelzen

Die Verschmelzung der realen und virtuellen Welt mit diesem spielerischen Ansatz setzt ganz neue Maßstäbe. Es entsteht eine ganz neue Dimension von Mensch-Raum-Interaktion, die auch noch in Echtzeit stattfindet. Die simple Theorie über diese erweiterte Wirklichkeit könnte kaum bunter und praktischer in unserer Welt in Szene gesetzt werden als mit diesen animierten Comic-Figuren. Die es übrigens schon seit Jahren im Print auf Spielkarten gibt , die aber bereits verstaubt in den Regalen der Kinderzimmer lagen. In dem Remake stehen reale und virtuelle Objekte 3-dimensional in Bezug – und setzen schon mal auch die Gesetze der realen Welt außer Kraft, an die wir uns im öffentlichen Raum gewöhnt haben: Spieler, die sonst eher in ihrem Kämmerchen verschwunden sind, laufen seit ein paar Wochen sichtbar durch die Gegend, schauen jetzt noch mehr aufs Smart und behindern schon mal den Alltagsfluss der Mobilität. Weil sie überall herumstehen und „Dinge“ fangen, weil sie plötzlich überall auftauchen, teilweise in Scharen. Das wirft Fragen auf und lässt Kritik aufkommen.

Einen sehr aufschlussreichen Artikel fand ich gestern dazu auf piqd, empfohlen von Christian Huberts, der u.a. die Frage aufwirft, wem der öffentliche Raum eigentlich gehört, wenn er virtuell wird. Ist es „erlaubt“ Pokémon an Orten zu platzieren, die besonderes Taktgefühl verlangen – oder aber privat sind oder noch besser werksgeschützt?

Viele Städte profitieren von dem Hype, weil ihre gesamte reale Welt sich plötzlich in der virtuellen Welt wiederfindet. Pokémons verstecken sich egal wo (naja, sie sind programmiert), plötzlich tauchen sie in der Umgebung auf. Manche Städte dürfen sich sogar darüber freuen, dass hier ein ganz seltenes Monster auftaucht, welches jede Menge Trainier nach sich zieht, die es fangen wollen. Ein kleines Schauspiel, wie so etwas dann in einer Stadt mal aussehen kann, findet sich in einem Videobeitrag vom Telegraph: „Pokemon Go players go mad as rare Pokemon appears in park“ 

Leider ist auch feststellbar, dass Städte, also der urbane Raum an sich, in dem Spiel klar im Vorteil sind. Hier tauchen fast an jeder Ecke Pokémon auf. Finden lassen sich die Viecher übrigens mit Pokémon Radar. Insbesondere die Sehenswürdigkeiten in den touristischen Zielen haben im wahrsten Sinne des Wortes leichtes Spiel. Natürlich ziehen sie die Spieler an und in ihren Bann. Sicherlich liegt es auch an der guten digitalen Infrastruktur, die man im Ballungsraum findet. In den ländlichen Räumen sieht es da schon schlechter aus. Abgehängt wird man hier schneller – und es tauchen auch nicht so viele Pokémon auf. Das langweilt. Leider.

Das wäre fast schon eine Marktlücke zur Belebung der ländlichen Räume und Regionen: im Stadtmarketing müsste man vermerken können, dass man in diesen abgelegenen Orten ganz besonders rare Wesen des Spiels finden und fangen kann. Wäre doch gelacht, wenn die Spieler dann nicht wie von Geisterhand getrieben in diesen Ecken der Nation auftauchen würden. Immerhin gibt es schon Angebote fürs Übernehmen durch Restaurantketten – warum dann nicht auch in schwachen Gebieten, die ein wenig Hype gut vertragen könnten.

Ja, der Datenschutz ist ein Thema. Auch der Hype ist an sich ein Thema. Mich aber fasziniert, wie plötzlich eine Technik mitten in der Gesellschaft auftaucht, die ganz spielerisch das Zeug dazu hat, die analoge Welt für ganze Momente aus den Angeln zu heben. Das schärft die Sinne für das, was uns die digitale Transformation noch bringen wird. Und es zeigt sich, dass es gut ist, die Diskussion darüber jetzt fortzuführen. In welcher Welt wollen wir leben – und wie wird die aussehen? Auf jeden Fall erweitert mit AR.

Weichen stellen für die Zukunft

Wenn man nicht nur den Blick auf #SmartCity richtet, ist man schnell bei #SmartCountry. Was ist das eigentlich – und welche Weichen müsste man denn stellen, um smart zu werden. Und noch viel interessanter die Frage: Warum sollte man das überhaupt wollen?

Das Foto zeigt die Referenten vom Panel SmartCountry

Photo: © Jan Voth Metropolitan Solutions 2016

Alles spannende Denkansätze, die wir auf der Metropolitan Solutions im City Cube zu Berlin diskutiert haben. Ich verlinke mal dazu, weil ich die Moderation für die Bertelsmann Stiftung zum Panel „SmartCountry – Teilhabe sichern“ übernommen habe.

Metropolitan Solutions – hier geht´s zu meinem Blogpost im Wegweiser Kommune der Bertelsmann Stiftung.

Digitaler Lifestyle in einem ganzen Land

Estonia, also Estland, traut sich was. Das nördliche EU-Land lebt einen digitalen Lifestyle und erfindet sich und seine digitalen Möglichkeiten ständig neu. In Deutschland ist das anders. Deutschland belegt Platz 9 im EU Digitalbericht 2016. Das ist gutes Mittelfeld.

Das Foto zeigt die Flagge von Estland vor blauem Himmel.

Estonia – digitales Land

Ich bin mit dem Team von @SmartCountryDE der Bertelsmann Stiftung auf einer Studienreise in Estland. Estland gilt als „das“ Digitalland Europas. Wir suchen nach guten Beispielen, wie digitale Strategien ein Land in der Fläche zu einem smarten Ort macht. Auf dem Zettel der Glanzleistungen in Estland ganz oben stehen vorbildliche Anwendungen für das E-Government bis hin zu flächendeckender Versorgung mit WIFI sowie der schnellste Weg, eine eigene Firma zu gründen. Das dauert nach der Statistik in Estland nur ganze 18 Minuten. Estland bietet zudem die digitale E-Residency, eine digitale Existenz für Bürger weltweit. Alles Gründe genug, sich einmal vor Ort anzuschauen, was genau das Erfolgsrezept von Estland ist – und was davon nach Deutschland übertragbar ist. Am Ende geht es darum, Teilhabe zu ermöglichen und zu erhalten.

Digital-Tourismus 

Digitalisierung scheint ein Exportschlager zu sein. Gepaart mit dem Fakt, dass im kommenden Jahr in Deutschland die Bundestagswahlen stattfindet und zudem eine richtungsweisende Landtagswahl in NRW ansteht, erklärt sich, warum sich gerade deutsche politische Delegationen die Klinke in die Hand geben, wenn die einen den Showroom von e-Estonia betreten und die anderen hinausgehen. Experten der Digitalausschusses waren schon hier, kürzlich war Armin Laschet (CDU NRW und stellvertretender Bundesvorsitzender der CDU) vor Ort, am Ende dieser Woche reist die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft an, ihre Staatskanzlei postet derweil Flugbilder.

Gerade gestern hat sich die Bundeskanzlerin Merkel im Rahmen einer Klausurtagung des Kabinetts mit dem estnischen Ministerpräsident Taavi Rõivas getroffen. Inhalt: Fortschritte zur digitalen Agenda in Deutschland.

Mit dabei war auch Siim Sikkut, einer der digitalen Köpfe Estlands und digitaler Berater des Präsidenten. Einer, der schon bewiesen hat, dass er digital denken und handeln kann. Er ist auch ein Experte für e-Government. Ohne schon in diesem Blogpost auf die vielen Vorzüge Estlands einzugehen, mal an dieser Stelle ein kurzes Fazit: Sikkuts Ziel wäre, Government unsichtbar zu machen. Alle notwendigen Angelegenheiten sollen für die Menschen im Land so clever und simpel geregelt sein, dass sie leicht zugänglich sind, von jedem genutzt werden können, dies von der Wiege bis zur Bahre. Nur rund 4 Prozent der Menschen in Estland nutzen diese Services des E-Government nicht – sie sind analog. Wenn also rund 96 Prozent digital sind was staatliche Dienstleistungen (und sonstige Services angeht), ist das eine nationale Erfolgsstory, die nur von der Nachricht getoppt wird, dass 100 Prozent der Bevölkerung über einen Kühlschrank verfügen. Selbst der Taxifahrer erklärt mir die „Normalität“ des Digitalen in Estland als eben eine solche Natürlichkeit und verweis auf die gleiche Zahl der analogen Mitbürger, wie Sikkut sie nennt, um dann kein Bargeld anzunehmen, sondern nur meine Kreditkarte akzeptiert.

So dreht sich auch jede der Erfolgsgeschichten um eben eine einzige Karte, auf der alles gespeichert ist. Hier schon mal ein Bild von dem PlastikChipWunderDing, Details wie gesagt im nächsten Blogpost.

Das Foto zeigt eine Art EC_Karte, auf der alle Daten gespeichert sind.

eine Karte für alle Services

Wenn nun alle das Ziel verfolgen, von Estland zu lernen (es reisen auch andere Nationen hierher), muss man sich fragen, warum die Esten so erfolgreich sind in dem, was sie tun – und Deutschland seit langem schon den Anschluss verpasst hat (Glasfaser fast unbekannt) oder bestenfalls hinterherhinkt, Interaktion zwischen Staat und Bevölkerung ist weitestgehend analog und nur mit hohem bürokratischen Aufwand leistbar. Gerade wenn von E-Government die Rede ist, türmen sich die Fragen nach dem Grund des Scheiterns auf wie die Wolken über der Küste von Estland.

Hier vor Ort wird klar: Digitalisierung und die sich daraus ableitenden Möglichkeiten digitale Services zu entwickeln und dabei den Menschen und seine Notwendigkeiten in den Mittelpunkt zu stellen, ist keinesfalls nur eine Frage der Technik.

Digitale Transformation und digitale Services sind eine Frage der Haltung und der Veränderung der Prozesse und des Zugangs. Eine Form der Hierarchieverschiebung, eine Frage der Transparenz, eine Frage der Ausrichtung auf die Bedarfe der Menschen. Und am Ende schlicht auch eine, wie künftig Geld verdient wird, wenn die Wissens- und Informationsgesellschaft sich über Nacht Bahn bricht. Moore´s Law spricht von exponentieller Beschleunigung. Estland hat die neuen Formen gemeinsam entwickelt, gemeinsam ermöglicht. Estland hat sich zum Ziel gesetzt, auf lange Sicht 1 Millionen E-Residents nach Estland zu holen – kurz blitzt auch die Zahl mit einer weiteren Null daran auf. Über 100.000 sind es schon. Angesprochen werden die neuen Kreativen, die neuen Wertschöpfer, denen es egal ist, ob sie nun in Timmendorfer Strand sitzen oder in HongKong wirken, sie aber einen Ort suchen, an dem die „Firma“ residiert und das eben virtuell möglich ist. Estland schafft das. Estland bindet damit langfristig den Rohstoff an sich, der bald (und schon jetzt) gebraucht wird, nämlich Kreativität und Flexibilität. Anderen Ländern gelingt das nicht.

Selbstverständlich muss man schauen, dass Estland ein Land mit rund 1,2 Millionen Einwohnern ist, also überschaubar. Und erst sei 1991 in der Unabhängigkeit lebt. Beim Neustart die Restbestände einer russischen Mangelwirtschaft vorfand aber junge quirlige Leute hatte. Dazu jedoch einen mächtigen Nachbarn Russland hat, der immer wieder die Keule schwingt und bedrohlich nahe kommt, symbolisch und faktisch. Cyberattacken nicht ausgenommen. Die Besatzungszeit ist in Estland nicht vergessen. Sie ist real immer vorhanden, die Gefahr, wieder annektiert zu werden, ist präsent. Die Esten müssen intelligent sein, um zu überleben und ihre Freiheit zu bewahren, das schafft Möglichkeiten.

Deutschland hat keinen Feind an seinen Grenzen. Wohl aber muss sich Deutschland um seine Prosperität sorgen, um den Erhalt oder gar Ausbau des Lebensqualität, der längst schon nicht mehr alle erreicht. Die Ausgangslagen der Länder sind unterschiedlich, die Zukunft aber ähnlich: wie die Chancen der Digitalisierung nutzen, zum Wohle der Menschen? Liegt Deutschland jetzt schon auf Platz 9, ist der Erhalt kaum möglich, angesichts der Tatsache, dass eine tragfähige digitale Infrastruktur nicht über Nacht wächst und mit Kupferkabel längst das falsche Medium in den Einsatz gebracht wird.

Wenn die Delegationen hier Antworten darauf finden, hoffe ich, dass sie diese nicht behandeln wie ein Souvenir, welches ausgepackt aus dem Koffer lediglich im Regal verstaubt. In Vorwahlzeiten könnte Estland auch ein Ausflug und damit Alibi sein für vorgetäuschte Beweglichkeit im Mindset. Die Vorteile Estlands könnten zuhause auch schnell vom Positiven ins Negative gedreht werden, um in Deutschland im analogen Modus zu verbleiben. Nach dem Motto: Ja, aber wir hier sind ganz anders….

Digitales aus Estland ist jedenfalls ein Exportschlager: wie geht digital und wie geht es gemeinsam mit den Menschen, nicht von oben herab und auch nicht ohne die Bedarfe zu kennen. Wer diese neuen digitalen Lebensformen nicht versteht oder nicht annehmen will, darf sich nicht wundern, wenn die Zivilgesellschaft im eigenen Land nicht wartet, sondern schon mal in anderen Feldern der privaten Lebensorganisation digital vorausgeht. Damit aber zeigt sich der Staat langfristig als unfähig zu Wandlung und Meisterung seiner Kernaufgaben. Mit einer Politik 1.0 sind politische Entscheidungen hinfällig und undemokratische Schreihälse besetzen Themen und füllen sie mit nationalistischen Inhalten. Selbst digital wird so auf national gestutzt.

Keine Frage, in den digitalen Services des Staates als ein fester Bestandteil der Politik 2.0 sehe ich eine Chance. Eine Chance für Menschen, Demokratie und Lebensqualität. Ich nehme aus Estland mit den Beweis, dass es digitale Treiber braucht und dass Veränderung möglich ist.

Werkstattbericht aus dem CoLab #digitaleRegion

Die 11. Initiatve des CoLab Internet&Gesellschaft zusammen mit dem Verein “Unternehmen für die Region” (UfdR) beschäftigt sich in den kommenden Monaten mit dem Schwerpunkt#digitaleRegion. Über den Start hatte ich schon gebloggt. Ich arbeite hier als Expertin mit.

Zwei Testregionen

Im zweiten Workshop gestern im FraunhoferForum in Berlin kristallisierten sich nun differenzierte Herangehensweisen heraus: Wir werden Grundlagenarbeit in bekannter interdiszipliärer Besetzung betreiben. Die Schwerpunkte sind Wirtschaft&Arbeit, Bildung, Mobilität und Logistik sowie Staat und Verwaltung. Viel herausfordernder aber wird der Realitycheck vor Ort sein. Geplant sind zwei konkrete Workshops in Regionen, die sich teilweise schon sehr erfolgreich auf den Weg gemacht haben, wie Augsburg und Umgebung sowie in einer “Newcomer”-Region mit der Gemeinde Wennigsen (Deister), wo sich ein Netzwerk abzeichnet, welches die digitale Transformation für sich entdeckt. In der Experten-Diskussion fanden gerade diese beidenbipolaren Ansätze großen Zuspruch: Nord-Süd, Starter und Erfahrung, um den Sprung von der Theorie in die Praxis zu bewerkstelligen.

Zum Aufbruch in Wennigsen habe ich Christian Mainka um ein kurzes Statement gebeten, er ist Projektmanager und Wirtschaftsförderer in Wennigsen. Zudem gibt Tina Weber (UdfR) einen kurzen Einblick, wie sehr das Thema “Digitalisierung” auch die Netzwerke in den Regionen bewegt und treibt:

Einen kurzen Zwischenstand vermitteln die Macher der 11. Initiative des CoLab Gerald Swarat und Resa Mohabbat Kar:

AG Wirtschaft und Arbeit 

Ich selbst arbeite in der AG “Arbeit, Wirtschaft und KMUs” mit. Zentrale Arbeitsstränge werden sein, die Lebensqualität für Familien auf dem Land zu verbessern, was besonders Kinder und Schulen berühren wird aber auch das Einsparen von Zeit durch Wegfall der Pendlerzeiten. Zweitens werden wir in den Blick nehmen, welche Rahmenbedingungen das neue Arbeiten eigentlich bräuchte (Arbeit4.0 ist das Schlagwort), berücksichtigt man die Bedarfe der Menschen an erster Stelle – dies aus der Sicht derer, die gerne in der “Fläche” leben möchten und nicht in den Ballungsgebieten.

Das berührt selbstverständlich auch Fragen der Nachhaltigkeit, die Ausformung neuer Berufsbilder sicherlich auch, gekoppelt mit der Überlegung, welche Berufsgruppen man gerne vor Ort ansiedeln möchte. Müssen jetzt alle Designer aufs Land ziehen? Auch der Aspekt der Landwirtschaft als Arbeitsfeld soll betrachtet werden: gibt es etwa digitale Plattformen für neue Geschäftsmodelle des Vertriebs? Wichtig ist mir der Aspekt, dass nicht alles eine Frage der Technik sein muss. Digitale Strategien sollen in erster Linie den Menschen in den Fokus stellen. Nur auf diesem Weg kann man zur Verbesserung (oder für den Erhalt?) der Lebensqualität beitragen.

Um möglichst nah an den Bedarfen in der Region zu bleiben, werden die Fragen der Experten daher an die regionalen Netzwerke auf diese Gesichtspunkte hin geschärft und in einem Fragenkatalog abgefragt. Wir identifizieren hierbei Entscheider und Akteure aus den unterschiedlichen Zusammenhängen. Darauf aufbauen wird eine Schwerpunktstudie, am Ende steht bestenfalls eine Roadmap für neue Impulse der Wirtschaft und des Arbeitens.

Gedacht sind auch Zukunftsszenarien, die einen Schritt weiter über das Mach- und Wünschbare hinausweisen sollen. Klar ist dabei allen Experten: eine digitale Region wird man nicht einfach, weil man eine Idee “von der Stange” für sich kauft. Digitale Region wird man, wenn die Strategie direkt an den Bedarfen vor Ort ausgerichtet ist – und von vielen Aspekten und Beteiligten getragen wird. Alte Hüte – möchte man meinen, doch die Notwendigkeit der Neudefinition von regionalen und ländlichen Lebensräumen hin zu einem smarten Ansatz setzt Kreativität frei, die dringend notwendig ist.

Open Data nutzen 

Zu all diesen Überlegungen sind konkrete Daten notwendig. Spezifische Daten und auch Handlungsempfehlungen aus der Demographie heraus gedacht, gepaart mit digitalen Herangehensweisen können eine gute Grundlage sein, um daraus Konzepte zu entwickeln. Mein Ansatz ist immer der, die Daten aus dem Wegweiser zu nutzen, die sich nach über 100 Kriterien differenzieren lassen, auch was Wirtschaft und Bevölkerung angeht. Und dann kommt man schnell auch zu meinem Lieblingsthema: Nutzen von Offenen Daten aus den Aktenschränken der Kommunen und Regionen, aus denen sehr passgenaue Anwendungen und Muster abzuleiten sind, die beim Nachdenken über digitale Prozesse mehr als hilfreich sind. Ich finde ja, sie sind essentiell.

Aber wir werden sehen, welche Bedarfe die beiden Testregionen Augsburg und Wennigsen anmelden. Es wird auf jeden Fall spannend, vor Ort zu schauen, wie man Luft unter die Flügel einer digitalen Region bekommt. So viel erstmal als kleiner Werkstattbericht aus dem CoLab. Bald mehr.

Der Blogbeitrag ist auch erschienen im Blog „Wegweiser Kommune“ der Bertelsmann Stiftung.