Astro-Alex und Behörde – wer ist on ?

Astro-Alex erreichbar, die Behörde aber nicht?

Zivilgesellschaft formuliert Manifest für “offenes Regierungshandeln in NRW”

Digitales Leben - come in and find on

Digitales Leben – come in and find on

Was haben Digitalisierung und offenes Regierungshandeln miteinander zu tun? Bisher wenig. Ein Beispiel: Mit Astro-Alex im All kann man digital kommunizieren. Mit der eigenen  Behörde und der Politik vor Ort  aber nicht. Basis an All geht – Basis an Erde aber funktioniert nicht? Die Lebenswirklichkeit der Menschen, die zunehmen digital leben und arbeiten, prallt auf eine Welt, die im Grunde noch völlig analog funktioniert. Ein zweites Beispiel: Heute könnte jeder eine Ferienwohnung online buchen. Weltweit. Das notwendige Instrument liegt in der Hand: ein Smartphone. Das kleine Ding beherbergt ein ganzes Universum an Möglichkeiten. Nur auf dem Amt bleibt es funkstill. Wer sich etwa ummelden will, muss dafür real im Amt erscheinen. Und warten. Digitalisierung der Bürger und die Lebenswelt von Staat und Verwaltung fallen auseinander. Dabei regeln gerade Staat und Verwaltung das gesellschaftliche Zusammenleben. Die Rufe nach Beteiligung und neuen Formen der Zusammenarbeit werden daher immer lauter. Die Rufe nach offenem Regierungshandeln auch. Die Menschen wollen mitreden und gestalten.

Die Puste geht aus

Offenbar sind sie nicht mehr einverstanden mit dem, was Regierungshandeln bisher bedeutet. Diesem alten Modell geht die Puste aus. Ihm bleiben die Menschen fern, das Staatsverständnis ändert sich: Die Bürger erwarten Transparenz und Offenheit in den Entscheidungsprozessen und Möglichkeiten zur Beteiligung. Die globalen Probleme wie Flucht und Vertreibung, Klimawandel oder der demographische Wandel können Politik und Verwaltung nicht alleine lösen. Das Wissen und die Initiative der Bürger und Unternehmen müssen einbezogen werden. Ein Beweis, was eine Gesellschaft leisten kann, hat die Bewältigung der Flüchtlingskrise gezeigt. Während der Staat noch nachdachte, packten die Menschen vor Ort an, vernetzten sich digital und halfen konkret und in Echtzeit. Ein anderer Ansatz ist die Nutzung von öffentlichen Daten, Open Data genannt. Da entwickeln kreative Tüftler Anwendungen, die das Leben der Menschen ein Stück weit besser machen. “Mobile Retter” etwa ist so eine App: Helfer vor Ort sind registriert und sofort aktiv, wo jede Sekunde zählt. Oder auch Apps mit Wetterdaten vor Ort, die vor Unwettern warnen. Nicht zu vergessen die lokalen Parkplatzsucher, die das unnötige Herumkurven umweltfreundlich vermeiden helfen. Die Ideen sind unendlich und die Verwaltung selbst ist der potentielle größte Nutzer und Nutznießer von Open Data.

Mensch steht im Mittelpunkt 

Aus dem Grund ist das Manifest für offenes Regierungshandeln entstanden. Zahlreiche Akteure aus der Zivilgesellschaft haben es geschrieben und an Politik und Verwaltungen im ganzen Land gerichtet. Es fußt auf vier Prinzipien. Es tritt ein für Offenheit, Zusammenarbeit, Bürgerbeteiligung und Transparenz in Nordrhein-Westfalen. Es ist ein Aufruf. Es ist eine Anregung, diese neue Form der Offenheit und Aufgeschlossenheit zu gestalten. Bürger, Politik und Verwaltung verhandeln neu, wie sie künftig zusammen wirken wollen. Teilhabe aller ist das Ziel. Der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht die Technik. Technik ist nur das Mittel zum Zweck. Das Manifest und seine Autoren plädieren für ein offenes NRW.

Open Government Pakt beschlossen 

In dieser Woche  ist ein Open Government Pakt zwischen dem Land NRW und den Kommunen geschlossen. (Mehr dazu im kommenden Blog). Die Gelegenheit ist ideal, die Ideen aus dem OpenGovernmentManifest jetzt in die Tat umzusetzen. Das Rüstzeug ist da. Es kommt darauf an, sich in Bewegung zu setzen. Offenheit ist ein verbindendes Element. Dann klappt es künftig auch mit der Kommunikation zwischen Erde und Rathaus.

Hier geht es zur Homepage OpenGovernmentManifest NRW . 

 

Senioren: Willkommen in der digitalen Welt!

Sie hat es immer dabei und bedient es wie ein Profi: Mit dem Smartphone organisiert sie ihren Alltag und ihr Leben – und begeistert andere Senioren und Seniorinnen, wie das funktioniert. Die Rede ist von Roelfina Trauernicht-Kloen.

Das Foto zeigt Roelfina mit dem Smartphone in der Hand.

Roelfina Trauernicht-Kloen und die digitale Welt

Mit ihren 72 Jahren lädt sie ältere Menschen ein auf die Reise in die digitale Welt und erklärt, wie man in dieser neuen Welt lebt und mit den technischen Hilfsmitteln wunderbar den Alltag meistern kann. Mit Erfolg. Ihr Rezept: Sie erklärt genau das, was sie gefragt wird. Orientiert sich an den echten Bedürfnissen der Nutzer. Lernen lasse sich nur das, was die Menschen auch wissen wollen. Oft ist die Familie der Antrieb, sich im höheren Alter noch digital fortzubilden. Nur so lässt sich Kontakt halten. Kinder und Enkel leben in der modernen Zeit über Grenzen hinweg in der Welt verstreut.

Mit dem Smartphone lassen sich große Distanzen mühelos überbrücken. Die Enkel in Schweden senden Fotos mobil, die Enkel in den Niederlanden singen ein Lieg für die Oma auf einem Messenger. Oder die Seniorinnen und Senioren chatten via WhatsApp mit der Tochter. Oft sind es die Kinder, die den Senioren und Seniorinnen die Smartphones schenken – sie dann aber mit der Bedienung alleine lassen. Dann ist da Roeli. Sie hilft und erklärt. Egal, ob es sich um ein Virenprogramm handelt oder um eine Wetterapp für Schweden. Gemeinsam legen sie los. Roeli vernetzt im Netz. Die Lernenden tragen diesen Gedanken zurück in ihre eigenen neuen Netzwerke. Der Kreis zieht weitere Kreise.

Ich habe die Niederländerin und ihren ständigen Begleiter, ihr Smartphone, getroffen – und ein kleines Interview mit ihr gemacht – über ihren Weg ins Internet und die Möglichkeit auch im Alter digital zu sein:

Ihre erste Berührung mit dem Computer hatte sie vor fast 20 Jahren. Damals war sie Sozialarbeiterin in einer Obdachlosensiedlung in Gütersloh. Für die Mitarbeiter gab es Computer-Kurse. Die Älteren, die über 55-Jährigen sollten aber nicht mehr in den Genuss einer Fortbildung mit der neuen Technik kommen. Roelfina fand das nicht angemessen, hakte nach und besuchte dann doch die VHS, um sich fit zu machen im Umgang mit O und I. Davon profitierte ihr Beruf – und ihr Arbeitgeber.

„Mit Internet ging doch alles viel schneller. Früher mussten wir das alles mit der Hand schreiben,“ erzählt sie. Der erste Computer in ihrer Arbeitsstelle wurde noch in einem verschließbaren Schrank gesichert, den Schlüssel durfte nicht jeder haben. Ihr Wissen über den Umgang mit Computern gab sie schon damals weiter an ihre Schützlinge in der Obdachlosenunterkunft. Sie unterrichtete auch die Kinder in der Nutzung digitaler Hilfsmittel.

Das Foto zeigt ein großes Smartphone in den Händen.

immer dabei: das Smartphone

Dabei blieb es nicht. Sie wollte auch mobil digital sein. Mit 60 kaufte sie das erste Handy. Wollte diesem kleinen Ding auf den Grund gehen und studierte die Bedienungsanleitung. Sie umschiffte Klippe für Klippe der Nutzungen – und avancierte zum Kenner und Profi. Es gab kaum eine Frage mehr, die sie sich und anderen nicht erklären konnte. „Das kann man ja nicht kaputt machen, man muss selbst herausfinden, wo Probleme sind und die dann lösen,“beschreibt sie ihre Vorgehensweise.

Durch eine Sehbehinderung war sie in ihrer Lesefähigkeit mehr und mehr eingeschränkt. Auch das Lesen der gedruckten Zeitung wurde zum Handicap. Sie nahm bereits eine Lupe zu Hilfe. Da lag es nahe, ein Smartphone zu kaufen. Sie war da schon 70. „Mit dem Smartphone kann ich viel besser lesen, kann die Einstellung der Schrift vergrößern – so nutze ich jetzt das e-Paper der Zeitung.“ Neben der Lesegewohnheit veränderte sich auch die Kommunikation. „Ich habe jetzt so viele neue Kontakte, es macht Spaß sich auszutauschen.“ Digitales verhindert das Verstummen im Alter. Digitales erhält Lebensqualität, weiß sie in vielen konkreten Lebenssituationen zu erzählen.

Am Ende des Interviews beschreibt sie, was für den Rest des Tages noch auf ihrer Tagesordnung steht:

Heute kommt der 80-jährige Herr aus der Urlaubsgruppe mit seinem Fahrrad bei uns vorgefahren und will noch Weiteres an Bedienung mit seinem Smartphone lernen. „Wir sitzen dann auf dem Sofa und schauen beide auf unser Smartphone – und werden heute wohl eine neue App installieren, zum Katastrophenschutz.“

Ich bin sehr beeindruckt. Roelfina lebt das, was wir gerade unter Digital Literacy der Gesellschaft theoretisch diskutieren. Von ihr kann ich lernen – was hatte Roelfina dazu im Interview gesagt: „Man muss die Menschen fragen, wie sie in der digitalen Welt leben möchten.“ –  Ja, fangen wir damit an!

Das Foto zeigt Roeli.

Digital im Alter

Abschied und Neuanfang

Ein neuer Abschnitt meines Lebens liegt vor mir. Ich habe die Bertelsmann Stiftung auf eigenen Wunsch verlassen. Vielen Dank an die Stiftung für die vielen Jahre.

Nach 16 Jahren brauche ich eine neue Herausforderung. Zur Zeit berate ich Kommunen und Regionen auf ihrem Weg in die digitale Transformation. Was sich langfristig ergibt – wird sich zeigen.

Ich gönne mir den Luxus an einem Wendepunkt in meinem Leben nochmal Ausschau nach neuen beruflichen Herausforderungen zu halten. Manche nennen es Mitte des Lebens, machen Midlife. Persönlich glaube ich, dass ich nur ein oder zwei Sekunden vor einer generellen Bugwelle der Veränderungen in der Arbeitswelt schwimme. Digitales Arbeiten schafft Disruption. Es fühlt sich auf jeden Fall spannend an. 

Hier einige Kommentare aus dem Netz, die mich sehr gefreut haben: