Ein Grundrecht ?!

Wie ein „t“ den Unterschied ausmacht:

Das Foto zeigt ein Schild Internett in norwegisch.

ein „t“ macht es aus…..

In Norwegen ist es überall und kostenfrei zugänglich: WLAN. Free WI-FI. Ein must have auch in Deutschland – denn die Gesellschaft ist bereits digital unterwegs. Mal Hand aufs Herz: das kleine Wunderwerk Smartphone kommt immer und überall zum Einsatz. Warum dann nicht auch kostenfrei und überall ins Netz kommen?

Autonomes Fahren – Zukunft beginnt in Sion

Autonomes Fahren – ich hab mich getraut! Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich in einem Bus ohne Fahrer mitgefahren. Nicht in freier Wildbahn – aber in einer Halle auf der CeBIT 2017. Allerdings: Der Post-Bus Schweiz AG fährt real bereits im öffentlichen Raum durch Sion im schweizerischen Kanton Wallis – autonom. In echt. Ein neues Kapitel für den Öffentlichen Nahverkehr ist aufgeschlagen. Zukunft beginnt bereits bei den Nachbarn im Dorf. Der Dauerversuch ist bisher weltweit einmalig.

Das Foto zeigt den fahrerlosen Postbus aus Seon, Schweiz auf der CeBIT.

wie von Geisterhand – der fahrerlose Bus

Das Unternehmen PostAuto und MobilityLab Sion-Valais (Stadt Sitten, Kanton Wallis, HeS-So, EPFL, Schweizerische Post) testen in diesem Dauerversuch gemeinsam mit ihren Partnern im Projekt «SmartShuttle», wie und ob der Einsatz von autonomen Shuttles im öffentlichen Raum technisch sowie betrieblich machbar ist. Der Spaßfaktor für Kunden und die Sogwirkung dieser neuen Mobilität steht ebenfalls zum Test an. Der Umweltfaktor wird auch eine große Rolle spielen.


Es war der Renner auf der CeBIT: Wer mitfahren wollte, stand an, so groß war der Andrang, einmal zu testen, wie sich das anfühlt, dieses viel diskutierte autonome Fahren. 11 Personen finden ihren Platz in dem gelben Futurshuttle. Und dann ging es los, im Schritttempo bei 20/kmh durch die Halle. Schneller sollte es auch gar nicht sein, so konnte man den Ausblick genießen – und das Gefühl des Erstaunens, welches sich breit machte, spätestens als das Pendant an uns in anderer Richtung vorbeifuhr, in sauberen Linien und Kurven. Solch ein Fahrgefühl könnte sich ganz bald auf vielen Straßen breit machen. Besonders Kommunen dürften hier einen Blick drauf werfen.

Ausgerüstet ist das «SmartShuttle» mit hochsensiblen Sensoren, die in der Lage sind, miteinander zu kommunizieren und ihre Daten abzugleichen, um die Entscheidungsfindung des Fahrzeugs zu verbessern. Die technischen Details finden sich kurz beschrieben auf der Website von „Post-Auto – die gelbe Klasse“:

  • Multisensor-Technologie = sind in der Lage miteinander zu kommunizieren
  • LIDAR-Sensoren = 3D-Wahrnehmung, Kartografierung des Standortes, Gewährleistung der Erkennung der Position und Hindernisse werden erkannt
  • GPS RTK = Kommunikation zwischen GPS-Sensor und Basis, jeder Zeit ist Position bekannt
  • ODOMETRIE = Messung Fahrweg und Geschwindigkeit
  • Kamera-Sterovision = Analyse der Verkehrsumgebung (Straßenschilder, Ampel etc.)

Mit an Bord war für die Probefahrt kein Fahrer – wohl aber eine Begleitung, die alle technischen Details erklärte und für Fragen zur Verfügung stand. Real. Übrigens in drei Sprachen: französisch, englisch, deutsch.

Das Foto zeigt den Postbus Schweiz als autonomen Bus.

Autonomes Fahren – Einsteigen bitte!

In den echten Fahrzeugen vor Ort im Wallis fahren ebenfalls Begleiter mit. Sie werden „Grooms“ genannt. „Grooms“ waren früher mal „Stallburschen“ oder auch „Pferdeknechte“. Spaß an Ironie ist also vorhanden. Sie sind in Sion verantwortlich für das einwandfreie Funktionieren der Shuttles und vor allem für die Sicherheit der Fahrgäste. Sie können eine Notbremsung einleiten, sie informieren die Fahrgäste und helfen ihnen beim Ein- und Aussteigen. Sie sind zur Stelle, wenn es schwieriger wird, etwa bei Reisenden mit Rollstühlen oder Kinderwagen. Nebenbei bemerkt: Der Groom könnte auch Fahrbewegungen steuern. Im Bedarfsfall.

In der Halle auf der CeBIT brauchte es keine Korrekturen. Die Fahrt war stressfrei. Mir hat es gefallen. Ich erahne das riesige Potenzial dieses Unterfangens der „gelben Klasse. Kommunen müssten nun Schlange stehen.

Transparenz als Kunst-Stoff

„Transparenz ist kein Gemüse“ – drei junge Künstler laden zu einer Ausstellung ins Kreishaus nach Gütersloh. Micael Goncalves Ribeiro, Marvin Wunderlich, Yasin Wörheide.

Transparenz ist dabei ihr Kunst-Stoff. Open Government in Form von Kunst und Performance. Irritierend und verlockend.

Das Foto zeigt eine Fensterscheibe mit Schriften drauf.

freies Schreiben auf Verwaltungsglaswand

Ein Ort, der sich ansonsten erwartungskonform verhält und wenig Raum für Interpretation bietet, eine Kreisverwaltung, wird zum Ort des Regelbruchs.

Freies Schreiben auf der Glasfront des transparent gestalteten Verwaltungsgebäudes – lässt darüber nachdenken, wie transparent denn eigentlich das ist, was hinter den Wänden passiert. Regeln sind das Thema: kann man Regeln brechen? Muss man nicht? Ist permanente Grenzüberschreitung von Regelwerk nicht notwendig zur Weiterentwicklung von Gesellschaft? Die Drehtür als Eingangsbereich wird eingehüllt in Schrift, die keiner entziffern kann, durch die aber jeder eintritt und damit Teil des Regelwerkes wird.

Das Foto zeigt eine Kunstinstallation mit Tapete und Legomuster vor Bürotür.

sind wir nur Teile ?

Kann der Open-Government-Gedanke überhaupt greifen, in einer Welt, die sich geradezu dadurch auszeichnet, gesetzeskonform zu sein? „Der Mensch braucht den totalen Verlust“ – heißt es in der begleitenden Broschüre zur Ausstellung. Stellen wir uns einfach vor, wie Verlust von etablierten Sicherheiten ausfallen würde, um einen Kulturwandel zu meistern weg vom Bürger als Bittsteller hin zur Kooperation, hin zur Koproduktion. Das „Pfeiffen der Vielen“ als Installationskunst mit Luft fällt dabei besonders auf, nicht nur weil es laut ist – sondern, weil es auf der Etage des Landrates installiert ist – und der das zulässt. Kunst ist eben nicht ein bloßer Spiegel, den man der Gesellschaft vorhält. Kunst ist Aufbruch.

Die Ausstellung ist mit ihrer Offenheit gelungen. Respekt!

das Foto zeigt ein Wandgemälde.

Grau und schwarz – was macht das mit den Menschen?

Digitales erhöht Lebensqualität

In der letzten Woche hatte ich das unliebsame Vergnügen, einen Termin bei einem Orthopäden wahrnehmen zu müssen. Das Knie – nicht der Rede wert. Der Rede wert allerdings sind meine Erlebnisse einer durch und durch analogen Welt rund um das Thema Gesundheit, die mich einen gesamten Vormittag gekostet hat. Unwiederbringliche Lebenszeit, die niemand so einfach verpulvern sollte. Digitales könnte dabei helfen, diesen Umstand zu verbessern.

- auch beim Parken nicht

– auch beim Parken nicht

Meinen Termin beim Arzt hatte ich vor rund zwei Monaten ergattert. Man kennt das, Wartezeiten. Um 10:30 Uhr sollte dieser Termin stattfinden. Da auch in meiner Heimatstadt die Zentralisierung von medizinischen Versorgungszentren vollzogen wurde, begab ich mich ans Elisabeth-Hospital mit den angeschlossenen Facharztpraxen nebst Reha-Institutionen. Diese Politik der Zentralisierung von medizinischer Versorgung am Stadtrand zieht schon mal ein hohes Maß an motorisiertem Individualverkehr nach sich. Schließlich werden nicht nur die Bewohner der Stadt versorgt, sondern auch viele Menschen aus dem nahen Umland: Patienten, RehaNutzer, Begleiter, Besucher. In einer Mittelstadt von 100.000 Einwohnern kommt da einiges an Fahrtwegen und Kilometern zusammen. Zuzüglich Energie- und Ressourcenverbrauch. Und eben Lebenszeit.

Zeitnah fuhr ich los – entschied mich für den privaten Pkw. Weil: Hätte ich den Bus benutzt, was ich gerne getan hätte, hätte das eine längere Anfahrt bedeutet mit Umsteigen am Zentralen Omnibusbahnhof – bei „Knie“ schon mal schlecht. Schlecht auch für ältere und multimorbide Menschen. Noch schlechter für Menschen, die zudem von anderen begleitet werden müssen und nicht wie selbstverständlich zusammen wohnen. Außerdem gibt es nur zwei Busse der örtlichen Stadtwerke, die zur Zeit probehalber WLAN vorhalten – ob man genau diesen Bus aber erwischt, war fraglich. Für einen Freiberufler ist Zeit und WLAN unerlässlich – kostbar. Für das Gros der Bevölkerung ist WLAN mittlerweile ein Grundrecht. Also lieber das Auto, weil schneller.

Die Parksituation am Elisabeth-Hospital ist vergleichbar mit der einer fleischfressenden Pflanze, das trifft es glaube ich recht gut. Nur, dass in echt nicht Fleisch, sondern Blech verschluckt wird – und für eine sehr lange unkalkulierbare Zeit im Bauch des Parkgrundes verbleibt. Ungewarnt fährt nämlich der Parkplatzsuchende in eine Einfahrt hinein und ist schon aufgrund der Wegführung gehalten, die Parkplatzschranke zu passieren, ein Parkticket zu ziehen – um sich dann gezwungenermaßen dem Warten und dem Ärgern hinzugeben. Weil man es schon erahnt hatte: In naher Zukunft ist mit einem Parkplatz hier nicht zu rechnen – alles belegt. So wie man selbst suchen nämlich unzählige andere Parkplatzsucher ebenfalls einen Platz zum Parken. Ein frühzeitiges Umdenken und Ausweichen ist aber leider nicht mehr möglich, steht man einmal in der Schlange oder auf dem Parkplatz, muss man durchhalten – bis die Ausfahrt wieder erreichbar wird.

Platzmangel und Enge herrschen. Weil: Die Autos sind alle größer geworden, sie passen nicht in die winzigen Zellen. Das führt zu wilden Kurvereien der zumeist ungeübten Fahrer und Fahrerinnen. Nicht wenige sah ich mit hochrotem Kopf und trotzdem alles geben. Reinsetzen, raussetzen, Position korrigieren. Die nachfolgenden Autofahrer geduldig bis schimpfend – alle wartend. Man würde den Ort ja gerne zügig wieder verlassen, geht aber nicht, weil gerade beschriebenes Intermezzo allen Platz zum schadenfreien Vorbeifahren versperrt. Wer keinen regulären Stellplatz erwischt, parkt wild, an den wenigen Grünstreifen. Das führt für den Rest der Welt zu einer weiteren Verknappung von Fahrfläche. Es war ein unsägliches Schauspiel – wobei die Minuten so vor sich hintickten, ein pünktliches Erscheinen in der Praxis schien wenig realistisch. Wer dann endlich sein Fahrzeug wieder in Richtung Ausgang bewegt hatte, erahnte Freiheit. Doch weit gefehlt. Zunächst reihte man sich wieder ein in die Schlange der Wartenden. Gern in zwei Reihen, wo am Ende nie ganz klar war, wer denn nun der Nächste wäre. Gestresst und wenig geneigt, jetzt auch noch höflich zu sein, beschwor Stärke des Blechs die Reihung. Unliebsame Zugabe, wenn man sich bis ganz nach vorne gearbeitet hatte: Da gab es wohl einige, die ihr Parkticket nicht am Automaten im entfernten Mutter-Haus (!) bezahlt hatten und nun unverrichteter Dinge vor der geschlossenen Schranke standen – notgedrungen weil rückwärts ging nichts – in aller Ruhe ausstiegen. Man durfte nun aus der Position des Wartenden an fünfter Stelle mit Engelsgeduld zuschauen, wie eine ältere Dame zum Automaten humpelte – um ihre Parkgebühr nachträglich zu entrichten, während eine Menge Menschen eh schon gestresst ihr auf diesem langen Gehweg alles Gute wünschte – und vor allem, dass sie passendes Kleingeld parat haben möge und im Umgang mit Kassenautomaten geschult sei, um schnell und heil wieder in ihr Auto zu steigen.

Was ich damit sagen will: Warum um Himmels Willen (wie passend für ein Krankenhaus in kirchlicher Trägerschaft) gibt es keine digitale Parkplatzanzeige, die bereits frühzeitig signalisiert, dass alle Plätze belegt sind? Warum um Himmels Willen gibt es keine Parkplatz-App – ein lokaler Service Ihres medizinischen Gesundheitszentrums? Termin und Parkplatz gekoppelt? Warum um Himmels Willen gibt es keine digitale Möglichkeit, Individualverkehr zu reduzieren und wirklich sinnvolle ÖPNV-Konzepte für den Transfer zu solchen Zentren zu organisieren, die auch noch tauglich sind, wenn es sich um die Zielgruppe der Betagten und Hochbetagten handelt? Künftiges Kapital wird eh nicht mehr in die Herstellung von Autos investiert, sondern in intelligente Mobilitätsdienstleistungen, die gar keinen Parkplatz für Einzelne mehr notwendig machen. Aber so weit sind wir (leider) noch nicht.

Diese ersten Gedanken wälzte ich im Kopf als ich vom Gelände fuhr, um weit weg im benachbarten Wohngebiet zu parken. Schließlich erreichte ich nach langem Fußweg – immer noch Knie – nicht der Rede wert – die Praxis. Mit vier Minuten Verspätung stand ich – wieder in einer Warteschlange. Blech und Mensch, sie unterscheiden sich nicht, die einen warten draußen, die anderen drin. Datenschutz war jetzt hier Thema. „Bitte halten Sie Abstand“, stand dort höflich auf einem Pappschild aufgeschrieben. Schallwellen allerdings halten sich nicht daran – so vernahm ich alles an Krankengeschichten vor mir, neben mir und hinter mir. Ob ich wollte oder nicht.

Endlich war ich an der Reihe. Da die Wartezeit allein auf den Termin länger gedauert hatte, war die Überweisung vom entsendenden Hausarzt obsolet. Quartalsbindung. Ich hätte sie umschreiben lassen müssen. Digital ging leider nicht. Aber dann ging es doch – nicht digital aber irgendwie. „Es wird rund 30 bis 40 Minuten Wartezeit dauern“, wurde ich informiert. Meine Gegenfrage lautete: „Gibt es hier WLAN?“. „Nein. Leider haben wir kein „Patientennetz“ – bedauere. Wir arbeiten aber daran.“ Eine halbe Stunde Wartezeit – da konnte ich eine Menge erledigen. Nur: Das vorhandene Netz via privatem Datenvolumen hier zeigte „E“. Das ist wie ohne Netz. Allein das Hochladen von Daten dauerte, dauerte, dauerte – und brach stetig ab. So war ich vollkommen schachmatt gesetzt. Ich saß im Wartezimmer und – wartete.

Insgesamt wartete ich drei Stunden. Ein Los, welches mehr oder weniger alle teilten. Ich fragte mich, warum um Himmels Willen nicht längst jemand auf den Gedanken gekommen war, den Patienten Push-Nachrichten zukommen zu lassen, wann sie genau dran sind, um sie so zeitgenau zu steuern – um den Wartenden Lebenszeit zu schenken, die sie woanders besser zubrachten als in einem Wartezimmer mit mehr und mehr gereizten Menschen, die sich alle fragten, wann endlich ihr Name aufgerufen wurde.

Auf der Homepage der Praxis hatte ich zumindest die „Terminvereinbarung online“ gefunden. Hier fand sich auch der Passus: „Dürfen wir Sie zukünftig per SMS an Ihren Termin erinnern? Ja, meine Mobilnummer…..; Nein.“ Push-Nachrichten wären also möglich.

Auf der Homepage der Praxis findet sich der Hinweis: „Um die Wartezeit besser zu nutzen, können Sie sich beispielsweise ein Buch oder eine Zeitschrift mitnehmen.“ Print also. Man kannte den Umstand des fehlenden WLAN also. Und dann lag da auf dem Tisch mit den Printausgaben des Lesezirkels noch der „Spiegel“ mit seinem Titelbild: „Die Formel für ein gesundes Leben. Besser essen, einfach essen.“ Spätestens jetzt war bei mir der Geduldsfaden gerissen. Die Formel für ein gesundes Leben wäre in meiner Welt nicht gesundes Essen, sondern Alltagsbewältigung angereichert mit Null und Eins. Mit digitalen Hilfsmitteln insbesondere in der medizinischen Versorgung: Telemedizin, elektronische Sprechstunde, digitale Krankenakte etc. etc. etc. Das wäre die notwendige Formel, die die Lebensbewältigung erleichtern würde. Nicht umsonst saßen hier gestresste Menschen.

Spiegel

In einer Gesellschaft, die die zweiälteste Gesellschaft der Welt ist, statistisch gesehen, wird sich der medizinische Zustand der Menschen nicht verbessern. Erwartbar ist eine Zunahme an Erkrankungen. Erwartbar ist eine Zunahme auch der Betreuung und Pflege der ansteigenden Zahl der Hochbetagten. Zwingt man nun insbesondere die Generation zwischen 40 und 50 in ein solches analoges Dasein, sich selbst kurativ im Griff zu behalten (etwa bei Knie) oder wahlweise die jüngere Generation (Kinder) zu begleiten oder schon die Generation der Pflegebedürftigen – kann die Antwort nur sein: Deutschland braucht umgehend Tools für E-Gesundheit. Deutschland braucht Zentren, die dies leisten können. Bitte schnell. Sonst steigt nicht nur der Blutdruck unnötig beim Einparken in Sackgassenparkplätzen ohne digitale Anzeigen – sondern vor allem, weil es Lebenszeit kostet, die man digital unterstützt ganz anders zubringen könnte. Etwa gesund essen, oder an der frischen Luft spazieren gehen. Oder Kommunen beraten, wie digitale Stadtplanung geht. Oder eHealth machbar wird.

Demnächst bin ich wieder hier. Dann begleite ich eine pflegebedürftige Angehörige. Bis dahin werde ich mich wundern, wie es den Ärzten und dem Team der Praxis gelingt, trotz allem Stress so freundlich und verbindlich zu bleiben. Menschlichkeit ist durch Digitales nicht ersetztbar – es gäbe aber noch mehr Menschlichkeit, wenn Digitales Unnützes überbrückte und mehr Zeit für Zwischenmenschliches bliebe anstatt sinnlos auf einem Parkplatz herumzukurven.

Einhörner auf der CeBIT

Seltsame Wesen liefen dort herum, auf der CeBIT 2017. Ich traf das Einhorn „Unicorn“ selbstverständlich dort, wo man es am ehesten vermutet: In der Halle mit den Start-ups, die allesamt hoffen, ihre Geschäftsidee möge zum wirtschaftlichen Durchbruch reichen. Sei es nun ein Schuhdesigner, der Schuhe digital anpasst, sei es ein Anbieter für Finanzdienstleistungen, die rein digital ablaufen und keine Mittler wie Banken mehr brauchen oder sei es eine neue Plattform für Kommunikation im digitalen Arbeitsmodus oder für das Auffinden von Experten. Alle eint:

Ein steiniger Weg bis zum ersten Erfolg. Aber auch ein spannender. Am Ende steht die Möglichkeit, dass eine Idee eine ganze Branche revolutioniert.

das Foto zeigt ein Einhorn auf der CeBIT

seltsame Wesen auf der CeBIT

Unicorn

Alle sprechen drüber, Start-ups sind zum festen sprachlichen Bestandteil in unserer Betrachtung von Wirtschaft und Arbeit geworden. Im besten Fall wünschen sich alle eine substantielle Gründerszene, die den Anschluss hält. Nur: Wie entstehen die eigentlich? Wie sollten die Rahmenbedingungen sein, ein Klima des Gelingens? Das ruft unweigerlich auch die Kommunen auf den Plan. Irgendwo müssen sie ja „gründen“, diese neuen Unternehmen. Gut, wenn Kommunen sich auf diese neue Klientel einstellen, Kompetenz aufbauen, sich selbst fit machen für die neuen Geschäftsentwicklungen. Wirtschaftsförderung muss digital gedacht werden. Das Land NRW ist unterwegs mit dem Ansatz „digitalWirtschaft NRW“ und bringt es auf den Dreiklang: Köpfe, Kapital und Märkte.

Wer gründet, braucht Köpfe. Kommunen blicken auf vielfache Orte, an denen diese wirken: in den Betrieben, in den Schulen, wenn vorhanden in den Unis oder FHs. Stimmt das Umfeld und die Räume zum Ausprobieren, können Köpfe ihre Ideen entwickeln. Es braucht ein Klima des kreativen Aufbruchs.

Wer gründet, braucht Kapital. Sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene sind Fördertöpfe für Start-ups aufgesetzt. Allerdings sind die Wege noch lang und bürokratisch, um die Gelder abzuschöpfen. Zudem fehlt oft die Kompetenz und der Weitblick von Geldgebern, welche Chancen in Ideen stecken. Die Vergabe verläuft oft nach alter Tradition, die Latten liegen hoch. (Wer schon mal einen Kredit beantragt hat….)

Gleiches gilt für die kommunale Wirtschaftsförderung: Es empfehlen sich für Kommunen: digitale Scouts oder auch digitale Dolmetscher, die die bisherige analoge Welt in die digitale übersetzen können. Das aber ist nur ein Einstieg. Längst sind es grundsätzlich digitale Geschäftsmodelle, die es zu denken gilt. Lediglich bestehende Prozesse digital zu machen, wird keinen Bestand haben. Das ist nicht gefragt. Es braucht Beispiele, was Digitalisierung im individuellen und kommunalen/regionalen Kontext an Mehrwert bringen kann, es braucht Innovationszirkel, es braucht einen aktiven Wissenstransfer, die Öffnung zu Impulsgebern, es braucht Stakeholder-Dialoge und die Nähe zum Kunden, die ihre Wünsche und Bedarfe bezogen auf Produkte formulieren. Große Schritte auch für Kommunen und ihr Personal.

Das alles und viel mehr summiert sich in einem veritablen digitalen Kulturwandel. Wobei außer Frage steht, ob „wir“ das wollen oder nicht. Es passiert bereits. Die Frage stellt sich, wie uns der Anschluss gelingt, mit Teilhabe aller und Chancen für alle. Das Unicorn ist Sinnbild für diesen Wandel. Es existiert. Ich habe es gesehen. Fangen wir es ein.

Industrie 4.0 – Arbeit 4.0 – Mensch 4.0

Die CeBIT zieht Jahr für Jahr digitale DNA nach Hannover. Aber immer mehr auch das interessierte Publikum, welches sich für die zunehmende Digitalisierung in ihrem Alltag interessiert. So wie ich.

Hier mein kleiner Eindruck von einem rein digitalen Arbeitsprozess in einer eigens für die CeBIT simulierten Produktionskette von Yasakawa Europe (Eschborn), ein Unternehmen, welches Robotertechnik, Anlagenbau, Antriebstechnik etc. im Programm führt. Von hier aus wird digitales Denken und Produzieren in die Werkhallen weltweit exportiert.

Ziel der beeindruckenden Vorführ-Anlage: die Zuschauer konnten sich auf einem Tablet ein „Auto“ der Wahl aussuchen: pink, orange, blau, grün oder schwarz. „Mein Auto“ sollte ein grünes sein – so tippte ich den Wunsch auf dem Tablet des Vorführers ein. Die Roboter stellten dies innerhalb von 9 Sekunden her. Die Arbeitsschritte: Aussuchen der notwendigen Bestandteile, Zusammenfügen und Auslieferung über Band. Einziger menschlicher Handgriff: das Überreichen an den staunenden Messebesucher.

Die Produktion bei „meinem Auto“ lief dabei aber nicht ganz reibungslos. Es hakte in der Zusammenführung von Unterbau und Dach. Bei der Auslieferung auf Band musste ein klein wenig nachgeholfen werden, durch eilig herbeihüpfende menschliche Hilfe wurde die beiden Elemente nochmals kurz festgesteckt – bevor ich es aus der Produktion in Empfang nehmen konnte. Will sagen: künftige Kunden entscheiden mit, wie ihr Produkt aussehen wird. Künftige Produktion wird eine durch Arbeit 4.0 sein: Nur noch hochspezifizierte Fachkräfte sind am Werk, die Fertigung verläuft digital. Künstliche Intelligenz verrichtet die schwere Arbeit, künstliche Intelligenz steuert. Der Mensch macht derweil anderes – jedenfalls nicht mehr im Blaumann produzieren. Wir müssen längst umdenken, was Arbeit künftig bedeutet: Unsere Definition über Arbeit wird anders aussehen, Bezahlung wird anders sein müssen, Ausbildung wird digital sein.

Das Foto zeigt ein Spielzeugauto auf meinem Notebook.

digital montiert, geliefert

 

Digitaler Leuchtturm außer Dienst: Colab

Licht aus beim CoLab

Auf der Mitgliederversammlung am 3. März 2017 wurde die gemeinsame Entscheidung getroffen, den einstigen “digitalen Leuchtturm” in der Netzwelt, das CoLab, abzuschalten. Mitbegründer, Lenkungskreis, Beirat und langjährige Unterstützer sehen das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Doch gerade in der digitalen Welt wissen wir, dass auf jedes abgeschlossene Kapitel ein Neues folgt.

In unserem Blogpost von uns als Lenkungskreis (Vorstand) findet man die gesamte Erklärung und auch einige Hintergründe der großen Erfolgsgeschichte des Colab.

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Colab entfesselte

Das Colab hatte Sprengkraft: die neue Form der kooperativen Arbeit, der digitalen Arbeitsweise an offenen Docs, das Interdisziplinäre und an der Sache orientiert nach vorne arbeiten – es war bahnbrechend, aufregend und irgendwie immer unkonventionell, weil stets neue Wege beschritten wurden. Und es war in der Form um Lichtjahre voraus in dem, wie heute noch in vielen Firmen und Institutionen nach altem Muster gearbeitet wird. Leider immer noch streng hierarchisch, leider noch getragen von aus der Hierarchie abgeleitete Meinungsführerschaft, obwohl oftmals die Expertise gar nicht mehr in der Führungsetage vorhanden ist, sondern von „unten“ kommt. Viele haben die Erfahrung gemacht: Wer im Colab mitgearbeitet hatte, war in der eigenen Firma verdorben, weil man Morgenluft gewittert hatte, wie echtes kollaboratives Arbeiten aussehen müsste. Verstaubt und antiquiert wirkten da die Vorgehensweisen in Modellen wie hauseigene Sharing-Arbeiten und so weiter, die weit weg waren von Zusammenarbeiten auf Augenhöhe. Zahlreiche bahnbrechende Ideen und Impulse sind aus der Colab-Gemeinschaftsarbeit entstanden: Viele haben sich getraut, auch im echten Leben aus den konventionellen Normen der sicheren Arbeitsverhältnisse auszubrechen und Neues zu wagen. Das Netz ist voll davon, von diesen first Movern, die in starren Strukturen ansonsten lediglich die Kugeln im Rücken stecken hatten, weil sie unbequem waren und gefährlich wurden als Infragesteller, die auch noch Spaß an der Arbeit hatten.

Bremsen statt loslegen 

Es bewegt sich leider noch zu wenig. Wir sehen dieses Bremsen auf weiter Ebene – es hat dazu geführt, dass Deutschland insgesamt langsam ist in der digitalen Entwicklung Schritt zu halten und die großen Chancen für sich nutzen zu können. Es stehen zu viele auf der Bremse, die die Position hätten, für mehr Tempo zu sorgen. Statt dessen geht es jetzt darum, den Mut zu finden, eigenen Lernbedarf zu formulieren, um in der digitalen Welt mitzuhalten. Es geht darum, zu schauen, wo die Impulse und Inspirationen sind für mehr als nur Mittelmaß. Es fehlt der Mut zu einer Fehlerkultur, um sich stressfrei auszuprobieren. Es fehlt die Vorstellung an neuen Wertschöpfungen, die nicht nur materiell sind und bezifferbar in Gewinn, sondern auch in Motivation der Menschen, in Kreativität und der neuen Lust am Gemeinwohl. Das Colab war im besten Sinne ein Ort der Entfesselung, wie Netzwerke tragfähig wirken können. Für alle.

Kein Geld – keine Ergebnisse

Nun ist es eben aber doch profan daran gescheitert, dass keine Finanzierung zustande kam, die die nächste Initiative gesichert hätte. Und dabei wäre gerade dieses neue Thema (wieder) so weitreichend wie selten: Künstliche Intelligenz und Medien. Welche Formen der KI sind bereits jetzt am Werk – wer schreibt noch Nachrichten oder ist es schon ein Bot? Ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz in der medialen Vermittlung in der Lage, unser demokratisches System aus den Angeln zu heben? Wir vom Colab saßen auf einem wahren Schatz an Folien, Ideen und Fragen dazu. Diese werden nun hoffentlich andere Institutionen aufgreifen.

Wenn auch das Colab jetzt als Verein ordentlich aufgelöst ist, so sind die Menschen, die sich in dem Format vernetzt haben aber noch da. Und aktiv. Sie werden weitermachen. Vielleicht neue Formen der Zusammenarbeit finden, vielleicht neue Fördermöglichkeiten auftun. Auf jeden Fall werden sie den digitalen Lichtfunken weiter ins Land tragen. Keine Angst: Wandel ist Normalität. Da ändert sich auch nichts dran, wenn ein Quell der Unkontrollierbarkeit und Neugierigen auf Zukunft wie das Colab versiegt.

In diesem Sinne: mit einem weinenden und einem lächelnden Auge: Adieu Colab. Und danke!

 

Open Data – Impressionen vom Hackday

Der Hackday in Moers ist zu einer kleinen Tradition geworden. Die #Familie wächst, die Verwandtschaft wird mehr. Der Umgang mit Offenen Daten und den vielfältigen Anwendungen gewinnt immer mehr Freunde und Anhänger. Von alt bis jung, von Nerd bis Verwaltungsmitarbeiter und Kommunalpolitiker. Hier ein kleiner Einblick und einige Statements:

Jeder ist relevant

Der Hackday in Moers beginnt traditionell mit dem Talk am Freitagabend. Dieses Jahr stand das Motto „Medienkompetenz“ auf der Tagesordnung des #ODDMO17.

Kordula Attermeyer saß als Referentin mit auf dem Podium. Sie leitet das Referat „Digitale Gesellschaft“ in der Staatskanzlei NRW. Auch sie habe ich um ein kurzes Statement zur Medienkompetenz gebeten. Wichtigster Claim „Jeder ist relevant – jeder ist verantwortlich für sein Tun“. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, braucht es Medienkompetenz, lebenslang.