Kalter Abriss

Ich muss nochmal auf das Thema Abriss und Gentrifizierung zurückkommen. In der Bismarckstraße wurde – wie schon verbloggt – „aus Versehen“ die alte Häuserfassade von einem Baggerfahrer so beschädigt, dass der Erhalt nicht mehr möglich war. So wurde das Haus abgerissen, entgegen der politischen Vorgaben, die historische Substanz erhalten zu wollen. Flugs wurde nun eine Planungsänderung vorgenommen und dieser Tage der Öffentlichkeit präsentiert. Längst ist der Neubau fortgeschritten.

Nur: Keiner scheint den Abriss der historischen Fassade irgendwie als schmerzlichen Verlust zu empfinden. Mir ist auch nicht bekannt, dass irgendwer dafür die Verantwortung übernommen hätte. Von Schadensregulierung ist erst gar nicht die Rede.

War das alles nur vorgeschoben und der Plan längst fertig, das Alte vernichten zu wollen? Das Dach war monatelang nicht abgedeckt, der Abriss schon teilweise erfolgt, das Abstützen wurde halbherzig gefertigt. Schritt für Schritt wurden der Verfall vorangetrieben, von Investor, Verwaltung und Verantwortlichen unbemerkt? Wohl kaum.

Abriss - Bismarckstraße

Altbau Bismarckstraße - Abriss

Angesichts der schleichenden Gentrifizierung unserer Stadt und des Verlustes an Identität müsste man hier öffentlich nachhaken. Auch die Meinung des Gestaltungsbeirates wäre von öffentlichem Interesse. Der aber tagt hinter verschlossener Tür.

Ich kann mir nicht helfen: an offizieller Stelle herrscht eher Feierlaune statt Trauer um den Verlust. Hat der Bagger hier letzte Fakten geschaffen, die schon längst geplant waren? Ich denke „ja“.

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  1. Als bald angehender Rentner und ausgegrenzter Bildender Künstler hier in Gütersloh bitte ich auch um baldige Entsorgung. Ich möchte der Stadt meine Anwesenheit nicht mehr zumuten. Eine Stadt die alles was sie nicht mehr ertragen kann abreisst, ausgrenzt oder vernichtet. Hier vernichten eine Handvoll Menschen im Rathaus lebenswertes und liebevolles Kulturgut und lachen sich dabei ins Fäustchen. Sie fahren alles an die Wand was urbane Kultur ausmacht, um im Anschluß ihnen genehme Kultur in allen Bereichen für Geld einzukaufen. Ich wiederhole einmal das Lied der Kölner Künstler: „ihr seid Künstler und wir nicht, ihr könnt aus Gold Scheisse machen…!

    1. Es erstaunt mich, dass alte Gebäude offensichtlich mehr sind als nur Stein auf Stein: sie stehen in Bezug zu dem eigenen Leben, zum eigenen Verfall. Das ist eine sehr poetische Relation. So erklärt sich auch, dass viele Menschen eine Verankerung gerade in Gebäuden finden und Identität in ihrer Straße, in ihrem Ort suchen und wiederfinden möchten. Um so schlimmer, wenn vermeintlich Altes und Wertloses dem Altar der Modernen Architektur geopfert wird. Menschen erleiden den Abriss. Ein Beleg dafür, wie sensibel gerade diese Thematik behandelt werden muss. Davon aber sind wir leider weit entfernt. Wehren wir uns dagegen.

  2. Als angehende Rentnerin bitte ich Sie um meine ebenso kalte, schnelle und schmerzfreie Entsorgung ohne viel Drumrum. Aufgrund meines Alters fühle ich mich nicht mehr wert weiter leben zu dürfen, denn ich falle in meinem Zustand nur dem Staat zur Last.
    Ich bitte Sie nur um die Gnade der für Sie am preiswertesten, schnellen, und schmerzlosen Entsorgung ohne Siechtum in endlosem Leid.

    Danke Gütersloh für die gemeinsame Zeit in Freude am Leben!
    Danke Deutschland für andauernden Kampf gegen die Behörden!
    Danke EU für das schnelle Ende.

    1. Was soll das? Wieso geben Sie sich auf? Wieso posten Sie das hier in der Hoffnung, Sie vielleicht retten zu können. Damit würde ich mich maßlos übernehmen. Also: Was konkret könnte ich tun, damit ich Ihr Anliegen ernst nehmen kann. Und erzählen Sie mir nix über Entsorgung.

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