KI und Kommunales Baulandmanagement

Senioren erwerben digitale Souveränität, die Kommune bietet Platz für smart homes, Orte des Ausprobierens entstehen

Wohnen im Alter ist eine kommunale Herausforderung. Immer mehr ältere Menschen leben allein in ihren Wohnungen. Und wollen das auch möglichst lange so belassen. Aber: Spätestens dann, wenn der Topf auf dem Herd anbrennt, ist ein Ende der Selbständigkeit in den eigenen vier Wänden erreicht. Der Klassiker für Familien – wenn der Rauch aus der Küche von Oma oder Opa dringt und die Nachbarn die Feuerwehr rufen müssen.

Bevor das passiert – wie wäre es mit dem Einsatz von Ambient Assisted Living? Oder noch zukunftsweisender: Wie wäre es mit einem Umzug in ein smart home im Rahmen von kommunalem Baulandmanagement?

Doch bevor das gelingen kann – brauchen wir mehr digitale Souveränität im Umgang mit den neuen smarten und vernetzten Dienstleistungen und Produkten.

Nach dem D-21-Index von 2018/19 sind 84 Prozent der deutschen Bevölkerung online. Ein Zuwachs von drei Prozentpunkten. Den größten Zuwachs – und damit entscheidenden Anteil an den Steigerungen – verzeichneten die älteren Generationen, so heißt es: 79 Prozent der 60 bis 69-Jährigen und mittlerweile 45 Prozent der über 70-Jährigen sind online.

Gute Voraussetzungen also, wenn jemand bereits im Netz ist, seine Kompetenzen im Umgang mit digitalen Anwendungen und Produkten zu verbessern. Hier etwa die innovativen Techniken auszuprobieren, die schon eine digitale DNA innehaben, also nicht erst analog in der Welt waren, sondern bereits digital gedacht und konzipiert sind. Wie etwa Sprachassistenzen zu nutzen oder Videotelefonie anzuwenden – oder auch wie Sensoren und Robotik in einem smarten Zuhause genutzt werden könnten. Die Orientierung im durch und durch digitalen Raum ist das Ziel. Das gelingt nur durch stetiges Lernen. Von allen.

Und dazu: Wenn Kommunen bei ihrem kommunalen Baulandmanagement etwa auch die digitalen Innovationen mitdenken würden, wäre ein weiterer Schritt gemacht. Kommunen könnten einen gewissen Prozentsatz an Verbau in Häusern mit smarter mitdenkender Technik vorschreiben. Es entstehen so smart homes, die als eine Art „Musterhaus der Zukunft“ gelten können und das Wohnen im Alter in die digitale Moderne transformieren helfen. Sicher, es sind zunächst kostenintensive Einzelprojekte. Aber sie können Strahlkraft entwickeln, denn in einer alternden Gesellschaft ist vernetzter Wohnraum immer gefragter. Und notwendig. Allein menschliche Pflege ist ein Luxus, Technik kann helfen, diesen Luxus in Massengüter zu übersetzen.

Mehrere Tendenzen treffen hier aufeinander:

  • nicht nur die Selbständigkeit der Älteren bleibt erhalten, weil assistiert wird, sondern auch die Unfallrisiken werden minimiert oder adressiert, ebenso das Sicherheitsgefühl verbessert (Sensoren überprüfen die Vitalität, intelligente Steuerung von Beleuchtung, Fernbedienung für Angehörige etc.)
  • Ältere verfügen über das Kapital, umzubauen, ein neuer Markt an Gütern und Konsum eröffnet sich – Gemeinwohlgedacht: bei größerer Marktreife werden Produkte und Güter billiger und auch für kleine Einkommen erschwinglich.
  • altengerechte Umgestaltung eröffnet neue Perspektiven für das Handwerk und Dienstleister vor Ort
  • Die Nachfrage ist da, aber die Firmen haben diese Entwicklung noch nicht für sich entdeckt, sie haben keine Ahnung, welche Bedarfe der Älteren da sind und wie diese in AAL-Erfindungen umzusetzen wären oder wie sie auf dem Markt vermarktungsfähig wären. (Ängste/Vorbehalte)

Nach dem D21-Index ist dies Fakt: NOCH GERINGE ERFAHRUNG MIT E-HEALTH UND SMART HOME, ABER OFFENHEIT TENDENZIELL VORHANDEN

Nur eine kleine Minderheit der deutschen Bevölkerung sammelte bereits persönlich Erfahrungen mit E-Health- oder Smart-Home-Anwendungen, sagt der Index. Zwölf Prozent haben bisher digitale Gesundheitsanwendungen genutzt. Aber nur halb so Viele verfügen über persönliche Erfahrungen mit intelligenten Haushaltsgeräten oder Robotern. Damit bleiben Smart-Home- und E-Health-Anwendungen bislang Nischenprodukte für Technik-Begeisterte – heißt es in der Studie.

Unabhängig von der tatsächlichen Nutzung ist aber eine gewisse Offenheit gegenüber dieser Technik vorhanden: Jeder Dritte kann sich die zukünftige Nutzung von Haushaltsrobotern, mit dem Internet verbundenen Überwachungskameras oder per App steuerbarer Licht- und Heizungsanlagen vorstellen.

Quelle: D21- Index

Es wird also eine Menge Potenzial verschenkt – obwohl die Notwendigkeit täglich an die Pforten von vielen Familien klopft: Wohin oder was machen mit Oma, Opa, Schwiegereltern, Eltern, wenn das selbständige Wohnen zum Problem wird? Wir brauchen vielfältige Ansätze, die die individuellen Gewohnheiten, Wünsche und Erfahrungen der Menschen adressieren und abholen. Kommunen könnten hier zu einer Drehscheibe werden.

Wir brauchen Technologien zum Anfassen. Technologien zum Lernen. Technologie und funktionierende Anwendungen, um Ängste und Vorbehalte auszuräumen.

Das smarte Home kann zur Begegnungsstätte für AAL und damit ein Stück Lebensqualität werden. Wir müssen uns darüber unterhalten. Wollen wir das? Was macht das mit uns?

Eins aber ist deutlich: Nichts-Tun ist der schlechteste Weg. Wagen wir den Sprung ins kalte Wasser.

2 Kommentare Füge deinen hinzu
  1. Beim Gütersloher Bauverein stehe ich derzeit auf einer Warteliste für die Miete einer 30-50 qm großen Wohnung, die ich mit meiner monatlichen Rente von 749€ noch irgendwie stemmen kann.

    Doch ich werde immer wieder vertröstet mit der Begründung „Wir haben keine Wohnung frei, bitte fragen Sie in 2 Jahren noch einmal nach.“

    Bis dahin bin ich hoffentlich tot.

    1. Haben Sie vielen Dank für Ihren Kommentar. Ihr Einwand stimmt. Auch ich nehme das wahr: auf ein Angebot für eine 30 qm-Wohnung erfolgten innerhalb von drei Tagen 72 Anfragen! Die Wohnungsnot ist riesig – und das schon seit längerer Zeit. – Wir stehen vor einem ähnlichen Problem, was den Wohnungsnotstand für altersgerechtes Wohnen angeht. Dazu braucht es zunächst die vermögendere Avantgarde, der hoffentlich marktfähige und bezahlbare Produkte und Dienstleistungen folgen werden. Denn: menschliche Assistenz und Pflege werden zukünftig noch teurer. Wir erlauben uns leider, diese Care-Arbeit als Wirtschaftsgut zu denken und zu handhaben. Es fehlen hier gemeinwohlorientierte Ansätze, die auch Menschen mit kleinem Einkommen nutzen können. Verlieren Sie nicht den Mut!

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