Kinderarmut – wollen wir uns wirklich daran gewöhnen?

Heute findet sich ein Beitrag über die Kindersuppenküche in der Lokalzeitung. Die Einrichtung für die Speisung von armen Kindern arbeitet seit 10 Jahren. Dieser Tage feiert man also ein Jubiläum.

Die stellvertretende Bürgermeisterin war dort und sieht in dem 10-Jährigen „eine Erfolgsgeschichte“. Mir hat das bei der Lektüre ehrlich gesagt die Schuhe weggehauen. Vorweg: Der unermüdliche Einsatz der zahlreichen Ehrenamtlichen, die hier helfen ist großartig und ich kann davor nur meinen Hut ziehen. Eine große Leistung!

Aber: für mich ist das Bestehen einer KINDERSuppenküche ein Armutszeugnis für eine Stadt. Die „Fallzahlen“ sind von einer Frau mit drei Kindern bei Gründung 2005 auf mittlerweile 160 Kinder gestiegen. Wird dann 2020 der Erfolg noch größer sein, wenn etwa auch die Fallzahlen gestiegen sein sollten?

Ist es nicht zynisch? 

Wie kann man sich mit dem Bestehen einer solchen Einrichtung für Notfälle überhaupt  langfristig arrangieren? Ist es nicht zynisch, wenn man sich als Stadt darauf verlässt, dass die Zivilgesellschaft schon hilft? Das ist ein Ansatz, wie er vordemokratischer nicht sein kann, es erinnert an die Zeit vor der Industrialisierung als die Fürsten mildtätig die Armen bedachten.

Eine Suppenküche darf immer nur ein Zwischenziel sein. Was hier greifen muss, ist ein noch deutlicheres Bemühen, damit es erst gar nicht zur Kinderarmut kommen kann. Wir brauchen mehr Ressourcen in den Stadtteilen mit sozialem Brennpunktpotenzial. Bereits in den Kitas müssen mehr Konzepte greifen, die Kinder aus sozial schwachen Familien helfen. Wie weit werden die Bildungs- und Teilhabepakete abgerufen? Wenn das noch eher zögerlich verläuft, stellt sich die Frage, wie das zu verbessern wäre. Schulen, Kitas und Sozialagenturen müssen offensichtlich noch enger zusammen arbeiten. Die Akteure müssen sich vernetzen, die Vorbeugung ist zentral. Auch die Zahlung des Betreuungsgelder ist kontraproduktiv, ein Segen ist hier eine erneute Diskussion entbrannt über den Sinn und Unsinn dieser Zahlung. Auch sind viele Daten über die Sozialräume vorhanden, diese müssen mehr genutzt werden, um wirksam steuern zu können. Die These, vom Kind her zu denken, ist zudem nicht neu. Die Kinder müssen mit ihren Notwendigkeiten im Zentrum stehen, Defizite bereits früh erkannt und gefördert werden. Ob da das aktuelle Kita-Konzept der Stadt richtig ist, hat man bisher nicht wirklich hinterfragt obwohl eine Überprüfung angekündigt wurde.

Eine Stadt muss es sich zur Aufgabe machen, die Ungleichheit im Aufwachsen der Kinder auszugleichen. Davon sind wir offensichtlich weit entfernt.

Viele Ansätze wären daher nötig, die ein Jubiläum 2020 vielleicht sogar überflüssig machen. Das jedenfalls wäre ein Grund zum Feiern, nicht aber die Verstetigung einer solchen Einrichtung und unsere Gewöhnung daran!

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