Konversion – bisher altbacken gedacht

Wir sprechen im Wahlkampf immer wieder über die „Konversion“ – was passiert mit den Flächen am Flughafen, wenn die britischen Streitkräfte abziehen.

Ohne schnelles Internet keine Wirtschaftsförderung
Ohne schnelles Internet keine Wirtschaftsförderung

Hier schießen Ideen ins Kraut, die an ein „Wünsch-Dir-Was“ grenzen. Erst fährt der CDU-Konservative mit seinen Rollerskates werbewirksam über das Rollfeld und erzählt was von einem Kletterpark im Hangar. Jetzt führt uns der SPD-Aspirant mit Mikro über das gleiche Rollfeld und erzählt was von Hangars für Musical. Wirtschaft wird bei beiden irgendwie mitgedacht – aber stets bezogen auf einen nicht spezifizierten Flächenverbrauch und im Munde wird „Ansiedlung“ geführt. Unspezifischer geht es kaum.

Ich bin erstaunt und nervös zugleich: diese gesamten Ideen sind völlig analog gedacht. Der digitale Wandel, der um uns herum greift, findet leider keinen Landeplatz. An keiner einzigen Stelle ist auch nur einmal angedacht, dass man so ein Areal zumindest mit einem super schnellen Internet ausrüsten müsste. Wir sprechen hier von Gigabit. Und nicht mehr von 100 m/bits. Aber keiner spricht darüber, lediglich Straßen sollen gebaut werden.

Zudem muss man sich ansehen, welche Geschäftsfelder in Zukunft überhaupt noch Zukunftsthemen sind, die Wertschöpfung mit sich bringen und in denen auch solche großen Areale fernab von jedem urbanen Leben notwendig sind. Zukunftsthemen sind Informationen und Daten als Rohstoffe; Mobilität der Zukunft unter dem Aspekt der Selbststeuerung und der Ressourcenknappheit auch mit einer Antwort auf die Frage, wie der Öffentliche Personennahverehr denn ausgestaltet werden muss; Vernetzung der öffentlichen Hand, wie arbeitet der Staat künftig effektiv und interaktiv; Speicherung von erneuerbarer Energie; neue Ansätze in der Gesundheitswirtschaft; Robotertechnologie. Alle diese Themen haben Zukunft – und brauchen immer weniger Fläche, dafür aber hochausgebildete Fachkräfte insbesondere Datenveredler und Dateningenieure.

Ferner herrscht akute Mangelware, was die hochausgebildeten Datenveredler angeht. Sie werden in ganz Deutschland gesucht und gefragt – wohl kaum vorstellbar, dass die jetzt alle nach Gütersloh kommen, um die Freiflächen in der Kaserne zu füllen.

Wir brauchen also dringend eine Diskussion darüber, wie sich Wirtschaft in ganz rascher Zeit überhaupt verändern wird, bevor hier Konzepte aufgelegt werden, die in der Schaffung der Infrastruktur Millionen verschlingen, ohne, dass langfristig überhaupt ein Wert geschaffen wird. Wäre Gütersloh überhaupt in der Lage, solche Zukunftszweige in die Region zu holen?

Und eine Frage ist auch noch unbeantwortet: wird Gütersloh weiterhin über eine solch große Kaufkraft verfügen? Man bedenke, dass die Stadt altert, der Anteil der Alten und Hochbetagten steigt, die Wirtschaftskraft muss durch die Jüngeren erhalten bleiben. Gelingt das auch zukünftig? Neben dem Flughafenareal muss auch das Kasernengelände an der Verler Straße neu belebt werden. Zwei riesige Areale für eine Stadt?

Und dann ist da auch noch die Frage, ob die Betriebe, die heute noch flächenmäßig expandieren wollen, überhaupt Gewerbesteuern zahlen.

Auch die Frage, wie netzwerkkompetent die beteiligten Kommunen sind, die ihre Anteile an der Fläche haben, ist auch noch offen. Gibt es hier schon neue Formen der interkommunalen Zusammenarbeit, die tragfähig sind? Ich erlebe die Diskussion leider immer nur auf Gütersloh bezogen, sie müsste aber ganz anders geführt werden. Schon jetzt. Nämlich vernetzt und digital.

Wer Gütersloh in die Zukunft führen möchte, der muss diese Faktoren auf dem Radar haben. Vielleicht gehört auch der Mut dazu zu sagen: so wenig Fläche verbrauchen, wie notwendig. Also Gras und Heidenelken wachsen lassen.

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