Orthopädie statt Interesse

Das neue Werbekonzept der Stadt soll Ruhe ins Stadtbild bringen – und nach Möglichkeit auch Geld in die Kassen des Stadtsäckels.
Dabei führt es eher zu massiven Gesundheitsrisiken bei Betrachtern und Beschickern gleichermaßen:

Das Foto zeigt eine Werbetafel, die fast in den Bäumen hängt.
Werbung mit Nebenwirkungen

1. Schaut sich der Betrachter die Werbung zu lange an, läuft er Gefahr, einen steifen Nacken zu bekommen. Die Schilder hängen so hoch, dass sie die Blickrichtung gen Himmel ziehen und über den normalen Spannungsbogen des Nackens hinausreichen. Ein klarer Fall für den Orthopäden.

2. Ist der Betrachter zu lange mit dem Schauen und Lesen beschäftigt, läuft er Gefahr, gegen etwas zu stoßen oder über etwas zu stolpern, das er normalerweise in seiner Blickrichtung erfassen könnte, müsste er nicht nach oben schauen. Ein klarer Fall für den Krankenwagen.

3. Derjenige, der die Plakate anbringt, muss damit rechnen, dass er von der Leiter fällt. Denn ohne eine solche kann man die Plakate nicht anbringen. Es sei denn, man ist Aktionskünstler im Kletterbereich. Ein klarer Fall für die Radiologie.

4. Der Betrachter wird sich der Frage stellen müssen, ob er nicht doch eine Brille braucht – oder ob die Stärke der Brille noch ausreicht, um die Inhalte der Werbung noch lesen zu können. Ein klarer Fall für den Augenarzt.

Während allerorten Werbung spezifiziert, individualisiert wird, den konkreten Bedürfnissen der Menschen passgenau auf ihren mobilen Geräten direkt geliefert wird – macht die Stadt aus Werbung eines der kompliziertesten und gefährlichsten Unterfangen der letzten Jahre.

Die Ärzteschaft dürfte sich bedanken. Oder macht demnächst dort gleich selbst Werbung.

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