Pflege – wie gelingt Digitalisierung?

Die Landesregierung lässt ihre Digitalstrategie „von unten“ schreiben – mit einem breiten Beteiligungsverfahren schreitet sie fort in der Entwicklung. Mein Part war diesmal „Pflege und Digitalisierung“ für den ich mich in den letzten Monaten sehr engagiere – als Betroffene und als Digitalenthusiastin gleichermaßen. Und natürlich als Autorin zum Thema.

In Session 9 wurden -diesmal online – Ideen und Anregungen gesammelt.

Konkret – alles wird online gesammelt

Bereits in einer Veranstaltung in Dortmund wurde das Thema Pflege breit diskutiert. Videos dazu finden sich hier. In dieser Runde in Düsseldorf ging es ums Sammeln von weiteren Anregungen. Zunächst stimmte das Publikum über den zu diskutierenden Schwerpunkt ab. Besonderes Augenmerk lag auf „Entlastung von Pflegenden durch digitale Technik“.

  • Wie muss Technologie gute Pflege vereinfachen und eine Entlastung für Pflegepersonal und Pflegekräfte schaffe?
  • Müssen Träger veranlasst werden, digitale Technik vorzuhalten?
  • Müssen Kompetenzen entwickelt werden (zeitliche Ressourcen, nötige Ausstattung)?
  • Brauchen wir die ausnahmslos digitale Dokumentation von Pflege?

Grundsätzlich waren sich die Diskutanten einig: Der Mensch gehört in den Mittelpunkt der Pflegediskussion. Nur darum kann es bei der Digitalisierung gehen. (Ich stelle das in Frage, ob das alle so sehen, angesichts steigender Kosten geht es eben nicht nur um „den Menschen“, sondern um Profit. Diese Dissonanz müssen wir aushandeln.)

Häufig bemängelt wurde das fehlende „Mindset“, also die Notwendigkeit, Pflege überhaupt digital zu betrachten, sich auf Veränderung durch Technik einzulassen. Beklagt wurde die Rückständigkeit Deutschlands in diesen Fragen.

Ein Thema war auch der steigende Eigenanteil, den die Betroffenen von Pflege und/oder die Angehörigen leisten müssen. Er ist eine Säule in der Bezahlung der Pflege neben dem Anteil der Pflegekasse. Nur mit dem Unterschied, das diese Säule der Eigenanteile nicht gedeckelt ist, sie wächst rasant und nach oben offen, während der Anteil der Pflegekassen gedeckelt ist und konstant bleibt. Ein Politikum, ausgetragen auf dem Rücken der machtlosen Betroffenen.

Mein Ansatz: Bei den Erhöhungen sitzt oftmals eine staatliche Institution mit am Tisch, wenn die neuen Verträge ausgehandelt werden. Die Sozialpartner müssen zustimmen. In unserem Fall ist es der Kreis Gütersloh als Sozialpartner der Diakonie. In Fällen der Eigenanteile sollte künftig einer Erhöhung nur zugestimmt werden, wenn auch digitale Innovationen eine Rolle spielen, die den Sektor „Pflege“ verbessern. Sei es in der digitalen Dokumentation oder durch den Einsatz von digitalen Hilfsmittel in der Pflegearbeit konkret. Es wäre als eine Art Innovationspauschale zu verstehen. Wenn sich die privaten Anbieter hier nicht auf den Weg machen, wird einer Kostensteigerung nicht zugestimmt. Punkt. Nur so kann man die privaten Anbieter bewegen, sich im Feld Digitalisierung auf den Weg zu machen – sonst wird das noch Jahrzehnte dauern bis etwa die Dokumentation an Pflege digital verläuft.

Weitere Punkte wurden nur streiflichartig eingeworfen:

den Betroffenen und Angehörigen deutlicher eine Stimme geben

eine Vernetzung der Angehörigenbeiräte zu einem rechtlich gesicherten Netzwerk auf kommunaler Ebene, so wie Elternpflegschaften, dies in Form der „Teilhabe“.

Vernetzung mit Hochschulen (Assistenzsysteme, Wohnberatungen, Ausstattung für Heime, Wohngruppen)

Beteiligung der Krankenkassen und Heime am Ausbau für Glasfaser (als künftige PowerUser)

mehr digitale Informationen (passgenau) für Betroffene und zwar von nicht leistungsgebundenen Trägern wie etwa der Verbraucherzentrale NRW.

 

All das fließt in den Prozess mit ein.

Da Pflege eine Mammutaufgabe ist, werden wir den Ergebnissen beiwohnen. Vielleicht sogar als selbst Betroffene.

 

 

 

 

 

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