Pseudoromantische Orte

Sie sind mittlerweile die zentralen Nervenzellen unserer Gesellschaft. Sie regeln „uns“ im Alltag, sie regeln unsere Interaktion im öffentlichen Raum. Und fristen eigentlich ein sehr trübes Dasein: Die Elektronik in den grauen Kästen am Straßenrand.

Das Foto zeigt künstlerisch gestaltete Schaltkästen in Münster.
Zentren des öffentlichen Lebens Foto: Jürgen Zimmermann

Und dabei ginge es auch ganz anders. Das zeigt Künstler Tobias Rehberger mit seiner Aktion „The Moon in Alabama“ in Münster. Elf Objekte sind schon in den Genuss gekommen aus dem tristen Schattendasein des grauen Straßenbildes herauszutreten. Allen gemeinsam ist: Rohre, Schläuche und Buntes umwirkt sie. Über ihnen leuchtet der künstliche Mond. Je nach Lichtverhältnissen schaltet sich der darin befindliche Sensor an oder aus. Ein jeder Betrachter hat also die Wahl, auch mal bei Mondschein zu verweilen oder die bunt-quierlige Szenerie ohne Mondlicht zu genießen.

Rehbergers Intention: „Unorte durch einen Eingriff beleben, sie zu einem pseudoromantsichen Ort machen“. Da darf man der Immobilien- und Standortgemeinschaft Bahnhofsviertel in Münster gratulieren. Öffentlicher Raum, der sonst in Windeseile durchmessen wird, wirkt jetzt wie ein Magnet und hält fest. Vergessen wird der stinkende Individualverkehr ringsherum oder auch die vorbeidonnernden Busse auf der Bahnhofstraße. Hier wohnt man der Zukunft bei.

Das Foto zeigt einen Kunstschaltkasten von Rehberger in Münster.
Öffentlicher Raum und Lebensader Foto: Jürgen Zimmermann

Wenn dann die Gedanken des Betrachters neben der Lust des Innehaltens durch plötzlich auftauchende Schönheit im öffentlichen Raum dahin gelenkt wird, was die Innereien von diesen Schaltkästen alles können – und wie digital wir doch mittlerweile sind, ohne uns dessen bewusst zu sein. Ja, dann….

…könnte man an anderer Stelle gern weitermachen.

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