Radeln hinterm Deich – alles fährt Pedelec

Wohin auch das Auge reicht: Felder, Äcker, Kühe, Pferde, Weite, Wälder – ländlicher Raum in seiner schönsten Erscheinung. Und Fahrradfahrer. Viele. Sehr viele. Aber es eint fast ausnahmslos alle Zweiräder: Es sind Pedelecs, E-Bikes, Elektrofahrräder. Der ländliche Raum ist bevölkert von elektrisch radelnden Menschen in höherem Alter. Hier hinter dem Deich sind es nicht nur Einheimische, die die neuen Gefährte nutzen – sondern vor allem die Touristen, zur Zeit Kategorie „Rente“. Man sieht die rüstigen Rentner zu zweit, in Gruppen, in ganzen Alterskohorten – sie pedalieren ganz selbstbewusst auf den Küstenstraßen – und überholen die alte Welt, die noch ohne elektrischen Antrieb in die Kette tritt. (So wie ich.)

 

…und alles Pedelcs

Das fesche mobile Tempo schafft ganz neue Möglichkeiten für den Tourismus im ländlichen Raum. Die Alten holen auf. Sie erobern sich ganze Landstriche zurück. Entfernungen verringern sich. Elektromobilität macht es möglich: Ausflugsziele, die früher zu weit weg waren und mit dem Fahrrad kaum mehr erreichbar schienen (zu weit, Abwinken, machen wir nicht) , sind nun auferwachte begehrte Ziele. Und ohne Kraftanstrengung zu erreichen. So manches Café auf dem Land, so mancher Anbieter von regionalen Produkten oder Hofverkauf kann so revitalisiert werden, kann neue Kunden gewinnen. Die Öffnungszeiten zu verlängern, lohnt sich nun, sie werden zu Ausflugsmagneten.

Das bedeutet gleichzeitig auch eine Herausforderung für die kommunale Infrastruktur: wo können die Fahrzeuge aufgeladen werden? Es fehlt an Ladestationen im ländlichen Raum. Auch die Campingplätze und Hotels müssen aufrüsten – es wird mehr Strom verbraucht, wenn die Räder am Kabel hängen. Auflademöglichkeiten werden aktiv verlangt. Heute ist nicht mehr der Caravan oder das Wohnmobil, was als Statussymbol auf dem Platz steht – es ist das leistungsfähige und reichweitenstarke E-Bike, das Trauben von Besichtigern um sich schart.

Manch einer der Rentner ist schon zur Zeit des Arbeitlebens auf den Trend E-Bike aufgesprungen. Der sieht sich seit geraumer Zeit sogar einer neue Struktur der Finanzierung gegenüber: Manche Arbeitgeber beteiligen sich an der Finanzierung von Pedelecs, um die Arbeitnehmer dazu zu motivieren, in die Pedale zu treten anstatt das Auto zu nutzen. Der Umwelt zuliebe. Pendeln ist ein notwendiges Übel für viele Arbeitnehmer, der Umstieg aufs Rad bei geringerer Kilometerzahl ist daher eine echte Alternative und ein Beitrag für nachhaltige Mobilität.

Zurück im ländlichen Raum findet sich zudem wieder einmal die paradoxe Gleichzeitigkeit der Geschwindigkeiten im Übergang von der analogen in die digitale Welt. So zeigt sich gerade der ländliche Raum als multi-mobil: Neben Pedelecs reitet man auch noch und bedient sich der Mobilität vergangener Tage. Ausgedehnte Reitwege finden sich neben modernen Radwegen. Künftig dürften noch Radwege hinzukommen, die bei Überfahren das E-Rad selbständig aufladen. Auch das eine schöne Herausforderung für den ländlichen Raum und den Wandel im Tourismusbereich. Es muss nicht immer die Smart City sein, auf dem Land findet sich längst Digitales at it´s best. Von hier aus möge die Bereitschaft das Fahrrad zu nutzen, um Distanzen aus Freitzeitgründen zu überbrücken auch wieder zurückkehren in die Städte, um auch dort das Auto aus dem Zentrum zu verbannen.

 

der Sprung vom Pferd zum Pedelec

 

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