Offene Daten auch aus NGOs und Stiftungen

UPDATE vom 15. Juli 2017: In Österreich gibt es bereits mit Open Data Portal Österreich ein öffentliches Datenportal für Daten aus Wirtschaft, Kultur, NGO, Forschung und Zivilgesellschaft. Vorbildlich! Das befeuert die Diskussion in Deutschland nochmals. Öffnet die Aktenschränke! 

Open Data wirkt. Immer mehr öffentliche Daten (open data) gehen online. Immer mehr Nutzer schätzen diese Daten als Quelle für Neues, Innovatives, für Wertschöpfung – denn Ideen entstehen oft aus der Zusammensetzung von Daten oder deren Muster, die darin erkennbar sind. Immer mehr konkrete Anwendungen werden entwickelt, die aus der Theorie Praxis entstehen lassen und damit den Wert von Daten unterlegen. Beispiele finden sich etwa hier bei Code for Germany. Oder auch hier bei Blogger Wolfgang Ksoll aufgelistet. (dies im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.)

Das Foto zeigt zwei Schilder mit Zugang und Utopia.

Daten sind Macht

Wie sieht das aber mit weiteren Quellen aus, die ebenfalls Daten produzieren? Open Data ist nicht nur eine Frage öffentlicher Daten der Verwaltungen. Auch andere erheben Daten. Etwa gemeinnützige Stiftungen erheben Daten, die unter den Aspekt Open Data fallen (sollten): Daten werden mit steuerbegünstigten Geldern erhoben. Aus ihnen werden viele Studien erstellt, die Einfluss haben auf die gesellschaftliche und politische Entwicklung. Diese Datenrohsätze sind daher auch sehr aufschlussreich für Interessierte und Softwareentwickler und sollten unbedingt frei zugänglich sein. Oftmals werden längst nicht alle Ergebnisse dieser Erhebungen veröffentlicht. Brachliegende Nebenergebnisse aber könnten durchaus von Interesse sein – oder gar erst interessant. Vor allem in der Summe oder in der Kreuzung der Daten miteinander ergibt sich Neues. Auch ermöglicht eine Freigabe der Datensätze eine unterschiedliche Draufsicht auf Ergebnisse. Zudem liegen oft lange Zeitreihen vor, die in der Auswertung nochmals eigene Ergebnisse produzieren könnten. Ein wahrer Schatz also. 

Solange sie aber nur von wenigen gesehen werden, bleibt ihr Wert verborgen.

Das Foto zeigt Blumen unter Gittern.

Aufblühen

Ich habe dazu den Bonner OpenData-Experten DamianPaderta @paderta befragt, der auch im @CodeforBonn // Code for Bonn im Rahmen des Coding for Germany als Projekt der Open Knowledge Foundation mitwirkt. „Nutze deine Fähigkeiten, um deine Stadt zu verbessern“ – ist ihr Credo.

Was hälst Du von der Idee der Öffnung auch in Richtung Stiftungen?

Akteuren aus Zivilgesellschaft und Wirtschaft sollte von staatlicher Seite aus die Möglichkeit gegeben werden, ihre Daten auf Open Data Portalen der öffentlichen Hand zu stellen. Zentralität ist hier das Zauberwort. Gleichzeitig braucht es neben einem nationalen Open Data Portals durchaus verschiedene Kommunal- und Landesportale. Die technische Diversität und die verschiedenen Ansätze sollten weiterhin bestehen bleiben, um innerhalb des digitalen Ökosystems verschiedene „Mutationsformen“ auszuprobieren.

Ein nicht unerheblicher Aspekt wird von Paderta angesprochen, der der Auffindbarkeit:

Die erleichterte Auffindbarkeit von Daten, die Gewissheit dass es diese Dienste morgen noch gibt sowie die ökonomische Ersparnis für Nichtregierungsorganisationen (NGO) sind gute Argumente, um öffentlichen Portalen eigene Daten zur Verfügung zu stellen. Das ist viel sinnvoller als ein eigenes Portal anzubieten oder Daten auf einer versteckten Unterseite anzubieten.

Orte zum Einstellen dieser Daten finden sich ausreichend:

Mit Hilfe von GovData etwa – das Datenportal für Deutschland – sind 2016 über 18.000 offene Datensätze für Verwaltungen über ein zentrales Portal zugänglich – und für jeden Interessierten durchsuchbar und nutzbar. Daten werden ebenenübergreifend aus Kommunen, Ländern und Bundeseinrichtungen zentral verzeichnet und nach einem einheitlichen Schema beschrieben. Warum nicht auch mit Daten aus Stiftungen?

Noch umfassender – warum nicht auch Daten aus Wirtschaftsunternehmen hier einstellen? Damian Paderta dazu:

Für die Wirtschaft kann u.a. ein Anreiz dadurch entstehen, dass sie Daten als Open Data veröffentlichen, um Dritten Innovationen zu ermöglichen, die sie selber nicht im Stande sind zu leisten und zu einem späteren Zeitpunkt dennoch davon profitieren können. Der Staat kann sich tatsächlich als Plattform verstehen und diesen Dienst anbieten. Auf kommunaler Basis funktioniert diese Prinzip ja schon – siehe Bonn.

Das volkswirtschaftliche Potenzial von Open Data hat die Konrad Adenauer Stiftung ermittelt. Dr. Pencho Kuzev als Herausgeber schreibt dazu:

Der optimistische Bereich kann bis in die Höhe von 131,1 Mrd. EUR p.a. reichen. Dies bedeutet, Open Data als Kernkomponente einer nationalen Strategie für das 21. Jahrhundert zu positionieren und sein Potential für große gesellschaftliche Herausforderungen zu identifizieren und zu mobilisieren. Ein derartiger Plan ginge über die digitale Transformation hinaus: Es ginge darum, sich als Nation in Bezug auf den Aufbau eines nationalen offenen Ecosystems selbst herauszufordern und dadurch zur weltweit führende Open-Data-Nation zu werden.

(Im konservativen Fall ist ein Potential von 12,1 Mrd. EUR p.a. realistisch. Im ambitionierten Fall ist ein Potential von 43,1 Mrd. EUR p.a. realistisch.) Seite 10.

Auch in NRW gibt es das Landesportal OpenDataPortal #OpenNRW. Bei der Arbeit der Landesverwaltung entstehen jeden Tag eimerweise Daten rund um das Leben in Nordrhein-Westfalen. Die stellt die Landesregierung allen kostenfrei zur Verfügung. „Ein echter Schatz für Journalisten, Unternehmen, Wissenschaftler, Vereine und alle Menschen in NRW“ – so schreiben die Macher des Datenportals selbst.

Angesichts der großen Anzahl von Stiftungen in Deutschland, die allesamt zahlreiche Studien erheben und Daten produzieren, könnte hier ein enormer Datenschatz gehoben werden. Auf der Seite des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen finden sich Zahlen, demnach gibt es:

  • 21.806 rechtskräftige Stiftungen
  • 95 Prozent gemeinnützige Stiftungen
  • 100 Mrd. Euro geschätztes Vermögen deutscher Stiftungen

Auch der Bundesverband Deutscher Stiftungen hat übrigens ein Datenportal. Wunderbar, wenn diese Daten zu offenen Daten würden und ihren Weg in die offenen Datenportale auf Bundes- oder Landesebene fänden. Gleiches gilt für Wirtschaftsunternehmen, die sich ihrerseits Gedanken machen müssten, welche Daten zur gesellschaftlichen Wertschöpfung beitragen könnten.

Wir wissen nämlich: Wissen ist das einzige Gut, welches mehr wird, wenn man es teilt. (Marie Ebner-Eschenbach)

Digitale Wirtschaftsförderung gestalten

// Veränderung schon jetzt 

Die Digitalisierung verändert die Wirtschaft radikal – nicht erst morgen, sondern heute schon: Daten sind die neue Währung, die sozialen Interaktionen in den neuen Kommunikationskanälen sind der Rohstoff für Wertschöpfung.

Die Mechanismen von „Industrie 4.0“ und „Internet der Dinge“ wirken grundlegend anders als bisherige Geschäftsmodelle. Digitales Wirtschaften ist in der Lage, ganze Industrien alter Erfolge von heute auf morgen hinter sich zu lassen.

Das Foto zeigt mehrere Smartphones in einer Reihe.

Diese Entwicklung und auch damit verbundene neue Formen der Arbeit 4.0 stellen unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen. Auch Gütersloh. Hier gilt es, die kommunale Wirtschaftsförderung digitalfähig aufzustellen.

// Kommunale Aufgabe

Die Wirtschaftsförderung ist eine kommunale Aufgabe. Digitale Wirtschaftsförderung bedeutet Netzwerkarbeit – dies in virtuellen und realen Netzwerken. Dabei ändert sich die Relation zu den Unternehmen, die ihrerseits virtueller werden. Es ändert sich auch die Beziehung zu Kunden, die nicht nur Konsumenten, sondern zunehmend Produzenten sind. Firmen entstehen, die sich teilweise nur noch im Netz abspielen. Sie brauchen keine Werkhallen nach altem Verständnis oder riesige Gewerbeflächen mehr. Sie wirken im Netz, sie nutzen statt dessen Kreativität und Wandlungsfähigkeit der Mitarbeiter. Mit einem Mausklick sind sie online oder bereits an einem anderen Ort aktiv. Darauf muss sich die Stadt Gütersloh künftig noch stärker einstellen. Eine klassische raumbezogene Wirtschaftsordnung ist damit künftig wirkungslos. Es braucht andere Kriterien wie etwa optimale Rahmenbedingungen in Form von guter Bildung, Netzwerkmöglichkeiten, schnelles Netz, Rückkopplung an Wissenscluster. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Technologienetzwerk IT´s OWL. Die Stadt Gütersloh muss virtuelle kommunale Orte schaffen, wichtiges Modul hierbei ist u.a. die Bildung und Qualifizierung der jungen Menschen vor Ort.

// Kompetenz aufbauen

Diese Kompetenzen müssen Stadtverwaltung und Kommunalpolitik in Gütersloh jetzt ausbauen. Es ist eine hohes Maß an Medien- und an Netzwerkkompetenz gefragt. Das bedeutet Neuland für eine Verwaltung sowie einen Mentalitätswandel weg vom Behördendenken hin zum Agieren als Partner auf Augenhöhe.

Für die zukünftige Finanzkraft durch Gewerbesteuereinnahmen wird dieser Wandel eine zentrale Rolle spielen. Die Stadt muss in mobile und vernetzte Kommunikation investieren.

// Verwaltung 4.0  bis 2020 ?

Das jedoch geht nur, wenn auch die Verwaltung zu einer modernen Verwaltung wird, nur so kann sie den Rahmenbedingungen und Bedarfen einer zunehmend veränderten Umwelt gerecht werden. Gütersloh muss im Können und im Handeln digitaler werden. Das Ziel ist eine Verwaltung 4.0 bereits 2020, das schließt eine digitalfähige Wirtschaftsförderung mit ein.

Foto: ak2012

Die Langversion findet sich auf Blickpunkt aus Gütersloh.

Offene Daten auch in Gütersloh

Offene Daten in Gütersloh: das wird eines meiner ersten Themen sein. Die Stadt Gütersloh soll ihre öffentlichen Daten auch offen ins Netz stellen. Als Modellkommune für EGovernment wäre das jetzt unbedingt mitzudenken und in die Verwaltungsarbeit zu integrieren. Ab sofort müssen die Daten so aufbereitet werden, dass sie mensch- und maschinenlesbar gestaltet sind – und damit abrufbar. In einem OpenDataPortal stehen sie dann bereit zum Downlaod für die Öffentlichkeit.

Zudem möchte ich einen eigenen Hackday in Gütersloh etablieren: Codierer können mit den Daten aus Gütersloh eigene Anwendungen basteln, die Gütersloh in der Entwicklung weiterbringen können. Die Daten zur Konversion und zur Konversionsfläche etwa laden geradewegs dazu ein.

Das Bild zeigt viele Hacker an ihren Rechnern an einem langen Tisch.

 Foto: Anke Knopp