Open Data auch für IHK und Handwerkskammer

Wir sind mitten drin in der Digitalisierung. Publikum und Podium waren sich einig. Unsere Generation erlebt plötzlich zwei Welten, in denen wir leben: die reale und die virtuelle Welt. Beide verschmelzen – jetzt gilt es, die Kenntnis über beide Welten zu vermitteln.

Das jedenfalls stand auf dem Zettel:  Medienkompetenz in KMU – Wie Social Media unsere Geschäfte verändert – so titelte die WIM ihre Veranstaltung in der Ravensberger Spinnerei in Bielefeld. WIM – das Netzwerk für Unternehmen in OWL – hatte in Ko- operation mit der WEGE mbH zum 2. WIM Open Panel eingeladen. Chancen und Risiken von Social Media in KMU standen im Fokus des Panels. Getwittert wurde unter #wimop17

Social Media in KMUs – Foto Sandra Wilms

Es diskutierten: Vera Wiehe (WEGE) Moderation, Thorsten Ising (Vorstand für Kommunikation im Bundesverband Community Management e.V. für Social Media und digitale Kommunikation, Christina Quast, Hashtaghüterin (freie Journalistin), Detlev Buschkamp, Buschkamp Consulting (Social Media Beratung), Anke Knopp, freie Beraterin und Autorin (Open Data, Smart City), Thomas Werning, Strategieberatungen (Datenschutz und Internetmarketing) und Roman Mahr, Laufwerk m – Programmierung.

Es ist keine Frage mehr ob Unternehmen im Netz unterwegs sind, sondern nur noch wie. Jedes Unternemen ist ein Medium.

Sichtbarkeit, Erreichbarkeit, Kommunikation, Kundennähe – alles Themen, die auch KMUs betreffen. Die Chancen wurden rauf und runter erläutert. Will ich hier auch nicht wiederholen. Es braucht offenbar noch mehr Zeit, bis Social Media zur Normalität in Unternehmen wird. Solange es allerdings in einigen Betrieben untersagt ist, diese neuen Formen der Kommunikation zu nutzen, wird es noch Überzeugungsarbeit brauchen.

Im Barcamp-Format wurden verschiedene vertiefende Sessions angeboten – alle gut besucht.

Mein Part war einen Schritt weiter gedacht: Social Media als mögliches Tor für Unternehmen, um für sich den Mehrwert von Open Data zu entdecken, sich über Social Media eine eigene Community aufzubauen. Noch ist „die Wirtschaft“ hier sehr zögerlich, was sowohl den Nutzen als auch das eigene Einbringen von Daten angeht. Dabei sind Daten auch für KMUs eine mögliche künftige Quelle für Wertschöpfung. Ein Beispiel: Es gibt die Gesetzeslage, dass alte Heizungen ausgetauscht werden müssen, wenn ein Haus etwa nicht selbst bewohnt wird. Damit soll das Ziel der CO2-Einsparung erreicht werden. Dahinter liegen handfeste messbare Kriterien. Wenn nun diese Werte eingehalten werden sollen, ist das auch eine Frage für Heizungsinstallateure und auch Schornsteinfeger, die mit gesammelten Daten Nachhaltigkeitskriterien nachhalten und belegen können. Gleiches gilt etwa für die Nutzung von Daten zu Lärmmessungen an bestimmten Orten in der Stadt: LärmApps etwa können Hinweise für Handwerker darstellen, gezielte Lärmschutzmaßnahmen anzubieten.

Größeres Erstaunen stellte sich ein, als ich das Thema #OpenData auch für IHK und Handwerkskammer anschnitt. Auch diese Verbände sitzen auf einem großen Schatz an Daten – rücken ihn aber nicht raus und nutzen ihn auch nicht umfänglich für sich selbst. Dabei gibt es vielfältige Anwendungen. Etwa: Auch Arbeit selbst verändert sich und die Gewinnung von Nachwuchs für die Betriebe gerät ins Stocken, gerade da wären Daten – offene Daten – eine Quelle für neue Muster und neue Ideen. Etwa beim Bedarf von ad-hoc-Trainings: Wenn gerade eine bestimmte Qualifikation besonders gefragt ist, könnten die Verbände darauf zeitnah reagieren und Personal genau darin schulen – passgenau, vielleicht sogar aus dem Kontext einer umfänglichen und langen Ausbildung herausgeschnitten. Qualifikation on demand ist ein Stichwort.

Berufe bleiben nicht gleich, Ausbildung wird sich ändern. Zugehörigkeiten zu Firmen werden sehr viel kürzer sein als wir das bisher kennen, weil Firmen vielleicht immer kürzere Lebenszeiten haben als ihre Angestellten, die dann bei mehreren Firmen als Projektmitarbeiter anheuern.

Wir werden eine Ökonomie der Ideen erleben – nicht die der Dinge. Das bedeutet auch, wir brauchen Prozesse mit Open Source – das Schützen von Firmenideen wäre daher sinnlos.

Gleichzeitig muss man darüber nachdenken, ob solche hierarchischen Verbandsformen noch Bestand haben. (Das ist ein weiteres Thema.)

Es wurde weit in die Zukunft geschaut an diesem Abend. Aber auch Handfestes und Ordnungspolitisches aufs Tablet gehoben – der Datenschutz etwa:

 

Das WIM-Format trägt – gern mehr davon.

Startups – Willkommen in (je)der Gemeinde als Zukunftsvorsorge

Der digitale Wandel verändert so ziemlich alles. Auch und gerade die Wirtschaft. Die Kommunen sind gut beraten, sich mit den digitalisierten Vorgängen vertraut zu machen, wenn sie etwa ihre Wirtschaftsförderung wirksam gestalten wollen. Ein wichtiger Baustein wird künftig sein, Startups an sich zu binden. Oder deren Entstehen mit den passenden Rahmenbedingungen zu ermöglichen.

Das Foto zeigt ein Playmobilmännchen, welches an einer Platine sägt.

Wirtschaft digital Foto by Jens Schröder

// Neugründungen

Die „neue digitale Welt“ wird nicht selten an ihrer Dichte von Neugründungen von Unternehmen gemessen: Neudeutsch ist die Rede von Startups. Junge Unternehmen, die sich mit (digitalen) Geschäftsmodellen oder innovativen Problemlösungen auf den Weg machen und Dinge/Prozesse entwickeln und an den Markt bringen, die bisher nicht erdacht oder erfunden wurden. Es geht um die Erschließung von neuen Märkten, insbesondere ist hier der Technologiesektor angesprochen wie Online-Handel, Finanztechnologie, Anwendungssoftware etc. Industrie 4.0 gehört genau so dazu wie Ideen um den Bereich Arbeit 4.0. mit neuer Wertschöpfung. Jede Kommune wird sich also freuen, Startups in ihrem Hoheitsgebiet begrüßen zu können. Sie versprechen den Aufbruch in die digitale Welt und generieren nicht selten auch eine Sogwirkung für andere und sind Vorbilder für den digitalen Brückenschlag, wo andere Firmen noch nicht so richtig wissen, wie Digitalisierung geht.

// CeBIT und digitale Wirtschaft NRW 

Auf der CeBIT in Hannover gab es reichlich Anschauungsmaterial, besonders beim Stand von #DigitaleWirtschaftNRW. Es präsentierten sich hier neun Startups aus NRW. Hier habe ich den Co-Founder von TalkaboutJack, Dr. Hanke Wickhorst, getroffen. Sein Startup befasst sich mit Micro Social Networks. Es heißt „Talk about Jack“ und bietet die Chance, ein solches Micro-Netz für die eigenen Bedarfe aufzubauen. Es ist ein Portal, „welches Themen-basierte Diskussionskanäle anbietet. Diese können sowohl live, wie man es von Chat-Räumen kennt, als auch asynchron, analog eines Diskussionsforums, genutzt werden. Die Kanäle werden mit Webseiten, denen das entsprechende Thema zugrunde liegt, verknüpft.“ – so steht es als Beschreibung auch auf der Homepage von DigitaleWirtschaftNRW. Reinschauen lohnt sich.

// Statement Dr. Hanke Wickhorst 

Ich habe ihn um ein kurzes Statement gebeten, u.a. die Frage gestellt, was Kommunen tun müssten, um junge Gründer zu fördern oder für sich zu gewinnen:

// Kapital mit Risiko

Gründer handeln in der Regel sehr risikofreudig. Das ist nicht nur in NRW so, sondern grundsätzlich. Sie sind dabei keine Spieler, sondern testen aus, wo andere keine Ideen oder Phantasie entwickelt haben. Dafür braucht es spezielles Kapital. Kapital, welches in der traditionellen Vergabe an unzählige Formalia gebunden ist – und in der Regel von Menschen vergeben wird, die wenig bis keine Ahnung von Startups haben.

Im Deutschen Startup Monitor ist eines der Ergebnisse: „Als wichtigste Kapitalquelle bei der Finanzierung nennen die allermeisten Startup-Unternehmer (79,9%) die eigenen Ersparnisse, gefolgt von der Unterstützung durch Freunde und Familie (32%). Immerhin jeder Fünfte (20%) hat sein Unternehmen unter anderem mit Venture Capital finanziert – jeder Dritte mit der Hilfe von Business Angels (29,7%). Mithin sind die Business Angels die wichtigsten externen Kapitalgeber.“ 

Im Grunde kann man es sich als Wirtschaftsstandort nicht leisten – nicht über Startups und deren Förderung nachzudenken. Viele Kommunen aber sind davon weit entfernt, ihre Wirtschaftsförderung fußt weitestgehend noch auf traditionelle Themen aus dem 20. Jahrhundert, wo es vielfach um „Gewerbegebiete“ geht, nicht einmal um eine gute Breitbandversorgung, schon gar nicht um Kapital.

// Monitoring Startups 

In der globalen Welt gehört Deutschland übrigens nicht zu den gründerfreundlichsten Nationen. Der „Deutsche Startup Monitor 2015“ gibt einen guten ersten Überblick mit Zahlen und Fakten, wo Deutschland steht. Klar wird hier: ein Umdenken wird notwendig sein. An der Entwicklung sollten sich auch die Kommunen beteiligen. Denn wie Dr. Hanke Wickhorst schon im Video unterstreicht: Es gibt genügend Nerds in den Kommunen. Für kommunale Wirtschaftsförderer bedeutet dies: sie finden, ermutigen und fördern. Dazu müssen die Verantwortlichen wissen, wie diese potenziellen Gründer ticken.

Startups werden künftig zentraler Bestandteil der Wirtschaft sein. Sie rücken künftig auf den Platz, den der heutige Mittelstand jetzt noch einnimmt. Wer seine Kommune also fit machen will für die Zukunft, darf dieses Thema nicht außer Acht lassen. Das gilt für Verwaltung ebenso wie für die heimische Politik, die auch in Gremien sitzt, die Kapital locker machen können. Ein kommunales Monitoring wäre hilfreich: Was tut sich in meiner Kommune – oder noch besser: wo läge Potenzial.

Digitale Wirtschaftsförderung gestalten

// Veränderung schon jetzt 

Die Digitalisierung verändert die Wirtschaft radikal – nicht erst morgen, sondern heute schon: Daten sind die neue Währung, die sozialen Interaktionen in den neuen Kommunikationskanälen sind der Rohstoff für Wertschöpfung.

Die Mechanismen von „Industrie 4.0“ und „Internet der Dinge“ wirken grundlegend anders als bisherige Geschäftsmodelle. Digitales Wirtschaften ist in der Lage, ganze Industrien alter Erfolge von heute auf morgen hinter sich zu lassen.

Das Foto zeigt mehrere Smartphones in einer Reihe.

Diese Entwicklung und auch damit verbundene neue Formen der Arbeit 4.0 stellen unsere Gesellschaft vor große Herausforderungen. Auch Gütersloh. Hier gilt es, die kommunale Wirtschaftsförderung digitalfähig aufzustellen.

// Kommunale Aufgabe

Die Wirtschaftsförderung ist eine kommunale Aufgabe. Digitale Wirtschaftsförderung bedeutet Netzwerkarbeit – dies in virtuellen und realen Netzwerken. Dabei ändert sich die Relation zu den Unternehmen, die ihrerseits virtueller werden. Es ändert sich auch die Beziehung zu Kunden, die nicht nur Konsumenten, sondern zunehmend Produzenten sind. Firmen entstehen, die sich teilweise nur noch im Netz abspielen. Sie brauchen keine Werkhallen nach altem Verständnis oder riesige Gewerbeflächen mehr. Sie wirken im Netz, sie nutzen statt dessen Kreativität und Wandlungsfähigkeit der Mitarbeiter. Mit einem Mausklick sind sie online oder bereits an einem anderen Ort aktiv. Darauf muss sich die Stadt Gütersloh künftig noch stärker einstellen. Eine klassische raumbezogene Wirtschaftsordnung ist damit künftig wirkungslos. Es braucht andere Kriterien wie etwa optimale Rahmenbedingungen in Form von guter Bildung, Netzwerkmöglichkeiten, schnelles Netz, Rückkopplung an Wissenscluster. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Technologienetzwerk IT´s OWL. Die Stadt Gütersloh muss virtuelle kommunale Orte schaffen, wichtiges Modul hierbei ist u.a. die Bildung und Qualifizierung der jungen Menschen vor Ort.

// Kompetenz aufbauen

Diese Kompetenzen müssen Stadtverwaltung und Kommunalpolitik in Gütersloh jetzt ausbauen. Es ist eine hohes Maß an Medien- und an Netzwerkkompetenz gefragt. Das bedeutet Neuland für eine Verwaltung sowie einen Mentalitätswandel weg vom Behördendenken hin zum Agieren als Partner auf Augenhöhe.

Für die zukünftige Finanzkraft durch Gewerbesteuereinnahmen wird dieser Wandel eine zentrale Rolle spielen. Die Stadt muss in mobile und vernetzte Kommunikation investieren.

// Verwaltung 4.0  bis 2020 ?

Das jedoch geht nur, wenn auch die Verwaltung zu einer modernen Verwaltung wird, nur so kann sie den Rahmenbedingungen und Bedarfen einer zunehmend veränderten Umwelt gerecht werden. Gütersloh muss im Können und im Handeln digitaler werden. Das Ziel ist eine Verwaltung 4.0 bereits 2020, das schließt eine digitalfähige Wirtschaftsförderung mit ein.

Foto: ak2012

Die Langversion findet sich auf Blickpunkt aus Gütersloh.