Wasser wird knapp – hier und im Himalaya

Update vom 7. Juni 2017: Auch in Schweden ist der Wassermangel ein Thema. Die zuständigen Behörden haben das Motto ausgegeben, nur noch 30 Sekunden Duschen. Ein Beitrag schon von März 2017 dazu im SWR. 

Internationale Politik findet seine Entsprechung oft direkt vor unserer Haustür. Der Klimawandel ist so ein Thema. Längst klopft er direkt bei uns an die Tür. Ein Beispiel ist die Wasserknappheit in den Kreisen Herford und Minden in Ostwestfalen-Lippe. Trinkwasser ist knapp. Die verantwortlichen Verwaltungen warnen derzeit, Wasser möglichst sparsam zu verwenden, weil die Vorräte überschaubar vorhanden sind. Ursachen: trockener Winter und heiße Tage bereits im Mai. Wir sprechen nicht über Indien, Bangladesch oder Afrika. Wir sprechen über einen Landstrich mit mitteleuropäischem Klima in einer wirtschaftlich prosperierenden Region. Wasserknappheit findet bei uns statt.

Damit sind wir mit einem Thema konfrontiert, welches Verhaltensänderungen auch in unserem eigenen Lebensalltag notwendig macht. Der Umgang mit schwindenden Ressourcen ist uns neu. Es braucht Ideen und Technologien, wie mit dieser neuen Verantwortung umzugehen ist – und wie die Veränderungen intelligent steuerbar sind. Im wahrsten Sinne braucht es dazu mehr an künstlicher Intelligenz – Rechnerleistung, Daten, Datenauslese, Datenvisualisierung. Ein Beispiel könnte ein City-Dashboard sein:

Das Foto zeigt ein City-Cockpit auf der CeBIT 2017.

Daten intelligent nutzen

Ein solches Kontrollcockpit ist eine Webplattform, in die alle zur Verfügung stehenden Daten einfließen. In Echtzeit. Öffentlich einsehbar für alle. Quellen für solche Daten können sein:

  • Umweltdaten
  • Wetterdaten
  • Verbrauchsdaten der Stadtwerke
  • Energieverbrauchsdaten
  • behördlich erhobene Daten
  • zivilgesellschaftlich erhobene Daten

Aus diesen zusammengetragenen Daten entsteht ein Überblick, über den aktuellen Stand wie etwa über den Wasserverbrauch einer Stadt. Die Datenlieferung in Echtzeit lässt eine direkte Steuerung zu, die auf den aktuellen Bedarf reagieren kann: Jeder kann individuell reagieren, Entscheider haben eine Datenbasis als Entscheidungsgrundlage für das Gemeinwohl, die für jedermann nachvollziehbar ist. Bei Wasserknappheit könnte das bedeuten, dass etwa Schwimm-Pools nicht mehr mit Trinkwasser befüllt werden dürfen, oder Beete nicht mehr gewässert werden – oder wenn es ganz krass ausfällt, Duschen und Baden untersagt sind.

Das Foto zeigt eine Grafik, wofür wie viel Liter Wasser genutzt werden.

jeder Tropfen genutzt

In den frühen 80er Jahren habe ich in einem Wasserwerk gearbeitet. Schon damals war ablesbar, wie hoch der Wasserverbrauch in der Stadt insgesamt ist. Ein schönes Beispiel: Während eines Fußballspiels der deutschen Nationalmannschaft verbrauchen die Bewohner einer Stadt in der ersten und zweiten Halbzeit sehr wenig Wasser. In der Pause und direkt nach dem Spiel fließt um so mehr Wasser, weil dann erfahrungsgemäß die Nation auf die Toilette geht und die Wasserspülung benutzt. Das wissen die Wasserwerker – und sind darauf vorbereitet.

Neben Daten aus den Wasserwerken sind auch diese Daten von besonderem Interesse für die Steuerung – sie fristen aber leider bisher oftmals eher ein Dornröschen-Dasein: die GeodatenPortale der Kreise, in Verbindung mit Daten, die auf Ebene der Bundesländer erhoben werden und vernetzt sind. Sie sind wichtige Lieferanten von gebündelten Informationen und damit essentielle Entscheidungshilfen.

Das Foto zeigt die Landkarte von MInden mit den Pegelständen der Flüsse.

Daten nutzen

Es finden sich Umweltinformationen in Kartenform mit vertiefenden Informationen wie etwa Wasserqualität der Flüsse, Pegelstände, Niederschlagsdaten, Verortung von Grundwassermessstellen etc. Alle Informationen zusammen genommen ergeben ein Bild der aktuellen Situation der Wasserversorgung einer Region. Unerlässliche Daten, will man künftig unmittelbarer steuern und Verbrauchsstände intelligent anpassen. Man muss sie nur zusammentragen, kennen und auswerten. Eine Aufgabe, die sich über ein City-Dashboard hervorragend realisieren lässt.

Minden und Himalaya – vereint 

Ungeachtet dessen, bleibt die Aufgabe, das Schwinden von Wasservorräten grundsätzlich im Blick zu behalten. Der blaue Planet hat bereits heute große Probleme mit Wasser. Ein Umstand zeigt sich gerade im Himalaya, dem höchsten Gebirge der Welt. Hier schmelzen die 46.000 Gletscher schneller als gedacht, Wasser entweicht, Wasser wird knapp. Der Einsatz von neuer Technik macht es möglich, diese Vorgänge genauer zu untersuchen: Datenanalysen, Drohnen, die über die Gletscher fliegen und umfassendes Datenmaterial sammeln können, so dass Verläufe ganz anders visualisiert werden können und mehr Erkenntnisse liefern.

Wir lernen:

Klimaschutz, Solarenergie, Windräder, Heizung, Wasser, Verbrauch insgesamt – alles ist miteinander verbunden. Künftig sind Sensoren zu deren Verbrauchsmessung miteinander vernetzt und kommunizieren miteinander. Künstlicher Intelligenz kann dabei helfen, Infos so ermitteln und aufzubereiten, dass weniger intelligente Menschen ihre Fehler früher korrigieren können – oder sie bezogen auf das Weltklima gar nicht erst mehr begehen. Daten in Echtzeit von hier und heute helfen, unsere Zukunft zu verbessern. Zeit fürs Handeln.

Einhörner auf der CeBIT

Seltsame Wesen liefen dort herum, auf der CeBIT 2017. Ich traf das Einhorn „Unicorn“ selbstverständlich dort, wo man es am ehesten vermutet: In der Halle mit den Start-ups, die allesamt hoffen, ihre Geschäftsidee möge zum wirtschaftlichen Durchbruch reichen. Sei es nun ein Schuhdesigner, der Schuhe digital anpasst, sei es ein Anbieter für Finanzdienstleistungen, die rein digital ablaufen und keine Mittler wie Banken mehr brauchen oder sei es eine neue Plattform für Kommunikation im digitalen Arbeitsmodus oder für das Auffinden von Experten. Alle eint:

Ein steiniger Weg bis zum ersten Erfolg. Aber auch ein spannender. Am Ende steht die Möglichkeit, dass eine Idee eine ganze Branche revolutioniert.

das Foto zeigt ein Einhorn auf der CeBIT

seltsame Wesen auf der CeBIT

Unicorn

Alle sprechen drüber, Start-ups sind zum festen sprachlichen Bestandteil in unserer Betrachtung von Wirtschaft und Arbeit geworden. Im besten Fall wünschen sich alle eine substantielle Gründerszene, die den Anschluss hält. Nur: Wie entstehen die eigentlich? Wie sollten die Rahmenbedingungen sein, ein Klima des Gelingens? Das ruft unweigerlich auch die Kommunen auf den Plan. Irgendwo müssen sie ja „gründen“, diese neuen Unternehmen. Gut, wenn Kommunen sich auf diese neue Klientel einstellen, Kompetenz aufbauen, sich selbst fit machen für die neuen Geschäftsentwicklungen. Wirtschaftsförderung muss digital gedacht werden. Das Land NRW ist unterwegs mit dem Ansatz „digitalWirtschaft NRW“ und bringt es auf den Dreiklang: Köpfe, Kapital und Märkte.

Wer gründet, braucht Köpfe. Kommunen blicken auf vielfache Orte, an denen diese wirken: in den Betrieben, in den Schulen, wenn vorhanden in den Unis oder FHs. Stimmt das Umfeld und die Räume zum Ausprobieren, können Köpfe ihre Ideen entwickeln. Es braucht ein Klima des kreativen Aufbruchs.

Wer gründet, braucht Kapital. Sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene sind Fördertöpfe für Start-ups aufgesetzt. Allerdings sind die Wege noch lang und bürokratisch, um die Gelder abzuschöpfen. Zudem fehlt oft die Kompetenz und der Weitblick von Geldgebern, welche Chancen in Ideen stecken. Die Vergabe verläuft oft nach alter Tradition, die Latten liegen hoch. (Wer schon mal einen Kredit beantragt hat….)

Gleiches gilt für die kommunale Wirtschaftsförderung: Es empfehlen sich für Kommunen: digitale Scouts oder auch digitale Dolmetscher, die die bisherige analoge Welt in die digitale übersetzen können. Das aber ist nur ein Einstieg. Längst sind es grundsätzlich digitale Geschäftsmodelle, die es zu denken gilt. Lediglich bestehende Prozesse digital zu machen, wird keinen Bestand haben. Das ist nicht gefragt. Es braucht Beispiele, was Digitalisierung im individuellen und kommunalen/regionalen Kontext an Mehrwert bringen kann, es braucht Innovationszirkel, es braucht einen aktiven Wissenstransfer, die Öffnung zu Impulsgebern, es braucht Stakeholder-Dialoge und die Nähe zum Kunden, die ihre Wünsche und Bedarfe bezogen auf Produkte formulieren. Große Schritte auch für Kommunen und ihr Personal.

Das alles und viel mehr summiert sich in einem veritablen digitalen Kulturwandel. Wobei außer Frage steht, ob „wir“ das wollen oder nicht. Es passiert bereits. Die Frage stellt sich, wie uns der Anschluss gelingt, mit Teilhabe aller und Chancen für alle. Das Unicorn ist Sinnbild für diesen Wandel. Es existiert. Ich habe es gesehen. Fangen wir es ein.

Industrie 4.0 – Arbeit 4.0 – Mensch 4.0

Die CeBIT zieht Jahr für Jahr digitale DNA nach Hannover. Aber immer mehr auch das interessierte Publikum, welches sich für die zunehmende Digitalisierung in ihrem Alltag interessiert. So wie ich.

Hier mein kleiner Eindruck von einem rein digitalen Arbeitsprozess in einer eigens für die CeBIT simulierten Produktionskette von Yasakawa Europe (Eschborn), ein Unternehmen, welches Robotertechnik, Anlagenbau, Antriebstechnik etc. im Programm führt. Von hier aus wird digitales Denken und Produzieren in die Werkhallen weltweit exportiert.

Ziel der beeindruckenden Vorführ-Anlage: die Zuschauer konnten sich auf einem Tablet ein „Auto“ der Wahl aussuchen: pink, orange, blau, grün oder schwarz. „Mein Auto“ sollte ein grünes sein – so tippte ich den Wunsch auf dem Tablet des Vorführers ein. Die Roboter stellten dies innerhalb von 9 Sekunden her. Die Arbeitsschritte: Aussuchen der notwendigen Bestandteile, Zusammenfügen und Auslieferung über Band. Einziger menschlicher Handgriff: das Überreichen an den staunenden Messebesucher.

Die Produktion bei „meinem Auto“ lief dabei aber nicht ganz reibungslos. Es hakte in der Zusammenführung von Unterbau und Dach. Bei der Auslieferung auf Band musste ein klein wenig nachgeholfen werden, durch eilig herbeihüpfende menschliche Hilfe wurde die beiden Elemente nochmals kurz festgesteckt – bevor ich es aus der Produktion in Empfang nehmen konnte. Will sagen: künftige Kunden entscheiden mit, wie ihr Produkt aussehen wird. Künftige Produktion wird eine durch Arbeit 4.0 sein: Nur noch hochspezifizierte Fachkräfte sind am Werk, die Fertigung verläuft digital. Künstliche Intelligenz verrichtet die schwere Arbeit, künstliche Intelligenz steuert. Der Mensch macht derweil anderes – jedenfalls nicht mehr im Blaumann produzieren. Wir müssen längst umdenken, was Arbeit künftig bedeutet: Unsere Definition über Arbeit wird anders aussehen, Bezahlung wird anders sein müssen, Ausbildung wird digital sein.

Das Foto zeigt ein Spielzeugauto auf meinem Notebook.

digital montiert, geliefert

 

Gesichter faken leicht gemacht

Auf der Cebit stellten auch Behörden ihre aktuellen Themen aus. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung war mit acht Projekten vertreten.

Am spannendsten fand ich das Projekt „FeGeb“, welches an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg angesiedelt ist: „Fälschungserkennung für die Gesichtsbiometrie“.

Das Foto zeigt Masken und technisches Gerät zur Gesichtserkennung.

Gesichtserkennung

Automatische Gesichtserkennungssysteme könnten durch Masken oder durch Fotos getäuscht werden. Wie kann man sich davor schützen? Wie kann man Fakes, also künstliche oder verfälschte biometrische Veränderungen, erkennen? Ein aktives Nahinfrarot-Kamerasystem kann echte von unechter Haut unterscheiden. Egal, welches Alter oder welcher Hauttyp vorliegt. Ziel dieser Anwendung ist die Verbesserung der Sicherheit an Grenzübergängen, bei der Überwachung von Flughäfen und Großsportstätten und in allen weiteren Anwendungen, in denen Sicherheit über Gesichtserkennung zum Tragen kommt. Geforscht wird daran bereits seit drei Jahren.

Projektpartner sind übrigens u.a. das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik und Firmen, die in Sachen Sicherheit unterwegs sind. Am Infostand fand ich Roland Koch vor, der sich informieren ließ.

Das Foto zeigt Masken und technische Geräte diese zu erkennen.

Wie sicher sind Gesichter?

Die Forscher werden sich aus gegebenem Anlass daher sicher auch für dieses Novum interessieren: Es gibt einen Live Leak, wie man Gesichter künftig im laufenden Bild faken kann. Das Tape heißt „Real time Facial Reenactment“ – was so viel bedeutet wie: Nachstellung von Gesichtern in Echtzeit. Die Demo ist gemacht von Forschern der Uni Nürnberg, Max-Planck und Stanford.

So ist es möglich, Bewegtbildern in Echtzeit eine gänzlich andere Richtung zu geben, als sie dies in echt eigentlich waren. Man denke hier an die zahllosen Möglichkeiten zur Manipulation von Bildern zu politischem Führungspersonal.

Da ich das Video hier nicht einbetten kann, bleibt nur der Klick auf diesen Link, um einen Eindruck zu bekommen, was bereits möglich ist. Und wie unsicher man sich jetzt schon sein darf über Dinge, die echt sind oder ein Fake.

Garn und Stoff denken künftig mit

Ostwestfalen blickt auf eine regelrecht „stoffliche“ Geschichte zurück: hier waren mal sehr viele Textilhersteller verortet und Webstühle bilden die Grundlage der wirtschaftlichen Prosperität der Region von vor hundert Jahren. Heute sind Textilien, Garne und Stoffe ein disruptives Geschäftsmodell: sie werden smart. Sie liefern Daten in Echtzeit und sind Geschäftsmodelle für Industrie 4.0. Wenn man denn den Trend erkennt.

das Foto zeigt Garne in verschiedenen Farben, künftig werden sie Sensoren in sich tragen.

Textilien werden smart

Diese Analogie ist mir im Rahmen der CeBIT aufgefallen: Am Infostand des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie in Halle 6 gab es verschiedene Vorträge. Einer davon: „Smart Textiles – Future Automated Production Technologies“, gehalten von David Schmelzeisen, RWTH-Aachen, Institut für Textiltechnik und Lehrstuhl für Textilmaschinenbau. Er zeigte sehr anschaulich an welchen Projekten die RWTH arbeitet und machte deutlich, welche Umwälzung wir auch hier künftig erfahren werden.

Das Foto zeigt einen Referenten zum Thema smarte Textilien.

der denkende Stoff – Textilien werden smart

Garne werden heute mit leitfähigen Schichten ummantelt, leitfähige Garnstrukturen in Form der Stricktechnologie umgesetzt: Karbon-, Glas-, Basalt-, Aramid-, Natur-, thermoplastischen und Keramikfasern, sowie metallisierter Garne. Leitfähige Textilien werden auch durch traditionelle Textilprozesse hergestellt – und stellen in ihrer Anwendung doch alles auf den Kopf. Ihre Anwendung liefert künftig Daten in Echtzeit. Egal ob personenbezogen oder für Materialien und deren Verschleiss. Und Textilien werden künftig Träger von smarten Applikationen sein, je näher am Menschen digitale Funktionen ausgeübt werden können, desto besser.

// Disruptive Geschäftsmodelle 

Gerade der Bereich der Textilherstellung hat einen rasanten Wandel erfahren. Es bietet sich förmlich an, anhand dieser Historie „disruptive Geschäftsmodelle“ zu erläutern. Anfangs waren es manuell bedienbare Webstühle, die in den Stuben der eher ärmlichen Katen standen. In der industriellen Revolution kamen die Maschinen dazu, die in England längst schon reihenweise am Werk waren: Webstühle standen jetzt in Fabriken. Sie verdrängten das Handwerk, schafften aber ganz neue und viel effizientere Produktionsverfahren – und veränderten die Arbeit im Handumdrehen. Damit verbunden war der „Maschinensturm“ und auch wurde die „soziale Frage“ gestellt, der Beginn einer neuen Zeit. Keiner konnte sich dieser Entwicklung entziehen. Heute erleben wir einen weiteren Quantensprung, den man sich vor kurzem noch nicht hätte vorstellen können. Smarte Garne? Smarte Textilien? Die Reaktion wäre ein Kopfschütteln gewesen. Wir stehen wieder vor neuen Fragen und neuem Ausloten, wie wir künftig arbeiten wollen und wie wir disruptive Geschäftsmodelle nutzen können. Wenn sie denn als Chancen erkannt und umgesetzt werden.

Hier nur ein paar wenige Projekt-Beispiele aus dem sehr aufschlussreichen Vortrag von David Schmelzeisen, die die Wucht der (notwendigen) digitalen Veränderungen verdeutlichen:

// Überwachung 

Überwachung muss nicht schlecht sein. Textile Elektroden, also in smarter Kleidung, überwachen etwa die Vitalität eines Menschen, übernehmen eine Art Gesundheitsmonitoring. Hier ist beispielsweise die Messung des Flüssigkeitslevels im Körper zu nennen, sie kann zu gering oder auch zu hoch sein. Die Vitalfunktionen werden erfasst, etwa die Temperaturmessung. Textile Thermoelemente aus Edelstahlgarnen und Konstantanfilamenten erkennen Druckstellen, etwa beim längeren Liegen oder auch bei Arbeitsbekleidungen. Im Fokus stehen dabei besondere Benutzergruppen wie ältere Menschen, Sportler und Risikopatienten. Der Referent brachte zudem das Beispiel von Evakuierungsmatten, die künftig digital werden. Sie könnten bereits beim Transport wichtige Ergebnisse liefern, was die Vitalwerte von geretteten Menschen angeht. Erreichen sie dann einen Rettungswagen oder ein Krankenhaus, liegen dort schon die (über)lebenswichtigen Messdaten in ihrem Prozessverlauf vor: die Matte hat sie qua Sensoren in Echtzeit übertragen. Dass smarte Garne künftig auch in normalen Matratzen in Betten verarbeitet werden können und Impulse für Wärme, Kälte oder auch Bewegung und das Einführen von Duftstoffen möglich macht, ist schon fast naheliegend. Man nennt das dann Bewegungs- und Zustandsüberwachung.

Ein weiteres Beispiel ist die Sportbekleidung, hier kommt neben der Vitalmessung in Echtzeit für Sportler auch noch der Sicherheitsaspekt dazu: wie etwa bin ich als Sportler im Dunklen beleuchtet? Auch das liefert künftig das denkende Textil in dem ich gekleidet bin passgenau mit. Die Frage bleibt: Darf eine Sportbekleidungs-Firma diese Daten für sich in Anspruch nehmen?

Packend ist auch der Einsatz von smarten Textilien etwa bei Feuerwehrleuten, die neben ihrer Ausrüstung noch ein ganzheitliches denkendes Einsatzsystem um sich haben werden, wenn sie in ihre Berufskleidung steigen: Jacken und Rettungsleinen, die mitdenken und Daten übermitteln, helfen dem Helfer und machen den Job zukünftig noch sicherer, während er für die Sicherheit anderer Menschen im Einsatz ist.

Diese Entwicklung zeigt: Wo für die textile Branche die rote Laterne brennt oder brannte, könnten sich ganz neue Geschäftsfelder aufschließen. Man muss sie nur sehen, erkennen.

// Materialien werden überwacht 

Auch Bänder und Seile gehören hier in das intelligente Portfolio. Sie könnten qua Sensoren Aufschluss über ihren Verschleiß geben oder über den Grad ihrer Belastung. Bei der Verwendung von Seilen zur Sicherung in Berührung mit Wind und Wasser sind vor allem Wetterdaten wichtig, die einen Hinweis auf die Herausforderung und Beanspruchung der Sicherung geben. Beispiele sind die Sicherung von Schiffsladungen oder Windkraftanlagen bei offshore Witterungssystmen, man nennt das flowting systems. Man denke zudem an Aufzugseile oder Fallschirmseile. Das geht bis hin zur Begutachtung des Zustandes und konkreter Vorhersage des Restlebensdauer des Materials.

// smart Leuchten 

David Schmelzeisen zeigte auch Aspekte der Beleuchtung auf: Textilien werden mit Leuchtgranen versehen, die eine punktgenaue Beleuchtung ermöglichen oder aber einen zeitindividuellen Einsatz und eine immanente Steuerung. LED auf Textilien ist inbegriffen, ebenso wie hybride Strukturen mit diffusen Lichteffekten. Je nach Einsatzort.

// smart durch Falten 

Besonders war auch die Interaktion zwischen Stoff und Nutzern: haptisch-intuitives Ansteuern von Funktionen etwa durch das Infaltenlegen von Stoffen. Einfacher: wenn ich meinen Pullover zwischen den Fingern knittere, wird eine Funktion eingeschaltet. Oder aber die Näherungs- und Berührungssensorik löst eine Handlung aus. Alles möglich durch mitdenkendes Garn oder intelligente Stoffe.

Ein letzter Aspekt soll nicht unerwähnt bleiben, weil er auf den Smart City Gedanken einzahlt: wenn künftig textile Oberflächen in der Lage sind, Energie zu speichern, bekommen Hausfassaden und auch Stadiensegel etc. eine ganz enorme Bedeutung.

// Tastatur auf Stoff

Und auch das Aufdrucken von Tastaturen auf textile Flächen werden die Bedienerfreundlichkeit von weiteren „Anwendungsgeräten“ künftig revolutionieren. Wozu noch ein Smartphone in die Hand nehmen, wenn dieses „auf der Fläche“ der Kleidung integriert ist?

Faszinierende Eindrücke waren das. Und Erkenntnisse darüber, dass und wie Disruption überall stattfindet. Nur leider der Denk- und Diskussionsansatz darüber eher wenig verbreitet ist. Obwohl er uns alle betrifft.

Ein Vortragender zum Thema smarte Stoffe auf der CeBIT.

der Faden wird smart

Startups – Willkommen in (je)der Gemeinde als Zukunftsvorsorge

Der digitale Wandel verändert so ziemlich alles. Auch und gerade die Wirtschaft. Die Kommunen sind gut beraten, sich mit den digitalisierten Vorgängen vertraut zu machen, wenn sie etwa ihre Wirtschaftsförderung wirksam gestalten wollen. Ein wichtiger Baustein wird künftig sein, Startups an sich zu binden. Oder deren Entstehen mit den passenden Rahmenbedingungen zu ermöglichen.

Das Foto zeigt ein Playmobilmännchen, welches an einer Platine sägt.

Wirtschaft digital Foto by Jens Schröder

// Neugründungen

Die „neue digitale Welt“ wird nicht selten an ihrer Dichte von Neugründungen von Unternehmen gemessen: Neudeutsch ist die Rede von Startups. Junge Unternehmen, die sich mit (digitalen) Geschäftsmodellen oder innovativen Problemlösungen auf den Weg machen und Dinge/Prozesse entwickeln und an den Markt bringen, die bisher nicht erdacht oder erfunden wurden. Es geht um die Erschließung von neuen Märkten, insbesondere ist hier der Technologiesektor angesprochen wie Online-Handel, Finanztechnologie, Anwendungssoftware etc. Industrie 4.0 gehört genau so dazu wie Ideen um den Bereich Arbeit 4.0. mit neuer Wertschöpfung. Jede Kommune wird sich also freuen, Startups in ihrem Hoheitsgebiet begrüßen zu können. Sie versprechen den Aufbruch in die digitale Welt und generieren nicht selten auch eine Sogwirkung für andere und sind Vorbilder für den digitalen Brückenschlag, wo andere Firmen noch nicht so richtig wissen, wie Digitalisierung geht.

// CeBIT und digitale Wirtschaft NRW 

Auf der CeBIT in Hannover gab es reichlich Anschauungsmaterial, besonders beim Stand von #DigitaleWirtschaftNRW. Es präsentierten sich hier neun Startups aus NRW. Hier habe ich den Co-Founder von TalkaboutJack, Dr. Hanke Wickhorst, getroffen. Sein Startup befasst sich mit Micro Social Networks. Es heißt „Talk about Jack“ und bietet die Chance, ein solches Micro-Netz für die eigenen Bedarfe aufzubauen. Es ist ein Portal, „welches Themen-basierte Diskussionskanäle anbietet. Diese können sowohl live, wie man es von Chat-Räumen kennt, als auch asynchron, analog eines Diskussionsforums, genutzt werden. Die Kanäle werden mit Webseiten, denen das entsprechende Thema zugrunde liegt, verknüpft.“ – so steht es als Beschreibung auch auf der Homepage von DigitaleWirtschaftNRW. Reinschauen lohnt sich.

// Statement Dr. Hanke Wickhorst 

Ich habe ihn um ein kurzes Statement gebeten, u.a. die Frage gestellt, was Kommunen tun müssten, um junge Gründer zu fördern oder für sich zu gewinnen:

// Kapital mit Risiko

Gründer handeln in der Regel sehr risikofreudig. Das ist nicht nur in NRW so, sondern grundsätzlich. Sie sind dabei keine Spieler, sondern testen aus, wo andere keine Ideen oder Phantasie entwickelt haben. Dafür braucht es spezielles Kapital. Kapital, welches in der traditionellen Vergabe an unzählige Formalia gebunden ist – und in der Regel von Menschen vergeben wird, die wenig bis keine Ahnung von Startups haben.

Im Deutschen Startup Monitor ist eines der Ergebnisse: „Als wichtigste Kapitalquelle bei der Finanzierung nennen die allermeisten Startup-Unternehmer (79,9%) die eigenen Ersparnisse, gefolgt von der Unterstützung durch Freunde und Familie (32%). Immerhin jeder Fünfte (20%) hat sein Unternehmen unter anderem mit Venture Capital finanziert – jeder Dritte mit der Hilfe von Business Angels (29,7%). Mithin sind die Business Angels die wichtigsten externen Kapitalgeber.“ 

Im Grunde kann man es sich als Wirtschaftsstandort nicht leisten – nicht über Startups und deren Förderung nachzudenken. Viele Kommunen aber sind davon weit entfernt, ihre Wirtschaftsförderung fußt weitestgehend noch auf traditionelle Themen aus dem 20. Jahrhundert, wo es vielfach um „Gewerbegebiete“ geht, nicht einmal um eine gute Breitbandversorgung, schon gar nicht um Kapital.

// Monitoring Startups 

In der globalen Welt gehört Deutschland übrigens nicht zu den gründerfreundlichsten Nationen. Der „Deutsche Startup Monitor 2015“ gibt einen guten ersten Überblick mit Zahlen und Fakten, wo Deutschland steht. Klar wird hier: ein Umdenken wird notwendig sein. An der Entwicklung sollten sich auch die Kommunen beteiligen. Denn wie Dr. Hanke Wickhorst schon im Video unterstreicht: Es gibt genügend Nerds in den Kommunen. Für kommunale Wirtschaftsförderer bedeutet dies: sie finden, ermutigen und fördern. Dazu müssen die Verantwortlichen wissen, wie diese potenziellen Gründer ticken.

Startups werden künftig zentraler Bestandteil der Wirtschaft sein. Sie rücken künftig auf den Platz, den der heutige Mittelstand jetzt noch einnimmt. Wer seine Kommune also fit machen will für die Zukunft, darf dieses Thema nicht außer Acht lassen. Das gilt für Verwaltung ebenso wie für die heimische Politik, die auch in Gremien sitzt, die Kapital locker machen können. Ein kommunales Monitoring wäre hilfreich: Was tut sich in meiner Kommune – oder noch besser: wo läge Potenzial.

Drohnen – die bald Alleskönner

Auf der CeBIT in Hannover gibt es eine eigene Halle 16, die dem Fliegen von Drohnen und dem Thema „Drohnen“ an sich gewidmet ist. Sehr beeindruckend.

Das Foto zeigt eine Halle, in der Drohnen getestet werden.

Fliegen und liefern

Das Thema Drohnen nimmt hier einen breiten Raum ein. Das Format DRONEMASTERS bietet den Innovatoren einen eigenen Raum. Diskutiert wird über den Einsatz von Drohnen in sämtlichen Sektoren und Branchen. Ziel ist, die Mischung aus Spaß und Business. Es geht hier aber knallhart auch um Lösungen für globale Herausforderungen, neue Geschäftsmodelle und die Beschleunigung des technischen Fortschritts.

Das Foto zeigt ein Werbeplakat für einen Drohnengipfel.

Ein eigener Gipfel für die Drohnen.

Hier ein paar ganz kleine Impressionen von Beschaffenheit und Flugkunst, die in meinem kleinen Tape leider zu einer Bruchlandung geführt hat. Aber so schnell wie die kleinen Flitzer abstürzen, so schnell sind sie auch wieder in der Luft. Eine Menge Bastel- und Tüftlerarbeit steckt da drin. Und eine Menge Sachverstand. Wir werden das Thema Drohnen noch verstärkt erleben:

Das Foto zeigt eine Drohne in futuristischem Outfit, sieht fast aus wie ein Insekt.

Drohne futuristisch

Und hier in Aktion:


Neben filigranem Fluggerät geht es auch derber: etwa mit der Kapazität des Lasten-tragens:

Das Foto zeigt eine riesige Drohne mit sechs Rotoren und der Kapazität Pakete zu transportieren.

Mit Transportkapazität

Das Foto zeigt eine Drohne im Testflug.

Im Testflug erfahren.

Die Begeisterung für die neue Technik ist nach wie vor da. Ich verweise aber auch auf meinen Blogpost über die notwendige Diskussion dazu – und über die Registrierung, die bisher fehlt.