Appell für einen Gütersloher Flüchtlingsgipfel

Wir sind weltoffen

Wir in Gütersloh sind weltoffen, tolerant und hilfsbereit. Wir stehen für ein gemeinsames Zusammenleben in Vielfalt. Damit das so bleibt und die Stadtbevölkerung insgesamt ein Zeichen für eine Willkommenskultur setzt, brauchen wir einen Gütersloher Flüchtlingsgipfel. Hier können wir gemeinsam darüber ins Gespräch kommen, wie das künftige Zusammenleben in Vielfalt aussehen soll und kann. Diesen sollten Bürgermeister Henning Schulz und der Ältestenrat bestehend aus den Fraktionsvorsitzenden aller Fraktionen im Rat gemeinsam einberufen.

Das Foto zeigt das Rathaus, welches die Abenddämmerung in den Fenstern spiegelt.

Rathausimpulse

Langfristige Perspektive

Die Flüchtlingsaufnahme und die Integration in Vielfalt ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Zahlreiche Initiativen und Netzwerke widmen sich bereits der Hilfe. Die Aufgaben aber wachsen. Die Zahlen der Flüchtlinge, denen wir helfen wollen, ist gestiegen und damit auch die nachhaltigen Herausforderungen, die sich für die Zukunft stellen. Es geht nicht allein um die Unterbringung in den ersten Monaten. Es geht um eine langfristige Perspektive des Bleibens und der Integration. Diesen Weg kann man nur als Stadtgesellschaft gemeinsam beschreiten.

Zivilgesellschaft beteiligen 

Diese Aufgabe braucht alle Menschen, die in Gütersloh leben. Sie braucht auch die Mithilfe der Flüchtlinge. Alle müssen sich zur Zivilgesellschaft zusammenfinden und miteinander darüber ins Gespräch kommen, wie das Zusammenleben künftig gestaltet werden kann. Dazu muss man die Zivilgesellschaft insgesamt in diesem Prozess mitnehmen und konkret beteiligen.

Es setzt bereits ein Zerfasern der Meinungen ein, das nicht unerwähnt bleiben darf. Mut und Unmut gehören zusammen diskutiert.

Flüchtlingsgipfel 

Ziel eines Gütersloher Flüchtlingsgipfels ist das gemeinsame Identifizieren von Möglichkeiten und der Austausch. Am Ende kann ein gemeinsam ausgehandelter Gesellschaftsvertrag stehen, der festhält, wie wir das Zusammenleben in Gütersloh gestalten wollen. Gütersloh entwickelt eine zivilgesellschaftliche Resolution zur Willkommenskultur und zeigt Haltung.

  • Der Prozess ist begründet auf Teilhabe aller unter der Voraussetzung von Transparenz und Verbindlichkeit.
  • Alle Fakten sind verfügbar: Zahlen, Kosten, Personal, Hilfen.
  • Möglichkeiten der konkreten Hilfe, Unterstützung oder Fähigkeiten werden ausgetauscht, Netzwerke erweitert oder gebildet.
  • Vereinbarungen werden geschlossen.
  • Die Koordination erfolgt durch die Zivilgesellschaft selbst, wobei das Orga-Team einen Querschnitt dieser darstellt.
  • Das Portal des Bürgerhaushaltes wird als digitale Plattform für den transparenten Austausch genutzt.
  • Überprüfung der Vereinbarungen und des Erreichten nach sechs Monaten.

Haltung einnehmen 

Die Menschen in unserer Stadt haben bisher einen pragmatischen Integrationsoptimismus bewiesen. Sie sind kreativ in der Vernetzung, Selbstorganisation und Organisation von konkreter Hilfe. Setzen wir unsere demokratischen Möglichkeiten ein, damit das so bleibt. Setzen wir einen öffentlichen Dialog in der Bevölkerung in Gang, damit die Haltung zur Willkommenskultur auf allen Schultern getragen und gelebt wird, fernab von Parteipolitik oder Partikularinteressen. Fair und offen.

Eine neue Heimat geben

Die Thematik und das Schicksal der Flüchtlinge in Deutschland ist zur Zeit beherrschendes Thema. Heute möchte ich gerne den Fokus auf die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge (im Behördendeutsch heißt das kurz UMF) lenken – und die Frage stellen, wie eigentlich Gütersloh damit umgeht. Hier ist besondere Sorge gefragt.

Das Bild zeigt ein Schild mit der Aufschrift "Zugang".

Heimat für Kinder schaffen

Sprechen wir über die Aufnahme von Flüchtlingen, müssen wir uns darüber klar sein, dass die Menschen lange Zeit bleiben werden. Insbesondere die Kinder und Jugendlichen, die unbegleitet hier ankommen, werden bleiben. Und wir sollten auch wollen, dass sie bleiben. Was heißt das aber konkret als Handlungsauftrag für die Stadt? Die Kinder- und Jugendhilfe ist eine kommunale Aufgabe.  Zudem dürfen die Minderjährigen Asylanträge nicht selbst stellen, zudem sprechen sie kaum Deutsch.

Die Minderjährigen erhalten daher einen Vormund. Der wird oft von Amts wegen gestellt oder auch durch Ehrenamtliche.

Gute und schnelle Lösungen sind gefragt. Mir ist es ein Anliegen, dass sich die Kommune hier besonders offen und kümmernd einbringt.

Hintergrund: Werden unbegleitete minderjährige Flüchtlinge an der Grenze aufgegriffen, leitet die Bundespolizei diese grundsätzlich dem Allgemeinen Sozialen Dienst des örtlichen Jugendamtes, der sie in Obhut nimmt und sich kümmert. Geprüft wird, ob es Verwandte gibt, die bereits in Deutschland leben. Ist das nicht der Fall, kommen Jugendwohnen, stationäre Einrichtungen oder Jugendwohngruppen als Unterbringungsorte in Betracht. Die erste „Kontaktkommune“ bleibt dann für den gesamten Behördenprozess der Regelung Ansprechpartner (Identitätsfeststellung, Gesundheitsprüfung, Vormundschaft etc.) Die Kosten der Jugendhilfemaßnahmen werden im Rahmen eines bundesweiten Verfahrens erstattet. (so schreibt es zudem der BehördenSpiegel in einer Information dazu.)

Asyl und Kinder – Chancen früh ermöglichen

Der Arbeitskreis Asyl hatte einen umfangreichen Fragekatalog zum Thema „Asyl“ geschickt. Hier mein wichtigstes Anliegen: Kindern und Jugendlichen so früh wie möglich alle Chancen zu ermöglichen.

Das Foto zeigt Luftballons, die in den Himmel aufstreben.

Chancen für Flüchtlingskinder durch frühe Integration

Kinder und Jugendliche besonders im Blick

Mir ist insbesondere der Punkt wichtig, wie sich die Situation der Flüchtlingskinder und -jugendlichen gestalten lässt, so dass die Chancen auf eine schnelle Integration sofort genutzt werden können. Dazu braucht es zunächst Datenmaterial – und die Sensibilität des Fachbereiches und der Politik. Bisher ist dazu nichts erkennbar.

Hier nun die konkrete Frage des AK Asyl:

Frage 8: Mit Blick auf Flüchtlingskinder und -jugendliche:
Was muss Ihrer Meinung nach ein Konzept für Kinder und Jugendliche enthalten, damit sie von Anfang an in Gütersloh gute Startbedingungen haben? Welche Auswirkungen müsste Ihrer Meinung nach das Konzept auf Kindergärten und Schulen haben?

Ein Konzept für Kinder und Jugendliche muss in erster Linie von allen Beteiligten entwickelt und getragen werden, die mit der Materie vertraut sind. Es kann nicht „von oben herab“ oder vom „grünen Tisch“ aus verordnet werden. Also müssen auch Kindergärten und Schulen mit am Tisch sitzen.

Im Zentrum müssen die Kinder stehen: Was brauchen sie am dringendsten und wie kann man das gewährleisten. Sind hier besondere Bedarfe zu berücksichtigen, etwa für traumatisierte Kinder. Wie kann man die Eltern der Kinder mit einbeziehen, so dass gleichzeitig auch Sozialkontakte entstehen können, die auf eine langfristige Integration hinführen?

Was zu vermeiden ist: die Kinder zentral unterzubringen und einer Schule oder einem Kindergarten die gesamte Aufgabe stellen, weil diese angeblich besonders geeignet sei. Das bezweifele ich.

Auch die Sozialraumgemeinschaften müssten mit ins Boot. Quartiersscharf könnten dann so konkrete Angebote geschaffen werden, die auch die Freizeit und den Alltag der Kinder im Blick haben.

Insgesamt sehe ich diesen Punkt als einen der dringendsten an, den es in der Stadt Gütersloh in den Blick zu nehmen und zu lösen gilt. Kinder und Jugendliche bedeuten Zukunft. Und wir sind aufgerufen, ihnen überhaupt eine solche Zukunft zu ermöglichen.

Die insgesamt neun Fragen und meine Antworten vom 6.8.2015 habe ich auf meinem Kommunalblog „Blickpunkt aus Gütersloh“ in voller Länge gepostet.

Willkommen in Gütersloh

UPDATE vom 3.8. – Änderung am Status Hannu Peters

UPDATE vom 6.8. – Änderung: natürlich möchte ich auch noch schreiben, wer die Gruppe gegründet hat: Tobias Bonnekoh.

Das ist phantastisch: Willkommen in Gütersloh – die Seite auf Facebook hat mittlerweile 550 Follower in nur knapp 10 Tagen. Die Plattform ist spontan von Güterslohern zur Flüchtlingshilfe eingerichtet worden. Unter anderem informieren hier Hannu Peters und Aktive der Malteser Hilfsdienstes täglich über den aktuellen Bedarf der Hilfe für die Flüchtlinge in den beiden Gütersloher Sporthallen.

Willkommen in Gütersloh

Durch die täglich aktuellen Listen, die Hannu Peters online stellt, können alle Hilfsbereiten ganz gezielt helfen, so dass direkt auf die Bedarfe eingegangen werden kann und nichts verpufft. Hier finden sich Fragen nach Babybekleidung, nach Tischen sowie konkreten Einsätzen beim Kleidersortieren mit Zeit- und Ortsangaben.

Das begeistert mich und zeigt, wie wirksam und konkret eine vernetzte Bürgergesellschaft in Echtzeit zusammenarbeiten kann – ohne große Hierarchiesprünge, die Community findet sich einfach zusammen. Sicher ist die mangelnde digitale Vernetzung in den Verwaltungen auf allen Ebenen im Gegensatz zu solch einer zivilen Effektivität ein zentrales Problem. Die digitalen Möglichkeiten sind hier noch nicht etabliert. Um künftig wirksamer zu sein, besteht hier Nachholbedarf. Eins meiner Lieblingsthemen.

Aber zunächst: Danke an alle Aktiven. Super!

Flüchtlinge sind willkommen

Ich war zu Gast in der Kolpingfamilie. Die katholische Gemeinde hatte Vertreter der Stadt Gütersloh eingeladen, die über das Thema Flüchtlinge in der Stadt Gütersloh berichteten.

Diskussionsrunde Kolping

Rund 65 Interessierte informierten sich im kirchlichen Gemeindesaal neben der Pankratiuskirche über die konkreten Zahlen und Fakten zur Flüchtlingspolitik in Gütersloh. Viele von ihnen sind bereits ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe aktiv, viele haben sich an dem Abend dafür interessiert, sich künftig hier einzubringen. Es zeigt sich, dass Gütersloh eine sehr engagierte Bevölkerung hat und es zeigt sich, wie umfassend das Ehrenamt in Aufgabengebieten zum Tragen kommt, die eine Stadt nicht alleine stemmen kann.

Mehr dazu schreibe ich im Blog „Blickpunkt aus Gütersloh“.