Ohne Kabel ist keine Stadt zu machen

Sich in fremder Umgebung zurechtzufinden, ist mittlerweile kein Problem mehr. Die Welt steckt in jedem Smartphone und die zahlreichen kleinen HelferleinApps meistern, den individuellen und schnellsten Weg von A nach B: Straßenverzeichnisse, Sehenswürdigkeiten, Öffentliche Mobilität, Koordinaten. Ein Mix an Möglichkeiten steht bereit. Eine der wichtigsten Apps wäre aber wohl mittlerweile die: Wo finden sich öffentliche Steckdosen zum Aufladen von mobilen Devices alles Art? Am besten gratis. Am besten aus regenerativer Energie. Am besten ohne Datenklau. Damit die kleinen mobilen Helfer funktionieren, braucht es Ladestationen.

Das Foto zeigt eine Grafik auf der CeBIT mit dem Hinweis auf Ladestationen für mobile Devices.

ohne Kabel läuft nix – Ladestationen für Cities

Auf der CeBit fand ich genau das ziemlich gut: eine kostenlose, freie Ladestation mit ausreichend Steckdosen und vielen Sitzgelegenheiten. Super gemacht. Wäre meiner Meinung nach auch auf jede Innenstadt zu übertragen. Sogar grün produzierbar. Voraussetzung ist natürlich die Datensicherheit, d.h. kein Hacking möglich, kein Datentransfer und keine Installation von Schadsoftware. Das geht.

Besonderes Augenmerk bekam das Thema nochmal im Rahmen der Hackathons „Refugees Welcome„: Hat man einmal begriffen, wie zentral und schier überlebenswichtig die mobile und globale Kommunikation im Leben der Menschen geworden ist, weiß man, wie wichtig eben auch Ladestationen sind, die man zu jeder Zeit ohne Bezahlung nutzen kann. Warum also nicht solche Ladestationen an zentralen Orten einrichten? Warum nicht auch dazu ein eigene App für die Cities basteln – oder sie in die City-Apps mit aufnehmen – wo diese Ladestationen sind? Smart Data nutzen für ein (smartes) Leben.

Smart Data als Schild auf der CeBIT.

Smart Data als Ziel

Trauriger Platz ohne Zukunft

Ich wurde kürzlich gefragt, wo meiner Einschätzung nach der hässlichste Platz in Gütersloh sei.

Meine Antwort: der BüskerPlatz.

Eigentlich war das hier der Kern und ein historischer Ursprung von Gütersloh – der „Busch“. Heute ist es nur noch ein trostloses Pfleckchen Erde, umkreist von Autos, von Architektur, die mal modern war und geprägt vom verblassten 70er Jahre-Charme einer windschiefen Betonblumenfassung mit ein wenig sommerlicher Farbenpracht. Einzig die Uhr ist noch ein sinnvoller Blickfang mit Bewegung und Zukunft. Ein Indiz dafür, was passiert, wenn man städtische Identität verdrängt?

Was meinen Sie? Hier muss dringend etwas passieren. Wieso nicht die Bürger befragen, was hier passieren soll. Ein paar Impressionen:

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Und hier noch einige Impressionen aus anderer Perspektive:

Gemeinwohl statt Gentrifizierung

UPDATE:  ich hatte Dr. Zirbel zu dem Beitrag per mail nach seiner Haltung dazu befragt. Hier seine Antwort per Mail im wörtlichen Abdruck, ich hatte angekündigt, dass ich dazu blogge: 

Sehr geehrte Frau Dr. Knoop,

Sie werden verstehen, dass ich meine Gastbeiträge anders sehe: Zunächst sollen die Beiträge tatsächlich Werbung sein. Werbung für gute Architektur und für eine Baukultur, die auch im weitergehenden Sinne für eine andere Nachhaltigkeit Sorge tragen soll: Gute Bauwerke haben eine längere Lebensdauer als einfache Gebäude.

In Gütersloh sehe ich einen meiner Schwerpunkte – solange ich für diese Stadt bereits arbeite – im Engagement für eine veränderte Baukultur. Viele Aktionen und Aktivitäten meines Fachbereiches tragen diesem wichtigen Ziel Rechnung. Hierzu zählle ich städtebauliche Wettbewerbe, die Sicherung städtebaulicher Ziele über städtbauliche Verträge, Architekturrundfahrten, Veröffentlichungen oder unsere öfferntlichen „Stadtgespräche“.

Teil dieser Aktivitäten ist auch ein publizistisches Engagement, sowohl in Fachzeitschriften wie auch in Populärmedien. Gerade die letztgenannten Medien sind wichtig, um auch eine Klientel zu erreichen, die am Baugeschehen zwar teilnimmt, aber nicht immer mit den erforderlichen Vorauissetzungen ausgestattet ist.

Zu einem guten Bauwerk gehört immer – wir zu einem guten Gemälde – die Nennung des Urhebers. Dies ist eine Selbstverständlichkeit und eine Sache der Ehrlichkeit. Insofern sorgt natürlich ein gutes Bauwerk auch für ein Stück Werbung für den Entwurfsverfasser, genauso wie ein geschätztes Kunstwerk imemr auch auf den Urheber verweist.

Insofern lassen sich gute Bauwerke und ihre Entwurfsverfasser nicht trennen. Dass diese in meinen Beiträgen benannt werden, ist – da haben Sie Recht – eine gewisse Auszeichnung, die durch die herausragende Qualität der Bauwerkle legitimiert worden ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Michael Zirbel BDA  Stadt Gütersloh, Fachbereich Stadtplanung, Fachbereichsleitung

In dem neuen Stadtmagazin für Gütersloh findet sich ein Gastbeitrag des Stadtplaners von Gütersloh. Er schreibt über die Qualität des Bauens in Gütersloh.

In seinem Text werden zwar keine Name bestimmter Architekten genannt, in der Anmoderation der Serie aber sehr wohl. Zudem wird der Gasttext mit Häusern dieser Architekten bebildert. Zufall? Eine bessere Werbung als eine offensichtliche Empfehlung des Stadtplaners höchstselbst kann man sich kaum vorstellen!
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// Stadtentwicklung ist Verdrängung
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Interessant ist dieser Beitrag, der so harmlos daherkommt, vor dem Hintergrund der aktuellen Stadtentwicklung. Die ist offensichtlich auf dem direkten Weg in die Gentrifizierung.
In den letzten Jahren ist von einer kleinen Anzahl bekannter Architekten eine enorme Innenstadt-Fläche bebaut worden: Wohn- und Geschäftsbauten, hochpreisig, altengerecht und mit der Sogkraft, die einkommensstarke Bevölkerungsschicht anzuziehen. Diese kommt jetzt in die Altersphase. Sie haben gerade ihre auf bisher großen Grundstücken gelegenen Einfamilienhäuser am Stadtrand verkauft und wollen den Wohnruhestand nun in der Innenstadt genießen. Eben auch in der Hoffnung hier einen direkten Zugang zu kultureller und eventorientierter Lebhaftigkeit direkt vor der Tür zu haben.
Das bedeutet aber die Verdrängung von Mitbürgern mit niedrigem Einkommen aus der Innenstadt in die Ortsränder. Viele können sich die teuren neuen Wohnungen nicht leisten. Eine Mischung der Lebensverhältnisse, ein Mix der Einkommensklassen ist nicht mehr gegeben. Eine Entwicklung, die man eigentlich nur in den angesagten Großstädten vermutet. Aber sie findet auch hier statt. Bei der letzten öffentlichen Diskussion dazu hat sogar der amtierende Stadtbaurat dazu mit dem Kopf genickt.
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// Kein Beitrag zum Gemeinwesen
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Nun von einem guten Gemeinwesen zu schreiben, ist fast zynisch. Im politischen Verständnis ist der Staat zentraler Akteur, der dafür Sorge trägt, dass eine Stadtentwicklung allen  zu Gute kommt. In der Entstehung dieser hochpreisigen Bebauung durch einige Wenige ist das gerade nicht der Fall.
Die Architekten werben zudem öffentlich damit, sie würden für das Gemeinwohl bauen. Diese Äußerung wurde vor ein paar Tagen noch im Rahmen eines geplanten Innenstadt-Quartiers getätigt. Ihre privatwirtschaftlichen Interessen scheinen untergeordnet zu sein.
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 // Zurückhaltung
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Jeder kann und soll gerne sein Geld verdienen. Eine solche Entwicklung differenziert zu begleiten – das wäre allerdings die Aufgabe für einen städtischen Planer. Damit stände er im Dienste des Gemeinwohls für das er auch angestellt ist. Bei solchen versteckten werblichen Lobhudeleien allerdings wünsche ich mir strikte Zurückhaltung.
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Die Langversion findet sich auf meinem Blog „Blickpunkt aus Gütersloh“. 

Freifunk ist Zukunft

Freier und kostenloser Zugang für alle zum Internet in der Innenstadt ist eine Errungenschaft in Gütersloh, die erst durch eine Bürgerinitiative gelungen ist: Freifunk Gütersloh.

Freifunk muss bleiben!

Hier meine Videobotschaft dazu:

Wie kann ich Freifunk Gütersloh denn nutzen? 

Das ist ganz einfach: Gehen Sie in die Systemeinstellungen Ihres Smartphones in den Bereich „WLAN“.

Dort sehen das WLAN „guetersloh.freifunk.net„.

Jetzt: Auswählen, dann bestätigen (dass es sich um ein offenes WLAN handelt) und schon sind Sie drin.

Dauerhaft und ab jetzt automatisch. Keine umständlichen Anmeldeprozeduren etc.

Oder um es mit Boris Becker zu sagen: „Bin ich schon drin?“ „Ja!“

Das Foto zeigt die Einstellung in einem SmartPhone für WLAN.

Freifunk muss bleiben

Die Freifunker in Gütersloh sind sehr aktiv und haben ein schon gut tragfähiges Netz gespannt. 240 Knoten gibt es, gerade sind 671 Clients online. Bald könnte das ein Ende haben. Die Stadt Gütersloh favorisiert ein anderes Konzept zu  W-Lan in der Innenstadt. Nicht aber das Konzept „Freifunk Gütersloh“.
Die Stadt schlägt ein mit erheblichen Investitions- und Folgekosten verbundenes Angebot der  Regio IT Gütersloh vor, die dies wiederum an die österreichische Firma „freykey“ weitergeben will. Dieses Angebot bedeutet: es gibt eine Registrierung, die Zwangstrennung, Werbeeinspielungen und Zensur. Zudem ist nicht klar, was mit den Nutzerdaten passiert.  Ein freies WLAN ist das nicht!

Das Bild zeigt den ZugangsCode für ein Internetanschluss.

Die politischen Parteien waren vor einiger Zeit auf die Idee „Freifunk“ aufgesprungen und haben jeweiligs eigene Anträgen gestellt. Als Antwort darauf aber sieht die Stadt Gütersloh rechtliche Hürden bezüglich der Störerhaftung. Sie favorisiert daher nun einen kommerzieller Anbieter im Auftrag der IT Regio, an der die Stadt beteiligt ist, der diese Aufgabe in der (Innen-)Stadt übernehmen soll.

Die Nutzung des Internets durch Smartphones und Tablets ist mit unserem Lebensalltag verwoben. Rund 95 % der Bürger nutzen diese mobilen Geräte täglich rund um die Uhr. Der Zugang zum Internet ist dabei zentral. In der Regel muss man dafür zahlen und zwar an den Telekommunikationsanbieter seines Vertrages. Jeder mobile Gang kostet. Gut, wenn es Freifunk gibt, der eben nicht bezahlt wird, sondern frei zugänglich ist. Diesen freien und kostenlosen Zugang schafft Freifunk Gütersloh. In vielen anderen Städten Deutschlands gibt es gleiche Ansätze dazu. Die Freifunkbewegung boomt, weil auch der Bedarf der Nutzer steigt. Damit setzt sie der Freifunkbewegung deutlich Grenzen. Deren Angebot wird als rechtlich fragwürdig hingestellt. Die Stadt untergräbt damit den kostenlosen Zugang zum Netz und verschafft so einem österreichischen Anbieter einen Zugang, der damit Geld verdient. Nicht direkt für die Nutzung, sondern durch die dahinterliegende Vermarktung der Daten.

Das kann so nicht sein. Wer künftig freies WLAN in der Stadt behalten möchte, kann sich dazu einschalten – und Einfluss nehmen auf die Politik, die dies entscheiden muss.

Die Freifunker Gütersloh haben dazu einen Link zu einer rechtlichen Einschätzung online gestellt, der deutlich macht, dass es hier um ein Grundrecht geht.

Foto: ak 2014

Innenstadt entgrünt

Mehr und mehr verschwindet das Grün aus der Innenstadt. Ursachen sind z.B. die Verdichtung der Bebauung (Mitbürger tauschen ihr Häuschen im Grünen mit einer Innenstadteigentumswohnung, die Häuser werden so immer größer und fressen Grünfläche), die damit verbundene fortschreitende Versiegelung und natürlich als Auslöser  steigende Vermarktungsmöglichkeiten von privatem Stadtgrün und dazu das aktuell sehr günstige Zinsniveau für Baukredite.

Das Bild zeigt den Parkplatz gegenüber dem Amtsgericht, hier sind über Nach 9 Bäume gefällt worden und sie weichen einem Parkplatz.

Die Bäume auf dem Parkplatz gegenüber dem Amtsgericht/Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße wurden ziemlich flink abgeholzt. Bevor es einer so richtig merkt, sind sie weg und weichen jetzt Parkplätzen in der Größe angepasst an die Straßenkreuzer der neuen Zeit, die sogenannten SUV.

Die Innenstädte der Zukunft aber leben von der Aufenthaltsqualität für die Menschen – und nicht für die Autos. Dazu braucht es Grünflächen in der Stadt und Orte, an denen man sich auch mal hinsetzen kann. Sein darf.

Warum wohl zieht es die Gütersloher in die City, wenn dort für Wochen der grüne Rasen auf dem Karstadtvorplatz ausgerollt wird?

Gütersloh braucht Orte und Plätze der Begegnung. Welche das sein sollen und wo – das müsste man die Bürger in Gütersloh einfach mehr fragen und mit ihnen gemeinsam gestalten.